Open Password: Donnerstag, den 12. Mai 2016

Stefan Zillich – Michael Klems – Information Professionals – Verbände – Inbound Marketing – Helge Knüttel – DIMDI – ZB MED

Stefan Zillich antwortet Michael Klems

„Information Workers of the World, unite!“

Inbound Marketing kann flankieren und verstärken,
aber Bündelung der Interessen nicht ersetzen

Von Stefan Zillich

Im Beitrag „Bedeutungslosigkeit: Warum Schweigen und eine Windschatten-Strategie nicht hilft“ (Open Password, 4. Mai) greift Michael Klems Aspekte aus einer von mir zuvor angeregten Diskussion über das Thema „Infoprofis und Interessenvertretung“ auf. Michael Klems weist auf wichtige Zusammenhänge hin und stellt relevante Forderungen. Doch drängt sich der Eindruck auf, dass erneut kaum der Blick über den eigenen leidlich bekannten Tellerrand gewagt wird.

In der bisherigen Diskussion zu diesem Thema kristallisieren sich zwei Standpunkte heraus (siehe dazu neben den Beiträgen in Open Password auch den Blog der Deutschen Gesellschaft für Information und Wissen http://dgi-info.de/verbaende-als-instrument-gegen-den-fortschreitenden-bedeutungsverlust-der-infoprofis/):

1. Wir als Verein können und wollen das Thema Interessenvertretung für Infoprofis nicht aufgreifen, und eigentlich wissen wir auch nicht, ob unsere Mitglieder das überhaupt wollen.

2. Bestehende Vereine sind für das Thema nicht geeignet. Statt dessen soll der Einzelne das Thema aufgreifen und mehr oder weniger öffentlich für sich kämpfen. Der hierfür vorgeschlagene Weg: eine Kommunikation in Eigenregie als Inbound Marketing:

Der zweite Punkt schlägt unter anderem die externe Publizierung fachlicher Beiträge durch Einzelne vor. Jeder für sich und vielleicht auch hoffentlich ein bisschen im Sinne der übrigen Infoprofis? – Dies würde jedoch die notwendige gemeinsame Selbstwahrnehmung der Infoprofis und eine Analyse der gemeinsamen Situation kaum unterstützen. – Warum? Infoprofis würden Ideen und vielleicht auch Forderungen zu ihrer Tätigkeit für sich immer wieder neu entwickeln und würden sich zumeist an Gleichgesinnte und Gleichgestellte im Rahmen von einzelnen Beiträgen in der Fachpresse und auf fachlichen Veranstaltungen wenden. – Sinnvoll aber wäre eine konsolidierte, durchaus interessengesteuerte, zielgerichtete Kommunikation, die an Manager und Budgetverantwortliche, also an die Entscheider, adressiert ist.

Den beiden obigen Standpunkten 1. und 2. gemeinsam ist, dass sie den zuvor kritisierten Status Quo eher verfestigen: Die Infoprofis agieren als Einzelkämpfer, für die keine Vertretungsorganisation zuständig ist.

Doch es gibt durchaus Stimmen, die nach gegenseitiger Wahrnehmung und sogar Solidarisierung innerhalb der Branche fragen („Information Workers of the world, unite!“).

Zweifelsohne sollten die Infoprofis gemeinsame politische und ökonomische Interessen haben. Ein Interessenverband könnte diese bündeln und gezielt an geeigneter Stelle platzieren: Dabei geht es keineswegs nur um die wiederholte Ansprache all derjenigen, die sich ohnehin schon für die Aussagen einer DGI und ähnlich fokussierter Vereine und Vertreter interessieren. Es geht um die Adressierung relevanter Information über die Infoprofis an deren Kunden, Entscheider und potenzielle Kunden. Gemeint ist eine Kommunikation insbesondere über die Kanäle der Kunden und Entscheider, also deren Tages- und Fachpresse, deren Messen und Kongresse.

Buchhändler, Anwälte und Einzelhändler schaffen es, ihre branchenspezifischen Absichten und Forderungen in Verbänden und Vereinen zu bündeln und aktiv an relevanter Stelle zu kommunizieren. Ihr Ziel: Interessenvertretung in Politik und Gesellschaft. Der Erfolg solcher Kommunikation entwickelt sich, wenn eine Interessenvertretung diese Aufgabe kontinuierlich wahrnimmt. – Die Veröffentlichung von fachlichen Beiträgen im Sinne eines Inbound Marketings kann diese Kommunikation sinnvoll flankieren und verstärken. Doch allein mit eher sporadisch durchgeführten Maßnahmen des Inbound Marketings auf Erfolge zu hoffen, würde in der Tat einen langen Atem erfordern.

Mit Blick auf die in der Diskussion gemachten Aussagen präzisiere ich meine Frage an dieser Stelle: Welche gemeinsamen politischen und ökonomischen Interessen verbinden die Infoprofis? Und wie lassen sich diese zielgerichtet an eine relevante Öffentlichkeit und die Entscheider in den Unternehmen adressieren?

                                                                              Stefan Zillich, www.stz-info.de

Zitat


Verringerte Qualität und höhere Kosten
in der Krankenversorgung
durch Angebotsverarmung des DIMDI
und Abwicklung der ZB MED

„Im Rahmen der sog. Evidenzbasierten Medizin (EBM) wird versucht, Empfehlungen für medizinisches Handeln zu erstellen. Basis dafür ist, alle Studien der medizinischen Forschung zu einem bestimmten Thema im Rahmen eines transparenten, reproduzierbaren Prozesses zu finden und zu bewerten. Hierfür wurden methodische Standards entwickelt, die sich auch auf die Literatursuche erstrecken und dabei die Einbindung von Informationsspezialisten vorsehen. In diesem Bereich findet die Rolle klassischer Informationsvermittlung,erweitert um Beratung, zunehmend an Bedeutung. …

Während die herausragende Bedeutung der EBM für die Gesundheitsversorgung international anerkannt ist und durch die öffentliche Hand zunehmend gefördert wird, reduziert Deutschland dieses Feld und nimmt seinen Bürgern den Zugang zur medizinischen Evidenz....

Andere Zugänge zu Literaturdatenbanken sind keine gangbaren oder adäquaten Alternativen für professionelle Recherchen insb. für die Forschung in öffentlicher Hand. … Da die Kosten für Pauschallizenzen vieler Datenbanken so hoch sind, bietet das DIMDI mit dem Pay-per-Use oft den aus finanziellen Gründen einzig möglichen Zugang zu diesen Datenbanken. Für umfassende Suchen mit dem Anspruch an Vollständigkeit (Systematic Reviews, Metaanalysen, Leitlinien, HTA) ist deshalb oft die Suche beim DIMDI mit Unterstützung durch Informationsspezialisten notwendig. Diesen Recherchen kommt im Gesundheitssystem die mit Abstand größte Bedeutung zu und sie haben außerordentlichen Einfluss auf die Qualität und die Kosten der Krankenversorgung.

Dr. Helge Knüttel, UB Universität Regensburg, in:

http://dgi-info.de/wp-content/uploads/2015/11/Knuettel_Abstract_Foto_profil.pdf

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