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Kritik der Informationswissenschaft

Informationswissenschaft

State of the Art (2)

Kritik der Informationswissenschaft

 

Anmerkungen eines interessierten und besorgten Bürgers mit Common Sense

Von Willi Bredemeier

 

Im ersten Teil dieses Beitrages wurden die Grundlagen der Kritik an der Informationswissenschaft dargestellt. Es wurde erläutert, warum eine Kritik der Informationswissenschaft aus exogenen Gründen geboten sowie eine exogene Kritik an der Informationswissenschaft möglich und nötig ist (Password 9 /2010).

 

III. Zur Auswahl des Readers

 

Um die Veröffentlichungsproduktion der Informationswissenschaft konkret kritisieren zu können, wurde ein Reader ausgewählt: Rainer Kuhlen (Hrsg.), Information: Droge, Ware oder Commons? – Wertschöpfungs- und Transformationsprozesse auf den Informationsmärkten – Proceedings des 11. Internationalen Symposions für Informationswissenschaft (ISI 2009), Konstanz, 1. – 3. April 2009, Band 50 der Schriften zur Informationswissenschaft, Boizenburg 2009.

 

Es handelt sich um einen ersten Schritt in meiner Kritik an der Informationswissenschaft. Daher war die Stichprobe aus der laufenden Produktion der Informationswissenschaft zu begrenzen. Immerhin sind mit dem ausgewählten Reader 56 Beiträge erfasst, darunter 32 Beiträge aus den Sitzungen („Sessions“), elf Doktorandenvorträge, zehn Posterpräsentationen und drei Studentenpräsentationen. Ferner ergeben sich am Mantel des Readers (Titel, Inhaltsverzeichnis, Auflistung des Programmkomitees, Vorwort) wichtige Kritikpunkte.

 

Das ist eine genügend große Menge, um der Auswahl eine ausreichende Repräsentativität für den aktuellen Output der deutschen Informationswissenschaft zuzusprechen. Dies gilt insbesondere dann, wenn es sich bei der Auswahl für den Reader um eine positive Selektion handeln sollte und diese Bewertung ausdrücklich vom Herausgeber vorgenommen worden ist.

 

Auch wird die Annahme einer ausreichenden Repräsentativität durch weitere Gesichtspunkte gestützt 1):

 

1) Ein Experte, dem ich diesen Beitrag vorab zum Gegenlesen gegeben hatte, wandte hier ein: Ich sei der Propaganda des Hochschulverbandes für Informationswissenschaft aufgesessen. Die Informationswissenschaftler, die auf sich hielten, veröffentlichten ihre besten Beiträge vielmehr in den führenden angelsächsischen Zeitschriften.

Das mag so sein. Eine Als-ob-Schau der Informationswissenschaft wäre allerdings härter zu kritisieren, als dies bei der hier vorgenommenen Kritik der Fall ist. Deutsche Wissenschaftler, die in einer angelsächsischen Zeitschrift veröffentlichen, mögen ihrer individuellen Reputation einen Gefallen tun. Sie leisten aber keinen Beitrag zum Aufbau eines informationswissenschaftlichen Forschungsverbundes für die Probleme dieses Landes.
 

  • Nach dem Selbstverständnis der Wissenschaft werden Erkenntniszuwächse in Zeitschriftenbeiträgen und auf Tagungen kommuniziert. Hingegen erfolgt die Tradierung wissenschaftlichen Wissens über Bücher. Demnach wären ein Zeitschriftenjahrgang oder eine Tagungsband, aber nicht ein oder mehrere Bücher, eine geeignete Stichprobe.
  • Die Vorträge wurden auf der Tagung des Hochschulverbandes für Informationswissenschaft (HI) gehalten. Eine bessere Leistungsschau der deutschsprachigen Informationswissenschaft gibt es nach eigenem Anspruch nicht.
  • Der ausgewählte Tagungsbandreader ist der zurzeit aktuellste.
  • Nach einem allerdings nur diagonalen Vergleich macht dieser Tagungsbandreader einen besseren inhaltlichen Eindruck als der vorangegangene Reader.
  • Der Herausgeber des Tagungsbandes bewertet die Qualität seines Readers im Vorwort positiv: „ISI 2009 gibt einen profunden Einblick in die aktuelle Arbeit der Informationswissenschaft“.  
  • Nach den Worten des Herausgebers steht das Programmkomitee, das sind nahezu alle Professoren der akademischen Informationswissenschaft, für die Qualität dieses Readers oder Teile dieses Readers ein, einmal vorausgesetzt, dass die Peer Review für die Leistungsschau der Informationswirtschaft nicht von den Mitgliedern des Programmkomitees an die Inhaber untergeordneter sozialer Positionen delegiert wurde:

 

„Eine Konferenz wie ISI ruht auf vielen Schultern. Fachlich hatte hier wie immer das Programmkomitee mit seinen Begutachtungen den Großteil der Arbeit zu leisten. Jeder eingereichte Beitrag wurde i.d.R. von mindestens drei Gutachtern bewertet.“ Somit fragt sich, ob derart geradezu zertifizierte Beiträge aus einer vierten Sicht kritisieren werden dürfen.

 

 

IV. Zur Kritik des Mantels, insbesondere des Programmkomitees

 

Bevor wir uns den einzelnen Beiträgen zuwenden, sehen wir uns den Mantel des Tagungsbandreaders näher an. Unter Mantel werden Titel, Inhaltsverzeichnis, Auflistung des Programmkomitees und Vorwort verstanden. Es ergeben sich teils gravierende Kritiken.

 

 

IV.1 Titel und Inhaltsverzeichnis stimmen nicht miteinander überein.

 

Mit dem Titel „Information: Droge, Ware oder Commons? – Wertschöpfungs- und Transformationsprozesse auf den Informationsmärkten“ folgt der Herausgeber seinem eigenen Bezugsrahmen und seinen Forschungsinteressen. Allerdings ist ihm kaum einer der 56 Beiträge darin und zwar weder inhaltlich noch sprachlich gefolgt.

 

Hier ließe sich einwenden, dass in einzelnen Beiträgen sehr wohl privatwirtschaftliche oder öffentliche Informationslösungen oder Wertschöpfungs- oder Transformationsprozesse dargestellt werden. In der Tat lässt sich der Titel so weit verstehen, dass sich darunter alles und jedes fassen lässt. Das ist so, als ob man wissenschaftliche Disziplinen „Informationswissenschaft“ oder „Systemtheorie“ nennen würde und anschließend verschwiege, dass sich unter diesen Begriffen alle wissenschaftlichen Beiträge, die jemals erschienen sind, einordnen lassen.

 

Entscheidend sollte sein, dass mit dem Titel ein Spannungsfeld zwischen diversen Begriffen konstituiert worden ist und dieses Spannungsfeld in keinem der 56 Beiträge vollständig oder angemessen aufgegriffen wird. Ausnahmen stellen allenfalls der Beitrag Bambeys dar, in dem das Spannungsfeld zwischen „Commons“ und „Ware“ thematisiert wird, und der Abstract von Podolecheva, in dem zumindest alle drei zentralen Begriffe („Droge“, „Commons“, „Ware“) genannt werden. Im Beitrag Ludewigs wird einseitig die Interessentenposition zugunsten von „Commons“ und zu Lasten von „Ware“ eingenommen.

 

Ferner ließe sich einwenden, dass es eine fast allgemeine akademische Praxis ist, den eigenen Tagungen einen Titel zu geben, der mit den Inhalten tatsächlicher Beiträge kaum oder nur sehr allgemein etwas zu tun hat. Das ist richtig. In der Wissenschaft sollte man aber nicht die Ansicht vertreten, dass etwas richtig oder hinzunehmen sei, nur weil alle es tun. Oder sollte neuerdings darüber, was wahr und was falsch ist, innerhalb der Scientific Community abgestimmt werden? Diese Überlegungen gelten analog für die weiteren Kritiken.

 

Die Diskrepanz zwischen Titel und Beiträgen sollte jedem unmittelbar auffallen, der eine Ausbildung mit Anleitungen zum systematischen Denken erfahren hat. Somit stellt sich die Frage, wozu die real existierende Wissenschaft imstande wäre, wenn ein Defizit weniger auffällig ist. Oder werden die Beiträge eines Tagungsbandreaders erst gar nicht gelesen?

 

 

IV.2 Das Inhaltsverzeichnis ist teilweise nach ständestaatlichen Kategorien gegliedert. – Die Zuweisung minderer wissenschaftlicher Beiträge an Hochschulmitglieder in untergeordneter Position

 

14 von 56 Beiträgen sind nicht nach Inhalten geordnet, sondern geben unter den Rubriken „Doktoranden-Vorträge“ (elf Beiträge) und „Studentenpräsentationen“ (drei Beiträge) die soziale Position der Verfasser in akademischen Einrichtungen wieder. Das bedeutet, dass ein knappes Drittel des Buches ausdrücklich nach ständestaatlichen Kategorien geordnet worden ist. (Bei den „Posterpositionen“ wurde mutmaßlich eine ähnliche soziale Positionierung vorgenommen.)

 

Diese ständestaatliche Verortung hat auch inhaltliche Konsequenzen, da die Doktoranden fast ausnahmslos nur Arbeitsprogramme vorstellten oder vorstellen durften und die Studierenden lediglich Abstracts schrieben oder schreiben durften.

 

Nicht, dass es für Tagung und Reader keine schlechtere Lösung hätte geben können. Diese hätte darin bestanden, dass man Doktoranden und Studenten überhaupt keine Chance zu einem Auftritt in Konstanz mit anschließender Veröffentlichung gegeben hätte.

 

Hingegen hätte eine bessere Lösung gelautet, Studenten wie Doktoranden die gleiche Chance wie allen anderen zu einem Auftritt ohne ständestaatliche Abstufungen nach sozialen Verortungen und Inhalten zu geben. Das wäre nach dem von den Chancen her gesehen egalitärem Selbstbild der Wissenschaft geboten. Nach diesem Selbstbild kommt es für die Auswahl eines Beitrages nur auf die Kraft eines Argumentes oder auf den Erkenntnisgewinn, nicht auf die soziale Position eines Autoren in einer akademischen Einrichtung an. Autorität kann in Erkenntniszusammenhängen immer nur punktuell sein und sollte nicht an der sozialen Position seines Trägers festgemacht werden.

 

Demnach sind die Struktur der Veranstaltung und die Zuweisung minderer wissenschaftlicher Beiträge an Hochschulmitglieder in geringeren sozialen Positionen für den Tagungszweck kontraproduktiv und nach dem Selbstbild der Wissenschaft und den Anforderungen der Wissenschaftstheorie nicht zu rechtfertigen. Oder ging es in Konstanz nicht um die Gewinnung und Verbreitung neuer Erkenntnisse, vielmehr um die Bestätigung der internen sozialen Schichtung einer Disziplin?

 

Ich habe den sicheren Eindruck, dass das Programmkomitee die Struktur des Tagungsbandreaders und die ständestaatliche Verortung der Universitätsmitglieder mit geringem Standing und einer „Verurteilung“ zu wissenschaftlich minderen Beiträgen nicht kritisch gesehen hat. Seinen Mitgliedern kam womöglich nicht die Idee, dass eine solche Kritik möglich sei. Ich habe einen ähnlich sicheren Eindruck bei anderen Kritikpunkten. Umso dringender bedarf das Programmkomitee einer externen Kritik.

 

 

IV.3  Kritik am Programmkomitee

 

IV.3.1 Die Abschottung des Programmkomitees nach Trägern und interner Stratifizierung und eine kontraproduktive Obsession um Titel

 

Das Programmkomitee besteht nach der vorliegenden Auflistung aus 41 Mitgliedern. Von diesen 41 Mitgliedern tragen 37 den Titel „Prof. Dr.“, einer den Titel „Dr. habil.“ und einer den Titel „Dr.“. Die akademischen Titel scheinen bei allen Trägern angeführt zu sein. Die Unterscheidung zwischen „Dr. habil.“ und „Dr.“ zeigt an, wie wichtig diese Benennungen und die interne Stratifizierung nach Titeln auch bei kleineren Details genommen wurden.

 

Die Titelträger nahmen zwei Mitglieder ohne Titel in ihr Gremium auf, einen davon wahrscheinlich aus verbandspolitischer Opportunität. Das sind Frederik Borkenhagen von der Deutschen Vereinigung für Sportwissenschaft und Andreas Brellochs vom Verband Bibliothek Information Schweiz.

 

36 Mitglieder des Programmkomitees gehören hauptamtlich Hochschulen, fünf Mitglieder weiteren Einrichtungen an. Darunter befinden sich zusätzlich zur Sportwissenschaftlichen Vereinigung und dem Schweizerischen Verband die Max Planck Digital Library Berlin, ZIB Berlin und GESIS-IZ Bonn. Ich verzichte auf eine Auszählung nach Universitäten und Fachhochschulen.

 

Besser als eine Auflistung von Titeln wäre die Angabe wissenschaftlicher Thesen gewesen, die die Mitglieder des Programmkomitees vertreten. Auf diese Weise wäre von vornherein ein Bezug zwischen Wissenschaftlern und ihren informationswissenschaftlichen Thesen sichergestellt und ein Interesse an einer inhaltlichen Thematik deutlich geworden.

 

Die Obsession um Titel und Titeldifferenzierungen geben aus einer wissenschaftssoziologischen Sicht einem Unterwerfungsanspruch innerhalb akademischer Einrichtungen und einen Anspruch auf einen Kompetenzvorsprung gegenüber der Außenwelt Ausdruck. Diese Ansprüche sind sachlich unbegründet, da die Informationswissenschaft über keine gesicherte Theorie verfügt und in dieser Disziplin allenfalls punktuelle und vorübergehende Erkenntnisse möglich sind. Die Gewinnung von Erkenntnissen kann nicht anders als unabhängig von sozialen Zuweisungen erfolgen. Dabei können externe und nicht-professorale Beiträge eine ebenso große oder größere Bedeutung als die professoralen Beiträge haben.

 

 

IV.3.2 Eine maßlose Aufblähung des Programmkomitees

 

An dem Programmkomitee fällt seine ungeheuerliche Größe auf. Wer einmal selbst Veranstaltungen organisiert hat, weiß, dass es auf kleine schlagkräftige Teams ankommt, wenn man ein Mindestmaß an Effizienz und eine Erfüllung des Tagungsziels sicherstellen will. Von einer Mindestgröße an wird jedes zusätzliche Mitglied zu einer „Karteileiche“. Oder der Koordinationsaufwand erhöht sich mit jedem neuen Mitglied überproportional.

 

41 Mitglieder im Programmkomitee, dass kann unmöglich der Qualität der Tagung oder gar der Gewinnung neuer Erkenntnisse zugute gekommen sein.

 

Dient die maßlose Aufblähung des Gremiums anderen Zwecken, etwa organisationspolitischen Zielen oder der Bekräftigung eines de facto bestehenden Nichtangriffspaktes unter den Professoren der Informationswissenschaft? Haben Inhalte eine lediglich untergeordnete Rolle auf der Tagung gespielt?

 

 

IV.3.3 Eine extreme Abschottung von externen Anregungen, Erfahrungen und Erkenntnissen

 

An dem Programmkomitee fällt zusätzlich die extreme Konzentration auf den Hochschulbereich auf. Diesem gehören 88 % aller Mitglieder an. Angesichts dieser Verteilung mögen die weiteren Mitglieder im Programmkomitee allenfalls eine Feigenblattfunktion wahrnehmen.

 

Zwar spricht der Herausgeber im Titel seines Readers von „Informationsmärkten“. Aber 100 % der Mitglieder des Programmkomitees gehören dem öffentlichen oder semi-öffentlichen Bereich an. Das erweckt den Eindruck, als ob die Vertreter der Privatwirtschaft für die hauptberuflichen Informationswissenschaftler einen Hautgout hätten. Das wäre für die Gewinnung von Erkenntnissen eine belanglose Kategorie.

 

Offensichtlich meinen die Professoren der Informationswissenschaft, bei der Gewinnung neuer Erkenntnisse nicht auf Anregungen, Erfahrungen und Erkenntnisse des wissenschaftsexternen Umfeldes und schon gar nicht auf die der Privatwirtschaft angewiesen zu sein.

 

An anderer Stelle wurde ausführlich erörtert, dass eine Bunkermentalität wie diese dem Fortschritt der Informationswissenschaft entgegenwirken muss. Angesichts des Fehlens einer bewährten Theorie und einer Gewinnung grundsätzlich punktueller und vorübergehender Erkenntnisse befindet sich die Praxis im wissenschaftlichen Diskurs prinzipiell auf Augenhöhe mit der akademischen Informationswissenschaft.

 

Diese hat, wie ihr kontinuierliches Hinterherhecheln hinter aktuelle Entwicklungen und einige Beiträge in dem zu besprechenden Tagungsbandreader zeigen, bereits Schwierigkeiten damit, überhaupt zu relevanten Ergebnissen zu kommen. Eine Interaktion mit der Praxis in möglichst vielen Zusammenhängen hülfe dem ab.

 

 

IV.3.4 Die ausschließliche Heranziehung von Professoren dient der Bekräftigung universitätsinterner Hierarchien und behindert die Erkenntnisgewinnung.

 

An dem Programmkomitee fällt ferner das nahezu ausschließliche Setzen auf Professoren auf.

88 % aller Mitglieder des Programmkomitees sind Professoren. 97 % aller Mitglieder, die Hochschulen vertreten, sind Professoren.

 

Damit wird den bestehenden Kreativitätspotenzialen und wissenschaftlichen Leistungen in den Hochschulen unmöglich gleichgewichtig Rechnung getragen. Vielmehr wurde bei der Bestellung von Mitgliedern des Programmkomitees überhaupt nicht nach Kreativitätspotenzialen und wissenschaftlichen Leistungen, vielmehr nach der formalen Positionierung innerhalb der Universitätshierarchie gefragt. Somit kann das bestehende Programmkomitee weniger der Gewinnung neuer Erkenntnisse als der Bestätigung universitätsinterner Hierarchien dienen.

 

Diese Hierarchien sind nach dem Vorbild staatlicher Bürokratien geordnet und mögen für administrative Zwecke geeignet sein. Sie sind aber für die Gewinnung neuer Erkenntnisse kontraproduktiv. Besser wäre es, von der Existenz allenfalls punktueller Autorität in wissenschaftlichen Diskurszusammenhängen auszugehen und dafür geeignete Organisationsstrukturen aufzubauen.

 

 

IV.3.5 Die Integration fast aller Professoren der Informationswissenschaft in Konsenszusammenhänge verhindert einen funktionsfähigen Reputationswettbewerb.

 

An dem Programmkomitee fällt schließlich auf, dass derart viele Professoren der Informationswirtschaft aufgenommen wurden, dass man sich schon fragen muss, wer nicht dazugehört.

 

Wenn nahezu jeder Professor von vornherein in Konsenszusammenhänge einbezogen worden ist, kann nahezu kein Professor den anderen kritisieren. Mindestens wird ihm eine solche Kritik um einiges schwerer gemacht, als wenn er außerhalb institutioneller Konsenszwänge argumentieren gekonnt hätte.

 

So wird ein funktionsfähiger Reputationswettbewerb verhindert und der Informationswissenschaft das Wichtigste vorenthalten, was sie benötigt, die Kritik an sich selbst. Objektiv wird das eigene Leitbild, die Scientific Community als eine Kritikgemeinschaft, verhöhnt.

 

 

IV.4 Das Vorwort kann die erhobenen Vorwürfe nicht ausräumen.

 

Damit drängt sich der Eindruck auf, es gehe bei den Tagungen des Hochschulverbandes für Informationswissenschaft weniger um Erkenntnisgewinnung als um eine „repräsentative Öffentlichkeit“. In dieser kommt es weniger darauf an, was gesagt wird, als darauf, wer etwas sagt und sich öffentlich zeigt. Dieser Eindruck kann durch das Vorwort des Tagungsbandes nicht entkräftet werden.  

 

So wird im längsten Absatz des Vorwortes darüber geplaudert, welcher Hochschullehrer gekommen oder gegangen ist. Zum Beispiel:

 

„An den Universitäten ist seit 1990 Hildesheim (Prof. Christa Wormser-Hacker und Prof. Joachim Griesbaum) und Regensburg (Prof. Hammwöhner und Prof. Christian Wolff) dazu gekommen. Auch das alte Bibliotheksinstitut an der HU Berlin hat jetzt die Informationswissenschaft im Namen aufgenommen. Prof. Michael Seadle, Prof. Stefan Gradmann und Peter Schirmbacher verstehen sich zweifellos auch als Informationswissenschaftler. Düsseldorf hat durch die Wiederbesetzung ….“

 

Undsoweiter, undsoweiter.

 

Hier werden Professoren fälschlicherweise mit der Informationswissenschaft gleichgesetzt. Oder es wird gesellschaftlicher Small Talk unter Professoren mit einem Betreiben der Geschäfte der Informationswissenschaft verwechselt. Der Gewinnung neuer Erkenntnisse dient beides nicht. Damit komme ich zu den einzelnen Beiträgen des Tagungsbandreaders.

 

 Fortsetzung folgt

 

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