Thomson Reuters verkauft Intellectual-Property- und Science-Informationen an Private-Equity-Unternehmen

Web of Science and Journal Citation Reports bald im Einzelverkauf?

Wissenschafts- und Patentdaten
in westlichen Ländern
auch international nicht das beste Geschäft

Thomson Reuters hat seine Geschäftsbereiche Intellectual Property und Science Informationen an die Private-Equity-Unternehmen Onex Corp. (Toronto) und Baring Private Equity Asia für 3,55 Milliarden Dollar in bar verkauft. Der Informationsanbieter, der sich damit auf seine Geschäfte mit Finanz- und Wirtschaftsinformationen zurückzieht, will 1,5 Milliarden des Erlöses dafür verwenden, Schulden zurückzuzahlen. Den Rest will er für Investitionen in die ihm verbliebenen Geschäftsfelder verwenden. Thomson Reuters wird damit fast um die Hälfte nach Umsätzen kleiner und hofft im Gegenzug auf höhere Erträge. Es wird damit gerechnet, dass die Kartelbehörden der Transaktion in wenigen Monaten zustimmen werden.

Zum Thomson Geschäftsbereich „Intellectual Property & Science“ („IP & S“) gehörte nicht nur ein umfassendes Angebot an Patent- und Wissenschaftsinformationen, sondern auch „decision suppoprt tools and services that enable the lifecycle of innovation for governments, academia, publishers and corporations to discover, protext and commercialize new ideas and brands“. Zum Portfolio gehörten Web of Science, Thompson CompuMark, Thomson Innovation, MarkMonitor, Thomson Reuters Cortellis und Thomson IP Manager. Dem Geschäftsbereich gehören 3.500 Mitarbeiter in 75 Büros in 40 Ländern an, darunter in Deutschland.

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Onex Corporation sieht sich als eine der ältesten und erfolgreichsten Private-Equity-Unternehmen, das derzeit Wertpapiere in Höhe von 23 Milliarden Dollar managed. Die Unternehmen im Besitz von Onyc kommen auf einen Jahresumsatz von 23 Milliarden Dollar und beschäftigen 145.000 Mitarbeiter. Baring Private Equity Asia wurde 1997 gegründet und sieht sich als eine der größten und etabliertesten Asset Management Unternehmen in Asien mit einem Kapital von über zehn Milliarden Dollar. Die Unternehmenszentrale mit 125 Mitarbeitern verfügt über Büros in Hong Kong, Schanghei, Mumbai, Singapur, Jakarta und Tokio. Die Unternehmen im Besitz von Baring kommen auf einen Jahresumsatz von 31 Milliarden Dollar, die von 150.000 Mitarbeitern erwirtschaftet werden.

In einer ersten Stellungnahme erklärte Baring Asia, „that IP&S is already an established leader in China and the business will prosper in more knowledge-driven economies with continued emphasis on research and development“.

Die IP&S-Mitarbeiter stehen damit vor einer Periode der Unsicherheit, da Private-Equity-Unternehmen Unternehmen nur ankaufen, um sie später teurer zu verkaufen. Zu diesem Zweck werden die angekauften Unternehmen häufig zerschlagen und die „Filetstücke“ einzeln verkauft. Für solche Verkäufe würden sich beispielsweise das Web of Science und Journal Citation Reports anbieten.

Wer kommt als Käufer infrage? Password-Partner David Worlock (London) brachte den Namen „Springer Nature“ ins Spiel.Yvonne Nobis von der Universitätsbibliothek Cambridge tweetete: „Should the academic community buy @webofscience? We need metrics to be publisher neutral.“

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Und eine weitere Frage: Wenn schon der internationale Marktführer Thomson Reuters seine Wissenschafts- und Patentinformationen verkauft, sind Wissenschaftsinformation überhaupt noch ein lohnendes Geschäft – zumindest in westlichen Ländern?

Über den Autor

Dr. Willi Bredemeier, Autor Fiction und Non-Fiction, ist seit dreißig Jahren Redakteur von Password. Derzeit stellt er Password, die Fachzeitschrift für die Informationsbranche im deutschsprachigen Raum, gemeinsam mit Partnern auf „Open Password“ – alles elektronisch und alles kostenfrei – um, um die Information Professionals mit einer umfassenden Plattform für Information und Kommunikation zu versorgen.