Open Password - Dienstag,

den 27. Februar 2018

#326

 

Die Verlegerin – Steven Spielberg – Michael Klems – Katharine Graham – Washington Post – Ben Bradlee – Pentagon Papers – Edward Snowden – Watergate – Establishment – Donald Trump – Meryl Streep – Tom Hanks – Newsroom – Bob Odenkirk - McAfee – Threat Report – Mobile Malware – Kryptoindustrie – Nordkorea – KakaoTalk – GESIS – GRIS – IPK – LifBi - RWI

Die Verlegerin

Warum wir uns diesen Film ansehen sollten
und was Steven Spielberg
und Michael Klems gemeinsam haben

Von Willi Bredemeier

Nehmen wir an, Michael Klems habe sein Equipment upgegradet und drehe nunmehr Filme statt Videos. Er hat versucht, unsere InfoPros zu locken, aber es kamen zu wenige zum Casting. Also hat er es mit einem Konklave der Informationswissenschaftler versucht. Diese reden darüber, wie unsere Wissensgesellschaft durch autoritäre Regierungen, cyberkriegsgeile Generale, finstere Internet-Konzerne, Regierungen, die sich nur mehr an der nächsten Landtagswahl orientieren, und eine vertrustete entmutigte an ihren Paywalls scheiternden Presse existenziell gefährdet wird. Da können nur noch Veröffentlichungen in Open Password helfen. Klems schneidet seinen Film auf 117 Minuten zusammen und ruft Steven Spielberg in Hollywood an. „Hi Mike“, sagt dieser. „Da danke ich Dir, dass Du mich ausgewählt hast. Aus deinem Film machen wir einen Blockbuster.“

Eine Geschichte, die zu absurd ist, als dass sie erzählt werden sollte? Aber diese Geschichte oder zumindest eine ähnliche funktioniert, wenn man sie nicht auf Informationswissenschaftler, sondern auf die Presse bezieht, wie Steven Spielberg mit dem gerade angelaufenen Film „Die Verlegerin“ (freilich ohne deutsche Mithilfe) deutlich gemacht hat.

Es gibt einige Gründe, warum wir uns diesen Film ansehen sollten. Hier sind meine wichtigsten:

• Spielberg stellt unter Beweis, dass man einen hinreißenden Film ohne expliziten Sex und Gewalt und sogar ohne Action drehen kann und der fast ausschließlich auf dem zivilisierten Austausch von Argumenten beruht und moralische Dilemmata ausdiskutiert. Es ist also falsch, dass mindestens alle drei Minuten ein Geballer stattfinden muss, wenn sich der Zuschauer nicht gelangweilt abwenden soll. Wir, die wir uns überhaupt nicht herumprügeln und stattdessen kommunizieren und (da ohne Alternative) auf die Kraft des Diskurses vertrauen, wollen mehr davon.

• Communities brauchen nach wie vor Helden, auch wenn wir ihnen keine Reiterstandmonumente mehr errichten, sondern Filme widmen. Und für unsere Gemeinschaft, die wir uns an dem Wert der „wahren Information“ oder pathetischer an der „Wahrheit“ orientieren, gehören Katharine Graham, Verlegerin der Washington Post, und ihr Chefredakteur Ben Bradlee dazu, da sie ihre wirtschaftliche Existenz und die der „Post“ riskierten, um die „Pentagon Papers“ zu veröffentlichen. Mit ihnen wurde nachgewiesen, dass die amerikanischen Regierungen die Bürger jahrzehntelang über den Vietnamkrieg belogen hatten. Mit unserem Filmbesuch erweisen wir unseren Helden wie schon damals beim Film „Snowden“, der den Whistleblower Edward Snowden thematisierte und über die umfassenden Abhörmaßnahmen der NSA weltweit informierte, unsere Reverenz. Und warum benötigen wir Helden? Weil man manchmal ganz schnell allein ist, wenn man den Mainstream verlässt und Zivilcourage zeigt. Eine Ermunterung ab und an kann da nicht schaden.

• Die Washington Post besiegte am Ende den amerikanischen Präsidenten Richard Nixon (dies sogar zweimal, da später die „Watergate-Affäre“ kam, deren Beginn im Film „Die Verlegerin“ gerade noch angezeigt wird). Mit den „Pentagon Papers“ wurde ein Prozess mit in Gang gesetzt, der das Misstrauen der Bürger nicht nur gegenüber den Regierungen, sondern gegenüber dem gesamten „Establishment“ (zu dem auch die Medien gehören) beförderte. Auch die Regierenden haben mittlerweile im Umgang mit den Medien gelernt. Im Trump-Zeitalter scheint es zu reichen, im Falle von Enthüllungen „Fake News“ zu produzieren, immer wieder das Thema zu wechseln und die „Wahrheit“ als solche zu diskreditieren, um immer wieder davonzukommen. Da kommen uns die Siege der Washington Post wie ein schönes Märchen aus einer Zeit vor, in der die Welt noch halbwegs in Ordnung war.

• „Die Verlegerin“ hat eine Oscar-Nominierung für den besten Film erhalten und SPIEGEL ONLINE und andere Medien finden das gut. Mir gefiel vor allem dieses: Meryl Streep spielt die Verlegerin, eine kultivierte und stilsichere aber in Entscheidungsprozessen verhuschte Frau, die in der Krise an Format gewinnt, und das wunderbar (und Tom Hanks mag ich sowieso). Mein weiterer Held ist das Kollektiv des Newsrooms, das sich ohne Zögern auf die Seite der Pressefreiheit stellt und zum Teil mit Kündigung droht, falls die „Post“ die „Pentagon Papers“ nicht veröffentlicht. Sogar Bob Odenkirk, den wir aus „Breaking Bad“ und „Better Call Saul“ als schmierigen Anwalt kennen, ist diesmal auf der Seite der Guten. Dazu kommt die liebevolle Rekonstruktion der 70er Jahre mit dem gewaltigsten Moment des Films, als Bradlee den Druck der Ausgabe mit den „Pentagon Papers“ freigegeben hat. Ja, so war das damals in den 70er Jahren, dass die Wände wackelten, wenn die Rotationsmaschine röhrte.

Und was machen wir, wenn wir erhoben vom Besuch der „Verlegerin“ zurückkehren? Gehen wir zum Set und drehen einen argumentationsreichen Film über die Zukunft der Wissensgesellschaft? Nun ja, hoffentlich kommen genügend viele Leute zum Casting.

McAfee

Mobile Malware: Anzahl infizierter Geräte
verdoppelt sich

Cyberkriminelle gegen Kryptoindustrie und
Nordkoreas Feinde

McAfee hat gestern auf dem Mobile World Congress in Barcelona seinen neuen Mobile Threats Report vorgestellt. Die Zahl der mit Malware befallenen mobilen Geräte betrug allein im dritten Quartal 2017 mehr als 16 Millionen. Das waren doppelt so viel wie im Jahr davor. Um Endgeräte auch netzwerkübergreifend abzusichern, geht McAfee Partnerschaften ein. Weitere Trends nach dem Threat Report:  

• Gezieltere Angriffe: weltweiter Anstieg von Bankentrojanern, die sich gegen große multinationale Unternehmen und kleine regionale Banken richteten.

• Virtuelle Banküberfälle: Cyber-Kriminelle begehen virtuelle Banküberfälle, indem sie gefälschte mobile Geldbörsen verteilen und die Krypto-Währungsindustrie ins Visier nehmen.​

• Staaten, die Malware verwenden: Nordkoreanische Dissidenten und Journalisten, die die beliebte südkoreanische Chat-App KakaoTalk verwenden, wurden kürzlich zum Ziel eines Malware-Angriffs der nordkoreanischen Regierung mit dem Ziel, Spyware auf dem Gerät des Opfers zu installieren.

GESIS

Export eines dezentralen Forschungsinformationssystems
an weitere Leibniz--Einrichtungen

Aus: http://blogs.tib.eu/wp/fis/2018/02/26/die-open-source-software-gris-von-gesis/

„Als Eigenentwicklung des Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften (GESIS) gestartet, wird das Forschungsinformationssystem GRIS dort seit 2014 eingesetzt. GRIS ist eine Open-Source-Software, die als Selbstmeldesystem innerhalb eines Instituts zahlreiche, für das Berichtswesen relevante Forschungsoutputs sammelt und diese in unterschiedlichen Berichtsformaten darstellen kann. Im Gegensatz zur zentralen Erfassung werden bei einem Selbstmeldesystem die jeweiligen Daten direkt von den Wissenschaftlern in das System eingetragen. …

Seit Anfang 2018 existiert eine – zunächst einjährige – Kooperation mit drei weiteren Leibniz-Instituten, um die Software gemeinsam weiterzuentwickeln. Im Fokus stehen dabei neben der fächerübergreifenden Einsetzbarkeit vor allem die unkomplizierte Datenmigration und die Unterstützung des jeweiligen Berichtswesens mit den Schwerpunkten Kerndatensatz Forschung und Leibniz-Datenabfrage zum Pakt-Monitoring. Bisher sind als Kooperationspartner das Leibniz-Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung (IPK), das Leibniz-Institut für Bildungsverläufe e.V. (LIfBi) sowie das RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung e.V. an der Weiterentwicklung von GRIS beteiligt.“

 

 

 

 

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