Open Password: Mittwoch, den 18. Mai 2016

ZB MED - Leibniz Gemeinschaft - Abwicklungsbeschluss - Programbereiche - Willi Bredemeier - Ulrike Ostrzinski - GWK - Steilvorlagen für den Unternehmenserfolg - Bernd Jörs - WEKA - DIMDI

Steilvorlagen für den Unternehmenserfolg 2016

Information Strategies and Solutions
in Challenging Times

Prof. Joers für die Keynote

Praxisrelevanz und Alleinstellungsmerkmale:

Den Information Professional
für morgen qualifizieren

20. Oktober, Steilvorlagen für den Unternehmenserfolg 2016: Information Strategies and Solutions in Challenging Times - Die Jahresveranstaltung für Information Professionals, im Raum Dimension, Halle 4.2, auf der Frankfurter Buchmesse. 

Das Programm der Jahresveranstaltung für Information Professionals steht kurz vor seiner Finalisierung- Für die Keynote wurde Prof. Dr. Jörs von der TU Darmstadt gewonnen und zwar für das Referat:

Praxisrelevanz und Alleinstellungsmerkmale:
Den Information Professional für morgen qualifizieren.

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Für eine praxisorientierte und für eine neue Grundlegung der Informationswissenschaft.

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Der streitbare Informationswissenschaftler ist mehrere Male in Open Password für eine praxisorientierte und für eine neue Grundlegung der Informationswissenschaft eingetreten.

Die Frankfurter Rundschau schrieb unter anderem über ihn:

"Super Prof.  Der Darmstädter Bernd Jörs hat es bei der Wahl um den Professor des Jahres wieder weit nach vorne geschafft. Jetzt landet er in der "Hall of Fame" - und nutzt die Bekanntheit, um die Zustände an Hochschulen zu kritisieren. ... Bereits zum zweiten Mal nach 2006 landete Jörs bei der Wahl zum Professor des Jahres auf vorderen Plätzen. Das schaffen nur wenige – weshalb er nun auch in die „Professor des Jahres Hall of Fame“ aufgenommen wurde. ...

Er ist der erste Professor einer Fachhochschule, der in der Kategorie Geistes-, Gesellschafts- und Kulturwissenschaften einen Platz unter den Top 3 belegt. Die Wahl wird jährlich von der Zeitschrift Unicum und der Unternehmensberatung KPMG veranstaltet. Studierende können hier ihre beliebtesten Professoren vorschlagen." 

WEKA: WEKA Media hat Werner Pohland zum strategischen Leiter des Geschäftsbereiches "Seminare und Kongresse" berufen. Seine Aufgabe wird sein, die Seminar- und Kongressaktivitäten der neun Unternehmen im deutschsprachigen Markt zu koordinieren, Synergien zu schaffen, die Verzahnung mit dem Fachinformationsgeschäft sicherzustellen und das Firmenkundengeschäft auszubauen.

DIMDI:: Die Weltgesundheitsorganisation hat das Deutsche Institut für Medizinische Dokumentation und Information als WHO-Kooperationszentrum für das System Internationaler Klassifikationen für weitere vier Jahre bestätigt. Geschäftsführer Dietrich Kaiser sieht seine Einrichtung als "Experten für medizinische Begriffssysteme an der Schnittstelle von Medizin und Informationstechnologie" bestätigt.

Deadlines

Briefe an Ministerien und GWK
sind immer noch möglich

24. Mai und 24. Juni, Tagungen der GWK - An einem der beiden Termine wird ein Beschluss zur Zukunft von ZB MED gefasst.

Dazu Ulrike Ostrzinski von der ZB MED: "Unterstützerschreiben, offene Briefe und Stellungnahmen an die zuständigen Ministerien oder die GWK sind immer noch möglich."

Zur Abwicklung von ZB MED

Senat der Leibniz Gemeinschaft stellt sich im ausdrücklichen Widerspruch
zu den eigenen Gutachtern

Entscheidungskriterium, das nicht
offen gelegt werden darf:

Bibliotheken und Fachinformationseinrichtungen
sind nicht für Informations- und Literaturversorgung,
sondern ausschließlich für Forschung und Entwicklung da

Von Willi Bredemeier

Open Password berichtete, dass der Senat der Leibniz Gemeinschaft entschieden hat, die Zentralbibliothek für Medizin nicht weiter zu fördern. Diese Entscheidung wurde im Widerspruch zu den Bewertungen der Begutachter gefällt. Diese hatten die Performance von vier aus insgesamt fünf Programmbereichen der ZB MED positiv bewertet und zum fünften Programmbereich angemerkt, dass sich dieser im Aufbau befinde. Open Password folgerte:

"Demnach müsste die Weiterförderung der ZB MED sichergestellt sein, es sei denn, der Stand des Programmbereiches "Anwendungsorientierte Forschung und Innovation" ist doch kritisch zu sehen und dieser Bereich ist wesentlich wichtiger als alle anderen Programmbereiche zusammen. Dieser Ansicht können die Mitglieder der Bewertungsgruppe unmöglich gewesen sein, zumal sechs von 13 Mitgliedern aus dem Bibliotheksbereich kommen und die Deutsche Nationalbibliothek sowie die Bibliotheken der Medizinischen Universität Wien und der Universitäten Dresden, Tübingen, Göttingen und Freiburg auch nicht und schon gar nicht ausschließlich nach ihren Forschungsleistungen bewertet werden."

Ändert sich diese Schlussfolgerung, wenn wir uns die Bewertungen der Gutachtergruppe in den einzelnen Programmbereichen genauer ansehen?
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Die Evaluierer sind der Ansicht, dass sich die Bibliothek vorrangig um Informations- und Literaturversorgung und nicht um Forschung und Entwicklung kümmern sollte. ___________________________________________________________________________

Die Evaluierer definierten die Aufgaben der ZB MED wie folgt:

"Auftrag der Deutschen Zentralbibliothek für Medizin – Leibniz-Informationszentrum Lebenswissenschaften (ZB MED) ist die überregionale Informations- und Literaturversorgung in den Fachgebieten Medizin und Gesundheitswesen (Standort Köln) sowie Ernährungs-, Umwelt- und Agrarwissenschaften (unter Beibehaltung des Standorts Bonn von der Deutschen Zentralbibliothek für Landbauwissenschaften, nach deren Abwicklung im Jahr 2001 übernommen). Zudem hat ZB MED die Aufgabe, Forschungs- und Entwicklungsprojekte im Bereich der Informationswissenschaften zur Weiterentwicklung seiner Dienste durchzuführen. ZB MED wird von Bund und Ländern als eine Leibniz-Einrichtung gefördert, die „in erheblichem Umfange wissenschaftliche Infrastrukturaufgaben wahrnimmt“.

Halten wir fest, die Aufgabe der ZB MED ist an erster Stelle die Informations- und Literaturversorgung, an zweiter Stelle Forschung und Entwicklung zur Weiterentwicklung seiner Dienste. Die Definition wissenschaftlicher Infrastrukturleistungen ist open for discussion, aber eine sinnvolle Kennzeichnung besteht darin, exzellente Bestände für die Forschung vorzuhalten und einen komfortablen Zugang zu ihnen zu gewähren. Danach wären vor allem Programmbereiche außerhalb von Forschung und Entwicklung gefordert.

In der Begutachtung findet sich kein Wort, dass der Programmbereich "Forschung und Entwicklung" wichtiger als alle anderen Programmbereiche zusammengenommen sein sollte. Es handelt sich eher um ein Plädoyer dafür, dass sich die Bibliothek vorrangig um die Informations- und Literaturversorgung kümmern sollte.

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Bewertung der Programmbereiche: gut, gut, gut, gut, im Aufbau begriffen.

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Wenden wir uns den einzelnen Programmbereichen zu, auch um zu sehen, was mit der ZB MED aus der Sicht seiner Evaluierer verloren gehen würde:

Programmbereich 1a: Bestandsentwicklung. Dazu steht im Bewertungsbericht (Seite 12):

"Die Bestände von ZB MED werden im Rahmen der Volltextversorgung den Kundinnen und Kunden auf bewährte Weise zugänglich gemacht. Dabei hat ZB MED das Nachfrageverhalten gut im Blick und kann somit bei der Entwicklung der Bestände rechtzeitig auf Veränderungen reagieren."

Programmbereich 1b: "OpenAccess-Publizieren und Beraten", das bedeutet insbesondere das neue Publikationsportal PUBLISSO (Seite 14):

"PUBLISSO ist eine sinnvolle Weiterentwicklung seit der letzten Evaluierung. Es stellt eine über Verlagsangebote hinaus gehende überzeugende Alternative für das Open-Access-Publizieren von verschiedensten Materialien dar."

Programmbereich 2: "Bereitstellung von Informationsdiensten". Zum Suchportal LIVIVO gibt es eine differenziertere Bewertung, ohne dass dadurch die positive Gesamtbeurteilung wesentlich eingeschränkt wird (Seiten 15, 16):

"In der heutigen Übergangsphase von gedruckten zu elektronischen Medien gelingt es mit dem Suchportal auf überzeugende Weise, den Zielgruppen der ZB MED-Dienstleistungen einen konstanten Service im Bereich der Literaturversorgung anzubieten. ...Im Jahr 2015 ist eine Erweiterung des Angebotes durch die Einbindung von Forschungsdaten vorgesehen. Im Gegensatz zu anderen Suchportalen wie PubMed (National Center for Biotechnology Information) bzw. Europe PubMed Central (European Bioinformatics Institute) ist in LIVIVO neben einer englischsprachigen auch eine deutschsprachige Suche möglich. Zudem werden Quellen referenziert, die andernorts nicht zu finden sind, wie z. B. im Bereich deutschsprachiger, nicht über den Buchhandel vertriebener, sogenannter grauer Literatur. ...

Mit Blick auf die technische Architektur wird LIVIVO als „sehr gut“ bewertet. In Bezug auf die Marktpositionierung besteht jedoch noch Klärungsbedarf."

Programmbereich 3: "Volltextversorgung": Auf den Seiten 16 und 17 heißt es:

"Die klassische Dokumentenlieferung vorrangig gedruckter Literatur stellt derzeit noch eine Hauptaufgabe von ZB MED dar. ... Die Volltextversorgung wird insgesamt als "gut" bewertet."

Programmbereich 4: "Anwendungsorientierte Forschung und Innovation": Die Evaluierer halten auf  Seite 18 ihres Bewertungsberichtes unter anderem fest:

"Mit der Einrichtung dieses neuen Programmbereichs wurde ein organisatorischer Rahmen für die Forschungs- und Entwicklungsarbeiten geschaffen, die erwartet werden, wenn die beiden vorgesehenen Professuren besetzt sind. Derzeit werden anwendungsorientierte Prototypentwicklungen im Rahmen einzelner Vorhaben bearbeitet. Dabei kann ZB MED auf einige interessante Projekte verweisen ... 

Insgesamt ist es jedoch noch nicht gelungen, die Forschungsleistungen von ZB MED gegenüber der letzten Evaluierung signifikant auszuweiten und zu verbessern. Dies liegt u. a. darin begründet, dass es bisher nicht gelang, informationswissenschaftliche Kompetenz an ZB MED zu etablieren, so wie es bei der letzten Evaluierung empfohlen wurde. Aufbauend auf den bisherigen Vorarbeiten muss nach der gemeinsamen Besetzung der zwei Professuren mit den Universitäten Bonn (W2, Leitung des PB 4) und Köln (W3, Direktion) ohne Verzug ein tragfähiges Forschungskonzept entwickelt und umgesetzt werden. Als Folge sollte sich auch die Zahl der Publikationen erhöhen."

Das klingt nun doch einigermaßen kritisch. Gleichwohl ist das Verhältnis positiv bewerteter Programmbereiche zu kritisch bewerteten Programmbereichen nach wie vor eindeutig positiv. Es beträgt 4:1.

Bereits bei der Evaluierung 2012 war der ZB MED in ihrem Kerngeschäft Unverzichtbarkeit bescheinigt worden. Dazu hieß es (Seite 2):

"Es wurde festgehalten, dass ZB MED auf der Grundlage seiner einzigartigen Bestände eine unverzichtbare Dienstleistungsfunktion für nahezu alle deutschen Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen wahrnehme."

Zu den aktuellen Leistungen der ZB-MED-Mitarbeiter stellte die Bewertungskommission fest (Seite 25):

"Der Direktor der ZB MED organisiert die Bearbeitung und Modernisierung des klassischen Kerngeschäfts sehr gut. Die ZB MED profitiert auch sehr von der hohen Kompetenz in den fünf Dezernaten."

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Bewertung der Querschnittsbereiche: Alles gut, solange es nicht um Forschung und Entwicklung geht.

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Nun lassen sich die Leistungen einer Einrichtung nicht nur nach Programmbereichen bewerten. In der Tat geht die Bewertungskommission auch auf Querschnittsbereiche und auf weitere Zusammenhänge ein:

Kooperationen und Vernetzung: Es werden eine ganze Reihe bedeutender Kooperationen und Vernetzungen referiert.Diese werden als ausbaufähig gesehen. Das gilt besonders für die institutionellen Kooperationen mit Hochschulen. Damit kann diese Kritik an der ZB MED zu einem wesentlichen Teil als eine Teilmenge der Kritik an seiner Forschung und Entwicklung gesehen werden.

Personal- und Nachwuchsförderung: Dieser Bereich wurde von einer Ausnahme abgesehen rundum positiv bewertet. So schreiben die Evaluierer unter anderem (Seiten 21 - 22):

"Sämtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von ZB MED sind in ihren Arbeitsgebieten sehr kompetent und zeigen eine hohe Leistungsbereitschaft.  ... Es wird begrüßt, dass der Übergang der ZB MED von einer Einrichtung des Landes Nordrhein-Westfalen zu einer rechtlich selbständigen Stiftung so gestaltet werden konnte, dass den Beschäftigten von ZB MED keine Nachteile entstanden. Der parallel zur rechtlichen Verselbständigung stattfindende Neuorganisationsprozess von ZB MED wurde beteiligungsorientiert geführt, was dazu geführt hat, dass das gesamte Personal die neue Struktur von ZB MED mitträgt. ...

Die vorgestellten Planungen sind überzeugend. ...  In Bezug auf die Gleichstellung der Geschlechter leistet ZB MED überzeugende Arbeit. ... Auch zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie wurden überzeugende Maßnahmen eingeführt. ZB MED wurde 2010 und erneut 2013 mit dem Total E-Quality-Prädikat ausgezeichnet. ... Den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern von ZB MED stehen angemessene Fortbildungsmaßnahmen zur Verfügung ... Im Bereich der Ausbildung leistet ZB MED überzeugende Arbeit ... ".

Die einzige Ausnahme von diesem Rundum-Lob betrifft abermals, wie könnte es anders sein, den Bereich der Forschung. Diesmal geht es um die systematische Integration studentischer "Qualifikations- und Promotionsarbeiten in die Arbeiten von ZB MED". 

Internes Qualitätsmanagement: Hier heißt es unter anderem:

"Im Rahmen des Programmbudgets verfolgt ZB MED angemessene Maßnahmen zur Qualitätssicherung. Es werden u. a. Leistungskennziffern festgesetzt, die durch den Wissenschaftlichen Beirat ... überprüft werden"

Halten wir fest: Auch in den Querschnitts- und weiteren Bereichen kommen die Evaluierer zu positiven Bewertungen, solange es nicht um Forschung und Entwicklung geht. Auch nach diesen Bewertungen steht die Entscheidung des Senates der Leibniz Gemeinschaft im eindeutigen Widerspruch zu den Empfehlungen der eigenen Bewertungskommission.
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Der Senat der Leibniz Gemeinschaft handelt nach einem illegitimen Kriterium und darf das nicht zugeben. 

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Warum geht der Senat der Leibniz Gemeinschaft mit keinem Wort auf diesen Widerspruch ein? Weil er so tun muss, als ob es diesen Widerspruch nicht gäbe. Weil er sonst zugeben würde, dass sein einziges Kriterium der Bewertung von Bibliotheken und Fachinformationseinrichtungen die Forschung und Entwicklung ist. Weil dann offenkundig wäre, dass sich der Senat der Leibniz Gemeinschaft seine Entscheidung nach einem illegitimen Kriterium gefällt hat.

Open Password kommt auf den Abwicklungsbeschluss des Senates der Leibniz Gemeinschaft in Sachen ZB MED zurück.

 

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