Open Password - Freitag,

den 23. Februar 2018

#324


Rückblick 2017 – Ausblick 2018 – Richard David Lankes – BuB – Hans-Christoph Hobohm – BID – Stakeholder – Erda Lapp – Willi Bredemeier – Communities – Missionen – Positionierungen – Dritter Ort – Hot Spots – Wissensförderung – Bibliothek der Menschen

Rückblick 2017 – Ausblick 2018

Buch des Jahres


Richard David Lankes:
Erwarten Sie mehr!

Die Wahlen des Jahres:

I. Trends des Jahres

4. Bitcoin, Blockchain, Biometrie

Disruptive Technologie mit ganz besonderen Chancen - Bereits viele Anwendungen, obgleich Technologie in den Kinderschuhen steckt, 8. Dezember

5. Bürgerwissenschaft

Frank Hartmann, Citizen Science, Hochschulen als Brutstätten einer starken Bürgerwissenschaft - Von „Citizen Science light“ bis zur Mitformulierung relevanter Forschungsfragestellungen, 6. Februar

II. Einrichtung des Jahres
In der Pipeline

III. Information Professional des Jahres
In der Pipeline

IV. Bibliothekarin des Jahres
In der Pipeline

V. Einrichtung des Jahres
In der Pipeline

VI. Publikation des Jahres
Richard David Lankes, Erwarten Sie mehr!: Verlangen Sie bessere Bibliotheken für eine komplexer gewordene Welt, Berlin 2017

 

Ilona Munique

Bibliothek als Werkzeugkasten:
Eine neue Sicht für Entscheider

Open Password hat

Richard David Lankes, Erwarten Sie mehr!: Verlangen Sie bessere Bibliotheken für eine komplexer gewordene Welt, Berlin 2017

zur Neuerscheinung des Jahres gewählt.

Mit der Begründung machen wir es uns zunächst scheinbar leicht, indem wir aus der Rezension „Bibliothek als Werkzeugkasten – Eine neue Sicht für Entscheider“ von Ilona Munique in BuB (11/2017, Seiten 646-658) zitieren. Siehe unten. Das kommt, weil wir Frau Munique weitgehend zustimmen. Allerdings werden wir ihre Ausführungen in weiteren Veröffentlichungen zum Buch des Jahres noch interpretieren und selbst zusätzliche Gesichtspunkte zur Bedeutung von Lankes für Bibliotheken einbringen.

 

 

Rezension

Lankes mitreißendes Plädoyer
für großartigere Bibliotheken

Hut ab vor den Übersetzern!

Ein Titel mit zwei Lesarten. Mehr erwarten – bitte, was denn noch alles? Oder auch: Bibliotheken erwarten (sich) tatsächlich mehr! Doch wer ist mit „sie“ gemeint? Herausgeber Hobohm löst im Vorwort auf, es seien die übergeordneten Träger von Bibliotheken. Diesen seltenen Ansatz und Zugang kennen wir zuletzt aus der knapp und trocken formulierten Beilage „Grundlagen für gute Bibliotheken“ der Broschüre „21 gute Gründe für Bibliotheken“ der Broschüre „21 Gründe für Bibliotheken“ (BID, Bibliothek & Information Deutschland. 2009).

Nein, mit „gut“ hat Lankes, Professor für Bibliothekswissenschaften aus South Carolina, nichts am Hut. „Dieses Lied wird kein Liebesbrief an Bibliothekare sein“ (Seite 24). Bibliotheken müssen (und er setzt dieses unregelmäßige Verb regelmäßig ein) besser ein, eben großartig! Doch was zeichnet sie aus? „Der Unterschied zwischen einer guten und einer großartigen Bibliothek kann subtil sein“ (S. 168). Aha. „Großartige Bibliotheken experimentierten mit neuen Diensten und fürchten sich nicht vor einem raschen Scheitern.“ (S. 160). Also ein Paradigmenwechsel, schmackhaft gemacht in intensiven Sprachbildern (Hut ab vor den Übersetzern Lapp und Bredemeier), beginnend mit der bewegenden Schilderung der Menschenkette als Schutz der Bibliothek von Alexandria im Arabischen Frühling. Mitreißend.

Tatsache ist: Bibliotheken tun gut daran, sich deutlicher zu positionieren. Bevor ich endgültig dem eindringlichen Sog des Werkes erliege, eine praktische Frage nebst pragmatischer Antwort: Sollten wir es tatsächlich wagen, die anvisierte Zielgruppe – in Deutschland die Finanz- und Entscheidungsträger von Bund, Land, Kommune, Kirche und Wirtschaft – auf Lankes´ Mehrforderungen aufmerksam zu machen? Ihnen dies Büchlein auf den Nachtisch zu legen mit der Widmung „Freundlichst überreicht von Ihrer Bibliothek – träumen Sie schön von uns!“?

Einbindung in Konzepte. Ja, nur Mut! Auch, wenn vieles, was „leidenschaftliche Anwalt für Bibliotheken“ in immer neuen Schleifen und Wendungen ausführt, Bibliotheken im deutschsprachigen Raum bereits erfüllen. So die Forderung nach Transparenz und Zugang zu Wissen und Bildung, um Demokratie aufrechtzuerhalten (S. 44). Bibliotheken sind als Teil der Community ein Symbol, Freund und Lehrer (S. 169), oder konkreter: vermitteln Recherchefähigkeiten und helfen, Probleme zu lösen. Ja, wir können mithalten, ob kreativer Lernraum, Makerspace oder FabLabs (S. 145, ob Gaming-Turnier oder bedarfsorientierte Schulung.

Die Community ist ein integraler Teil dessen, was die Bibliothek tut, und die Bibliotheken sind mit Haut und Haaren Mitglieder dieser Community.

Wenngleich einiges davon eher nebenher im Alltagsbetrieb und ohne Einbindung in postulierte Konzepte. Konzepte? Lasst es „Missionen“ sein, so im Kapitel 3 – nicht ohne Stirnrunzeln gelesen. Tatsache ist: Bibliotheken tun gut daran, sich deutlicher zu positionieren, etwa so: „Bibliotheken sollten Orte der Wissenserstellung, des Partizipierens an Wissen sein, nicht nur des Konsums und des Ausleihens von Büchern. Die Funktionen der Bibliothek sollten über ihre Mauern hinausreichen.“

Apropos Mauern. Wir konzentrieren uns derzeit stark auf Bibliotheken als „dritten Raum/Ort“. Um uns mindestens physisch ein gewichtiges Standbein zu verschaffen, nachdem die virtuelle Konkurrenz vermeintlich unsere Daseinsberechtigung bedroht. Doch mit Onleihe, sozialem Bücherdienst und Lernplattform gehen wir längst über räumliche Grenzen hinaus. So leiht die Bibliothek in New York City „Internet Hot Spots“ aus (S. 115). Das kleine Gerät stellt über das Telefonnetz eine Funknetz-Verbindung mit dem Internet her. Gute Idee, ergänzend zur Ausleihe von Tablet und E-Reader.

Mehr noch als der Hardware räumt der Autor dem Wissen einen hohen Stellenwert ein. „Diese neue Auffassung von Wissen als etwas aktiv Geschaffenem ist vermutlich die größte Veränderung in unseren Erwartungen, die wir vollziehen müssen, (…)“ (S. 71). Und: „Die Bibliothek als aktive Förderin von Wissen“ (S. 91). Sie soll „Bürger auf viele Weisen inspirieren, ihre Lernmotivation aufzubauen, Wissen zu erstellen und letztlich die Gesellschaft zu verbessern“ (S. 90). Verbessern? Wie oberlehrerhaft und anmaßend! Doch: „Letztlich wird lokal definiert, was Verbesserung innerhalb der Gesellschaft bedeutet“ (S. 9). Ja, damit kann ich leben.

Bibliothek und Community. Viel ist von der Community die Rede. Sie definiert sich orts-, themen- und/oder zeitgebunden. Das Mitglied einer Community soll in der Bibliothek „seine Stimme zu gehör bringen und die Einrichtung verbessern“. Erwartet hier Lankes nicht ein wenig zu viel? Folglich müsste die Zielgruppe eben jene vielgepriesene Community sein, der wir dieses Buch in die Hand drücken sollten. Ohnehin sind viele Bibliotheksleistungen noch nicht ins Bewusstsein der überwiegend konsumierenden statt agierenden Mitmenschen gedrungen, aller Öffentlichkeitsarbeit zum Trotz.

Es ist wichtig, die Aufgaben der Bibliothek auf de Grundlage von Bedürfnissen vor Ort zu definieren.

Und trotzdem möchte ich anführen:  Wir Bibliotheken sind für die Menschen da, nicht sie für uns! Die Metamorphose des Benutzerverwalters zum Kundendienstleister dauerte lange genug. Indes erfahren wir: „Bibliotheken „für die Menschen ist die alte Sicht, auf Bibliotheken zu schauen. Sie sieht die Bibliothek als getrennt von der Community und als ein Anbieter von Dienstleistungen, die die Community nutzen und dafür zahlen, aber auch ignorieren und ablehnen kann.

Die neue Sicht sieht hingegen eine Bibliothek de Menschen. Die Community ist ein integraler Teil dessen, was die Bibliothek tut, und die Bibliotheken sind mit Haut und Haaren Mitglieder dieser Community. Bibliothekare gehen ihrer Arbeit nach, nicht weil sie Dienstleister sind oder ein Produkt herstellen, das zu konsumieren ist, sie arbeiten vielmehr daran, die Community besser zu machen. Mitglieder der Gemeinschaft unterstützen die Bibliothek nicht, weil sie zufriedene Kunden sind, sondern weil die Bibliothek ein Teil dessen ist, was sie sind. (S.64). Was konkret bedeutet: „die Aufgaben der Bibliothek auf der Grundlage von Bedürfnissen vor Ort zu definieren und lokale Definitionen, was die Gesellschaft verbessert, zu liefern.“ Was mehr und anders ist als „die Definition einer Bibliothek als eine Gruppe von Funktionen, die für alle Communities auf dem Globus gleichermaßen gelten“ (S. 118).

Bibliothek als Werkzeugkasten. Klingt gut, indes: Bibliotheken fehlen fordernde Mitglieder und überzeugende Konzepte des Ermöglichens von Wissen. „Bibliotheken müssen wie Küchen werden – aktive Orte, wo viele Zutaten (Informationen, Quellen, Talente) zu einer aufregenden neuen Kreation vermischt werden, die mit anderen geteilt werden kann“. Sie sollten funktionieren wie iPhones, mit vorinstallierten grundlegenden Diensten, um das Gewünschte in Form von Apps bedarfsorientiert zusammenzubasteln (S. 118). Folgerung: „Ihre Bibliothek sollte Ihnen nicht sagen, was Sie tun können (lesen, ausleihen, suchen), sie sollte Ihrer Community einen Werkzeugkasten zur Verfügung stellen, damit sie selbst bauen, was die Gemeinschaft braucht“ (S. 119). Auch die Idee der Bibliotheksmitarbeiter als „menschliche Plattform“ (Kapitel 6) sollte losgelöst von der bisherigen Einteilung in „Benutzerdienste“ und „Technische Dienste“ neu konzeptioniert werden.

Ruhig schlafen wird Lankes´ Plädoyer für großartigere Bibliotheken niemanden lassen. Es weckt den Austausch nach Austausch und neuen Dimensionen des Miteinanders.

Ob man sich an Lankes´ Mehrforderungen reiben möchte oder sie goutieren, ob man die angeführten Beispiele auf Europa übertragen, sie als Anregung verstehen oder zum Schnee von gestern erklären mag – alles ist möglich. Viele werden sich berührt und motiviert, zumindest sehr nachdenklich und (heraus) gefordert fühlen. Für manche wird das Buch eine Offenbarung bedeuten, Begeisterung und Motivationssuche auslösen und Veränderungen bewirken. Einige werden den Kopf schütteln oder ärgerlich werden, so bei den Merkmalen „schlechter“ Bibliotheken (Kapitel 8), aber auch ob der Forderungen (Obdachlose einbinden, Gründerzentrum sein, an öffentlichen Debatten teilnehmen, Umschulungen anbieten) sowie seiner stellenweise Nichtübertragbarkeit in deutsche (bürokratische) Verhältnisse. Zahlreiche zitierfähige Passagen werden Vortragseinleitungen würzen und zur Diskussion einladen.

Ohnehin sind viele Bibliotheksleistungen noch nicht ins Bewusstsein der überwiegend konsumierenden statt agierenden Mitmenschen gedrungen, aller Öffentlichkeitsarbeit zum Trotz.

Möge das Buch auf allen Nachttischen seinen Platz finden. Ruhig schlafen wird Lankes` Plädoyer für großartige Bibliotheken niemanden lassen. Es weckt den Wunsch nach Austausch und neuen Dimensionen des Miteinanders. Der Wunsch nach Zugehörigkeit ist so alt wie die Menschheit. Es scheint auch für Bibliotheken an der Zeit zu sein, über den reinen Dienst an der Community hinaus- und stattdessen mit ihr zusammenzuwachsen, also ein gleichwertiger, mehr noch, zentraler Teil von ihr zu werden und – ja, nur zu! – ein „Sprecher in der großen Welt“ (S. 115). Erwarten wir mehr!

 

Briefe

Paradigmenwechsel in der asiatischen Patentinformation

Sehr geehrter Herr Dr. Bredemeier,

wir sind derzeit wieder mit den Vorbereitungen unserer alljährlichen Konferenz zur asiatischen Patentinformation beschäftigt. Ich würde mich daher sehr freuen, wenn Sie eventuell auch in diesem Jahr die Veranstaltung wieder in Ihrem Newsletter ankündigen könnten...

19. - 20. April 2018, "East meets West", im Palais Niederösterreich, Wien

Bereits seit mehr als 10 Jahren veranstaltet das EPA in Wien alljährlich eine Konferenz zu asiatischer Patentinformation, „East meets West“. Hierbei bieten wir Patentinformationsnutzern, Rechercheuren und Patentanwälten sowie Vertretern von Unternehmen und Universitäten die Möglichkeit, sich im informellen Austausch mit Experten aus verschiedenen Ländern über neue Entwicklungen zu informieren.

In diesem Jahr beleuchtet „East meets West“ hochaktuelle Themen wie den Einsatz von künstlicher Intelligenz zur Recherche in asiatischen Daten oder IP-relevante Auswirkungen von Chinas „Belt and Road“-Initiative. Technische Entwicklungen haben einen Paradigmenwechsel in der (asiatischen) Patentinformation eingeleitet, der in einer eigenen Session diskutiert wird. Auf dem Programm stehen außerdem neue Methoden wie „Crowd Searching“ sowie Strategien zur Überwachung kritischer Technologien in Asien. Neben den Schwerpunktländern Japan, China, Korea und Indien stehen in diesem Jahr auch die Patentsysteme Südafrikas, Russlands und des Iran im Fokus.

Eine Posterausstellung gibt einen Überblick über neue Produkte, Informationsquellen und Dienstleistungen im Bereich asiatischer Patentdaten. Ausgewählte Anbieter stellen in kurzen Produktpräsentationen AI-basierte Recherchetools vor. Die Teilnehmer haben an diesen beiden interaktiven Tagen genügend Gelegenheit dazu, eigene Erfahrungen mit Fachkollegen zu diskutieren sowie Kontakte zu Experten verschiedener Patentämter aufzubauen.

Nähere Informationen zum Programm sowie das Registrierungsformular finden Sie unter www.epo.org/emw (Anmeldeschluss ist der 21. März 2018). Weitere Fragen beantworten die Organisatoren gern unter asiainfo@epo.org.

Mit freundlichen Grüßen Christine Kämmer,
Asian Patent Information Services, European Patent Office, Wien

Update zu Informationsmanagement
und Digitalisierung

Digitale Transformation: Fast Forward

12. März,„Digitale Transformation: Fast Forward“ - Halbtages-Update-Seminar für Information-Management-Profis in Berlin am 19.03.2018 von 14:00 – 17:30/18:00 Uhr:

• „Sieben Mal Fast Forward“ (Dr. Ulrich Kampffmeyer)

• "Digitalisierung in der Pharma-Branche" (Gastvortrag von Thomas Wehner, Medac, Wedel)

• „Aktuelles zu Standards im Information Management“ (Dr. Ulrich Kampffmeyer)

• „Aktuelles zu Rechtsfragen im Information Management“ (Dr. Ulrich Kampffmeyer)

• „Trends im Information Management 2018“ (Dr. Ulrich Kampffmeyer)

• Fragen & Antworten; Abschlussdiskussion

Die Teilnehmer erhalten eine ausführliche elektronische Dokumentation als PPT, PDF, HTML, ePub, Kindle und semantisch erschlossene Wissensbasis Theum.

Referenten:

• Dr. Ulrich Kampffmeyer, Geschäftsführer von PROJECT CONSULT, Berater, Referent und Autor. Er ist langjähriger profunder Kenner der Szene und gilt als Mentor der Branche in Europa.

• Thomas Wehner, verantwortlich für die Digitalisierung beim Pharma-Unternehmen Medac in Wedel bei Hamburg.

Zur Agenda, Anmeldung, Ortsangabe und den Konditionen geht es hier: http://bit.ly/UPDATEim18  / 

Ulrich Kampffmeyer, Autor für Open Password zu Fragen des Informationsmanagements, war mit dem Update auch im Fachbereich Informationswissenschaft der FHP Fachhochschule Potsdam zu Gast. https://twitter.com/hobohm/status/956205272460070912. Alle Dokumentationen der vorangegangenen Update-Veranstaltungen seit 2005 stehen kostenfrei und registrierungsfrei als Open Access zur Verfügung http://www.project-consult.de/content/handouts_aller_update_veranstaltungen. Zu einem Beitrag des Open-Password-Redakteurs Willi Bredemeier in Kampffmeyers Sammelband 2017 siehe http://www.project-consult.de/files/PC_Newsletter_2017_Komplett.pdf.

Aus dem Archiv

Push-Dienst Archiv 2017 - Alle Beiträge

Direkt per Klick - alle Open Password Ausgaben in einer Gesamtübersicht.

Mehr...

---