Open Password - Montag,

den 18. Januar 2018


#309


TIB – WTI – Dokumentation Kraftfahrwesen – DKF – TecFinder - Information Professionals – Anna Knoll – Nadine Adler – Informationsvermittlungsstellen – Tätigkeitsprofile – Erfolgsmessungen – Steilvorlagen für den Unternehmenserfolg – Schulungen – Beratung – Internes Marketing – Herausforderungen – Krise – Bernhard Mittermaier – DEAL – Libreas – Springer Nature – Wiley - Elsevier

Dokumentation Kraftfahrwesen 

TIB und WTI führen Angebot fort

Nach 43 Jahren hat die Dokumentation Kraftfahrwesen e.V. (DKF) zum Jahresende 2017 ihren Geschäftsbetrieb eingestellt. Zentrale Dienstleistungen werden mit der Übernahme der relevanten Bestände durch die TIB – Leibniz-Informationszentrum Technik und Naturwissenschaften und die Fortführung der DKF-Literaturdatenbank durch die WTI-Frankfurt sichergestellt.

Mit der Auflösung der Dokumentation Kraftfahrwesen e.V. (DKF) wurde zum 31. Dezember 2017 die Geschäftsstelle des Vereins in Bietigheim-Bissingen geschlossen. 1974 im Kontext des „IuD-Programms“ der Bundesregierung zur Förderung der Information und Dokumentation gegründet, war die DKF 43 Jahre lang ein wichtiger Informationsanbieter im Bereich der Kraftfahrzeugtechnik und ihrer Randgebiete. Entsprechend der Ziele der IuD-Förderung, durch Schaffung von Informations- und Dokumentationseinrichtungen zum Ausbau der Fachinformationslandschaft vor allem im technisch-naturwissenschaftlichen Bereich beizutragen und leistungsfähige Informationssysteme zu etablieren, entwickelte die DKF ein überregionales Dienstleistungsportfolio für führende Fahrzeughersteller, Systemlieferanten und Zulieferer, private Forschungseinrichtungen sowie Hochschulinstitute und Verbände. Einen wesentlichen Baustein bildete die Erfassung und Auswertung internationaler kraftfahrzeugtechnischer Fachzeitschriften und Reportliteratur.

Über 275.000 Aufsatznachweise aus der kontinuierlich fortgeschriebenen DKF-Literaturdatenbank waren durch die langjährige Kooperation der Einrichtungen bereits vor Auflösung des Vereins im TIB-Portal nachgewiesen und für die Recherche und Volltextbestellung nutzbar. Relevante DKF-Bestände aus dem Bereich der sogenannten grauen Literatur wurden nun ebenfalls an die TIB übergeben, wo die Dokumente Schritt für Schritt mit dem Bestand abgeglichen und eingearbeitet werden. Diese im Handel nicht erhältlichen Materialien stellen eine wichtige Informationsquelle für Wissenschaft und Forschung dar. Der umfangreiche graue Bestand der TIB in ihren Fachgebieten wird so durch wichtige und zum Teil schwer beschaffbare Tagungs- und Forschungsberichte sowie andere wissenschaftliche Aufsätze und Reports, Firmenschriften und Dissertationen aus der Bibliothek der DKF ergänzt.

Die DKF-Literaturdatenbank wird von der WTI-Frankfurt eG mit den gleichen Inhalten wie bisher weitergeführt. WTI steht für Wissenschaftlich-Technische Informationen und legt ihren Fokus auf schnellen Zugang zu Fachinformationen aus Technik und Management. So ist die WTI seit ihrer Gründung im Jahr 2011 zu einem führenden Anbieter von anwendungsorientiertem Wissen und praxisrelevanten Forschungsergebnissen für Wissenschaft und Wirtschaft geworden. Die bisherigen DKF-Mitglieder erhalten über die kommenden fünf Jahre 15 Prozent Rabatt für die Nutzung der Informationsdienstleistungen aus der DKF-Datenbank. Die Datenbankrecherche ist ab sofort über den TecFinder erreichbar.

Auch die Einbindung der Nachweise als Datenquelle im TIB-Portal wird fortgesetzt. Zentrale Dienstleistungen, die die DKF bisher im Bereich von Dokumentlieferung und Volltextversorgung angeboten hat, sind somit weiter gewährleistet.


Information Professionals

Die InfoPros ohne klares Profil
und ohne gemeinsame Basis?

Erfolgsweg „vom Analysten zum Berater“
in der Praxis nur bedingt nachvollzogen

Was ist eigentlich seit 2015 passiert?

Zu den Ergebnissen zweier Umfragen unter Information Professionals - zuletzt in Open Password #262 (5. Oktober) und #240 (16. August 2017) – ein Vergleich

Zu den Ergebnissen zweier Umfragen unter Information Professionals - zuletzt in Open Password #262 (5. Oktober) und #240 (16. August 2017) – ein Vergleich

Von Anna Knoll

Die Untersuchung von 23 Informationsvermittlungsstellen aus verschiedenen Wirtschafszweigen von Nadine Adler zeigt, dass meine Ergebnisse von 2015 (‚Kompetenzen von Information Professionals in Unternehmen‘ von Anna Knoll, ISBN 978-3-945610-34-3) nach wie vor aktuell sind. Die Information Professionals in Deutschland, Österreich und Schweiz kämpfen weiterhin mit sinkenden Budgets, steigenden Erwartungen und höherem Kostendruck. Dass der berufliche Hintergrund und die „speziellen Kompetenzen“ nicht bekannt sind, ist katastrophal. Deshalb ist die Kompetenz des „Eigenmarketing“ wichtiger denn je. Wenn der Inhouse-Informationsspezialist von seinen Kunden nicht ge(wert)schätzt wird – wen wundert dann noch der Abbau von Informationsvermittlungsstellen, Knowledge Centern und Research-Abteilungen?

Die Antworten auf die erste Frage von Nadine Adler, welche Dienstleistungen überhaupt von den IVS angeboten werden, waren so vielfältig, dass man sich beim Lesen fragt: Was macht ein Information Professional eigentlich wirklich? Natürlich hängt dies auch mit dem Unternehmen, der Tradition eines Informationszentrums oder schlichtweg den persönlichen Kompetenzen der Mitarbeiter zusammen. Trotzdem fehlt das ‚klare Profil‘, eine gemeinsame Basis, die alle InfoPros miteinander verbindet. Nur 22% aller Antworten nennen ‚Recherchen und Analysen‘ als Dienstleistung, hier hätte ich mindestens 80% erwartet. Dieses heterogene Berufsbild des InfoPros wird bei jeder Befragung von Informationsspezialisten deutlich. Es kommen immer weitere Aufgaben hinzu (z.B. ‚‚Verlagstätigkeiten“, „Intranetpflege“ oder „Text-Mining“) und ‚verwischen‘ das Tätigkeitsprofil eines InfoPros.

Die zweite Frage, die Frage nach dem Erfolg, war sicherlich schwer zu beantworten. Die wenigsten Informationsabteilung führen regelmäßig Erfolgsmessungen durch (falls Sie hier Zahlen haben, gerne an Open Password oder an die Autorin melden), denn aussagefähige Kennzahlen zu erfassen bei größtenteils qualitativer statt quantitativer Arbeit fällt sehr schwer. So fallen auch die Antworten der Umfrageteilnehmer höchst unterschiedlich aus. Auffallend ist, dass meist fachliche Kompetenzen und Ergebnisse genannt werden („Pressespiegel“, „Informationszusammenstellung“, „Datenhygiene“, „wenig Systembrüche“), aber wenig persönliche und soziale Kompetenzen wie „Bekanntheitsgrad“, „Freundlichkeit“ und „Expertenwissen der Mitarbeiter“. Woran liegt das? Einerseits verführt die Frage bereits nach genauen Bezeichnungen von Dienstleistungen und Angeboten, andererseits ist den InfoPros meiner Meinung nach immer noch zu wenig bewusst, dass sich die Aufgaben eines Informationsspezialisten weg vom Fachlichen hin zum Persönlichen verschieben. Der oft gehörte Satz „Vom Analysten zum Berater“ (auch Thema der diesjährigen Steilvorlagen-Veranstaltung) hat einen wahren Kern: Statt immer speziellere Recherchekenntnisse und immer ausgefeiltere Analysen zu bieten, wird der InfoPro zukünftig eher ‚Hilfe zur Selbsthilfe‘ bieten und ‚Endanweder‘ von Datenbanken zu eigenen Recherchen befähigen. Schulung, Beratung und Unterstützung werden wichtiger, die Suche an sich führt der Nutzer schon jetzt immer häufiger selbst durch.

Eine weitere interessante Frage von Nadine Adler ermittelt die getroffenen Maßnahmen für das interne Marketing. Die allermeisten Antworten der Umfrageteilnehmer stützen sich auf schriftliche Dokumentation („Internet/Intranet“, „Newsletter“) und Schulungen/Einführungsveranstaltung für neue Mitarbeiter, also die Ansprache face-to-face. Dies sind selbstverständlich bewährte Wege und führen auch oft zum Ziel (dass nämlich die Nutzer erreicht werden), allerdings vermisse ich ein wenig innovative Ideen aus dem 21. Jahrhundert. Nur drei Einzelaussagen nannten „App“, „Social Media“ (hier wäre Näheres interessant) und „eigene Community im Intranet“ (hier ist wahrscheinlich eine Sharepoint-/IBMConnections-Gruppe gemeint). Neue Formate wie Video oder gar Kommunikation über Messenger wie WhatsApp fehlten gänzlich. Die InfoPros in Unternehmen sollten mutiger werden in der Ansprache ihrer Nutzer – trotz vielleicht beschränkter Möglichkeiten durch Unternehmensregelungen. In den meisten Fällen ist in einem Wirtschaftsunternehmen weitaus mehr möglich als in wissenschaftlichen Bibliotheken, z.B. haben viele Mitarbeiter dort Diensthandys.

Bei der Frage nach den künftigen Herausforderungen für IVS decken sich die Ergebnisse von Nadine Adler mit meinen eigenen Ergebnissen vom Jahr 2015. Vor allem der Mehrwert, den die InfoPros bringen sollten, wurde häufig genannt (auch in den Einzelaussagen in veränderter Form). Interessant war, dass IT-Kompetenzen selten erwähnt wurden – dies scheint also weiterhin keine Kompetenz zu sein, die von den InfoPros künftig erwartet wird. Nur eine Einzelaussage erwähnte, dass es notwendig sei, sich auch ausgiebig mit den Themen des Unternehmens zu befassen (in meiner Ausarbeitung ‚Branchenkenntnisse‘ genannt).

Insgesamt waren die Ergebnisse dieser Umfrage zwar wenig überraschend, lassen allerdings tief blicken. Es hat sich in den letzten Jahren nichts bewegt, die Themen und Herausforderungen sind die gleichen geblieben. Den Infoabteilungen in der Wirtschaft geht es (größtenteils) schlecht und die Mitarbeiter wissen das. Jetzt stellt sich nur die abschließende Frage: Was tun wir dagegen?

Gelesen und weiterempfohlen

Aus dem DEAL-Maschinenraum

Bernhard Mittermaier, Aus dem DEAL-Maschinenraum – ein Gespräch mit Bernhard Mittermaier, in: LIBREAS. Library Ideas, 32 (2017), http://libras.eu/ausgabe32/mittermaier- Zitat:

„Die Gespräche mit Springer Nature und Wiley sind auf einem guten Weg. Als sich im September 2017 abzeichnete, dass bis Jahresende kein Abschluss möglich war, musste zur Vermeidung eines vertragslosen Zustands Anfang 2018 eine Übergangslösung gefunden werden. … (Ich bin) optimistisch, dass ein Abschluss erreicht werden kann, wohl im ersten oder zweiten Quartal 2018. …

Bei Elsevier ist die Situation deutlich anders. Die Verhandlungen dauern zwar schon fast ein Jahr länger, sind aber weniger weit fortgeschritten als bei Sporinger Nature und Wiley. Elsevier hat den Ansatz, ausschließlich das Publizieren zu bezahlen, bisher nicht akzeptiert. Auch ist die wechselseitige Aufstellung wesentlich offensiver: Einrichtungen haben ihre auslaufenden Verträge nicht verlängert. Anfang 2017 waren dies knapp 70 Einrichtungen, inzwischen sind es über 180. Anfang Oktober wurden die ersten Rücktritte von Editor*innen an Elsevier übergeben und veröffentlicht. Elsevier wiederum sucht das Gespräch mit einzelnen Einrichtungen – obwohl gar keine Verhandlungen anstehen. Man schreibt Editor*innen an und lädt zu Editors Dinners ein, sucht auch den Kontakt zu Rektoraten und zu Ministerien. Mutmaßlicher Zweck ist das Aufbrechen der Front auf Seiten von DEAL – bislang ohne Erfolg. Man kann hoffen, dass die Zwischenlösungen mit Wiley und Springer Nature, die in der Öffentlichkeit auf großes Interesse gestoßen sind, bei Elsevier Bewegung auslösen. Sollte dies nicht geschehen, werden weitere Eskalationsschritte folgen: Weitere Einrichtungen werden kündigen, in regelmäßigen Abständen werden Herausgeber*innen ihre Tätigkeit niederlegen, eventuell wird DEAL das letzte Angebot von Elsevier den Einrichtungen auch hinsichtlich der finanziellen Details mitteilen. Allerspätestens wenn die Verträge mit Wiley und Springer Nature abgeschlossen sind, wird Elsevier Farbe bekennen müssen. Sollte dann immer noch keine Bewegung festzustellen sein, muss man davon ausgehen, dass Elsevier lieber auf die Umsätze in Deutschland verzichtet, als sein Geschäftsmodell in Frage stellen zu lassen. Aber selbst das wäre hoch riskant für den Verlag: Schließlich handelt es sich um einen großen Feldversuch zur Frage, ob man ohne Elsevier-Zeitschriften leben kann.“

 

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