InfoPros - Was ist eigentlich seit 2015 passiert?

Die InfoPros ohne klares Profil
und ohne gemeinsame Basis?

Erfolgsweg „vom Analysten zum Berater“
in der Praxis nur bedingt nachvollzogen

Zu den Ergebnissen zweier Umfragen unter Information Professionals - zuletzt in Open Password #262 (5. Oktober) und #240 (16. August 2017) – ein Vergleich

Von Anna Knoll

Die Untersuchung von 23 Informationsvermittlungsstellen aus verschiedenen Wirtschafszweigen von Nadine Adler zeigt, dass meine Ergebnisse von 2015 (‚Kompetenzen von Information Professionals in Unternehmen‘ von Anna Knoll, ISBN 978-3-945610-34-3) nach wie vor aktuell sind. Die Information Professionals in Deutschland, Österreich und Schweiz kämpfen weiterhin mit sinkenden Budgets, steigenden Erwartungen und höherem Kostendruck. Dass der berufliche Hintergrund und die „speziellen Kompetenzen“ nicht bekannt sind, ist katastrophal. Deshalb ist die Kompetenz des „Eigenmarketing“ wichtiger denn je. Wenn der Inhouse-Informationsspezialist von seinen Kunden nicht ge(wert)schätzt wird – wen wundert dann noch der Abbau von Informationsvermittlungsstellen, Knowledge Centern und Research-Abteilungen?

 

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Die Antworten auf die erste Frage von Nadine Adler, welche Dienstleistungen überhaupt von den IVS angeboten werden, waren so vielfältig, dass man sich beim Lesen fragt: Was macht ein Information Professional eigentlich wirklich? Natürlich hängt dies auch mit dem Unternehmen, der Tradition eines Informationszentrums oder schlichtweg den persönlichen Kompetenzen der Mitarbeiter zusammen. Trotzdem fehlt das ‚klare Profil‘, eine gemeinsame Basis, die alle InfoPros miteinander verbindet. Nur 22% aller Antworten nennen ‚Recherchen und Analysen‘ als Dienstleistung, hier hätte ich mindestens 80% erwartet. Dieses heterogene Berufsbild des InfoPros wird bei jeder Befragung von Informationsspezialisten deutlich. Es kommen immer weitere Aufgaben hinzu (z.B. ‚‚Verlagstätigkeiten“, „Intranetpflege“ oder „Text-Mining“) und ‚verwischen‘ das Tätigkeitsprofil eines InfoPros.

 

Die zweite Frage, die Frage nach dem Erfolg, war sicherlich schwer zu beantworten. Die wenigsten Informationsabteilung führen regelmäßig Erfolgsmessungen durch (falls Sie hier Zahlen haben, gerne an Open Password oder an die Autorin melden), denn aussagefähige Kennzahlen zu erfassen bei größtenteils qualitativer statt quantitativer Arbeit fällt sehr schwer. So fallen auch die Antworten der Umfrageteilnehmer höchst unterschiedlich aus. Auffallend ist, dass meist fachliche Kompetenzen und Ergebnisse genannt werden („Pressespiegel“, „Informationszusammenstellung“, „Datenhygiene“, „wenig Systembrüche“), aber wenig persönliche und soziale Kompetenzen wie „Bekanntheitsgrad“, „Freundlichkeit“ und „Expertenwissen der Mitarbeiter“. Woran liegt das? Einerseits verführt die Frage bereits nach genauen Bezeichnungen von Dienstleistungen und Angeboten, andererseits ist den InfoPros meiner Meinung nach immer noch zu wenig bewusst, dass sich die Aufgaben eines Informationsspezialisten weg vom Fachlichen hin zum Persönlichen verschieben. Der oft gehörte Satz „Vom Analysten zum Berater“ (auch Thema der diesjährigen Steilvorlagen-Veranstaltung) hat einen wahren Kern: Statt immer speziellere Recherchekenntnisse und immer ausgefeiltere Analysen zu bieten, wird der InfoPro zukünftig eher ‚Hilfe zur Selbsthilfe‘ bieten und ‚Endanweder‘ von Datenbanken zu eigenen Recherchen befähigen. Schulung, Beratung und Unterstützung werden wichtiger, die Suche an sich führt der Nutzer schon jetzt immer häufiger selbst durch.

 

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Eine weitere interessante Frage von Nadine Adler ermittelt die getroffenen Maßnahmen für das interne Marketing. Die allermeisten Antworten der Umfrageteilnehmer stützen sich auf schriftliche Dokumentation („Internet/Intranet“, „Newsletter“) und Schulungen/Einführungsveranstaltung für neue Mitarbeiter, also die Ansprache face-to-face. Dies sind selbstverständlich bewährte Wege und führen auch oft zum Ziel (dass nämlich die Nutzer erreicht werden), allerdings vermisse ich ein wenig innovative Ideen aus dem 21. Jahrhundert. Nur drei Einzelaussagen nannten „App“, „Social Media“ (hier wäre Näheres interessant) und „eigene Community im Intranet“ (hier ist wahrscheinlich eine Sharepoint-/IBMConnections-Gruppe gemeint). Neue Formate wie Video oder gar Kommunikation über Messenger wie WhatsApp fehlten gänzlich. Die InfoPros in Unternehmen sollten mutiger werden in der Ansprache ihrer Nutzer – trotz vielleicht beschränkter Möglichkeiten durch Unternehmensregelungen. In den meisten Fällen ist in einem Wirtschaftsunternehmen weitaus mehr möglich als in wissenschaftlichen Bibliotheken, z.B. haben viele Mitarbeiter dort Diensthandys.

 

Bei der Frage nach den künftigen Herausforderungen für IVS decken sich die Ergebnisse von Nadine Adler mit meinen eigenen Ergebnissen vom Jahr 2015. Vor allem der Mehrwert, den die InfoPros bringen sollten, wurde häufig genannt (auch in den Einzelaussagen in veränderter Form). Interessant war, dass IT-Kompetenzen selten erwähnt wurden – dies scheint also weiterhin keine Kompetenz zu sein, die von den InfoPros künftig erwartet wird. Nur eine Einzelaussage erwähnte, dass es notwendig sei, sich auch ausgiebig mit den Themen des Unternehmens zu befassen (in meiner Ausarbeitung ‚Branchenkenntnisse‘ genannt).

 

Insgesamt waren die Ergebnisse dieser Umfrage zwar wenig überraschend, lassen allerdings tief blicken. Es hat sich in den letzten Jahren nichts bewegt, die Themen und Herausforderungen sind die gleichen geblieben. Den Infoabteilungen in der Wirtschaft geht es (größtenteils) schlecht und die Mitarbeiter wissen das. Jetzt stellt sich nur die abschließende Frage: Was tun wir dagegen?


„Transforming Information into Knowledge“ - 25 Jahre infobroking lutz

Ein Rückblick und Ausblick von Wolfgang Lutz

Was vor 25 Jahren in einer Studentenbude in Augsburg begann, hat sich heute als Nische im Bereich „Informationsdienstleistung“ etabliert.

Als Wolfgang Lutz während des Studiums der Betriebswirtschaft in Augsburg mit seinem Partner am 1. Januar 1993 den Gesellschaftsvertrag unterschrieb, war von World Wide Web für die Öffentlichkeit noch nicht viel zu sehen. In das Datennetz musste man sich damals via Datex-P mit einem Modem einwählen. Abfragen wurden mit einer speziellen Sprache ausgeführt und anschließend konnten die Rechercheergebnisse aus den Hostcomputern auf den eigenen übertragen werden. Eine spannende Sache, dachte sich Lutz, und so wurde kurzerhand noch während des Studiums das StartUp im Bereich „Online-Informationsdienstleistung“ gegründet.

 

Schnell gelang es dem StartUp, Interessenten für die innovative Recherchedienstleistung zu gewinnen. Mit Werbebriefen und direkter Ansprache von potentiellen Kunden konnten schon in den ersten Jahren die Siemens AG und auch große Unternehmensberatungsgesellschaften wie die Boston Consulting Group (BCG) gewonnen werden.

Die GbR blieb bis 1997 bestehen. Nach dem Ausstieg des Partners folgte die Weiterführung als Einzelfirma unter der Firmierung „infobroking lutz“ in Ulm.

Ziel des Unternehmens ist die bestmögliche Informationsversorgung der Kunden — »Transforming Information into Knowledge«. Kunden werden in die Lage versetzt, mehr Umsatz zu generieren und auf dem Markt optimal präsent zu sein.

 

Um diesem hochgesteckten Ziel zu entsprechen, setzt infobroking lutz auf zwei Standbeine:
ein umfassendes Angebot an B2B Adressen sowie das klassische Angebot des Informationsvermittlers.

 

Das erste Standbein beinhaltet die Vermarktung von weltweiten B2B-Adressen verschiedener Adresslieferanten. Für jeden Kunden wird eine individuell geschnürte Lösung gefunden. Durch seine 25-jährige Erfahrung im Bereich Adressdatenbanken und B2B-Marketing werden auch schon mal Neukunden überzeugt, die bisher das Social Media Marketing als ihren alleinigen Partner angesehen haben. Die Kunden schätzen den Wert der persönlichen Beratung. In Ergänzung dazu gibt es seit 2016 den neuen Adressenshop http://www.adressen.shop . Angeboten werden deutsche Top-Branchenadressen sowie weltweite Top-Ausstelleradressen.

 

Beim zweiten Standbein, dem klassischen Angebot des Infobrokers, setzt infobroking lutz verstärkt auf Fragestellungen aus dem Bereich „Unternehmensinformationen“. Anfragen bzw. Aufträge (Mailingadressen weltweit, individuelle Datenerfassung, Unternehmensauskünfte, Bonitätsauskünfte, Handelsregisterauskünfte, Marktstudien, weltweite Importzahlen/Exportzahlen, medizinische Fachrecherchen) lassen sich mit einfachen Formularen über die Webseite https://www.infobroking.de kommunizieren.

 

Die individuelle Datenerfassung, Datenanalyse sowie der Umgang mit der Datenflut wird im Zeitalter von BigData und Industrie 4.0 immer stärker gefragt. Die jahrelange Erfahrung im Umgang mit Daten kommt dabei dem Dienstleister zu Gute. Mittels geschulter Fachkräfte und geeigneter Kooperationspartner wird immer eine geeignete Lösung gefunden. Der Hype um „Big Data“ ist allerdings teilweise nicht mehr als ein Hype. Das, was dort als neu verkauft werden soll, setzt infobroking lutz seit 25 Jahren in der Realität um.

 

Zielgruppen für die umfassende Dienstleistung sind alle Unternehmen aus dem gesamten B2B-Bereich, Entscheider aus allen Führungsebenen, Werbeagenturen, Callcenter, Marketing Manager sowie der gesamte Einkauf.


Wie aus Information Professionals Hidden Information Champions werden

Schreiben um jeden Preis? - Meine 3 Themen-Tipps für Ihre Publikationen

Von Michael Klems

Information Professionals stecken in einem Dilemma. Wie andere Dienstleister sollten sie im eigenen Interesse möglichst viel publizieren. Siehe dazu unsere mehrfache Berichterstattung in der letzten Woche. Aber Beiträge bis zur Veröffentlichungsreife zu bringen, erfordert einen erheblichen Aufwand, zumal jeder Beitrag einen Mehrwert für die Kunden haben soll. Dazu kommt, dass sich das Schreiben und Publizieren nicht von selbst in den beruflichen Alltag integriert. Ein strenges Haushalten mit den eigenen Kräften ist unerlässlich.

 

Die technischen Anforderungen eines Blogbetriebs sind hingegen geringfügig, sobald man sich mit ihnen vertraut gemacht hat. Welche neuen technischen Entwicklungen auf uns zukommen und welche Chancen damit verbunden sind, werde ich in einem späteren Beitrag erörtern. Weitaus schwieriger als die Technik ist das Finden von Themen, die im Markt Gehör finden, so dass sie geeignet sind, die Reputation des Autors in seiner Zielgruppe zu fördern. Für den frustfreien Einstieg lege ich Ihnen drei Thementipps ans Herz. Während sich Willi Bredemeier am Freitag an der Themenfront „Über den Tellerrand schauen“ abgearbeitet hat, geht es mir heute vorranging darum, unsere Kunden direkt bei ihren Bedürfnissen zu packen.

 

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Sie verfügen über wichtige exklusive Informationen, an die Ihr Kunde nicht ohne weiteres herankommt. “Fish - where the fishes are.” Bewegen Sie sich thematisch dort, wo Ihre Kunden sind. Beleuchten Sie aktuelle Fachthemen Ihres Fachgebietes, die das jeweilige Sachgebiet Ihres Recherchefeldes beleuchten. Lassen sie Ihre Recherche-Performance spielen und werden so gesehen zum Fachjournalisten. Auf längere Sicht besteht die Chance, einen Expertenstatus zu erlangen.

 

 

Stellen Sie unter Beweis, dass Sie über Informationen verfügen, die Ihre Kunden- und Zielgruppe dringend benötigt, an die sie aber nicht so einfach herankommt. Aber denken Sie auch daran, dass das, was Sie bringen, attraktiv herüberkommt. Das kann auch eine inhaltliche Auflockerung bedeuten, beispielsweise die Anreicherung eines Newsletters um Skurrilitäten, solange nur die Mehrzahl der Informationen von strategischer Bedeutung sind. Diese Richtung schlägt Frau Dr. Bromann mit ihrem Japan-Consulting-Blog (http://blog.bromann-japanconsulting.de/) ein. Sie beleuchtet rein wirtschaftliche Themen zu Japan, geht aber auch auf Randthemen beispielsweise aus dem Sport ein.

 

In einem aktuellen Videobeitrag spreche ich Entscheider auf professionelle Datenbanken an.

 

Sie lassen Ihre Kunden an Ihre Erfahrungen in Form spannender Erfolgsgeschichten teilnehmen. Kunden und Leser lieben erfolgreiche Menschen. Mit ihnen möchte man sich umgeben und seinen Nutzen aus dem Umgang mit ihnen ziehen. Solche Erfolgsmenschen sind wir auf den ersten Blick nicht. Vielmehr erscheinen vielen die Dienstleistungen eines Information Professionals im Zeitalter von Suchmaschinen und offenen Webquellen überflüssig. Im allerbesten Fall sind wir also keine Champions, sondern Hidden Information Champions. Dazu müssen wir aber erst in glaubwürdiger Weise werden.

 

Geht das überhaupt und können wir das? Yes, we can. Beispielsweise, indem wir den Ablauf von Projekten als Erfolgsgeschichte erzählen und auf diese Weise unter Beweis stellen, warum Kunden auf spezialisierte Informationsbeschaffung angewiesen sind. Das sind spannende Geschichten insbesondere auch dann, wenn es im Verlauf des Projektes zu veränderten Fragestellungen kam oder die Strategie umgestellt werden musste. Diese Geschichten sind nicht an sich spannend. Aber sie können als spannende Geschichte erzählt werden (Storytelling). Damit haben wir in einer Nussschale die Rezeptur eines Erfolgsblogs, Kundenmagazins oder Newsletters vor uns.

 

Vermeiden Sie Werbliches, wo immer es geht. Die besten Kunden finden Sie von ganz allein.

 

So viel Werbung muss allerdings sein, dass Sie immer auffindbar sind. Ihre Kommunikationsdaten gehören also in jedem Fall zu jedem Ihrer Beiträge . Dies gilt insbesondere, wenn Sie bei Dritten publizieren.

 

Treten Sie nicht als Wissenschaftler auf und sehen Sie sich nicht als Konkurrenten der Wissenschaftler. Wenn Sie studiert haben, haben Sie die „Technik des wissenschaftlichen Arbeitens“ in einem Proseminar oder auf andere Weisen erlernt. Vergessen Sie das alles, wenn Sie mit Ihrem Kunden kommunizieren. Beherzigen Sie eher das, was Willi Bredemeier am Freitag über die Texte mit den vielen Fußnoten schrieb. Die öffentlich finanzierte Wissenschaft hat die Zeit und Ressourcen, auch kleinere Winkel von Themen auszuleuchten und sich auf verschlungene Argumentationspfade einzulassen. Dazu reden sie in erster Linie nicht zu den Kunden oder allgemeiner zur Praxis, sondern zunächst einmal zu anderen Wissenschaftlern.

 

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Dem Wissenschaftler geht es in erster Linie um neue Erkenntnis, während es für Sie um die Vermittlung eines praktischen Mehrwerts an Ihre Kunden geht. Formulieren Sie diesen so einfach und verständlich wie möglich und dies möglichst im ersten und einzigen Satz Ihres Beitrages. Und packen Sie den Mehrwert in Ihre Überschrift. Damit haben Sie auch das Thema Ihres Beitrages formuliert. Sehen Sie zu, dass Sie in jedem Satz Ihres Beitrages dabeibleiben. Und natürlich: Wählen Sie ein Thema, das die Vermittlung eines praktischen Mehrwerts und am Ende das Ernten eines Auftrags möglich macht.

 

Das heißt nicht, dass wir nicht unsere Wissenschaftler liebten. Wir treffen uns wieder in unserer überschaubar gewordenen Branche. Wir diskutieren mit ihnen, wir lernen von ihnen (sie vielleicht auch gelegentlich von uns) und hier und da kritisieren wir einander. Aber wenn wir ihr publizistisches Procedere nachäffen, tun wir weder ihnen noch uns noch unseren Kunden einen Gefallen.

 

Open Password freut sich auf Ihre Beiträge.


Wie und worüber wir publizieren sollten

Den Netzwerken nicht Strafzahlungen und willkürliche Löschungen,sondern Moderation abverlangen

Von Willi Bredemeier

Michael Klems hat in dieser Woche ein weiteres Mal unser Mantra wiederholt, dass die InfoPros im eigenen Interesse mehr publizieren sollten. Veröffentlichungen erhöhen Bekanntheit und Reputation, schaffen auf längere Sicht Kundschaft herbei und helfen, die eigene Marktnische gegen Invasoren von außen abzusichern.

Publizieren wie und worüber? Das sind Fragen, die bislang weder von uns noch von anderen abgedeckt werden. Weil wir die Meinungsfreiheit nicht einschränken wollen? Nun, eine Zensur findet nicht statt, wenn wir über Möglichkeiten professionellen Schreibens reden. Weil die Antworten selbstverständlich sind? Das sehe ich nur teilweise so.

 

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So nehmen sich viele InfoPros, wenn sie doch einmal zu schreiben beginnen, den Wissenschaftler zum Leitbild und schleppen damit unnötigerweise Fußnoten, Literaturverzeichnisse, Nebenthemen, die von den zentralen Aussagen ablenken und zu einer unverhältnismäßigen Länge eines Beitrages führen, sowie eine Fachsprache mit, die die Adressaten abschrecken. Wenn schon ein Leitbild fürs Schreiben gefragt wird, so stelle ich mir den Redakteur einer nationalen Tageszeitung vor, der ein Spezialist dafür ist, komplexe Sachverhalte verständlich, seriös und attraktiv für seine Zielgruppe aufzubereiten. So komplex ist im übrigen unsere Branche nicht, dass sich nicht alles verständlich ausdrücken ließe, von wenigen speziellen Themen für sehr kleine Lesergruppen vielleicht abgesehen. Und klar, ein Leitbild zu haben, bedeutet nicht, es diesem alsbald gleich zu tun. Wie bei vielen Handwerkern, so macht auch hier die Übung den Meister.

Publizieren worüber? Das sind selbstverständlich die Aufgaben und Herausforderungen, die wir heute und auf längere Sicht zu bewältigen haben. Allerdings hat die Branche und insbesondere die Informationswissenschaft beansprucht, über die Informations- und Wissensgesellschaft und ihre Gestaltungsmöglichkeiten mitzureden. Open Password fordert im Verbund mit der „Steilvorlagen“-Veranstaltung immer wieder dazu auf, über den eigenen Tellerrand zu blicken. Nun sind diese Aussagen sehr abstrakt und sollten nicht dazu führen, über alles und jedes zu schreiben, beispielsweise sich an jeder aktuellen Erörterung eines Internet-Themas zu beteiligen. Haben wir Eigenes in Sachen „Netzneutralität“ sein? Da würde ich intuitiv erst einmal „Nein“ sagen.

Mir sind drei Kriterien eingefallen, wie man zu einer sinnvollen weiteren Konkretisierung der obigen Forderungen und damit zu handlungsfähigem Wissen kommen kann:

• erstens, allgemeine Internet-Trends, beispielsweise die Digitalisierung oder die Blockchain-Technologie, auf ihre Bedeutung für Information Professionals zu beziehen;

• zweitens nur zu publizieren, wenn man wirklich etwas zu sagen hat, also sich nicht nur in den Mainstream oder in eine der Parteien in einem Polarisierungsprozess einzureihen und nur das zu wiederholen, was andere veröffentlicht haben;

• drittens vor allem dann zu publizieren, wenn man eine Chance hat, gehört zu werden.

Allgemeine Trends auf unsere Branche herunterbrechen. Es ist nicht immer einfach, allgemeine Trends auf kleine Gruppen herunterzubrechen. Ein gutes Beispiel ist „Big Data“, wo es schon ein Overkill an Beiträgen gibt, in denen die Information Professionals aber nicht vorkommen. Die Informationsbranche hat eine ganze Reihe von Veranstaltungen zu „Big Data“ durchgeführt, aber wir haben immer nur zugehört und keiner hat Spezifisches zur Bedeutung von „Big Data“ für Information Professionals zu sagen gewusst. Umso mehr freue ich mich, einen Beitrag von Yannick Loonus in Open Password anzukündigen, der eben dies thematisiert und eine Vielzahl von Einsatzbereichen von Big Data für InfoPros findet und dazu spezielle Zusammenhänge für Information Professionals in der pharmazeutischen Branche und bei Finanzdienstleistern thematisiert. Möge sein in Kürze erscheinender Beitrag viele Nachahmer finden.

Neue Argumente außerhalb des Mainstreams und von Polarisierungsprozessen. Wenn wir über die Wissensgesellschaft mitreden wollen, müssen wir auch etwas zu sagen haben. Wo haben wir nun unseren USP (= Unique Selling Point)? Hier sind mehrere Antworten möglich. Beispielsweise habe ich immer engere Zusammenhänge zwischen Dokumentation und Journalismus oder zwischen Informationsgenerierung und intellektuelle Informationsverarbeitung als zwischen Dokumentation und Informatik gesehen. Da ich an dieser Schnittstelle beheimatet bin, konnte ich anlässlich der öffentlichen Erregung über „Google Maps“ darauf verweisen, dass sich die Politiker in ihrer Abneigung über die Internet-Konzerne verrannt hatten, indem sie die Hausfassaden als Privatsphäre ihrer Besitzer bezeichneten, obgleich diese die öffentliche Repräsentanz ihrer Eigentümer sind und es die Architektur als Kunst und als Handwerk nicht gäbe, wenn sich Individuen und Institutionen nicht über Steine und Wände öffentlich präsentieren möchten.

Im Streben nach Akzeptanz bescheiden bleiben. In der Informationsbranche sind die Chancen, publiziert zu werden, gar nicht so schlecht, nicht zuletzt wegen der Angebote von Open Password. Auch kann man bereits seine Chancen verbessern, zur Kenntnis genommen zu werden, wenn man sich ansieht, wie es die anderen machen. Allerdings mag man sich vieles mehr wünschen, beispielsweise, nicht nur zur Kenntnis genommen, sondern auch gelesen zu werden, sogar zu überzeugen, wenn nicht Debatten loszutreten, und andere in ihrem Verhalten und Politiken zum Besseren zu veranlassen. Hier lehrt uns Michael Klems, bescheiden zu bleiben, wenn er das voraussichtliche Response auf seine Videos berechnet. Im Übrigen ist das Finden größerer Akzeptanz auch eine Sache von Glück, aber wer viel publiziert, hat durchaus mal Fortune. Leider ist der Prozess der Akzeptanzgewährung ein weitgehend irrationaler und von Willkür getriebener Prozess, und es sollte überlegt werden, was sich unternehmen ließe, um dem besseren Argument in gesellschaftlichen Prozessen zum Sieg zu verhelfen. Aber das ist nicht unser Thema für heute.

 

Das Beispiel Netzwerkdurchsetzungsgesetz:

Warum die gegenwärtigen Regelungen und Erörterungen von einem falschen Ansatz ausgehen.

Spielen wir unsere Überlegungen an einem aktuellen Beispiel öffentlicher Empörung, über die am Netzwerkdurchsetzungsgesetz durch. Haben wir hier einen USP? Ja, da es vor allem um die Zurückdrängung von „Fake News“ geht, und was wäre die Informationsgenerierung und intellektuelle Informationsverarbeitung ohne den Wahrheitsbegriff?

Ist es unabhängig von der öffentlichen Empörung dringlich, Positionen zu beziehen? Ja, denn die Sozialen Medien haben die jüngeren Alterskohorten weitgehend im Griff und nicht nur die Aufgabe des Wahrheitsbegriffs, sondern auch die Verrohung in den Kommunikationen untereinander haben nicht nur dort, aber vor allem dort ein erschreckendes Ausmaß angenommen. Noch schlimmer, die Sozialen Medien sind zum Schauplatz eines neuen Kalten Krieges geworden, in dem Bots und Schreiberlinge zum Illegitimierung und Destabilisierung demokratischer Gesellschaften eingesetzt werden. Bereits heute haben sie den Anstieg des Populismus begünstigt und den amerikanischen Wahlkampf womöglich zum Schlechteren entschieden.

Eine regulierungsfreie Spielwiese dürfen Internet und Soziale Medien demnach nicht sein. Aber ist das Netzwerkdurchsetzungsgesetz ein geeignetes Tool, um Fake News zu eliminieren, zur Netiquette anzuhalten und den Kalten Krieg außen vor zu halten? Im Kern werden mit diesem Gesetz Soziale Netzwerke mit mehr als zwei Millionen registrierte Mitglieder verpflichtet, offensichtlich rechtswidrige Hetze und Falschmeldungen binnen 24 Stunden zu löschen. Nun wird vermutet, die Beauftragten der Netzwerke würden weit mehr als notwendig eliminieren, um den angedrohten hohen Strafzahlungen zu entgehen. Damit werde jedoch Zensur ausgeübt. Die Fraktionsvorsitzende der Linken, Sahra Wagenknecht, kann auf einen weitgehenden gesellschaftlichen Konsens bis hin zur AfD vertrauen, wenn sie behauptet, das Gesetz schlage „allen rechtsstaatlichen Grundsätzen ins Gesicht“. Nicht private Unternehmen, sondern Richter müssten entscheiden, was rechtswidrig sei.

 

Bei den Sozialen Medien sollte es nicht um die Eliminierung strafrechtlich relevanter Inhalte, sondern um die Förderung von Qualität gehen.

 

Noch einmal: Haben wir von der Informationsbranche dazu etwas zu sagen? Ich behaupte: Ja, sofern wir an der Schnittstelle zwischen Journalismus und Dokumentation beheimatet sind.

Zuvor aber noch ein paar allgemeine Einwände: Positiv ist anzumerken, dass für das Netzwerkdurchsetzungsgesetz eine Erprobungsphase vorgesehen ist, da wir anders als dies die öffentliche Empörung suggeriert gar nicht wissen, wie die einzelnen Bestimmungen wirken. Zweitens sind die Löschungen im Satireorgan Titanic und eines Tweets des Bundesjustizministers keine ausreichenden Gründe, um ein Gesetz zu falsifizieren. Fehler passieren überall, und viele Menschen sind unterschiedlicher Meinung, ob Böhmermanns Einlassungen über Erdogan noch Satire oder schon Beschimpfungen sind. Jedenfalls sollten wir auch in politischen Diskussionen fehlertoleranter werden. Drittens ist die von Sarah Wagenknecht vorgeschlagene Regelung offensichtlich unpraktikabel, da sie zu einer Überlastung des Justizapparates führen und bei den Sozialen Medien (fast) alles beim Alten belassen würde.

Mein Haupteinwand ist jedoch, dass die Sozialen Medien nicht nur von Sahra Wagenknecht, sondern auch vom Bundesjustizminister als Entität sui generis und nicht als das, was sie sind, nämlich als Medienprodukt, gesehen werden. Ginge man von letzterem aus, so sähe man schnell, dass Probleme der Falschmeldungen, der Hetze und der politischen Instrumentalisierung nicht in jedem Fall, aber insgesamt gesehen zufriedenstellend von den meisten anderen Medienprodukten, unter anderem der Presse, gelöst werden. Das geschieht, indem die „Posteingänge“ von dafür qualifizierten Redakteuren moderiert werden. Der Übergang zu diesem Ansatz wäre durchaus ein radikaler Schritt, da es nun nicht mehr um die Eliminierung strafrechtlich relevanter Inhalte, sondern um die Förderung und Sicherstellung von Qualität ginge. Aber warum diese Lösung für Soziale Medien nicht funktionieren sollte, dafür fehlt bislang jede Begründung.

 

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Ginge man von den Sozialen Medien als Presseerzeugnis aus und verlangte man ihnen eine Moderation der Eingänge ab, dann ließen sich in einem zweiten Schritt auch Spezifika Sozialer Netzwerke berücksichtigen. Soziale Medien unterscheiden sich von klassischen Presseerzeugnissen dadurch, dass eine radikale Demokratisierung der Autorenschaft stattgefunden hat und der Tendenz nach jeder Bürger zum Publizisten geworden ist. Das publizistische Upgrading des einfachen Bürgers bringt aber auch Verantwortlichkeiten mit sich und bedarf, wenn er seiner Verantwortung nicht nachkommt, eines Gatekeepers. Den damit großen Massen an Texteingängen würde man besser Herr, wenn man sich bei der Moderation im Routinefall auf Stichproben beschränkte, sich zunächst auf besonders kritische Fälle konzentrierte und bei der Entdeckung beispielsweise problematischer Chatgruppen auch auf die Mithilfe und Intelligenz, also auf die „Wisdom der Crowd“, verließe.


3 x 100 Programm - Der Nachfolger zu meinen täglichen Videos

Ein Appell und eine Ermunterung für Nachahmungstäter

(M.K.) Jedes Jahr beginnt mit guten Vorsätzen und Absichtserklärungen. Mit meinem Kollegen in der Sonntagskolumne habe ich bereits über das Thema “Gute Vorsätze” gesprochen. Den Videobeitrag zur S.M.A.R.T-Methode finden Sie hier:

 

 

Auch ich habe mir für dieses Jahr an Veröffentlichungen einiges vorgenommen. Dabei hatte ich schon im letzten Vierteljahr 2017 ziemlich aufgedreht, indem ich täglich ein neues Video im Rahmen der Serie „Aus dem TageVlog eines Infobrokers“ veröffentlichte. 2018 soll es nun sogar ein Mehr geben. Ich nenne dieses Vorhaben das „3x100-Programm“. Dabei bin ich sicher, dass mindestens ein Leser schon jetzt hocherfreut über dieses Programm ist. Falls Sie es nicht wissen, hier kommt der Tipp: Er sitzt virtuell neben mir in der Redaktion von Open Password und spart sich so seine Arbeit am Wochenende und wir haben schon mal (fast) eine Password-Ausgabe zum Wochenbeginn.

 

„3 x 100“ ist das Kontrastprogramm zu einer publizistischen Diät wenn nicht einer Hungerkur. Solche betreibt unsere Branche inhaltlich und mengenmäßig seit einer Reihe von Jahren. Dünner kann es kaum werden. Schon langem postulieren Willi Bredemeier und ich, dass die Information Professionals publizieren sollten. Wie sollen wir zu Gesprächen zusammenfinden, wenn wir nicht die Öffentlichkeit suchen? Das sollte sich 2018 ändern und nicht nur durch mein „3 x 100“-Programm.

 

Transparentes Vorhaben

Konkret bedeutet „3 x 100“, dass ich 100 Videos, 100 Artikel oder Beiträge und 100 neue Festpreis-Produkte auf den verschiedensten Kanälen veröffentlichen werde. Welche Inhalte, Strategien und Plattformen dahinterstecken, wird Ihnen von Veröffentlichung zu Veröffentlichung deutlicher werden und am Ende werde ich eine Bilanz ziehen. Auch können Sie alle Schritte meines Vorhabens direkt über eine offene Google-Tabelle verfolgen.

 

Link zur Tabelle: https://docs.google.com/spreadsheets/d/16oicFSdprldm41M-vcR78IjYyfO9-1MO74NEI7bgyg4/edit?usp=sharing

 

Ist das Vorhaben realistisch, das mein Kollege in der Redaktion von Open Password „noch gigantischer“ nennt? 300 Beiträge in zwölf Monaten ist ein verdammt dickes Brett. Dennoch ist das Vorhaben realistisch, nachdem ich gezeigt habe, dass das Veröffentlichen von 130 Videobeiträgen in drei Monaten möglich ist.

Nutzwert?

Ist der Aufwand auch lohnend? Eine einfache Rechnung lässt sich schon jetzt anstellen. 300 x 30 Views = 9.000 Views in Summe. Erfolgen aus diesem Engagement 0,03% Rückläufe, so ergeben sich aus 9.000 Lesebetrachtungen 30 konkrete Rückläufe. Dazu kommen überraschende Feedbacks und Erfolge, die wir heute noch nicht kennen, die es aber mit Sicherheit geben wird und die dazu beitragen, das Jahr 2018 spannend zu machen.

 

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Mein Programm ist auch als Ermunterung und Appell für mögliche Nachahmungstäter gedacht. Wer schreibt, der bleibt und erhält Aufmerksamkeit und Reputation. Lässt man diese Potenziale ungenutzt, zieht der Markt an einem vorbei. Das ist Konsens weit über unsere Branche hinaus.

 

Und wer seine Publikationschancen nicht nutzt, lädt seine Konkurrenz dazu ein, die eigene Marktnische mit Veröffentlichungen und eigenen Angeboten zu besetzen. Mit großer Sorge sehe ich, dass Domänen der Information Professionals durch Veröffentlichungen aus dem Beratungsumfeld verstopft werden. Bereits jetzt sind mir eine Reihe Dienstleister bekannt, die zu Themen aus dem Berufsbild des Information Professionals veröffentlichen und solches mit einem Angebot an Beratungsleistungen kombinieren. Dabei sind sie in den von ihnen bevorzugten Veröffentlichungskanälen recht dominant.

 

 

Es ist höchste Zeit für uns, in diesen publizistischen Wettbewerb einzusteigen. Also machen Sie mit! Es müssen ja nicht gleich 300 Veröffentlichungen im Jahr sein.

Dies ist der erste Beitrag von 300. Den zweiten finden Sie auf YouTube unter: https://youtu.be/6hobcIZH3nk


Welcher Interessensverbund vertritt die Information Professionals?

Information Professionals

 

Die InfoPros im Wettbewerb
mit qualifizierten Endnutzern

und fernöstlichen Anbietern

 

Verbände als Instrument
gegen den fortschreitenden Bedeutungsverlust

 

Von Stefan Zillich, www.stz-info.de

 

In einem Beitrag des Open Password Pushdienst vom 22. Februar wurde die Frage gestellt, warum der Beruf des Rechercheurs im eigenen Unternehmen an Ansehen verliert. – Die lapidare Antwort: Weil sich jeder, der etwas recherchieren will, die Inhalte selbst über das Internet besorgt. Die Antwort ist in der Tat „lapidar“, und sie blendet wichtige Aspekte aus. 

 

Vier Beobachtungen

 

Dazu vier nüchtern beobachtete Punkte aus dem Markt für Information mit Blick auf kostenpflichtige Informationsquellen:

 

  1. In den letzten zwanzig Jahren wurde die Anwendung der Informationsquellen technisch und inhaltlich perfektioniert, d. h. auch nutzerfreundlich gestaltet.

 

  1. Die Anbieter der Premiumquellen ringen um Kunden in einem umkämpften Markt. Die Angebote werden nicht nur an die Information Professionals in den entsprechenden Abteilungen adressiert, sondern auch an die Endnutzer der Information, das sind die Fachleute, Analysten und Berater, sprich: die Kunden der Infoprofis.

 

  1. Die Kompetenz und Bereitschaft der Endnutzer ist gestiegen, gut aufbereitete Informationsangebote aus Premiumquellen selbst zu nutzen. „Mal schnell ins Internet zu gehen“ (wie im Beitrag als Antwort gegeben) wird von den Endnutzern als eher wenig effizient bewertet. Das ist allerdings auch davon abhängig, in welcher Branche sich der Endnutzer befindet.

 

  1. Die Unternehmen nutzen nach wie vor spezialisierte Information Services. Allerdings erscheinen Anbieter aus Fernost und seit geraumer Zeit auch aus Osteuropa attraktiver als lokale Angebote, weil sie preisgünstiger sind.

 

Kostengünstige Konkurrenz

 

Im Beitrag des Open Password Pushdienst wird diese Konkurrenz der Information Professionals mit den qualifizierten Endnutzern und den fernöstlichen/osteuropäischen Anbietern übersehen. - Zweifelsohne kennen die Anbieter für Premiumquellen ihre eigenen Absatzmärkte am besten. Deren Absatz von Premiumquellen findet sowohl bei den Anwendern in den klassischen Informationsvermittlungsstellen als auch direkt bei den Endnutzern in den fachlichen Abteilungen der Unternehmen statt. Und natürlich werden auch die internationalen Rechercheservices aus Indien beliefert. Diese bieten ihre Dienstleistungen gezielt auf dem europäischen Markt an.

 

Vor dem Hintergrund dieser Entwicklungen stellt sich die Frage, ob die an Information Professionals adressierten gut gemeinten Tipps gegen deren fortschreitenden Bedeutungsverlust im erwähnten Beitrag überhaupt greifen können. Denn die Entscheidungen zur Fortführung der Services werden im seltensten Fall in den Informationsvermittlungsstellen selbst gefällt. Vielmehr werden diese Entscheidungen von Managern, Budgetverantwortlichen und Controllern getrieben. Wohlgemerkt: Die Unternehmen verzichten nicht auf die speziellen Informationsservices. Man lagert sie zunehmend an kostengünstigere Anbieter aus.

 

Verbände und Interessengruppen

 

Wie also erreicht man die Entscheider in den Unternehmen mit den richtigen Argumenten pro „lokal aufgestellte Informationsdienstleister“? Die auf sich gestellten Information Professionals in den Unternehmen schaffen das offenbar kaum, zumal sie womöglich in den ihnen vorgegebenen Strukturen kaum gehört werden.

 

Der Blick über den Tellerrand gibt eine mögliche Antwort: Verbände und Interessengruppen. – Diese unterstützen und beeinflussen im Interesse ihrer Teilnehmer den unternehmerischen und politischen Willensbildungsprozess und das daraus resultierende Handeln. Sie treten gezielt an die Öffentlichkeit, adressieren ihre Aussagen an relevante Ansprechpartner und beeinflussen den Meinungsbildungsprozess positiv im Sinne ihrer Teilnehmer.

 

Die Organisationen, in denen sich Information Professionals in Deutschland organisieren könnten, sind bekannt: BIB, DGI, GfWM, VDB, dbv, …  Welcher Interessenverbund in Deutschland vertritt die beruflichen Interessen der Information Professionals angesichts der geschilderten Entwicklungen? – Die Frage zielt nicht etwa auf Weiterbildungsangebote für Information Professionals oder auf wohlmeinende Tipps zur „kontinuierlichen Demonstration wirtschaftlicher Denkweisen, die das Unternehmensmanagement davon überzeugt, dass Informationsdienstleistungen optimal dazu beitragen, die Unternehmensziele bestmöglich zu erreichen“.

 

Vielmehr geht um mehr, nämlich um eine öffentlich sichtbare Darstellung der beruflichen Qualitäten und Interessen von Information Professionals. Damit verbunden: Interessenbündelung, Interessenvertretung, Aufklärung, Marketing, gezielte Ansprache. Welcher Verband informiert eine relevante Öffentlichkeit und die Entscheider in den Unternehmen über die besondere Qualität lokaler und unternehmensinterner Information Professionals?

Autor

stefan-zillich-requestDiplom-Informationswirt Stefan Zillich ist seit 1998 im Informationsgeschäft tätig und heute selbständiger Information Professional und Berater für Unternehmen und Organisationen; Workshops und Vorlesungen zu den Themen Information Handling, Recherche und Informationskompetenz

Webseite: http://www.stz-info.de/

 


Information Professionals: Strategien gegen den fortschreitenden Bedeutungsverlust

Wie sieht die Zukunft des „Information Professionals“ aus? Findet sich der Mitarbeiter einer Research-Abteilung bald neben Märbelpickern (Kalksteinklopfer), Ameislern (Ameisenpuppensammler) und Rohrpostbeamtinnen (überwacht Rohrpostverkehr) in der kuriosen Liste vergessener Berufe, die Spiegel Online1 im Jahr 2014 auf herrliche Weise bebilderte? Muss der einst von den Unternehmen so nachgefragte, weil für strategische Entscheidungen wichtige Beruf, schon bald noch härter ums Überleben kämpfen?

Von Michael Krake, Geschäftsführer LexisNexis GmbH (Düsseldorf)

Wer beherrscht die Datenflut?

Sie denken, dass gerade im zunehmend digitalisierten Informationszeitalter und der entsprechenden Wertschöpfungskette mit Global Media und Big Data der Beruf des Researchers so richtig boomen müsste? Das wäre schön. Schließlich ist die Qualität von Recherchen angesichts der immer größer werdenden Massen verfügbarer Daten(quellen) von wesentlicher Bedeutung für strategische Entscheidungen in Unternehmen. Wer, wenn nicht der Researcher, könnte besser die wirklich relevanten von den weniger wichtigen Quellen unterscheiden, auswählen und damit die Datenflut in die richtigen Bahnen lenken?

Doch leider gilt der Prophet im eigenen Lande wenig und so hat es auch der Rechercheur im eigenen Unternehmen zunehmend schwer. Die Wertschätzung gegenüber seiner Arbeit nimmt kontinuierlich ab, Stellen in Research-Abteilungen stehen weit oben, wenn es um Einsparmaßnahmen geht.

Wie passt das alles zusammen? Warum verliert dieser Beruf an Ansehen?

Die Antwort ist lapidar, aber folgeschwer: Weil heute jeder, der etwas recherchieren will, „schnell mal ins Internet geht“ und sich die – vermeintlich richtigen und wichtigen – Informationen selbst besorgt, anstatt gefühlt lange auf validierte Ergebnisse der Rechercheabteilung zu warten, sofern es eine solche im Unternehmen (noch) gibt oder diese intern überhaupt bekannt ist. Das mag in einigen Fällen zu schnellen und vielleicht sogar zufriedenstellenden Ergebnissen führen. Als Grundlage für wichtige Unternehmensentscheidungen ist diese Art der Recherche jedoch sicher nicht geeignet. Denn das frei zugängliche Internet beinhaltet nur einen Teil der gesamten verfügbaren Informationen und die Ergebnisse der Suchmaschinen werden nach kommerziellen Kriterien gelistet.

„Umfassend informiert zu sein ist aber eine wichtige Grundlage für strategische Entscheidungen“, betont Prof. Ragna Seidler-de Alwis vom Institut für Informationswissenschaft an der Fachhochschule Köln in unserer Studie2 über die Entwicklung des Information Managements. Voraussetzung dafür ist der Zugang zu einer großen Bandbreite an Quellen mit erheblicher Informationstiefe, die über frei verfügbare Suchmaschinen nicht gegeben ist.

Wirtschaftlich denken, offensiv kommunizieren, Zusatzqualifikationen erwerben.

Das leuchtet jedem ein. Dennoch wird die schleichende Veränderung in der Art der Recherche wie auch im Berufsbild des Information Professionals von vielen Unternehmen nicht richtig wahrgenommen. Ebenso wenig die Auswirkungen auf die Qualität der Recherchen und wiederum deren Auswirkungen auf die Qualität von Entscheidungen.

Um die abnehmende Bedeutung und das Ansehen wieder zu steigern, sollten Information Professionals gegen diesen Trend ankämpfen. Ihre besten Argumente gegen die Self-Research-Mentalität sind dabei neben dem Expertenwissen auch Aufklärungsarbeit, Zuverlässigkeit und Service. Weitere Maßnahmen gegen den Bedeutungsverlust können sein:

  • Die kontinuierliche Demonstration wirtschaftlicher Denkweisen, die das Unternehmensmanagement davon überzeugt, dass Informationsdienstleistungen optimal dazu beitragen, die Unternehmensziele bestmöglich zu erreichen.
  • Offensive Kommunikation: Information Professionals müssen der Geschäftsführung gegenüber „sichtbar sein“3.
  • Koordination bei allen informatorischen Prozessen: Auswahl, Empfehlung, Einführung und Begleitung von elektronischen Lösungen aufgrund von Expertenwissen und damit Abgrenzung gegenüber der reinen Verwendung von Technik.
  • Zusatzqualifikationen: Wenn nicht ohnehin vorhanden, Weiterbildung in Bereichen wie Betriebswirtschaftslehre, IT oder Sprachen4.

Literaturnachweise

1    http://www.spiegel.de/fotostrecke/ausgestorbene-berufe-einer-musste-den-job-ja-machen-fotostrecke-105576.html 

2    http://www.lexisnexis.de/informationsmanagement/interview-seidler-de-alwis

3    Vgl. Bredemeier „Die ultimativen Herausforderungen für InfoPros: Antworten, Lösungen, direktes Mitwirken am Unternehmenserfolg.“ In: Password, Ausgabe 12/15, S. 6.

4    Vgl. dazu auch die Ausführungen in der Masterarbeit von Anna Lamparter „Kompetenzprofil von Information Professionals in Unternehmen“.

Über den Autor

Michael Krake ist seit 1998 im Reed Elsevier Konzern tätig. Nach mehreren Positionen für LexisNexis im Ausland ist der ausgewiesene Informationsexperte seit 2010 Geschäftsführer der LexisNexis GmbH. Er studierte an der Universität Bonn Nordamerikanische Regionalwissenschaften sowie in Köln Informationswissenschaften. Er ist Mitglied im American + British Chamber of Commerce.