Die InfoPros ohne klares Profil
und ohne gemeinsame Basis?

Erfolgsweg „vom Analysten zum Berater“
in der Praxis nur bedingt nachvollzogen

Zu den Ergebnissen zweier Umfragen unter Information Professionals – zuletzt in Open Password #262 (5. Oktober) und #240 (16. August 2017) – ein Vergleich

Von Anna Knoll

Die Untersuchung von 23 Informationsvermittlungsstellen aus verschiedenen Wirtschafszweigen von Nadine Adler zeigt, dass meine Ergebnisse von 2015 (‚Kompetenzen von Information Professionals in Unternehmen‘ von Anna Knoll, ISBN 978-3-945610-34-3) nach wie vor aktuell sind. Die Information Professionals in Deutschland, Österreich und Schweiz kämpfen weiterhin mit sinkenden Budgets, steigenden Erwartungen und höherem Kostendruck. Dass der berufliche Hintergrund und die „speziellen Kompetenzen“ nicht bekannt sind, ist katastrophal. Deshalb ist die Kompetenz des „Eigenmarketing“ wichtiger denn je. Wenn der Inhouse-Informationsspezialist von seinen Kunden nicht ge(wert)schätzt wird – wen wundert dann noch der Abbau von Informationsvermittlungsstellen, Knowledge Centern und Research-Abteilungen?

 

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Die Antworten auf die erste Frage von Nadine Adler, welche Dienstleistungen überhaupt von den IVS angeboten werden, waren so vielfältig, dass man sich beim Lesen fragt: Was macht ein Information Professional eigentlich wirklich? Natürlich hängt dies auch mit dem Unternehmen, der Tradition eines Informationszentrums oder schlichtweg den persönlichen Kompetenzen der Mitarbeiter zusammen. Trotzdem fehlt das ‚klare Profil‘, eine gemeinsame Basis, die alle InfoPros miteinander verbindet. Nur 22% aller Antworten nennen ‚Recherchen und Analysen‘ als Dienstleistung, hier hätte ich mindestens 80% erwartet. Dieses heterogene Berufsbild des InfoPros wird bei jeder Befragung von Informationsspezialisten deutlich. Es kommen immer weitere Aufgaben hinzu (z.B. ‚‚Verlagstätigkeiten“, „Intranetpflege“ oder „Text-Mining“) und ‚verwischen‘ das Tätigkeitsprofil eines InfoPros.

 

Die zweite Frage, die Frage nach dem Erfolg, war sicherlich schwer zu beantworten. Die wenigsten Informationsabteilung führen regelmäßig Erfolgsmessungen durch (falls Sie hier Zahlen haben, gerne an Open Password oder an die Autorin melden), denn aussagefähige Kennzahlen zu erfassen bei größtenteils qualitativer statt quantitativer Arbeit fällt sehr schwer. So fallen auch die Antworten der Umfrageteilnehmer höchst unterschiedlich aus. Auffallend ist, dass meist fachliche Kompetenzen und Ergebnisse genannt werden („Pressespiegel“, „Informationszusammenstellung“, „Datenhygiene“, „wenig Systembrüche“), aber wenig persönliche und soziale Kompetenzen wie „Bekanntheitsgrad“, „Freundlichkeit“ und „Expertenwissen der Mitarbeiter“. Woran liegt das? Einerseits verführt die Frage bereits nach genauen Bezeichnungen von Dienstleistungen und Angeboten, andererseits ist den InfoPros meiner Meinung nach immer noch zu wenig bewusst, dass sich die Aufgaben eines Informationsspezialisten weg vom Fachlichen hin zum Persönlichen verschieben. Der oft gehörte Satz „Vom Analysten zum Berater“ (auch Thema der diesjährigen Steilvorlagen-Veranstaltung) hat einen wahren Kern: Statt immer speziellere Recherchekenntnisse und immer ausgefeiltere Analysen zu bieten, wird der InfoPro zukünftig eher ‚Hilfe zur Selbsthilfe‘ bieten und ‚Endanweder‘ von Datenbanken zu eigenen Recherchen befähigen. Schulung, Beratung und Unterstützung werden wichtiger, die Suche an sich führt der Nutzer schon jetzt immer häufiger selbst durch.

 

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Eine weitere interessante Frage von Nadine Adler ermittelt die getroffenen Maßnahmen für das interne Marketing. Die allermeisten Antworten der Umfrageteilnehmer stützen sich auf schriftliche Dokumentation („Internet/Intranet“, „Newsletter“) und Schulungen/Einführungsveranstaltung für neue Mitarbeiter, also die Ansprache face-to-face. Dies sind selbstverständlich bewährte Wege und führen auch oft zum Ziel (dass nämlich die Nutzer erreicht werden), allerdings vermisse ich ein wenig innovative Ideen aus dem 21. Jahrhundert. Nur drei Einzelaussagen nannten „App“, „Social Media“ (hier wäre Näheres interessant) und „eigene Community im Intranet“ (hier ist wahrscheinlich eine Sharepoint-/IBMConnections-Gruppe gemeint). Neue Formate wie Video oder gar Kommunikation über Messenger wie WhatsApp fehlten gänzlich. Die InfoPros in Unternehmen sollten mutiger werden in der Ansprache ihrer Nutzer – trotz vielleicht beschränkter Möglichkeiten durch Unternehmensregelungen. In den meisten Fällen ist in einem Wirtschaftsunternehmen weitaus mehr möglich als in wissenschaftlichen Bibliotheken, z.B. haben viele Mitarbeiter dort Diensthandys.

 

Bei der Frage nach den künftigen Herausforderungen für IVS decken sich die Ergebnisse von Nadine Adler mit meinen eigenen Ergebnissen vom Jahr 2015. Vor allem der Mehrwert, den die InfoPros bringen sollten, wurde häufig genannt (auch in den Einzelaussagen in veränderter Form). Interessant war, dass IT-Kompetenzen selten erwähnt wurden – dies scheint also weiterhin keine Kompetenz zu sein, die von den InfoPros künftig erwartet wird. Nur eine Einzelaussage erwähnte, dass es notwendig sei, sich auch ausgiebig mit den Themen des Unternehmens zu befassen (in meiner Ausarbeitung ‚Branchenkenntnisse‘ genannt).

 

Insgesamt waren die Ergebnisse dieser Umfrage zwar wenig überraschend, lassen allerdings tief blicken. Es hat sich in den letzten Jahren nichts bewegt, die Themen und Herausforderungen sind die gleichen geblieben. Den Infoabteilungen in der Wirtschaft geht es (größtenteils) schlecht und die Mitarbeiter wissen das. Jetzt stellt sich nur die abschließende Frage: Was tun wir dagegen?