Welcher Interessensverbund vertritt die Information Professionals?

Information Professionals

 

Die InfoPros im Wettbewerb
mit qualifizierten Endnutzern

und fernöstlichen Anbietern

 

Verbände als Instrument
gegen den fortschreitenden Bedeutungsverlust

 

Von Stefan Zillich, www.stz-info.de

 

In einem Beitrag des Open Password Pushdienst vom 22. Februar wurde die Frage gestellt, warum der Beruf des Rechercheurs im eigenen Unternehmen an Ansehen verliert. – Die lapidare Antwort: Weil sich jeder, der etwas recherchieren will, die Inhalte selbst über das Internet besorgt. Die Antwort ist in der Tat „lapidar“, und sie blendet wichtige Aspekte aus. 

 

Vier Beobachtungen

 

Dazu vier nüchtern beobachtete Punkte aus dem Markt für Information mit Blick auf kostenpflichtige Informationsquellen:

 

  1. In den letzten zwanzig Jahren wurde die Anwendung der Informationsquellen technisch und inhaltlich perfektioniert, d. h. auch nutzerfreundlich gestaltet.

 

  1. Die Anbieter der Premiumquellen ringen um Kunden in einem umkämpften Markt. Die Angebote werden nicht nur an die Information Professionals in den entsprechenden Abteilungen adressiert, sondern auch an die Endnutzer der Information, das sind die Fachleute, Analysten und Berater, sprich: die Kunden der Infoprofis.

 

  1. Die Kompetenz und Bereitschaft der Endnutzer ist gestiegen, gut aufbereitete Informationsangebote aus Premiumquellen selbst zu nutzen. „Mal schnell ins Internet zu gehen“ (wie im Beitrag als Antwort gegeben) wird von den Endnutzern als eher wenig effizient bewertet. Das ist allerdings auch davon abhängig, in welcher Branche sich der Endnutzer befindet.

 

  1. Die Unternehmen nutzen nach wie vor spezialisierte Information Services. Allerdings erscheinen Anbieter aus Fernost und seit geraumer Zeit auch aus Osteuropa attraktiver als lokale Angebote, weil sie preisgünstiger sind.

 

Kostengünstige Konkurrenz

 

Im Beitrag des Open Password Pushdienst wird diese Konkurrenz der Information Professionals mit den qualifizierten Endnutzern und den fernöstlichen/osteuropäischen Anbietern übersehen. - Zweifelsohne kennen die Anbieter für Premiumquellen ihre eigenen Absatzmärkte am besten. Deren Absatz von Premiumquellen findet sowohl bei den Anwendern in den klassischen Informationsvermittlungsstellen als auch direkt bei den Endnutzern in den fachlichen Abteilungen der Unternehmen statt. Und natürlich werden auch die internationalen Rechercheservices aus Indien beliefert. Diese bieten ihre Dienstleistungen gezielt auf dem europäischen Markt an.

 

Vor dem Hintergrund dieser Entwicklungen stellt sich die Frage, ob die an Information Professionals adressierten gut gemeinten Tipps gegen deren fortschreitenden Bedeutungsverlust im erwähnten Beitrag überhaupt greifen können. Denn die Entscheidungen zur Fortführung der Services werden im seltensten Fall in den Informationsvermittlungsstellen selbst gefällt. Vielmehr werden diese Entscheidungen von Managern, Budgetverantwortlichen und Controllern getrieben. Wohlgemerkt: Die Unternehmen verzichten nicht auf die speziellen Informationsservices. Man lagert sie zunehmend an kostengünstigere Anbieter aus.

 

Verbände und Interessengruppen

 

Wie also erreicht man die Entscheider in den Unternehmen mit den richtigen Argumenten pro „lokal aufgestellte Informationsdienstleister“? Die auf sich gestellten Information Professionals in den Unternehmen schaffen das offenbar kaum, zumal sie womöglich in den ihnen vorgegebenen Strukturen kaum gehört werden.

 

Der Blick über den Tellerrand gibt eine mögliche Antwort: Verbände und Interessengruppen. – Diese unterstützen und beeinflussen im Interesse ihrer Teilnehmer den unternehmerischen und politischen Willensbildungsprozess und das daraus resultierende Handeln. Sie treten gezielt an die Öffentlichkeit, adressieren ihre Aussagen an relevante Ansprechpartner und beeinflussen den Meinungsbildungsprozess positiv im Sinne ihrer Teilnehmer.

 

Die Organisationen, in denen sich Information Professionals in Deutschland organisieren könnten, sind bekannt: BIB, DGI, GfWM, VDB, dbv, …  Welcher Interessenverbund in Deutschland vertritt die beruflichen Interessen der Information Professionals angesichts der geschilderten Entwicklungen? – Die Frage zielt nicht etwa auf Weiterbildungsangebote für Information Professionals oder auf wohlmeinende Tipps zur „kontinuierlichen Demonstration wirtschaftlicher Denkweisen, die das Unternehmensmanagement davon überzeugt, dass Informationsdienstleistungen optimal dazu beitragen, die Unternehmensziele bestmöglich zu erreichen“.

 

Vielmehr geht um mehr, nämlich um eine öffentlich sichtbare Darstellung der beruflichen Qualitäten und Interessen von Information Professionals. Damit verbunden: Interessenbündelung, Interessenvertretung, Aufklärung, Marketing, gezielte Ansprache. Welcher Verband informiert eine relevante Öffentlichkeit und die Entscheider in den Unternehmen über die besondere Qualität lokaler und unternehmensinterner Information Professionals?

Autor

stefan-zillich-requestDiplom-Informationswirt Stefan Zillich ist seit 1998 im Informationsgeschäft tätig und heute selbständiger Information Professional und Berater für Unternehmen und Organisationen; Workshops und Vorlesungen zu den Themen Information Handling, Recherche und Informationskompetenz

Webseite: http://www.stz-info.de/

 


Information Professionals: Strategien gegen den fortschreitenden Bedeutungsverlust

Wie sieht die Zukunft des „Information Professionals“ aus? Findet sich der Mitarbeiter einer Research-Abteilung bald neben Märbelpickern (Kalksteinklopfer), Ameislern (Ameisenpuppensammler) und Rohrpostbeamtinnen (überwacht Rohrpostverkehr) in der kuriosen Liste vergessener Berufe, die Spiegel Online1 im Jahr 2014 auf herrliche Weise bebilderte? Muss der einst von den Unternehmen so nachgefragte, weil für strategische Entscheidungen wichtige Beruf, schon bald noch härter ums Überleben kämpfen?

Von Michael Krake, Geschäftsführer LexisNexis GmbH (Düsseldorf)

Wer beherrscht die Datenflut?

Sie denken, dass gerade im zunehmend digitalisierten Informationszeitalter und der entsprechenden Wertschöpfungskette mit Global Media und Big Data der Beruf des Researchers so richtig boomen müsste? Das wäre schön. Schließlich ist die Qualität von Recherchen angesichts der immer größer werdenden Massen verfügbarer Daten(quellen) von wesentlicher Bedeutung für strategische Entscheidungen in Unternehmen. Wer, wenn nicht der Researcher, könnte besser die wirklich relevanten von den weniger wichtigen Quellen unterscheiden, auswählen und damit die Datenflut in die richtigen Bahnen lenken?

Doch leider gilt der Prophet im eigenen Lande wenig und so hat es auch der Rechercheur im eigenen Unternehmen zunehmend schwer. Die Wertschätzung gegenüber seiner Arbeit nimmt kontinuierlich ab, Stellen in Research-Abteilungen stehen weit oben, wenn es um Einsparmaßnahmen geht.

Wie passt das alles zusammen? Warum verliert dieser Beruf an Ansehen?

Die Antwort ist lapidar, aber folgeschwer: Weil heute jeder, der etwas recherchieren will, „schnell mal ins Internet geht“ und sich die – vermeintlich richtigen und wichtigen – Informationen selbst besorgt, anstatt gefühlt lange auf validierte Ergebnisse der Rechercheabteilung zu warten, sofern es eine solche im Unternehmen (noch) gibt oder diese intern überhaupt bekannt ist. Das mag in einigen Fällen zu schnellen und vielleicht sogar zufriedenstellenden Ergebnissen führen. Als Grundlage für wichtige Unternehmensentscheidungen ist diese Art der Recherche jedoch sicher nicht geeignet. Denn das frei zugängliche Internet beinhaltet nur einen Teil der gesamten verfügbaren Informationen und die Ergebnisse der Suchmaschinen werden nach kommerziellen Kriterien gelistet.

„Umfassend informiert zu sein ist aber eine wichtige Grundlage für strategische Entscheidungen“, betont Prof. Ragna Seidler-de Alwis vom Institut für Informationswissenschaft an der Fachhochschule Köln in unserer Studie2 über die Entwicklung des Information Managements. Voraussetzung dafür ist der Zugang zu einer großen Bandbreite an Quellen mit erheblicher Informationstiefe, die über frei verfügbare Suchmaschinen nicht gegeben ist.

Wirtschaftlich denken, offensiv kommunizieren, Zusatzqualifikationen erwerben.

Das leuchtet jedem ein. Dennoch wird die schleichende Veränderung in der Art der Recherche wie auch im Berufsbild des Information Professionals von vielen Unternehmen nicht richtig wahrgenommen. Ebenso wenig die Auswirkungen auf die Qualität der Recherchen und wiederum deren Auswirkungen auf die Qualität von Entscheidungen.

Um die abnehmende Bedeutung und das Ansehen wieder zu steigern, sollten Information Professionals gegen diesen Trend ankämpfen. Ihre besten Argumente gegen die Self-Research-Mentalität sind dabei neben dem Expertenwissen auch Aufklärungsarbeit, Zuverlässigkeit und Service. Weitere Maßnahmen gegen den Bedeutungsverlust können sein:

  • Die kontinuierliche Demonstration wirtschaftlicher Denkweisen, die das Unternehmensmanagement davon überzeugt, dass Informationsdienstleistungen optimal dazu beitragen, die Unternehmensziele bestmöglich zu erreichen.
  • Offensive Kommunikation: Information Professionals müssen der Geschäftsführung gegenüber „sichtbar sein“3.
  • Koordination bei allen informatorischen Prozessen: Auswahl, Empfehlung, Einführung und Begleitung von elektronischen Lösungen aufgrund von Expertenwissen und damit Abgrenzung gegenüber der reinen Verwendung von Technik.
  • Zusatzqualifikationen: Wenn nicht ohnehin vorhanden, Weiterbildung in Bereichen wie Betriebswirtschaftslehre, IT oder Sprachen4.

Literaturnachweise

1    http://www.spiegel.de/fotostrecke/ausgestorbene-berufe-einer-musste-den-job-ja-machen-fotostrecke-105576.html 

2    http://www.lexisnexis.de/informationsmanagement/interview-seidler-de-alwis

3    Vgl. Bredemeier „Die ultimativen Herausforderungen für InfoPros: Antworten, Lösungen, direktes Mitwirken am Unternehmenserfolg.“ In: Password, Ausgabe 12/15, S. 6.

4    Vgl. dazu auch die Ausführungen in der Masterarbeit von Anna Lamparter „Kompetenzprofil von Information Professionals in Unternehmen“.

Über den Autor

Michael Krake ist seit 1998 im Reed Elsevier Konzern tätig. Nach mehreren Positionen für LexisNexis im Ausland ist der ausgewiesene Informationsexperte seit 2010 Geschäftsführer der LexisNexis GmbH. Er studierte an der Universität Bonn Nordamerikanische Regionalwissenschaften sowie in Köln Informationswissenschaften. Er ist Mitglied im American + British Chamber of Commerce.