Open Password: Nachrichten, Analysen, Kommentare - Dienstag, den 22. März 2016

Zum Abwicklungsbeschluss
gegen die ZB MED (1)

Die Selbstmobilisierung der Branche
hat begonnen

Die Selbst-Mobilisierung der Informationsbranche gegen den Abwicklungsbeschluss des Senates der Leibniz Gemeinschaft hat begonnen. Schon jetzt kann gesagt werden: Das läuft diesmal besser als die seinerzeitige Abwicklung von FIZ CHEMIE.

Im Folgenden eine Auswahl aus dem Fundus protestierender Stimmen. Open Password setzt die Berichterstattung über den Abwicklungsbeschluss gegen die ZB MED fort.

Zum Abwicklungsbeschluss
gegen die ZB MED (2)

Petition "Keep ZB MED - gegen
die Schließung von ZB MED"

Einrichtungen der Forschungsinfrastruktur
dürfen nicht mit Forschungsinstituten
verwechselt werden

Rudolf Mumenthaler hat gemeinsam mit Barbara Tribelhorn und Herbert Staudt eine Petition auf change.org gegen den Abwicklungsbeschluss des Senates der Leibniz-Gemeinschaft gegen die ZB MED gestartet. https://www.change.org/p/gemeinsame-wissenschaftliche-kommission-save-zb-med-gegen-die-schliessung-von-zb-med?recruiter=48671236&utm_source=share_for_starters&utm_medium=copyLink. Die Petition richtet sich an die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz. In der Begründung heißt es:  

Keep ZB MED - gegen die Schließung von ZB MED. Mit Bestürzung haben wir erfahren, dass der Senat der Leibniz-Gemeinschaft die Empfehlung für eine Beendigung der Förderung des Leibniz-Informationszentrums Lebenswissenschaften ZB MED (im Folgenden: ZB MED) aussprach. Der Senat nimmt dabei Bezug auf den Bericht der Evaluierungskommission und begründet damit seine Entscheidung. Wir haben diesen Bericht ebenfalls gelesen, können daraus jedoch keinesfalls einen Beschluss ableiten, die Förderung für ZB MED einzustellen und sie als überregionale Forschungsinfrastruktureinrichtung zu schließen.

Der durchaus kritische und differenzierte Bericht attestiert ZB MED große Fortschritte bei der Neuausrichtung ihrer Dienstleistungen und in der internen Organisation. Klaren Handlungsbedarf sehen die Experten bei der von der Leibniz-Gemeinschaft geforderten Ausrichtung auf Forschung. Hier zieht sich das Berufungsverfahren für die W3-Professur, die gleichzeitig das Amt des Direktors von ZB MED bekleiden soll, aus unterschiedlichen Gründen in die Länge. Diese im Wissenschaftsbetrieb durchaus nachvollziehbare Verzögerung zum Anlass zu nehmen, ZB MED zu schließen, finden wir ungerechtfertigt und unverständlich, zumal die Berufung unmittelbar bevor stand. Sie sollte noch in diesem Monat erfolgen. Die Evaluierungskommission hat klar gefordert, das Verfahren voranzutreiben und dann mit der Professur auch eine Forschungsstrategie zu formulieren. Es ist für uns sehr wohl nachvollziehbar, dass man die Formulierung der Forschungsstrategie der künftigen Professur nicht vorwegnehmen wollte, auch um das Feld der Bewerbungen möglichst offen zu halten.

Wir sind nicht damit einverstanden, dass man Forschungsinfrastruktureinrichtungen mit den gleichen Maßstäben evaluiert wie Forschungsinstitute. Hier verkennt der Senat der Leibniz-Gemeinschaft die Aufgaben und Anforderungen an Wissenschaftliche Bibliotheken. Sie spielen eine entscheidende Rolle bei der Aufbereitung und dem Verfügbarmachen wissenschaftlicher Information als Grundlage für wissenschaftliche Forschung. Ohne Bibliotheken würden Forschende noch stärker von kommerziellen Verlagen abhängig und erhalten je nach Forschungsstandort nur beschränkt Zugang zu aktueller Literatur, was ein großer Nachteil für den Forschungsstandort wäre.

ZB MED engagiert sich wie andere Bibliotheken stark für Open Access, zum einen mit einer eigenen Publikationsplattform, zum anderen mit Beratungsdienstleistungen für Forschende und mit der Aufbereitung offener Inhalte für ihr Discovery-Tool Livivo. Sie leistet wichtige Dienstleistungen zur Unterstützung von Forschung, zum Beispiel mit der Vergabe von DOI oder der Speicherung und Langzeitarchivierung von Forschungsdaten. Und natürlich sammelt und erschließt ZB MED weiterhin wissenschaftliche Literatur, über die sie als einzige Institution in Deutschland verfügt. Über Dokumentlieferdienste werden diese Inhalte sowie 2700 Fachzeitschriften, die ZB MED deutschlandweit im Alleinbesitz hält, allen Forschenden zugänglich gemacht, was gerade für Spezialdisziplinen von entscheidender Bedeutung ist, um mit der internationalen Forschung Schritt halten zu können.

Die Ergebnisse von Umfragen, u.a. einer umfassenden Marktstudie von ZB MED, belegen die Bedeutung dieser Dienstleistungen für den Wissenschafts- und Forschungsstandort Deutschland. Die Schließung von ZB MED würde dazu führen, dass der nach wie vor bestehende Bedarf über eine andere Organisation abgedeckt werden müsste. Die Mitarbeitenden von ZB MED haben es mit ihrer großen Veränderungsbereitschaft und außerordentlichem Einsatz für die Neuausrichtung verdient, diesen Auftrag weiterhin erfüllen zu dürfen.

Die Unterzeichnenden fordern die GWK auf, der Empfehlung des Senats der Leibniz-Gemeinschaft nicht zu folgen und ZB MED für eine weitere Periode zu fördern und die benötigten finanziellen Ressourcen bereitzustellen. 

 

Zum Abwicklungsbeschluss
gegen die ZB MED (3)

ZB MED hat seine Zeit sinnvoll genutzt

Der Senat sollte seinen Gutachtern folgen

Ihr zerstört das Netz
wissenschaftlicher Literaturversorgung

 Aus den Begründungen von Information Professionals, die die Petition auf change.org unterschrieben haben:

Ich unterschreibe, weil Bibliotheken für ihre Neuausrichtungen Zeit brauchen. ZB MED hat ihre Zeit sinnvoll genutzt - mit attestiert positivem Ergebnis. Die Empfehlung zur Beendigung der Förderung erscheint willkürlich und unverhältnismäßig.

Anne Christensen, Lüneburg

Der Senat sollte seinen Gutachtern folgen.

Wolfgang Semar, Chur

 Viele andere medizinische Bibliotheken verlassen sich in ihrem Bestands- und Servicekonzept auf die ZB Med als Fundus. .... Genau das ist die Funktion einer Zentralbibliothek. Ihr zerstört hier das Netz wissenschaftlicher Literaturversorgung.

 Annette Kustos, Bochum

Zum Abwicklungsbeschluss
gegen die ZB MED (4) 

BAK macht mit
bei Mobilisierung der Informationsbranche

Auch ASpB für den Erhalt
der ZB MED

Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen,

leider müssen wir Sie darüber informieren, dass der Senat der Leibniz Gemeinschaft Ende letzter Woche entschieden hat, die Zentralbibliothek für Medizin abzuwickeln. ... 

Es gab schon einige Reaktionen in der Fachpresse, den Verbänden, auf Twitter und verschiedenen Blogs. Hier ein Auszug:

Willi Bredemeier: ZB MED wird abgewickelt, 18. März 2016:

Open Password: http://www.password-online.de/zb-med-wird-abgewickelt/

Rudolf Mumenthaler: Abwicklung der ZBMED beschlossen (mit inzwischen 3 updates), 18.-21. März 2016: http://ruedimumenthaler.ch/2016/03/18/abwicklung-der-zbmed-beschlossen/

medinfo – Informationen aus Medizin, Bibliothek und Fachpresse: ZB Med Köln vor dem Aus: Abwicklung bis 2019: http://medinfo.netbib.de/archives/2016/03/18/4727

Stellungnahme der ASpB, 21. März 2016 „Für den Erhalt der ZB MED“: http://www.aspb.de/fuer-den-erhalt-der-zb-med/

Mit freundlichen Grüßen Tania Estler-Ziegler (Vorstandsvorsitzende), Berliner Arbeitskreis Information (BAK)

 

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