Open Password: Montag, den 23. Mai 2016

Bibliothekare - Image - Michael Klems - Elsevier - SSRN - European Open Science Cloud - International Science 2.0 Conference - Guido Scherp - Johanna Kuhnert - Rudi Mumenthaler - ZB MED

Wie ein Satz alle Image-Bemühungen
der Bibliothekare in die Tonne kloppte

Von Michael Klems

„I look like an librarian now“ – mit diesem Satz hat die Wettermoderatorin eines U.S. Fernsehsenders die Bemühungen um ein moderneres Bild von Bibliothekare um Generationen zurückgeworfen. Die im kleinen Schwarzen aufgetretene Wetterfee Liberte Chan bekam eine graue Strickjacke gereicht, da die Redaktion zu viele E-Mails erreichten.

Doch für die Bibliothekare kommt es mit dem Moderator der Sendung, Chris Burrous, noch dicker. 'I look like a librarian now,' says Chan, visibly unhappy with the change. That works,' Burrous jokes. 'It's a librarian going to a cocktail party.'

 https://www.youtube.com/watch?v=Hys__aQWEzk 

Elsevier übernimmt SSRN

Das führende Pre-Print-Repositorium
jetzt beim Print-Monopolisten

Nach der Übernahme von Mendeley, der Plattform für die Zusammenarbeit mit Forschern (2013), nun der Kauf des Social Science Research Network (Rochester, New York). SSRN ist mit zwei Millionen Mitgliedern eine der weltweit erfolgreichsten Pre-Print-Repositorien für Wirtschaft, Recht und Sozialwissenschaften. Was kommt als nächstes, die Übernahme weiterer Teile der Open-Access-Welt?

Open Access entstand teilweise als Reaktion auf die exzessive Preispolitik von Elsevier und wurde von Elsevier zunächst bekämpft. Später versuchte Elsevier vergeblich, einen eigenen Server für Preprints aufzubauen. SSRN wurde 1994 von Social Science Electronic Publishing gegründet. Es generiert Einnahmen über Premium-Services wie die Versendung von Pushdiensten über neu eingestellte Beitrage.

Elsevier versichert, die Basisdienste von SSRN blieben kostenfrei nutzbar. Noch werde jemand zu einem Abonnement von Mendeley gezwungen.

European Open Science Cloud

Eine weltweite Infrastruktur
für Austausch und Nutzung von Forschungsdaten

Evolution oder Revolution?

Von Dr. Guido Scherp und Johanna Kuhnert, ZBW – Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft

Täglich werden unzählige Forschungsdaten produziert, gespeichert, weiterverarbeitet und geteilt. Die in verschiedenen Infrastrukturen existierenden gigantischen Datenmengen unterschiedlicher Herkunft und Disziplinen sollen nun in der European Open Science Cloud (EOSC) strukturiert und miteinander verbunden werden, um so einen zentralen und einheitlichen Zugang zu schaffen. Aspekte und Perspektiven zur EOSC waren zentrales Thema der International Science 2.0 Conference and EEXCESS Final Conference[1] in Köln, dieses Jahr in Partnerschaft mit dem EU-Projekt EEXCESS[2]. Am Vortrag der Tagung wurde das Barcamp Science 2.0[3] durchgeführt.

Die European Open Science Cloud (EOSC)

Die Richtung der European Open Science Cloud wurde von der Europäischen Kommission vorgegeben. Ziel ist es, eine weltweit nutzbare Infrastruktur zur Verfügung zu stellen, die gesichert, offen und fächerübergreifend den Austausch und die Nutzung wissenschaftlicher Daten vereinfacht. Sie soll insbesondere eine nachhaltigere Verarbeitung und Speicherung großer Datenmengen ermöglichen. Dabei steht die interdisziplinäre Vernetzung zwischen Wissenschaft, Forschung, Wirtschaft und Öffentlichkeit im Vordergrund.

In ihren Plädoyers für die EOSC waren sich Prof. Klaus Tochtermann, ZBW – Leibniz Informationszentrum Wirtschaft, Susanne Burger, Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), und Dr. Jean-Claude Burgelman, Europäische Kommission, einig: Die EOSC stellt mehrere Herausforderungen dar wie die Erstellung eines einheitlichen Regelwerks und die Finanzierung. Sie ist zugleich ein wichtiges Instrument, das spätestens bis 2020 umgesetzt werden soll. Dabei sei es wichtig, eine Anpassung des derzeitigen Wissenschaftssystems vorzunehmen, vor allem an die offene Verknüpfung von Forschungsdatenzentren auf europäischer Ebene. Die dezentrale Strukturierung von Forschungsdatenbanken innerhalb der EU-Mitgliedsstaaten stellt eine besondere Herausforderung für die Konzeption der EOSC dar. Dabei sind in der Umsetzung verschiedene Bausteine für „Big Data“, „Long-tail Data“ und „Industrial Data“ zu entwickeln.

Jean-Claude Burgelman erläuterte den Begriff EOSC detailliert:

• European: Die EOSC ist nicht nur auf den europäischen Forschungsraum beschränkt.

• Open: Open bedeutet so offen wie möglich, aber geschlossen wenn nötig.

• Science: Neben Wissenschaft soll auch die Industrie eingebunden werden (Open Innovation).

• Cloud: Die EOSC ist ein föderierter Ansatz, um bestehende nationale und europaweite Infrastrukturen zu vernetzen.

Bestehende Lösungen und Infrastrukturen nutzen

Für die innerdeutsche Nutzung, so Achim Streit, Karlsruher Institut für Technologie (KIT), bereitet die Helmholtz-Gemeinschaft im Rahmen der Helmholtz Data Federation (HDF) eine Infrastruktur für Forschungsdaten vor. Diese ist für sehr große Datenmengen (Big Data) aus strukturierten wissenschaftlichen Communities wie die Klimaforschung oder Teilchenphysik ausgelegt. Besonderer Wert wird auf die potentielle Nachnutzbarkeit in der EOSC gelegt.

Die EOSC wurde auch von Tiziana Ferrari, EGI.eu und EGI-Engage, als große Chance gesehen. Sie stellte Open Science Commons (OSC) [4] vor, ein ausbaufähiges partizipatorisches Modell, das auf die EOSC umsetzbar sei. Es verknüpft Open Science mit dem Commons-Konzept, das ist ein Community-basierter Ansatz zur offenen Erzeugung, Nutzung und Verbreitung wissenschaftlicher Daten.  

Die European University Association (EUA), vorgestellt von Lydia Borell-Damián, unterstützt Universitäten, Open Science zu etablieren. Die EUA sieht Open Science als zentralen Bestandteil interdisziplinärer Forschung, vor allem bezogen auf Kommunikation und Austausch.

Tina Klages, Fraunhofer-Gesellschaft IRB, hielt Open Innovation im digitalen Binnenmarkt auf Grundlage von Open Science für möglich. Notwendig sei es, europaweit gültige Regelungen zu schaffen, um einen sowohl offenen als auch begrenzten Zugriff auf Daten zu ermöglichen.

Open Acess für Publikationen und Forschungsdaten

Marie Farge, Centre National à la Recherche Scientifique und Ecole Normale Supérieure, problematisierte, dass viele Paper und Journals nur für eine spezielle Zielgruppe verfügbar sind. Sie sah Open-Access-Publikationen als große Bereicherung. Frau Farge stellte das „Diamond Open Access Model“ vor, das auf der Plattform Dissemin[5] angewendet wird. Autoren stellen ihre Werke unter einer Creative Commons Lizenz ein. Publikations- oder Nutzungsgebühren werden nicht erhoben.

Aus Sicht von Salvatore Mele, CERN, sollte Open Access so einfach wie möglich funktionieren. SCOAP3[6] ist ein globales Konsortium, um Journal-Publikationen in der Teilchenphysik unter anderem über eine Umleitung bestehender Gelder für Abonnements als Open Access zur Verfügung zu stellen. Mele zeigte, wie Ergebnisse aus Experimenten des LHC (Large Hadron Collider) als Open Data bereitgestellt werden.

Dr. Ignasi Labastida berichtete von seinen Herausforderungen an der CRAI Universität, Barcelona. Die LERU (League of European Research Universities) sucht den Open-Access-Zugriff auf Forschungsdaten sicherzustellen. Eine Idee, der man nachgehe, sei „Open by Default“, also die automatische frei zugängliche Veröffentlichung. Labastida sah in Citizen Science eine Bereicherung von Open Science.

Digital Libraries - Altes Wissen neu entdeckt

Nicht nur wissenschaftliche, auch kulturelle Ressourcen sind digital verfügbar – und ebenso Forschungsdaten. Das Projekt EEXCESS wurde von Prof. Michael Granitzer, Universität Passau, vorgestellt. Der Wert des Long Tail Content bestehe zum Beispiel darin, dass bereits existierendes Wissen aus vergangen Zeiten „neu“ entdeckt werde und zur Bereicherung von Inhalten und zur Verifizierung beitragen könne. Deshalb sollte der Archivierung und Strukturierung eine besondere Bedeutung zugesprochen werden.  Im Projekt wurden mehrere Prototypen entwickelt, beispielsweise um während der Erfassung eines Blog-Beitrags Empfehlungen auf Basis des geschriebenen Textes zu erhalten.[7] Kulturelle und wissenschaftliche Inhalte werden mittels Data-Mining-Methoden aus Datenbanken zusammengetragen und mit Hilfe personen- und kontextbezogener Algorithmen in Web- und Social-Media-Umgebungen eingebunden.  

European Open Science Cloud - Evolution oder Revolution?

Diese Frage bleibt weiter offen. Es wurden aber die Herausforderungen für die Umsetzung der EOSC aufgezeigt, insbesondere wenn alle relevanten Stakeholder-Gruppen (dazu zählen auch Bibliotheken) und wissenschaftlichen Disziplinen eingebunden werden. Die technische Machbarkeit stellt dabei eine geringere Hürde dar. Zentralere Herausforderungen sind die Schaffung eines Regelwerks oder eines Anreizsystems zur Nutzung der EOSC, aber auch ein tragfähiges Geschäftsmodell. Dies wurde auch im Panel mit Jean-Claude Burgelman, Marie Farge, Tiziana Ferrari, Marc Rittberger und Achim Streit deutlich.

Viele Teilnehmer betonten, es sei es der größte Fehler, etablierte Praktiken des Wissenschaftssystems ohne weiteres auf eine Open-Science-Struktur zu übertragen. Vielmehr sollten Community-basierte Ansätze zum Beispiel beim Review-Prozess stärker berücksichtigt werden. Die zentrale und derzeit offen bleibende Frage lautet, wieviel Open Science die EOSC künftig haben wird. Kritiker sehen die Gefahr eines „Open Washings“, dass also zentrale Elemente von Open Science nicht erfüllt bzw. verwässert werden. Aussagen in der Art „So offen wie möglich, so geschlossen wie nötig“ waren während der Tagung häufig zu hören. Dass nicht alles offen sein kann, ist nachvollziehbar. Aber wo soll die Grenze gezogen werden? Je nachdem, wie diese Fragen beantwortet werden, wird von Evolution oder Revolution zu sprechen sein.

 [1] Infos zur Veranstaltung, Programm und Vortragsfolien: http://www.science20-conference.eu/; Hashtag: #sci20conf
[2] http://eexcess.eu
[3] Thema des Barcamps, einer sogenannten Unkonferenz, war „Putting Open Science into Practice“ und fand im GESIS – Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften statt. Ausführliche Informationen dazu unter www.science20-conference.eu/barcamp/
[4]
https://www.opensciencecommons.org/
[5]
http://dissem.in/
[6]
https://scoap3.org/
[7]
Die EEXCESS-Prototypen sind abrufbar über  http://eexcess.eu/results.

Rudi Mumenthaler

Drei Jahre "Abwicklungsfinanzierung"
sollen für Neuaufstellung genutzt werden

"Die Vertreter des Ministeriums für Innovation, Forschung und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen (MIFW) und des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) haben intensiv an einer Lösung gearbeitet. Ich denke, der Druck aus der Community hat da durchaus Wirkung gezeigt… Diese Lösung sieht vor, dass man den Entscheid der Leibniz Gemeinschaft nicht in Frage stellt, dass aber die Finanzierung zum Fortbestand der ZB MED als Informationsversorger in den Lebenswissenschaften sichergestellt wird.

Für die drei Jahre nach 2016 soll es eine Übergangsfinanzierung geben (vermutlich unter dem Titel „Abwicklungsfinanzierung“). Diese Zeit will man nutzen, um die ZB MED unter neuer Leitung wirklich neu aufzustellen und den begonnenen Transformationsprozess umzusetzen. Längerfristiges Ziel ist die Wiederaufnahme in die ordentliche Bund-Länder-Finanzierung.

Zentral ist in diesem Prozess, dass die geplanten Professuren in Bonn (W2) und vor allem in Köln (W3, gleichzeitig neue Direktion der ZB MED) zusammen mit den Unis besetzt werden können. Das ist im Moment stark gefährdet, da die Unis davon ausgehen, dass es die ZB MED in der heutigen Form nicht mehr geben würde. Das Verfahren in Köln ist eigentlich sehr weit fortgeschritten, doch es wurde gestoppt und droht nun, ganz eingestellt zu werden. Die neue Leitung in Form einer W3-Professur ist aber entscheidend dafür, dass der Transformationsprozess umgesetzt werden kann."

Aus: https://ruedimumenthaler.ch/2016/05/20/keepzbmed-aktuelle-entwicklungen/

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