Rafaell Ball: Blick aus Deutschland

Die Überlebenskrise der Bibliotheken
verlangt konkretere Antworten

Von Willi Bredemeier

Soweit so gut. Aber was bedeutet die Bibliothek als Informations- und Kommunikationszentrum konkret?

Die Reaktionen in Deutschland sind kaum weniger heftiger als die in der Schweiz ausgefallen. Das hat zum einen damit zu tun, dass die Schweizer auch in den Sozialen Medien und Chatlisten hierzulande aktiv sind und ihre deutschen Kollegen beeinflussen. Eine der heftigeren Reaktionen kam denn auch von Christian Gutknecht in InetBib:

Guten Tag,

Hier ein weiterer total unqualifizierter Kommentar von Ball:http://www.researchinformation.info/news/news_story.php?news_id=2077Es ist einfach nur peinlich realitätsfremd und dem Amt als ETH-Bibliotheksdirektor unwürdig, die heutige Situation als „established, reliable and sustainable“ zu bezeichnen und sich gleichzeitig als „begnadeter Vordenker“ (https://dl.dropboxusercontent.com/u/13689512/begnadeter%20Vordenker.pdf) zu ernennen. Liebe Regensburger, kann man euch irgendwie ein Angebot machen, dass ihr den Ball wieder zurücknehmt? Ich bin gerne bereit eine Crowdfunding-Kampagne zu starten. 

freundliche Grüsse Christian Gutknecht 

Zum anderen befinden sich die deutschen Bibliotheken im Überlebenskampf und geht insbesondere die Zahl der kleinen Bibliotheken von Jahr zu Jahr dramatisch zurück. Da muss vielen das Statement ihres Ex-Regensburger-Kollegen als total unsolidarisch und als Dienstleistung für die Politiker, die Bibliotheksetats kürzen, vorkommen. Umgekehrt könnte Ball antworten, dass eine vorwiegend defensive Diskussion den Bibliothekaren wenig gebracht hat.

Auch wenn Ball recht hat, offensichtlich besteht ein innerbibliothekarischer Diskussions- und mit Blick auf die breite Öffentlichkeit weitgehender Vermittlungsbedarf. (Information Professionals können allerdings von dem Image der Bibliotheken, das als Hort der Kultur tief im Bewusstsein der Bürger eingeprägt ist, nur träumen.) Was tun? ·

– „Informations- und Kommunikationszentrum“ ist ein viel zu allgemeiner Begriff, als sich daraus geeignete Konsequenzen ableiten ließen. Wie brauchen einen geeigneteren Bezugsrahmen, um viel versprechende Wege aufzuzeigen, wie Bibliotheken überleben können. ·

– Es gibt ja die bibliothekarischen Leuchttürme, die täglich ihre Success Stories schreiben. Diese müssen wir unter den Bibliothekaren und vor allem in der breiten Öffentlichkeit verbreiten, statt den Bedürfnissen der Medien nach einer weitgehenden Entdifferenzierung entgegenzukommen. ·

– Teil eines geeigneten Bezugsrahmens für die Überlebensdiskussion könnte auch die folgende These sein: Es gibt nicht die eine Lösung für die Bibliothekskrise. Bibliotheken müssen so heterogen werden, wie es ihre Kundengruppen sind. Soweit in diesen Communities eine zumindest potenzielle Nachfrage nach personalisierten Dienstleistungen besteht und Bibliotheken diese liefern können, müssen sie um ihre Zukunft nicht fürchten.

„Open Password“ will im Rahmen dieser Ansätze einen Beitrag leisten. Auch Ihre Meinung ist willkommen. Schreiben Sie uns!

Keinen Beitrag mehr verpassen - kostenfreier Pushdienst

Über den Autor

Dr. Willi Bredemeier, Autor Fiction und Non-Fiction, ist seit dreißig Jahren Redakteur von Password. Derzeit stellt er Password, die Fachzeitschrift für die Informationsbranche im deutschsprachigen Raum, gemeinsam mit Partnern auf „Open Password“ – alles elektronisch und alles kostenfrei – um, um die Information Professionals mit einer umfassenden Plattform für Information und Kommunikation zu versorgen.


Rafael Ball: Ein Insider-Blick aus der Schweiz

Zu den Turbulenzen
um den Direktor der ETH-Bibliothek

Die Bibliothek als Sammlung
von Büchern hat ausgedient

Überleben nur als Informations-
und Kommunikationszentrum
mit elektronischen Inhalten

Von Stephan Holländer

Ein Interview in einer Sonntagszeitung hat die beschauliche Sonntagsruhe einiger Bibliothekare gestört. Heftige Reaktionen in den Sozialen Medien. Sturm im Wasserglas oder berechtigte Empörung?

Rafael Ball hat in seiner Eigenschaft als Direktor der ETH-Bibliothek der Neuen Zürcher Zeitung am Sonntag (NZZ-So) ein Interview gegeben, in dem er in der Quintessenz sagt, dass das bisherige Konzept der Bibliotheken nicht mehr funktioniere, da jetzt das Internet da sei. Denn wer Inhalte suche, der brauche keine Bibliothek mehr (http://www.nzz.ch/nzzas/nzz-am-sonntag/bibliotheken-weg-mit-den-buechern-interview-rafael-ball-eth-ld.5093). Das Internet hat die Bibliothek als Träger der Lesekultur abgelöst, so Ball. Die Bibliothek sei ein Hort der Bücher. Einzig im Bereich der Leseförderung gesteht Rafael Ball den Bibliotheken noch eine Aufgabe zu. Bibliotheken müssen sich seiner Ansicht nach zu Informations- und Kommunikationszentren wandeln, die den Zugriff auf elektronische Inhalte ermöglichen. Für wissenschaftliche Bibliotheken sieht er die Aufgabe, Wissenschaftler bei der Publikation wissenschaftlicher Artikel zu beraten. Er sieht die Lösung in einer Digitalisierung aller gedruckten Bücher, da 80% der Bücher in wissenschaftlichen Bibliotheken sowieso nie ausgeliehen werden. So ist es in seinen Augen kein Unglück, wenn ein paar Bücher verloren gehen.

Furioser Einstand?

Dieses Interview stieß in den sozialen Medien der Branche wie «SwissLib» auf ein lebhaftes, ja heftiges Echo. Gerade aus den öffentlichen Bibliotheken kamen engagierte Entgegnungen. Dies ist dem Publizisten Ball recht, möchte er doch der Schweizer Berufsszene einen Denkanstoß liefern. Seine Aussagen sind nicht neu und wurden bereits 2013 in Buchform publiziert (Rafael Ball, Was von Bibliotheken wirklich bleibt - das Ende eines Monopols: ein Lesebuch, ISBN 978-3-934997-50-9 http://baselbern.swissbib.ch/Record/281677638)

Nur ist das nur von Wenigen in der Schweiz bisher zur Kenntnis genommen worden. In Interview in der NZZ-So tritt Ball auch nicht als Publizist, sondern als relativ neu bestallter Direktor der ETH-Bibliothek Zürich auf. Dies ist natürlich ein gefundenes Fressen für die um Auflage ringende Neue Zürcher Zeitung am Sonntag, die sich im heftigen Wettbewerb mit andern Sonntagsblättern in der Schweiz befindet. Solche zugespitzten Aperçus werden gerne ins Blatt genommen. Dankbar hat auch der Schweizer Rundfunk SRF diese Steilvorlage aufgegriffen (http://www.srf.ch/sendungen/kultur-kompakt/macht-das-internet-buecher-ueberfluessig) und leiht Rafael Ball gern ein Mikrofon. Der neue Direktor der ETH-Bibliothek ist nicht unglücklich über die Reaktionen und zeigt sich froh darüber, eine Diskussion seitens eines Fachmanns dazu angestoßen zu haben.

Vieles ist gleich südlich des Rheins, aber einiges ist entscheidend anders

Was bei dem Interview wohl weniger bedacht wurde, ist die branchenpolitische Lage in der Schweiz. Das Land ringt mit den Folgen der Freigabe des Eurokurses, der die hiesige Wirtschaft mit einem Verlust von 10.000 Arbeitsplätzen in einem Jahr mächtig unter Druck gesetzt hat. Es gibt nun weniger Steuergelder zu verteilen. Im Bundesparlament kommt dieses Jahr die Bildungs- und Wissenschaftsbotschaft ins Parlament. Ein so genanntes „Stabilisierungspaket“ wird gerade ausgearbeitet. Der Bund und 18 Kantone budgetieren 2016 ein Defizit. Angesichts der steigenden Ausgaben werden Fitnessprogramme zur Dauerübung – und Steuererhöhungen wohl unvermeidlich. Für unser Nachbarland ist diese Situation wohl nichts Neues, für die Schweiz aber ein Hinweis darauf, dass die fetten Jahre vorerst vorüber sind. Viele öffentliche Bibliotheken befinden sich in Budgetdiskussionen mit ihren Trägerorganisationen, denn bei der Kultur- und Bildung wird bekanntlich zuerst gespart.

Hinter den branchenpolitischen Kulissen wird seit Ende des vergangen Jahres halblaut über einen Zusammenschluss des Verbands der öffentlichen Bibliotheken (SAB, http://www.sabclp.ch/) mit dem Dachverband der Bibliotheken (BIS, http://www.bis.ch/) nachgedacht. Viele befürworten diesen Zusammenschluss der Verbände. Jedoch lassen sich auch einige Gegenstimmen vernehmen. Sie kommen nicht zuletzt aus der französischsprachigen Westschweiz, die schon immer auf ihre kulturelle Eigenständigkeit bedacht war. Einige, die der deutschen Sprache nicht so mächtig sind, können dank Google Translator den Inhalt des Interviews erahnen und entsprechend pointiert Stellung nehmen. Das ist unglücklich, da hier Mythen Vorschub geleistet werden könnte. In der Zwischenzeit hat die NZZ ihr Einverständnis gegeben eine nicht autorisierte Übersetzung des Interviews in französische Sprache auf „SwissLib“ zu veröffentlichen.

Ein anderes Forum bietet sich an

Der diesjährige BIS-Kongress in Luzern (http://www.bis.ch/nc/de/news-details/article/bis-generalversammlung-und-berliner-philharmoniker.html) böte reichlich Gelegenheit, Aussagen im Interview mit den beteiligten Branchenfachleuten zu diskutieren. Die in Teilen larmoyanten Stellungnahmen bestätigen jedoch, dass die Aussagen im Interview im Kern zutreffen. Für das Interview wurde wohl nicht bedacht, dass Rafael Balls Stellungnahme in seiner Eigenschaft als Direktor der ETH-Bibliothek und damit als Vertreter einer Bundesbehörde und nicht als Publizist erfolgte. Dies dürfte zusätzlich für einige heftige Entgegnungen auf SwissLib gesorgt haben, da Balls Stellungnahme ein altes Vorurteil befeuert: Öffentliche Bibliotheken würden von ihren Kollegen aus den wissenschaftlichen Bibliotheken nicht sonderlich ernst genommen und daher sei ein Zusammenschluss der Verbände nicht opportun.


Information Professionals: Strategien gegen den fortschreitenden Bedeutungsverlust

Wie sieht die Zukunft des „Information Professionals“ aus? Findet sich der Mitarbeiter einer Research-Abteilung bald neben Märbelpickern (Kalksteinklopfer), Ameislern (Ameisenpuppensammler) und Rohrpostbeamtinnen (überwacht Rohrpostverkehr) in der kuriosen Liste vergessener Berufe, die Spiegel Online1 im Jahr 2014 auf herrliche Weise bebilderte? Muss der einst von den Unternehmen so nachgefragte, weil für strategische Entscheidungen wichtige Beruf, schon bald noch härter ums Überleben kämpfen?

Von Michael Krake, Geschäftsführer LexisNexis GmbH (Düsseldorf)

Wer beherrscht die Datenflut?

Sie denken, dass gerade im zunehmend digitalisierten Informationszeitalter und der entsprechenden Wertschöpfungskette mit Global Media und Big Data der Beruf des Researchers so richtig boomen müsste? Das wäre schön. Schließlich ist die Qualität von Recherchen angesichts der immer größer werdenden Massen verfügbarer Daten(quellen) von wesentlicher Bedeutung für strategische Entscheidungen in Unternehmen. Wer, wenn nicht der Researcher, könnte besser die wirklich relevanten von den weniger wichtigen Quellen unterscheiden, auswählen und damit die Datenflut in die richtigen Bahnen lenken?

Doch leider gilt der Prophet im eigenen Lande wenig und so hat es auch der Rechercheur im eigenen Unternehmen zunehmend schwer. Die Wertschätzung gegenüber seiner Arbeit nimmt kontinuierlich ab, Stellen in Research-Abteilungen stehen weit oben, wenn es um Einsparmaßnahmen geht.

Wie passt das alles zusammen? Warum verliert dieser Beruf an Ansehen?

Die Antwort ist lapidar, aber folgeschwer: Weil heute jeder, der etwas recherchieren will, „schnell mal ins Internet geht“ und sich die – vermeintlich richtigen und wichtigen – Informationen selbst besorgt, anstatt gefühlt lange auf validierte Ergebnisse der Rechercheabteilung zu warten, sofern es eine solche im Unternehmen (noch) gibt oder diese intern überhaupt bekannt ist. Das mag in einigen Fällen zu schnellen und vielleicht sogar zufriedenstellenden Ergebnissen führen. Als Grundlage für wichtige Unternehmensentscheidungen ist diese Art der Recherche jedoch sicher nicht geeignet. Denn das frei zugängliche Internet beinhaltet nur einen Teil der gesamten verfügbaren Informationen und die Ergebnisse der Suchmaschinen werden nach kommerziellen Kriterien gelistet.

„Umfassend informiert zu sein ist aber eine wichtige Grundlage für strategische Entscheidungen“, betont Prof. Ragna Seidler-de Alwis vom Institut für Informationswissenschaft an der Fachhochschule Köln in unserer Studie2 über die Entwicklung des Information Managements. Voraussetzung dafür ist der Zugang zu einer großen Bandbreite an Quellen mit erheblicher Informationstiefe, die über frei verfügbare Suchmaschinen nicht gegeben ist.

Wirtschaftlich denken, offensiv kommunizieren, Zusatzqualifikationen erwerben.

Das leuchtet jedem ein. Dennoch wird die schleichende Veränderung in der Art der Recherche wie auch im Berufsbild des Information Professionals von vielen Unternehmen nicht richtig wahrgenommen. Ebenso wenig die Auswirkungen auf die Qualität der Recherchen und wiederum deren Auswirkungen auf die Qualität von Entscheidungen.

Um die abnehmende Bedeutung und das Ansehen wieder zu steigern, sollten Information Professionals gegen diesen Trend ankämpfen. Ihre besten Argumente gegen die Self-Research-Mentalität sind dabei neben dem Expertenwissen auch Aufklärungsarbeit, Zuverlässigkeit und Service. Weitere Maßnahmen gegen den Bedeutungsverlust können sein:

  • Die kontinuierliche Demonstration wirtschaftlicher Denkweisen, die das Unternehmensmanagement davon überzeugt, dass Informationsdienstleistungen optimal dazu beitragen, die Unternehmensziele bestmöglich zu erreichen.
  • Offensive Kommunikation: Information Professionals müssen der Geschäftsführung gegenüber „sichtbar sein“3.
  • Koordination bei allen informatorischen Prozessen: Auswahl, Empfehlung, Einführung und Begleitung von elektronischen Lösungen aufgrund von Expertenwissen und damit Abgrenzung gegenüber der reinen Verwendung von Technik.
  • Zusatzqualifikationen: Wenn nicht ohnehin vorhanden, Weiterbildung in Bereichen wie Betriebswirtschaftslehre, IT oder Sprachen4.

Literaturnachweise

1    http://www.spiegel.de/fotostrecke/ausgestorbene-berufe-einer-musste-den-job-ja-machen-fotostrecke-105576.html 

2    http://www.lexisnexis.de/informationsmanagement/interview-seidler-de-alwis

3    Vgl. Bredemeier „Die ultimativen Herausforderungen für InfoPros: Antworten, Lösungen, direktes Mitwirken am Unternehmenserfolg.“ In: Password, Ausgabe 12/15, S. 6.

4    Vgl. dazu auch die Ausführungen in der Masterarbeit von Anna Lamparter „Kompetenzprofil von Information Professionals in Unternehmen“.

Über den Autor

Michael Krake ist seit 1998 im Reed Elsevier Konzern tätig. Nach mehreren Positionen für LexisNexis im Ausland ist der ausgewiesene Informationsexperte seit 2010 Geschäftsführer der LexisNexis GmbH. Er studierte an der Universität Bonn Nordamerikanische Regionalwissenschaften sowie in Köln Informationswissenschaften. Er ist Mitglied im American + British Chamber of Commerce.


Nachrichten - Donnerstag, den 11. Februar 2016

Password-Kommentar – Mittwoch, 10. Februar 2016

Informationswissenschaft – Informationswissenschaft Düsseldorf

Die Informationswissenschaft
nach dem Abwicklungsbeschluss in Düsseldorf:

Trauen sich die Deutschen keine
Wettbewerbsfähigkeit mehr
an den Forschungsfronten zu?

Von Amanda Schwarm

Sollten wir die Weisheit und Weitsicht des Fakultätsrates der Philosophischen Fakultät in Düsseldorf nicht bewundern und loben? Die unbegründete Schließung der Informationswissenschaft mit eindeutiger Mehrheit für den Bereich, aus dem am wenigsten Widerstand entstehen konnte, hatte den großen Vorteil, dass sie schon eine einfache informationskompetente Recherche vermied. Diese hätte gezeigt, dass es im Informationszeitalter kaum eine wichtigere Wissenschaft als die Informationswissenschaft geben kann.

Ansonsten weiß die Wissenschaftsforschung seit einem halben Jahrhundert (Derek J. De Solla Price: Little Science, Big Science 1963), dass sich die Zahl der Wissenschaftler in der Welt seit Jahrhunderten etwa alle zwanzig Jahre verdoppelt. Daraus lässt sich leicht extrapolieren, dass die Hochschulen diese Wachstumsrate in absehbarer Zeit mitmachen müssen. Natürlich wollen das viele nicht wahrhaben, die von geistiger Elite schwärmen, das ändert aber nichts an den Fakten. Nun ist ein solches Wachstum mit veralteten Lehrmethoden selbstverständlich nicht bezahlbar. Insofern hat die New York Times schon 2012 zum Jahr der Massive Open Online Courses (MOOCs) ausgerufen, so dass Studierende sozusagen weltweit in Harvard, MIT, Stanford oder Yale studieren können. Da ist es nur weitsichtig, wenn eine kleine Universität mit gesunder Selbsteinschätzung im wissenschaftlichen Wettbewerb die Segel rechtzeitig streicht und wirkliche Wissenschaft den Global Playern überlässt. In Deutschland haben ja schon mehrere Hochschulen vor dem internationalen Wissenschaftswettbewerb und insbesondere in der Informationswissenschaft kapituliert. Die Alternative wäre, die Ärmel hoch zu krempeln und Informationswissenschaft von der Pike auf bis zur modernen Knowlede Organization hart zu erarbeiten. Aber wenn man das in Deutschland gar nicht erst darf, dann erinnert das an die alte DDR. Dort mussten viele Bürger Schlange stehen, weil eine arbeitende Bevölkerung zeitweise teurer war als das Nichtstun.

Etwas fatalistisch gedacht könnte man sagen, der Beschluss in Düsseldorf ist bedeutungslos, da die Digitalisierung seit einem halben Jahrhundert voranschreitet und immer mehr Wissenschaftler in immer mehr Disziplinen über informationswissenschaftliche Themen auch dann aktiv mitreden, wenn sie gar nicht wissen, dass es um Informationswissenschaft und Informationskompetenz geht. Ein bekanntes Beispiel ist der Psychologe Prof. Dr. Dr. M. Spitzer, der mit seinem Bestseller „Digitale Demenz“ deutlich gemacht hat, wie groß die allgemeine Angst in unserer Gesellschaft vor der Digitalisierung und ihren Konsequenzen ist. Dass diese Angst weitgehend einer allgemeinen Ahnungslosigkeit über die Folgen der Digitalisierung und einem Mangel an Informationskompetenz entspringt, ist offensichtlich.

Aus dieser Ahnungslosigkeit erwächst seit etlichen Jahrzehnten der Glaube vieler Laien, seit sie das Internet für sich entdeckt haben, man brauche keine Bibliothekare mehr. Wie viel Know how gerade im Internet aus informationswissenschaftlichen Arbeiten erwachsen sind und weiter entstehen, ist meist unbekannt. So ist beispielsweise Google einst aus dem Digital Library Project in den USA hervorgegangen. Es ist also richtig, wir brauchen immer weniger deutsche Bibliothekare, wenn die entscheidenden Impulse in absehbarer Zukunft aus den USA und anderen wissenschaftlich aufstrebenden Ländern kommen.

Als sich die Informationstheorie von Shannon und Weaver nach dem zweiten Weltkrieg explosionsartig über alle wissenschaftlichen Disziplinen ausbreitete, geschah das gleiche, was E. Chargaff für die Molekularbiologie beobachtet hatte („Molecular biology is essentially the practice of biochemistry without a license.“): Immer mehr Menschen interessieren sich für ein Fachgebiet, dass sie nicht studiert haben und dessen fachliche Voraussetzungen sie sich (noch) nicht erarbeitet haben. Trotzdem arbeiteten sie sich ein und einige von ihnen mit Erfolg. Die meisten von ihnen haben aber bis heute nicht verstanden, warum uns die USA mit vielen Internetideen und insbesondere Google so weit voraus sind. Und anstatt diesen Vorsprung und die damit verbundene Abhängigkeit von den USA möglichst rasch zu beseitigen, wird ein Institut der Informationswissenschaft nach dem anderen gestrichen, und eine Zusammenarbeit deutscher Informationswissenschaftler weiter erschwert. Diese Art von Sparsamkeit ist volkswirtschaftlich sehr teuer, wie schon A. v. Harnack (1921) erkannte, als er Bibliothekswissenschaft als „Nationalökonomie des Geistes“ bezeichnete.

_____________________________________________________________________________

Wozu braucht man für einen Abwicklungsbeschluss eine Begründung, wenn man nach dem St.-Florians-Prinzip entscheiden kann?

_____________________________________________________________________________

In diesem Zusammenhang fragt man sich ernstlich, wozu eine Rektorin einen Vorschlag von einem hochrangig besetzten Fakultätsrat braucht, wenn dieser sich außerstande sieht, seinen Beschluss zu begründen. Statt dessen wird nach dem St.-Florians-Prinzip (www.password-online.de/?s=florian) derjenige Bereich ausgewählt, der sich beim Mehrheitsbeschluss mit zehn Stimmen (Schließung) gegen drei (dagegen) und zwei (Enthaltungen) am wenigsten wehren kann. Alle Professoren außer dem Betroffenen stimmten für die Schließung! Lebt diese Fakultät ihren Studierenden das wissenschaftliche Denken und Arbeiten auf diese Weise vor? Welchen Sinn haben da noch die Richtlinien der DFG zu guter wissenschaftlicher Praxis? Natürlich hört sich die Ablehnung einer guten Begründung aus Zeitmangel logisch an. Ist es aber nicht. Denn man hätte ja wirklich nur eine Recherche gebraucht, um zu sehen, dass hier ein dringend wachsender Bedarf auch bei Lehrern mit Informationskompetenz in den Schule besteht. Die Philosophen haben vor Jahren ihre Position an den Universitäten verbessern können, indem sie den Ersatz des Religionsunterrichts durch den Ethikunterricht forcierten.

Abgesehen davon, dass W. G. Stock mit seinen Mitstreiter(inne)n zum Thema „Informationskompetenz in der Schule“ ein Buch heraus gebracht hat, dass die „Informationskompetenz in Schulen“ auf dem Deutschen Bildungsserver begleitet wird, die DGI seit über zehn Jahren um diese Integration kämpft und  dies für den Bildungsplan 2016 in Baden-Württemberg nun auch gelungen ist, fragt man sich, ob diese Recherche in weiser Voraussicht absichtlich unterblieb, um keine böse Überraschung bei der Fakultätsratssitzung zu erleben. Oder es wurde hier absichtlich ein Fach zur Streichung in der Hoffnung angeboten, dass schon die Rektorin dieses Streichungsangebot ablehnen muss. Der Trick als solcher – „Zur Strafe geh ich raus und friere“ – wäre ja nicht neu.

Informationswissenschaft beschäftigt sich nicht nur mit den Grundlagen zu Information, Redundanz und Rauschen oder mit der Informationskompetenz je nach Alter, Interesse oder Funktion, sie zeigt auch die verschiedenen Ebenen von Information, Semiotik und Wissen, bis hin zur Wissenschaftsforschung auf (s. Umstätter, W.: www.b-u-b.de/pdfarchiv/Heft-BuB_10_2009.pdf#page=1&view=fit&toolbar=0&pagemode=bookmarks).

Es gibt seit einigen Jahren eine Diskussion über „Deutsch als Wissenschaftssprache“ (siehe auch E. Simon, www.passwordonline.de/cms/news/15.-januar-2016.html), bei der man sich daran erinnern sollte, welchen Aufschwung das Volk der „Dichter und Denker“ nahm, als sich Goethe, Schiller und die weiteren Klassiker vom Französischen abwandten. Das hat in der heutigen Globalisierung nichts mit Nationalismus zu tun, im Gegensatz, es würde den internationalen wissenschaftlichen Wettbewerb beflügeln – aber das gilt natürlich nicht, wenn sich Deutschland den Wettbewerb in den Search Fronts (im Sinne E. Garfields), wie der Informationswissenschaft nicht mehr zutraut. Es gibt genug Nischen, in denen man noch konkurrenzlos forschen kann, weil es ohnehin niemanden wirklich interessiert. Die hätte man aus volkswirtschaftlicher Sicht natürlich auch streichen können.

Die Password Nachrichten erscheinen kostenlos und werden als E-Mail Pushdienst bereits per E-Mail an mehr als 900 Empfänger in der Informationsbranche gesendet. Die Nachrichten erscheinen auf der Webseite immer mit einer zeitlichen Verzögerung. Registrieren Sie sich jetzt für den kostenlosen Pushdienst!

Jetzt für den kostenfreien Push-Dienst registrieren

Nachrichten aus der Informationsbranche Montag 08.02.2016

Super Bowl 2016 – die Werbespots – Raffael Ball will keine Bücher mehr in Bibliotheken sehen – Twitter mit neuer Timeline in dieser Woche – Links und Tweets

Der Super Bowl ging an die „Denver Broncos“ – und im Netz wird über die gezeigten Werbeclips diskutiert. Die Preise für die Spots stiegen dabei in astronomische Höhen: Fast 5 Mio. Dollar verlangt der Fernsehsender CBS für einen dreißigsekündigen Werbeclip. Von Willem Dafoe als Marylin Monroe bis zu einem verrückten Affenbaby war alles dabei.

 

Snickers Super Bowl 2016 Commercial Willem Dafoe Marilyn Monroe

https://www.youtube.com/watch?v=Wa3D4p2dsyE

 

Taco Bell Super Bowl 2016 Commercial Bigger Than

https://www.youtube.com/watch?v=z_0T6OSh1DI

 

Coca-Cola Super Bowl 2016 Commercial Hulk vs Ant Man

https://www.youtube.com/watch?v=Pz7z9NlsrgM

 

Amazon Super Bowl 2016 Commercial | Missy Elliott, Alec Baldwin, Dan Marino & Jason Schwartzman

https://www.youtube.com/watch?v=ICbBvPPRRm8

 

Steve Harvey Super Bowl 2016 Commercial T-Mobile Drop The Balls

https://www.youtube.com/watch?v=wHI5Van9r4E

 

Doritos Super Bowl 50 Commercial 2016 Crash the Super Bowl Finalist Ultrasound

https://www.youtube.com/watch?v=ko7GuDOv4BM

 

 

Bibliotheken: Weg mit den Büchern – eine Kontroverse aus den eigenen Reihen

Besonders lesenwert – die Kommentare unter dem Artikel

Ist es die ungeschminkte Wahrheit oder nur eine stramme These die Raffael Ball der Chef der ETH-Bibliothek anstimmt? In einem Interview der Sonntagsausgabe Zücher Zeitung vom 07. Februar sieht Ball den Niedergang der Bibliotheken, wenn nicht „alter Ballast“ über Bord geschmissen wird.

Die wichtigsten Thesen aus dem Interview in einer Shortlist

 

Wer Inhalte sucht, braucht keine Bibliothek mehr.

 

…mit der Volksbildung sind die öffentlichen Bibliotheken gekommen, mit dem Internet gehen sie wieder

 

Bibliotheken werden überbewertet

 

Die Bibliothek ist nur ein Hort von Büchern

 

Wissen schafft man nicht, indem man eine Million Bücher in eine Bibliothek stellt

 

Das Informationsmonopol der Bibliothek ist gekippt

 

Es wurde in der Geschichte der Menschheit unglaublich viel Mist geschrieben und publiziert. Der steht jetzt in Bibliotheken.

 

Bücher: Die müssen wir alle digitalisieren

 

Der komplette Artikel online unter

http://www.nzz.ch/nzzas/nzz-am-sonntag/bibliotheken-weg-mit-den-buechern-interview-rafael-ball-eth-ld.5093

 

Links & Tweets

New! ProQuest Dialog LibGuide http://proquest.libguides.com/proquestdialog .

Neue Stellen für Information Professionals #jobs #infopro http://ht.ly/Y4xvI

How Digital Media is Transforming | Willis Towers Watson & World Economic Forum @wef http://ow.ly/XOM9n

Wie die neue Twitter Timeline funktioniert

http://www.theverge.com/2016/2/6/10927874/twitter-algorithmic-timeline

Die Password Nachrichten erscheinen kostenlos und werden als E-Mail Pushdienst bereits per E-Mail an mehr als 1.000 Empfänger in der Informationsbranche gesendet. Die Nachrichten erscheinen auf der Webseite immer mit einer zeitlichen Verzögerung. Registrieren Sie sich jetzt für den kostenlosen Pushdienst!

Jetzt für den kostenfreien Push-Dienst registrieren

PASSWORD - Nachrichten - Freitag, den 5. Februar 2016

21. IK Symposium in Berlin – 2016 Edelmann Trust Barometer – 21.000 Penguin E-Books bei Ebsco – Alerts bei Dialog ProQuest einrichten - Wechsel bei der Google Entwicklungsabteilung

Dieses Jahr treffen sich die Information Professionals der Finanzbranche in Berlin und haben BIG DATA als Themenschwerpunkt für sich entdeckt.

BIG DATA – WIRKLICH ALLWISSEND?

Chancen, Anwendungen und Risiken

Große Datenmengen und ihre Verarbeitungsmechanismen sind für die Informationswirtschaft kein Neuland. Das Sammeln, Archivieren und Analysieren von Informationen gehörte schon immer mit zu den Aufgaben der Branche. Mit Big Data kommt eine neue Dimension hinzu. Unter dem Titel „Big Data – wirklich allwissend? Chancen, Anwendungen und Risiken“ lädt der Informations- und Kommunikationsring der Finanzdienstleister zu seinem 21. Symposium ein – und fragt: Was bedeutet Big Data für Finanzdienstleister, was speziell für Informations- und Kommunikationsexperten? Ist Big Data eine große Offenbarung und Geldmaschine oder werden Datenschutzprobleme und falsche Datengläubigkeit nur vergrößert? Schon heute gehören Big Data-Methoden zum Arbeitsalltag in vielen Unternehmen – auch und gerade in der Finanzwelt. Welche Einsatzgebiete sind vorstellbar und wie werden sie unser Arbeitsleben verändern? Prominente Experten geben Antworten, diskutieren über Trends und wagen Prognosen.

Die Referenten und Themen

Big-Data-Einsatz im Überblick - Chancen, Verantwortung, Leitlinien
Susanne Dehmel Mitglied der Geschäftsleitung Bitkom e.V.

Big Data als Game Changer - Anwendungen und Chancen am Beispiel der Finanztechnologie (FinTech)
Dr. Volker Stümpflen Director Data Science Sanostro AG

Innovationsfaktor Analytics. Neue Handlungsfelder und aktuelle Lösungen
Klaus Fabits Director Center of Excellence der SAS Institute GmbH

Big Data - Innovative Chancen und Risiken. Zur Dynamik komplexer Systeme in Natur, Technik, Finanz und Gesellschaft
Prof. Dr. Klaus Mainzer Technische Universität München

Podiumsdiskussion: Jenseits von Ursache und Wirkung: Wie mit Big Data die Korrelation zur Wahrheit wird
Einführung und Moderation: Dr. Rafael Ball Beiratsmitglied IK Direktor ETH Bibliothek Zürich

Termin: 15.04.2016
Veranstaltungsort: Bundesverband öffentlicher Banken

Weitere Informationen, ein Flyer und die Anmeldung zur kostenfreien Veranstaltung kann über die Webseite des IK unter http://www.ik-info.de/aktuelles/21-ik-symposium-big-data-wirklich-allwissend vorgenommen werden.

Die Junge Generation vertraut Suchmaschinen mehr als Journalisten

Die jährliche Untersuchung des PR Gurus Richard Edelmann alarmiert die Journalistenszene. Die klassischen Medien erreichen die jungen Generationen nicht mehr.

So haben die klassischen Print- und TV-Medien in den vergangenen Jahren beim Vertrauen um 6% eingebüßt. Mit 56 Prozent holen die Suchmaschinen mittlerweile die klassischen Medien ein. Auch ein Gewinner sind die Online-Medien. Sie legten alleine seit 2012 um 16 Punkte, auf jetzt 46 Prozent zu.

Als Lösung empfiehlt der Stratege den klassischen Medien einen absoluten Ansprache- und Formatwandel.

Links und Tweets

#studie #Digitalisierung: die Arbeit wird flexibler, dezentraler. Kommunikationsfähigkeit ist wichtig http://www.faz.net/-gyl-8cy2f#GEPC;s91 … via @faznet

21,000 Penguin Random House Ebook Titles Now Available on @EBSCO #eBooks Platform & More News Headlines ow.ly/XXffO #

Tips on creating alerts in ProQuest Dialog: ow.ly/XGTtF.

#fiznewsline: #Google‘s Suchmaschinen-Chef Amit Singhal geht – Es folgt John Giannandrea, der bisher an #KI forschte bit.ly/1NRCWsn


#saveIWS: Das große Theater der Informationswissenschaften in Düsseldorf

Informationswissenschaften Düsseldorf
nur mit realer Überlebenschance
bei Fortsetzung des Protestes
und Einbindung von Politik und Medien

Nach Abwicklungsbeschluss der Medien muss die Rektorin entscheiden

Von Michael Klems

Da sitzt sie nun, die kleine Maus. Sie starrt auf die rasselnde Schlange und hofft, wenn sie nur keine Bewegung macht, nicht zur Mahlzeit des Reptils zu werden. Diesen Eindruck mag der außenstehende Wirtschaftler von der Entwicklung in Düsseldorf haben, die zu einer Entscheidung führte, die der Informationsbranche überhaupt nicht schmeckt: Die geplante Einstellung des Studiengangs „Informationswissenschaft“ an der Heinrich-Heine-Universität ereignete sich nicht so plötzlich, wie sie nach Außen erscheinen mag. Ein Professor geht nicht ungeplant in Rente und ein Dekan fällt eine Entscheidung nicht über Nacht. Kürzungspolitik, Mittel- und Projektlaufzeiten sind weitreichend bekannt wie der jährliche Heilig-Abend-Termin. Es folgt der Versuch einer Darstellung der Rollenverteilung in diesem Drama mit mehreren Akten, von denen wir nur die beiden finalen Akte sehen werden. Wenn dann der Vorgang fällt, wird dieses Stück in das Archiv der Mythen verschwinden.

 

Als Betrachter von #saveIWS entwickelt man über die Beiträge und Tweets, aber auch über weitere Gespräche ein Bild. Meine erste Reaktion nach dem Bekanntwerden einer möglichen Schließung des Fachbereichs Informationswissenschaft war ein Telefonat mit Willi Bredemeier. Für mich war es wichtig zu erfahren, welche Relevanz die Informationswissenschaft für die Branche hat. Ich bin hier ehrlich: Was bringt Informationswissenschaft den Information Professionals? Diese Message hatte mich bislang nicht erreicht. Die Webseiten der Ausbildungsgänge im Bereich Dokumentation und Informationswissenschaften hatte ich unter der Vorbereitung für die „Steilvorlagen Veranstalltungen“ ab und an eingesehen. Das wird sich jedoch ändern.

 

Jeder Person und Gruppierung kommt im Fall #saveIWS eine Rolle zu. Das Bild hierzu habe ich mir über die öffentliche Darstellung und Gespräche beispielsweise mit der Fachschaft (Podcast Interview)  gebildet. Eine Übersicht bietet Ihnen das Storyfi Board zu #saveIWS. Es ist eine subjektive Sichtweise. Nutzen Sie bitte die Kommentarfunktion für Ihre Meinung und Sichtweise. Sie haben durch ihre Informationen einen anderen Blick auf die Dingen. Es wäre interessant, diese zu erfahren.

 

„Mit den Studenten wird Roulette gespielt“

Die meisten Studenten haben vom Sachverhalt sehr wahrscheinlich genauso spät erfahren, wie die Medien und Köpfe außerhalb des Campus. Wir kennen dies aus Unternehmensgeschichten, bei denen die Mitarbeiter erst über die Presse erfuhren, dass man die Firma dicht machen wird. Wie immer handelt es bei diesen Ereignissen um eine Vielzahl von Einzelschicksalen. Selbst bei den Studenten muss differenziert werden. Diejenigen Studis, die kurz vor dem Abschluß stehen oder diesen in greifbarer Nähe haben, wird sich nicht viel tun. Vielleicht ist es nun ein kleiner Push (Tritt in den…), die Sache schnellstmöglich zu Ende zu bringen. Weitaus dramatischer stellt sich die Situation für die Einsteiger in den ersten beiden Semestern dar. Es steht ein Niedergang der Ausbildungsqualität durch schwindendes Personal und enormer Druck bevor. Der Druck resultiert aus der Notwendigkeit, in einer festgelegten Zeit das Studium beenden zu müssen, bevor die Lichter in der Düsseldorfer Informationswissenschaft ausgehen.

Die Studentenschaft hat durch das Auftreten bei der Fakultätsratssitzung eine Präsenz gezeigt. Wieviele Studenten sind im Fachbereich? Wie viele waren auf der Abstimmungsveranstaltung? Da ist noch Luft nach oben – auch bei der Nutzung der sozialen Medien. Immerhin lernen dies die Studenten laut Vorlesungsplan. Eine wirklich liebe Truppe und im Sinne von Gunther Dueck zu lieb. Wer mag, darf sich mein Pinterest-Board zu lieben Information Professionals anschauen.

 

Hilflos in Düsseldorf – die Fachschaft strampelt sich ab

Krisenkommunikation und Krisenmanagement sind Aufgaben, die ein Fachschaftsrat sicherlich kaum als Kernaufgabe ins Auge fasst, wenn er sein Amt an der Hochschule antritt. Wir kennen diese Rolle aus anderen Ereignissen im betrieblichen Umfeld. Hier sind es die Betriebsräte, die gemeinsam mit den Gewerkschaften versuchen müssen, zu retten was vielleicht nicht zu retten ist. Diese haben jedoch ein gesetzlich verbrieftes Recht der Mitwirkung. Bei der Fachschaft bleibt es bei der Anhörung. Gemeinsam mit allen Akteuren wird es eine Kernaufgabe der Fachschaft sein, die Aktivitäten zu bündeln und zu koordinieren. Die Kunst der Fachschaft muss es zusätzlich sein, den Laden zusammen zu halten. Mir will das Bild der Musiker auf der sinkenden Titanic nicht aus dem Kopf.

 

Prof. Dr. Stock: Der Lotse geht von Bord

Jahrelang hat der Professor für seine Studenten und Mitarbeiter die Geschicke des Bereichs Informationswissenschaft gelenkt. Lotsen werden an Bord geholt, um die Navigation in nicht bekannten Gewässern mit dem Kapitän des Schiffs zu managen. So wissen diese frühzeitig, wann Untiefen folgen und was hinter der nächsten Flussbiegung folgt. Aus journalistischer Sicht hätte ich drängende Fragen an den Professor: Seit wann waren Ihnen die Planungen zu Einsparungen in Ihrem Fachbereich bekannt? Hätte man aus dem Niedergang in Potsdam nicht Schlüsse ziehen müssen? Wie engagiert gehen Sie persönlich gegen die Abschaltung der Informationswissenschaft vor? War es taktisch nicht unklug, erst auf  öffentlichen Widerstand und Protest zu setzen, als die Entscheidung zur Abwicklung der Informationswissenschaft fast unmittelbar bevorstand? Wäre es vielleicht besser gewesen, über die Informationswissenschaften hinaus stärker auf eine Mobilisierung der Medien und der Politik zu setzen, zumal es Buzzwords wie „Digitalisierung“ und „Wissenschaftsgesellschaft“ gibt, die die Sache der Informationswissenschaft stützen und in den Ohren von Politik und Medien gut klingen?

 

Trotz aller Leistungen der Vorjahre bleibt der fade Beigeschmack, die Informationswissenschaft nicht lebenserhaltend betrieben zu haben. Das Finanzamt spricht bei selbständigen Tätigkeiten, die mehr Kosten als Nutzen verursachen, von Liebhaberei. Sicherlich ist es bei der Informationswissenschaft weitaus anders. Doch diese Information hat die Öffentlichkeit und wichtige Gremien nicht erreicht. Ohne eine stützende Hand, eine Schippe Sand unter dem Kiel wird die Durchfahrt nichts. Professor Stock: Seine Aufgabe ist es, auch diese Unterstützungen frühzeitig mit zu organisieren und taktisch bei künftigen Schritten vielleicht ein wenig gewiefter zu sein.

 

Dekan Prof. Dr. Rosar: Hardliner aus Überlebensgründen 

Auch der Dekan stand unter Druck und hatte nach eigenen Worten „beschissene“ Entscheidungen zu fällen. Die landesweiten Folgen dürften ihn kaum interessieren, denn er muss Kennzahlen und Vorgaben seiner Hochschule umsetzen. Ein großer Posten ist der Finanzetat, den sein Haus erhält. Diesen hat er aufzuteilen und nutzbringend zu investieren. Reine Mathematik für einen Professor der Philosophie, der die Digitalisierung als SmartPhone oder am PC-Arbeitsplatz nutzt. Diese wird auch ohne den Fachbereich Informationswissenschaft weitergehen. Er muss Prioritäten setzen und effizient sein.

Zwar hatte Rosar im Vorfeld Gesprächsbereitschaft signalisiert. So sagte er zumindest. Wie der Verlauf der Fakultätssitzung am letzten Dienstag allerdings nahe legt, bedeutete Gesprächsbereitschaft für ihn nicht, Argumente, die seine vorab getroffene Entscheidung hätten infrage stellen können, in einer ernsthaften Weise zur Kenntnis zu nehmen. Als Hochschulpolitiker muss die Versuchung für ihn, die ihm vom Rektorat vorgegebenen Kürzungen um zwei W3-Stellen dort vorzunehmen, wo dies am geräuschlosesten zu bewirken, groß gewesen sein. Und aus diesem Kalkül lag die Eliminierung der Informationswissenschaft am ehesten nahe, da Prof. Stock in drei Jahren in Rente geht und es keine weiteren Professoren in Düsseldorf gibt, die die Informationswissenschaft als eigenes Fach hätten verteidigen können. Hätte er versucht, in einem anderen Bereich zu kürzen, hätten die dortigen Professoren wahrscheinlich eine Phalanx gegen ihn gebildet. Aber so brachte er seine Fakultätsmitglieder in der Abstimmung mit zehn Ja-Stimmen geschlossen hinter sich, die nach dem St.-Florians-Prinzip lieber für eine Eliminierung der Informationswissenschaften stimmten als Kürzungen im eigenen Bereich hinzunehmen. (Die drei Gegenstimmungen und zwei Enthaltungen kamen ausschließlich aus dem studentischen und außerwissenschaftlichen Bereich.)

 

Rektorin Prof. Dr. Steinbeck: Mutti wird es richten

Alles blickt auf die Grand Dame der Hochschule der Landeshauptstadt in Nordrhein Westfalen. Dabei war sie es, die den Prozess in Bewegung setzte, der letztlich zum Fakultätsbeschluss führte, die Düsseldorfer Informationswissenschaften abzuwickeln. Die Rektorin richtet, um den Ruhm ihrer Hochschule zu mehren, einen Innovationsfonds ein. Dieser soll finanziert werden, indem querbeet durch die Fachbereiche der Hochschule Einsparungen vorgenommen werden.

Allerdings sollen diese Einsparungen in Verhandlungen zwischen Rektorat und den Fachbereichen vorgenommen werden. Wenn Prof. Rosar also einen Fakultätsbeschluss durchdrückt, nach dem die Informationswissenschaften abzuwickeln sind, und auch einer Bitte des Rektors nicht nachkommt, diesen Punkt von der Tagesordnung zu nehmen, so handelt er nicht im Konsens mit dem Rektorat. Aber reicht diese Verstimmung für den Rektor aus, sich auf die Seite der Informationswissenschaften zu stellen? Sicher nicht, auch wenn die eleganteste Lösung des Konfliktes darin bestünde, die Informationswissenschaften aus den Philosophentürmen herauszunehmen und in den Innovationsfonds der Rektorin zu stellen.

 

Die Rektorin kann auf Einzelschicksale keine Rücksicht nehmen. Sie muss das große Ganze im Blick haben. Laut ihrem Profil kommt Frau Steinbeck aus dem gewerblichen Rechtsschutz. Sie wird also genau wissen, wie wichtig Informationen für die Forschung und Entwicklung, aber auch für den Fortbestand eines Unternehmens sind. Einerseits wird sie unnötigen Ärger mit ihren Fachbereichen zu vermeiden suchen und also gleichfalls in Versuchung geraten, in der Zustimmung zu dem Beschluss der Fakultät den geräuschlosesten Weg und damit die Lösung zu sehen. Andererseits ist die Rektorin anders als der Dekan und seine Fakultätsmitglieder nicht nur für inneruniversitäre und innerwissenschaftliche Einflussnahmen offen. Die vielen Proteste aus Wissenschaft und Praxis dürften sie daher stärker beeindruckt haben als den Dekan. Diese Prognose darf daher gewagt werden: Wenn die Informationswissenschaften in Düsseldorf eine reale Überlebenschance haben sollen, wird es ohne eine Fortsetzung des Protestes und ohne eine Einbeziehung der Medien, der Ministerialverwaltungen und der Politik nicht gehen.

 

Die Ehemaligen: Retter aus Überzeugung

 Wären die ehemaligen Absolventen nicht mit einer Meldung an die Öffentlichkeit getreten und hätte Willi Bredemeier und sein Netzwerk (zu dem ich auch zählen darf) mobilisiert, so wäre die gesamte Angelegenheit nicht derart ins Rollen gekommen. Redlich versuchen Prof. Dr. Dirk Lewandowski, Prof. Dr. Isabella Peters, Dr. Jasmin Schmitz, Dr. Violeta Trkulja und Dr. Katrin Weller zu retten, was kaum noch zu retten erscheint. Getrieben werden diese durch die Erkenntnis, dass Belege für die Wichtigkeit der Informationswissenschaft gefragt sind. Redlich versuchen sie zu flankieren, zu mobilisieren und zu motivieren und scheitern dennoch, da Krisenmanagement und PR nicht auf dem Lehrplan stand.

„Ich sehe die einzige Rettung nur durch Hilfe von Institutionen aus dem Nicht-Wissenschaftlichen-Umfeld. Dies haben einzelne Akteure noch nicht erkannt“ – Michael Klems

 

DGI: „Wir sind nicht der ADAC der Branche“

Es tut mir leid, aber dieses Zitat, welches mir in einer Debatte mit einem damaligen Vorstandsmitglied der DGI vorgehalten wurde, sitzt tief und zeigt, welche Chance dieser Verein in dieser Situation abermals nicht genutzt hat. Mit seiner Organisation „Junge DGI“ hätte er die Studentenschaft unterstützen sollen. Dabei darf es nicht nur bei einem Schreiben bleiben, das erst auf Nachfrage per Twitter veröffentlicht wird. Das Schreiben des Vorstands ist das Mindeste, was dieser Verein leisten kann. Das Abschaffen eines Studiengangs der Mitglieder muss Chefthema und Nummer 1 auf der Agenda der weiteren DGI-Tätigkeiten sein. Die „Junge DGI“ wird ihrer Berufung auch hier nicht gerecht und ist ein weiterer Punkt des DGI-Leistungsprofils ohne besonderen Nachweis. Der Verein, der für sich selbst Branchenrelevanz auf die Fahnen schreibt, sollte in umfassender Transparenz alle Aktivitäten in einem solchen Fall im Tagebuch-Format darstellen. Digital nennt sich ein solches Tagebuch Blog. Die zahlenden Mitglieder, insbesondere die Studenten, haben diesen Tätigkeitsnachweis im Krisenfall mehr als verdient und sollten dies in einer Mitgliederversammlung unter dem Punkt „Verschiedenes“ einfordern. Dabei geht es in der aktuellen Situation nicht um eine Autopanne, sondern hier steht ein Haus im vollen Brand.

 

„Ja ich habe es wieder getan und nutzen Sie bitte Ihre Energie für den Einsatz der Studentenschaft in Düsseldorf.“ – Michael Klems

 

Bredemeier, Hochschulradio und Umstätter – Gnadenlose Analysten

Das Hochschulradio versucht, eine objektive Sichtweise auf die Ereignisse zu geben, während Bredemeier und Umstätter schonungslos den Niedergang der Informationsbranche nicht nur, aber auch als Folgen rückläufiger Finanzierung dokumentieren.

Fachliche Argumente spielen auch bundesweit kaum eine Rolle, wenn es um die Finanzen geht. Die Geschichten von Niedergängen in der Informationsbranche werden nicht abreißen.

 

Die aktuellen Ereignisse in Düsseldorf sollten allen Beobachtern zu denken geben. Sind Studiengänge passend in der Hochschule eingebunden? Wie ist die Wahrnehmung eines informationswissenschaftlichen Fachbereiches an der Universität, international und national in der eigenen Disziplin sowie in Wirtschaft, Politik und in den Medien? Aber auch der Markt der Information Professionals muß sich viele Fragen gefallen lassen. Sind wir präsent? Sind wir wahrnehmbar und werden wir überhaupt nach Außen vertreten?

 

Die Informationsbranche ist auf dem besten Wege, die Hoheit über den Begriff „Information“ zu verlieren und diesen an andere Branchen abzugeben. Diese Anderen sind die Digitals mit den Schwerpunkten Content, Internet der Dinge und Industrie 4.0. Information ist ohnehin da und kommt aus der Suchmaschine. Qualitätsinformation und Tiefgang muß spektakulär verpackt werden. Die Marktteilnehmer, die es schaffen, dies zu besetzen und auch zu verkaufen werden als Profiteure hervorgehen.

 

Persönlich möchte ich allen Akteuren für ihren Einsatz danken und zu mehr Geschlossenheit aufrufen. Die Branche ist da, jedoch zu leise und zu still. Lassen Sie uns das ändern.

 

Ich freue mich auf Ihre Kommentare.

Über den Autor
Michael Klems ist seit 1991 als selbständiger Information Professional tätig. Bereits 1994 hat er mit dem Buch „Informations-Broking“ die Tätigkeit eines Information Professionals lange vor dem Internet Hype beschrieben. Er ist Autor zahlreicher Fachbeiträge im Online-Bereich und als Trainer für die elektronische Recherche in Europa tätig. Klems ist der Kopf hinter dem Online-Dienst infobroker.de. Seit 2011 ist der Kölner in seiner Wahlheimat in Sonthofen im Allgäu tätig.


Breaking News - Dienstag, den 2. Februar 2016

DIMDI – ZB MED

Recherchen nach Informationen
im Bereich Lebenswissenschaften

Der einstige Pionier der Fachinformationsbranche
gibt alle Literaturdatenbanken auf

Der Dienstleister des Gesundheitsministeriums
konzentriert sich künftig auf Fakten

ZB MED wird zentraler Ansrpechpartner
für Recherchen
im Bereich der Lebenswissenschaften

Ulrich Korwitz: „ZB MED prüft, welche Datenbank
sie in Livivo übernehmen kann“

Ab 2017 konzentriert DIMDI (Köln) sein Datenbankangebot auf medizinische Fakten und nimmt seine Literaturdatenbanken aus dem Programm. Damit setze es, so der bisherige Informationsanbieter, Ressourcen frei, um seine gesetzlich begründeten Informationsaufgaben ausbauen zu können. Weiterhin anbieten und weiterentwickeln will DIMDI seine Informationssysteme und Datenbanken zu Arzneimitteln, Medizinprodukten, medizinischen Begriffssystemen, Versorgungsdaten und Health Technology Assessment. Neue zentrale Anlaufstelle für Recherchen im Bereich der Medizininformationen oder allgemeiner der Lebenswissenschaften wird ZB MED.

DIMDI begründet die Umstrukturierung seiner Produktpalette mit seinem „erheblichen Zuwachs an gesetzlichen Aufgaben in den letzten Jahren“. Datenbanken werde es nur noch im Rahmen der gesetzlich begründeten Informationssysteme anbieten. Zum Jahresende 2016 nimmt das Institut daher mit Ausnahme von DAHTA, GMS und GMS Meetings alle Literaturdatenbanken aus seinem Angebot. Die elektronische Literaturversorgung für die Medizin ist ab 2017 bei der ZB MED konzentriert.
Die Chancen, ein ganz großer Informationsanbieter zu werden, durften nicht aufgegriffen werden.

Die Aufgabe der Literaturdatenbanken bei DIMDI stellt einen Bruch in der Entwicklung der (Fach-)Informationsbranche dar. In den Pionierjahren der Branche gab es Literaturdatenbanken und sonst nichts. DIMDI war einer der ganz großen Pioniere der Informationsbranche, der sich im Prestigewettbewerb mit anderen Fachinformationszentren immer wieder mit der Einführung neuer Funktionen als erster auf dem deutschen Markt hervortat. Dazu vertrieb DIMDI die großen internationalen Medizininformationsdatenbanken wie MEDLINE auf dem deutschen Markt, dies in Konkurrenz mit den privaten internationalen Anbietern.

Die Chance, ein ganz Großer im Bereich der Medizininformation zu werden, indem DIMDI in den damals noch nicht besetzten Bereich der Medizininformation und -beratung für tatsächliche und potenzielle Patienten vorzustoßen – eine Möglichkeit, die ich in den 80er Jahren wiederholt mit dem damaligen Geschäftsführer des DIMDI diskutiert habe -, blieb dem Anbieter als nachgeordnetes Institut des Bundesgesundheitsministeriums versagt.  Dies führte auch dazu, dass sich das Aufgabenprofil in den letzten Jahren immer stärker in Richtung höchstspezialisierter Aufgaben, die in den Augen des Ministeriums hochrelevant, für die Branche jedoch von geringerer Bedeutung waren, verschob. Auf der anderen Seite rückte das ZB MED mit immer neuen innovativen Projekten stärker ins Zentrum der Informationsbranche und der Informationsinfrastruktur.

DIMDI werde  auch künftig von seinen Erfahrungen mit Literaturdatenbanken profitieren, sagt der Anbieter. Denn es behalte „mit seinen Informationssystemen eine aktive Rolle als Anbieter medizinischer Datenbanken und baut diese sogar aus: So bietet sein jüngstes, noch im Ausbau begriffenes System mit Versorgungsdaten der gesetzlich Versicherten für die Forschung ganz neue Möglichkeiten, das Versorgungsgeschehens im Rahmen der Versorgungsforschung und für Steuerungsaufgaben zu analysieren.“

Medizinrecherche: zentral bei der ZB MED

DIMDI weiter: „Die ursprüngliche Trennung zwischen elektronischer Information in Literaturdatenbanken und der papiergebundenen Form in Bibliotheken ist im Laufe der Jahre mehr und mehr verschwunden. Der langjährige DIMDI-Partner ZB MED – Leibniz-Informationszentrum Lebenswissenschaften hat zunehmend auch elektronische Angebote übernommen, einige Datenbanken hatte das DIMDI schon vor Jahren für dessen Suchportal LIVIVO zugänglich gemacht. Heute bündelt die ZB Med beide Aufgaben und ist damit für Deutschland der zentrale Anbieter für Literatur aus den Lebenswissenschaften. Dort sind auch einige der künftig beim DIMDI nicht mehr angebotenen Datenbanken verfügbar, beispielsweise MEDLINE, aber auch Psyndex und Ethmed, die bisher nur beim DIMDI recherchierbar waren.

Dazu der Leiter von ZB MED, Ulrich Korwitz, zu Password: „ZB MED prüft, welche Datenbank sie in Livivo übernehmen kann.“

Originäre Daten weiterhin beim DIMDI

Neben den oben genannten Informationssystemen und Datenbanken betreibt das DIMDI auch künftig seine originären Datenbanken und Register wie im Portal PharmNet.Bund (Arzneimittelinformationen des Bundes und der Länder) oder das Register mit Objekt-Identifikatoren für den Bereich „Deutschland Gesundheitswesen“. Im Programm bleiben weiter spezielle Datenbanken für begrenzte Nutzerkreise (insbesondere Behörden).

Folgende Datenbanken entfallen ab 2017:
•         BIOSIS Previews
•         Cochrane-Datenbanken (CCTR, CDSR, CDAR, INAHTA, NHSEED)
•         CAB Abstracts
•         Global Health
•         EMBASE/EMBASE Alert
•         Ethmed
•         ISTPB + ISTP/ISSHP
•         MEDLINE
•         PsycInfo
•         Psyndex
•         SciSearch

Ergänzende Informationen auf der DIMDI-Website:
•    Datenbank-Informationen (mit Kontaktangaben zu Herstellern)
•    Informationssystem Arzneimittel
•    Informationssystem Medizinprodukte
•    Informationssystem Versorgungsdaten
•    Informationssystem HTA
•    PharmNet.Bund
•    OID-Register

Weitere Informationen im Web:
•    Portal PharmNet.Bund
•    LIVIVO (Portal der ZB Med)

Herausgeber:
Password Redaktionsbüro
Dr. Willi Bredemeier
Erzbergerstraße 9-11
45527 Hattingen

Tel: (02324) 67009
E-Mail: w.bredemeier@password-online.de
Web: www.password-online.de

Die Password Nachrichten erscheinen kostenlos und werden als E-Mail Pushdienst bereits per E-Mail an mehr als 900 Empfänger in der Informationsbranche gesendet. Die Nachrichten erscheinen auf der Webseite immer mit einer zeitlichen Verzögerung. Registrieren Sie sich jetzt für den kostenlosen Pushdienst!

Jetzt für den kostenfreien Push-Dienst registrieren

Password-Nachrichten - Montag, den 1. Februar 2016

Informationswissenschaft Düsseldorf - Informationswissenschaft Deutschland - 
Walther Umstätter - AStA Universität Düsseldorf - Isabella Peters - 
Europäische Kommission - Altmetrics

Informationswissenschaft

Schließung der Informationswissenschaft
schreitet seit Jahrzehnten voran

Wenn die Informationswissenschaft
nicht fundamental aufgebaut wird,
macht der Letzte hier bald wirklich das Licht aus

Mittlerweile haben praktisch alle regelmäßigen Autoren von Password gegen die beabsichtigte und von der Philosophischen Fakultät der Universität Düsseldorf durchgewunkene Schließung der Düsseldorfer Informationswissenschaft Stellung bezogen. Password-Autor Walther Umstätter setzt den Vorfall in die allgemeinere Entwicklung des jahrzehntelangen Niederganges der Informationswissenschaft nach Stellen und Finanzierung und fürchtet um die Existenz der gesamten Disziplin. Wir übernehmen seinen Beitrag aus „Internet in Bibliotheken“.

 „Für diejenigen Informationsspezialisten, die es inzwischen vergessen haben sollten: Die Schließung der Informationswissenschaft schreitet in Deutschland seit Jahrzehnten voran. Nachdem die Nachfolge von Wersig an der FU Berlin, die von R. Kuhlen in Konstanz, die von H. Zimmermann in Saarbrücken, oder auch die von P. Kaegbein in Köln gestrichen war, ist nun die von W. Stock in Düsseldorf virulent. Auch die Streichung der Dokumentation in Potsdam ist nicht zu vergessen.

Siehe auch. die Schule für Medizinische Dokumentation in Ulm.

Ich entsinne mich noch gut daran, dass P. Kaegbein nach dem Mauerfall noch viel Kraft in den Neuaufbau des Instituts für Bibliotheks- und Informationswissenschaft der HU-Berlin gesteckt hatte, und dass ich, nachdem ich bei diesem Neuanfang zufälligerweise die erste berufene Professor an der HU inne hatte, den Dekan der Philosophischen Fakultät. I 1994 besuchte, um mir bereits anzuhören, dass nun wieder Stellenstreichungen im Gange waren. Was lag für die Fakultät näher, als ein Institut zu streichen, das noch gar nicht vollständig besetzt war. Danach waren wir, bis zu meiner Emeritierung 2006 vorwiegend damit beschäftigt, alles zu tun, um dieses Institut zu retten. Als gäbe es nichts Wichtigeres in der Informationswissenschaft zu tun. Es gab damals viele, die uns halfen, so wie auch Prof. E. Mittler, der die Neubesetzung durch Prof. M. Seadle sehr professionell erreichte. Danach kamen noch Prof. P. Schirmbacher und Prof. V. Petras hinzu. Trotzdem kann man sich nicht sicher sein, ob dieses Institut auf längere Sicht in trockenen Tüchern ist.

Es gehört mit zu der aktuellen Diskussion „Sind Universitäten unregierbar?“, dass der Ausbau von Hochschulen, oder auch die Streichung von Instituten keine Frage der inhaltlichen Diskussion sind, sondern fast ausschließlich aus taktischen Erwägungen entspringen. Was lässt sich mit dem geringsten Widerstand streichen? Ab wann sind Studentenunruhen zu erwarten? Es ist auch gleichgültig, wie viele iatrogene Schäden die Medizin und die Pharmazie jährlich erzeugt, ihre Lobby sorgt für ungebremstes Wachstum bei den Versicherungen.

Ich entsinne mich, dass sich unser Dekan, bei seinen Streichungsüberlegungen vehement dagegen verwahrte, dass sich Außenstehende in seine Entscheidungsfindung einmischen wollten. Dazu pickte er sich auch gern Argumente von Briefschreibern heraus, die er anhand ihres mangelhaften Insiderwissens lächerlich machen konnte, um damit auch unsere Bemühungen wenn möglich ins Lächerliche zu ziehen. Ich vermute, dass die Entscheidungsträger in Düsseldorf auch auf ihre „Informationswissenschaft und Sprachtechnologie“ verweisen werden.

Ein Argument, unser Institut zu schließen, war damals auch, dass der hohe Praxisbezug eine Aufgabe der Fachhochschule in Potsdam sei. Insofern sollten Informationswissenschaftler, die den hohen Praxisbezug betonen, der ja unzweifelhaft besteht, vorsichtig sein, wenn sie dabei das informationstheoretische Fundament der Informationswissenschaft vernachlässigen.www.welt.de/print-welt/article332009/Information-ist-neben-Materie-und-Energie-die-oft-vergessene-dritte-Saeule-der-Physik.html

Es würde mich zwar freuen, aber auch wundern, wenn sich an den bevorstehenden Beschlüssen in Düsseldorf argumentativ noch so rasch etwas ändern ließe und ob genug Studierende dafür auf die Straße gehen, ist fraglich.

Auch die Resonanz hier in Inetbib lässt noch nicht erhoffen, dass es einen Aufschrei der Empörung geben wird. … Schon kurz nach dem IuD-Programm hatte die Bundesrepublik Deutschland aufgegeben, der dokumentarischen Vormachtstellung der USA Paroli zu bieten. Während man hierzulande diskutierte, ob es Digitale oder Hybride Bibliothek heißen sollte, hat man im Digital Library Programm der USA Google aus der Taufe gehoben. Schon am Beginn des Internets erkannte das US-Amerikanische Militär welches Potential im Internet (Arpanet) steckte, während man hier Jahrzehnte danach über die Enthüllungen von E. Snowden Erstaunen demonstrierte.

Alle beklagen die Monopolstellung von Google, und der Kollege D. Lewandowski versucht ja auch mit einem konstruktiven Vorschlag zu seinem freien Web-Index Abhilfe zu schaffen, aber wenn die Informationswissenschaft ab- und nicht fundamental aufgebaut wird, macht der Letzte hier bald wirklich das Licht aus.

MfG Walther Umstätter“

#saveIWS 

Studierende und AStA nicht oder zu spät
von Düsseldorfer Schließungsplänen informiert

Hätten die Studenten der Informationswissenschaft bereits vor zwei Monaten von
den Schließungsplänen zu den Informationswissenschaften in Düsseldorf wissen können? Glaubt man dem Kommentar auf dem Hochschulradio unter so liegt es am
Desinteresse der Studierenden, die AStA-Veranstaltungen zu besuchen.

Kommentar Hochschulradio: http://hochschulradio.de/politur-am-donnerstag-28-januar/

Die AStA stellt den Kommentar der unter den Studierenden für sehr viel Ärger
sorgte auf Facebook klar: „An dieser Stelle, möchten wir auch betonen, dass wir nicht eher über die Schließung der Informationswissenschaften Bescheid wussten. Wir wussten nur
von den unkonkreten Plänen, die aber schon seit Jahren bestanden haben.“
https://www.facebook.com/AStAHHU/posts/10153433527890292

Isabella Peters

Empfehlungen für ein Bewertungssystem
jenseits des Impact Factors

Password-Autorin Isabella Peters wurde von der Europäischen Kommission als Mitglied der High Level Expert Group „Expert Group on Altmetrics“ berufen (Generaldirektion Forschung und Innovation).

Die sechs Mitglieder der EU-Expertenkommission sollen Vorschläge für ein alternatives Bewertungssystem wissenschaftlicher Arbeit jenseits des quantitativen zitationsbasierten Impact Faktors erarbeiten. Isabella Peters ist Wissenschaftlerin am ZBW und Professorin für Web Science an der Uni Kiel.

Herausgeber:
Password Redaktionsbüro
Dr. Willi Bredemeier
Erzbergerstraße 9-11
45527 HattingenTel: (02324) 67009
E-Mail: w.bredemeier@password-online.de
Web: www.password-online.de

Die Password Nachrichten erscheinen kostenlos und werden als E-Mail Pushdienst bereits per E-Mail an mehr als 900 Empfänger in der Informationsbranche gesendet. Die Nachrichten erscheinen auf der Webseite immer mit einer zeitlichen Verzögerung. Registrieren Sie sich jetzt für den kostenlosen Pushdienst!

Jetzt für den kostenfreien Push-Dienst registrieren

Open Password - Donnerstag, den 28. Januar 2016

Open Password – Arnoud de Kemp – APE – Visualisierung – Anna Knoll – Awards – Informationswissenschaft Düsseldorf –  Dirk Lewandowski  – Isabella Peters – Jasmin Schmitz – Violeta Trkulja – Katrin Weller  
Open Password (1)

Passwords neuer Auftritt
mit wunderbarem Partner

Die nächste APE
am 17. und 18. Januar 2017

Lieber Willi,

.ich weiß nicht, ob das alles schon lange angedacht bzw. in der Planung war,  aber über den neuen Auftritt von Password freue ich mich sehr und Du hast natürlich einen wunderbaren Partner gefunden….

Glückwunsch!

Viele Grüße aus Berlin Arnoud (de Kemp, Berlin)

Gestärkt durch ein großes Votum, weiter zu machen: APE 2017 findet am 17.-18. Januar 2017 statt. Wieder in Berlin, wieder in der Berlin-Brandenburgischen  Akademie der Wissenschaften am Gendarmenmarkt.

Open Password (2)

Visuell Anteil nehmen
am aktuellen Geschehen der Branche

Open Password entwickelt sich von Tag zu Tag weiter. In der Pipeline für die nächsten Tage befindet sich das Konzept von Open Password für Förderer, Sponsoren und weiteren Kooperationspartner. www.password-online.de

Kontinuierlich nimmt auch die Zahl der Registrierungen für diesen Pushdienst zu. Für die neue Seite kommt von mehreren Seiten Anerkennung für das professionelle Design. Die vielleicht wichtigste Neuerung: Das aktuelle Geschehen in der Branche wird in Bildern dargestellt.

Nehmen Sie visuellen Anteil an die Berliner Konferenz „Academic Publishing in Europe“ und an der Fakultätssitzung, auf der die Abwicklung der Düsseldorfer Informationswissenschaften mit einem Stimmenverhältnis von 10:3:2 beschlossen wurde.

Awards

Informationswissenschaftlicher Preis
an Password-Autorin
und Steilvorlagen-Referentin

Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen,

Am 25.01.2016 hat die Vergabekommission des Vereins zur Förderung der Informationswissenschaft (VFI) entschieden, in diesem Jahr einen mit 300 Euro dotierten Anerkennungspreis für folgende Arbeit zu vergeben:

Anna Knoll (Anna Lamparter): Kompetenzprofil von Information Professionals in Unternehmen. Masterarbeit, Hochschule Hannover, 2015.

Diese Arbeit beinhaltet eine fundierte Untersuchung mit einem interessanten Methoden-Mix, die für Ausbildungsfragen relevant und hilfreich ist.

Der Preis wurde damit zum zehnten und letzten Mal vergeben.

Mit freundlichen Grüssen

Dr. Otto Oberhauser (Schriftführer). Verein zur Förderung der Informationswissenschaft (VFI), http://www.vfi-online.org

Informationswissenschaft Düsseldorf

Dank für die vereinigte Unterstützung
der Informationswissenschaften

Der Fakultätsrat hatte sich wohl vorher
für die Abwicklung entschieden

Wendet sich die Rektorin
gegen Beschluss der Fakultät?

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

wir möchten uns nochmals herzlich für Ihre Unterstützung für den Erhalt der Düsseldorfer Informationswissenschaft bedanken.

Leider war das Ergebnis der gestrigen Fakultätsratssitzung, dass die Abteilung Informationswissenschaft geschlossen werden soll. Das Abstimmungsergebnis war 10 für die Schließung, 2 dagegen, 3 Enthaltungen. Zwar gab es eine mehr als zweistündige, teils hitzige Diskussion (nachzuverfolgen bei Twitter: https://twitter.com/hashtag/saveiws), allerdings dürfte am Ende ausschlaggebend gewesen sein, dass der Dekan mehrfach betont hatte, dass Einsparungen notwendig seien, und diese eben andere Abteilungen treffen würden, würde man die Informationswissenschaft erhalten.

Das Ganze ist natürlich extrem schade und enttäuschend. Es sieht so aus, dass sowohl der Dekan als auch der Fakultätsrat schon vor der Sitzung entschieden waren, die Informationswissenschaft aufzulösen. Daher haben auch weder die Argumente aus den mehr als 60 Protestbriefen noch die von der Fachschaft initiierte Petition (unter https://www.change.org/p/petition-zur-erhaltung-des-studienfaches-informationswissenschaft-an-der-heinrich-heine-universität-düsseldorf-saveiws) mit mehr als 1.500 Unterstützern, noch die Anwesenheit von mehr als 80 Studierenden oder die von Professor Stock vorgebrachten Argumente geholfen.

Allerdings besteht noch eine Chance, die Düsseldorfer Informationswissenschaft zu retten. Letztlich muss die Entscheidung vom Rektorat getroffen werden, und wir hoffen, dass die Rektorin sich gegen die gestrige Entscheidung wendet und eine andere Lösung findet. Wir gehen davon aus, dass sie den vorgebrachten Argumenten und den Protestbriefen offener gegenüberstehen wird.

Wir halten Sie gerne auf dem Laufenden und melden uns wieder, sobald wir weitere Informationen haben.

Nochmals vielen Dank für Ihre Unterstützung durch die vielen persönlichen Briefe! Und natürlich auch dafür, dass Sie die Nachricht über alle möglichen Kanäle verbreitet haben, dass Sie die Petition unterzeichnet haben, und vieles mehr. Mit so einer überwältigenden Resonanz auf unseren Aufruf hatten wir nicht gerechnet, und wir sehen es als ein sehr positives Zeichen an, dass die informationswissenschaftliche Community in schweren Zeiten zusammenhält.

Viele Grüße
Prof. Dr. Dirk Lewandowski (Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg)
Prof. Dr. Isabella Peters (ZBW Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft & Christian-Albrechts-Universität zu Kiel)
Dr. Jasmin Schmitz (ZB MED –  Leibniz-Informationszentrum Lebenswissenschaften)
Dr. Violeta Trkulja (Humboldt-Universität zu Berlin)
Dr. Katrin Weller (GESIS Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften)
Herausgeber:
Password Redaktionsbüro
Dr. Willi Bredemeier
Erzbergerstraße 9-11
45527 Hattingen

Tel: (02324) 67009
E-Mail: w.bredemeier@password-online.de
Web: www.password-online.de

Die Password Nachrichten erscheinen kostenlos und werden als E-Mail Pushdienst bereits per E-Mail an mehr als 900 Empfänger in der Informationsbranche gesendet. Die Nachrichten erscheinen auf der Webseite immer mit einer zeitlichen Verzögerung. Registrieren Sie sich jetzt für den kostenlosen Pushdienst!

Jetzt für den kostenfreien Push-Dienst registrieren