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den 26. Januar 2018 2018

#312

 

Aylin Ilhan - Maria Henkel - Isabelle Dorsch - Christine Meschede - Institut für Informationswissenschaft - Universität Düsseldorf – ASIS&T Annual Meeting – Eugene Garfield – Szientometrie – Altmetrics – Richard Marks – Sony – Dirk Lewandowski – Sebastian Sünkler – Suchmaschinen – Semantische Analyse – Sergej Sizov – Mikel Bahn – Open Innovation – Bibliotheken – Agnes Mainka – Wolfgang G. Stock – Hashtags – Studentische Wettbewerbe – AssistANT App – SIG Social Media

 

Diversifizierung der Informationswissenschaft

Social Media, Open Innovation,
Altmetrics

Aber auch Wissensrepräsentation
und Zitationsanalyse

Von Aylin Ilhan, Maria Henkel, Isabelle Dorsch und Christine Meschede (Institut für Informationswissenschaft, Universität Düsseldorf (aylin.ilhan@hhu.de, maria.henkel@hhu.de, isabelle.dorsch@hhu.de und christine.meschede@hhu.de)

Plenarvortrag und Eröffnung auf dem ASIS&T Annual Meeting 2017, Crystal City. Quelle: ASIS&T.

Das ASIS&T Annual Meeting 2017 in Washington DC – ein Resümee aus Düsseldorfer Sicht.

Die Association for Information Science and Technology (ASIS&T) ist eine Organisation mit einer informationswissenschaftlichen Community von rund 1.800 Mitgliedern aus fünfzig Ländern. Hier kommen Experten, Studierende, Repräsentanten internationaler Einrichtungen und viele andere Interessierte, zum Beispiel aus den Bereichen Medizin, Chemie und Recht, zusammen.

ASIS&T ermöglicht eine Plattform und ein Diskussionsforum, das aktiv die Informationsgesellschaft stärkt, fördert und weiterentwickelt. Wissen und Information stehen im Fokus. Es wird nicht nur die Relevanz, sondern auch der Einfluss und die Auswirkungen von Wissen und Information thematisiert und in die Gesellschaft weitergetragen. Unterstützer dieser Ideen und Ziele war auch Eugene Garfield († 26. Februar 2017), Pionier der Informationswissenschaft und ehemaliger ASIS&T Präsident (1999-2000).

Die inhaltliche Vielfalt von ASIS&T wird durch 23spezielle Interessengruppen (SIGs) zu Themen wie Metriken, Digitale Bibliotheken, Informetrie und Wissensmanagement repräsentiert. Dabei schließen sich Forscher und Experten aus der Praxis zusammen und setzen gemeinsame Ideen, Pläne und Projekte um. Zusätzlich zu den SIGs gibt es regionale und überregionale Gruppen und Studierendengruppen mit demselben Ziel: ein Forum für Kommunikation, Zusammenarbeit, Ideen und Weiterentwicklung zu pflegen und fördern.

Die jährliche ASIS&T-Versammlung feierte in diesem Jahr ihren 80. Geburtstag. Das 80. Annual Meeting fand unter dem Motto „Diversity of Engagement 2017” in Crystal City, Washington D.C., statt und bot wieder einmal die Möglichkeit, sich weltweit zu vernetzen, auszutauschen, alte Gesichter wiederzusehen und neue Gesichter kennenzulernen.Insgesamt wurden 892 Artikel, Panels/Workshops, visuelle Präsentationen und das Doktorranden-Kolloquium begutachtet. Erfreulich ist, dass in diesem Jahr unter den zahlreichen Reviewern, Präsentierenden und Teilnehmenden viele namenhafte Wissenschaftler_innen aus dem deutschsprachigen Raum zählten.

Altmetrics und Sichtbarkeit. An den ersten beiden Tagen der Konferenz fanden insgesamt zehn Workshops statt. So nahmen auch Christine Meschede und Isabelle Dorsch am „Workshop on Informetric and Scientometric Research“ teil, durchgeführt von der Interessengruppen SIG Metrics. Meschede und Dorsch sind wissenschaftliche Mitarbeiterinnen an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf und gleichzeitig Beauftragte innerhalb der europäischen Studierendengruppe von ASIS&T (European Student Chapter). Dorsch präsentierte ihre Forschungsarbeit „Relative Visibility: Methodological Considerations on a New Scientometric Indicator Based upon Personal Publication Lists”. Hierbei geht es vor allem um die Online-Sichtbarkeit von Wissenschaftlern durch ihre persönlichen Publikationslisten und Publikationen in Informationsdiensten. Meschede präsentierte in dem Workshop ihre Forschungsarbeit „Cross-Metric Compatibility of Altmetrics“. In ihrem Vortrag zeigte sie, dass Metriken verschiedener Datenquellen von altmetrischen Aggregatoren unterschiedlich bewertet werden. Innerhalb des Workshops wurde die Auszeichnungen „Best Paper Award“ und „Best Student Award“ verliehen. Meschede belegte mit ihrem wissenschaftlichen Beitrag den zweiten Platz des Best Student Awards.

Highlights der Tagung. Weiter ging es im Programm mit dem offiziellen Konferenzstart, eingeleitet durch einen der Plenarvorträge „Playing with Reality“ von Richard Marks. Marks ist Gründer und Leiter des PlayStation Magic Labs von Sony und präsentierte neue Entwicklungen im Bereich Virtual Reality. Beispiele für behandelte Themen waren „Digital Youth“, „Informatics“, „Social Media“ und „Health Informatics“. Weitere Themen wurden von Referenten aus Deutschland vorgestellt: Dirk Lewandowski von der Hochschule für Angewandte Wissenschaften aus Hamburg präsentierte mit seinem Co-Autor Sebastian Sünkler unter dem Titel „Does it matter which search engine is used? A user study using post-task relevance judgments“. Die beiden Forscher beobachteten 64 Teilnehmer_innen und wie die Suchmaschinen Google und Bing arbeiten, wenn die Teilnehmer vorbestimmte Aufgaben abarbeiten und die Ergebnisse nach ihrer Relevanz bewerten. Wie sich zeigte, kommt Google zu relevanteren Ergebnissen als Bing. Das Thema „Disciplinary Assessment of Scientific Content by Higher-Order Citation Mining“ wurde von Sergej Sizov und Mikel Bahn aus dem Forschungsbereich Web Science der Abteilung Informationswissenschaft an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf erörtert. Die Autoren präsentierten eine mathematische Methode, die zur semantischen Analyse auf Wissenschaftsnetzwerken bisher nicht verwendet wurde. Mithilfe von multidimensionalen Tensormodellen sei man sogar in der Lage, disziplinäre und interdisziplinäre Wissenschaftsdisziplinen aufzudecken.

Poster der Düsseldorfer Informationswissenschaft. Ein besonderes Ereignis war der Empfang der Präsidentin. Hier hatten alle Teilnehmer_innen die Möglichkeit, sich die insgesamt hundert visuellen Präsentationen anzusehen. Maria Henkel und Aylin Ilhan, ebenfalls wissenschaftliche Mitarbeiterinnen der Abteilung für Informationswissenschaft an der Heinrich-Heine-Universität und Beauftragte des  European Student Chapter, kurz „ESC“, präsentierten ihr interaktives Poster zum Thema „Open Innovation in Libraries“. Das Forschungsteam untersuchte gemeinsam mit Agnes Mainka und Wolfgang G. Stock an fünf Beispielen, wie Bibliotheken Open Innovation durchführen. Der Begriff „Open Innovation“ wurde von dem US-amerikanischen Wirtschaftswissenschaftler Henry W. Chesbrough eingeführt und meint die Einbeziehung externer Personen und Institutionen in den Innovationsprozess. Dies können zum Beispiel Kunden, Nichtkunden, Zulieferer und Software-Entwickler sein. Im Fokus steht die Bereitschaft, sowohl externes Wissen in den eigenen Prozess einzubeziehen als auch die eigenen Erfahrungen nach außen zu kommunizieren, damit andere Einrichtungen davon profitieren können.

Dorsch und Zimmer (Forscherinnen in der Abteilung für Informationswissenschaft an der Uni Düsseldorf) stellten ihre, gemeinsam mit Wolfgang G. Stock durchgeführte, Forschungsarbeit „Image Indexing Through Hashtags in Instagram“ vor. Die Forscher_innen untersuchten, welche Typen von Hashtags für verschiedene Bilderkategorien innerhalb von Instagram benutzt werden. Landschaft, Architektur und Selfie sind drei der zehn untersuchten Bilderkategorien. Insgesamt analysierten sie 1.000 Bilder und deren 14.649 Hashtags. Bei etwa 60% der betrachteten Hashtags werden mehrheitlich inhaltsbezogene Aspekte (Ofness und Aboutness) des Bildes durch die Hashtags angesprochen. 15% der Hashtags wurden der Kategorie Isness zugeordnet. Gefühlsbezogene Hashtags (wie zum Beispiel #love) machen 4% der Hashtags aus.

Bild: Poster-Session: Case Studies on Open Innovation in Libraries (Aylin Ilhan und Maria Henkel).

Auszeichnungen für die europäische Informationswissenschaft. Jedes Jahr werden auf der ASIS&T-Jahrestagung herausragende SIGs sowie regionale und studentische Gruppen geehrt. Das ESC organisierte auf der Versammlung 2016 in Kopenhagen ein „miniBARcamp“, veröffentlicht zwei Mal jährlich einen Newsletter und ist Veranstalter und Organisator des diesjährigen Scientivity Contests. Dieser studentische Wettbewerb soll Studierende der Informations- und Bibliothekswissenschaft ermuntern, ihre wissenschaftliche Arbeit kreativ zu präsentieren. Dies kann zum Beispiel in Form eines Videos, Comics, einer Präsentation oder auch eines Songs geschehen. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Der beste Beitrag wird mit finanzieller Unterstützung für die Reise zur iConference 2018 in Sheffield und einer Betreuung durch Javed Mostafa, dem Herausgeber des Journal for Association for Information Science and Technology (JASIS&T), belohnt.

Bild oben: Verleihung des Student Chapter Award an das European Student Chapter (Irene Opatovska, Lynn Silipigni Connaway, Christine Meschede).

Das ESC, geleitet von Studierenden der Uni Düsseldorf, wurde mit dem „Best Student Chapter of the Year”-Award ausgezeichnet. Gleich zum zweiten Mal in Folge erhielt die große Schwester, das „European Chapter”, den „Best Chapter of the Year”-Award.

Abbildung 4. Vertreter des European Chapter und European Student Chapter.

Zusätzlich zu den Vorträgen, Postern, Auszeichnungen und Workshops fand eine „Student Design Competition“ statt. Aufgabe des Wettbewerbs war es, einen Prototyp für ein digitales Informationstool zu entwerfen. Dieses sollte helfen, bedeutsame Verbindungen zwischen Menschen, Orten, Informationen und Ideen zu knüpfen.

Abbildung 5. Studentischer Design-Wettbewerb: Veranstalter (ganz links: Rebekah Willson; ganz rechts: Stephann Makri) und Gewinnergruppe (Tjasa Jug, Fabian Odoni, Saguna Shankar, Maria Henkel).

Gewonnen hat die international gemischte Studierendengruppe bestehend aus Saguna Shankar (University of British Columbia), Tjasa Jug (University of Ljublijana), Fabian Odoni (Hochschule für Technik und Wirtschaft in Chur) und Maria Henkel (Uni Düsseldorf). Sie entwickelten und präsentierten die „AssistANT“-App, die einem „Augmented Reality“-Ansatz folgend das Kennenlernen auf Veranstaltungen erleichtert und somit abwechslungsreiche Interaktion und Kollaboration unterstützt.

Abbildung 6. Teilnehmer, Juroren und Veranstalter des studentischen Design-Wettbewerbs.

Auch beim „New Leader Award” mischten die Informationswissenschaftler_innen aus Düsseldorf mit. Das „New Leader“-Programm ist eine Möglichkeit, mit einem Mentor innerhalb der ASIS&T-Community zwei Jahre lang zusammen zu arbeiten. Darüber hinaus erhält ein New Leader für zwei Jahre finanzielle Unterstützung für den Besuch des Annual Meetings.. Aylin Ilhan machte es ihren Kolleginnen Christine Meschede, „New Leader“- Gewinnerin aus dem Jahr 2016, Sarah Hartmann, Gewinnerin 2015, Agnes Mainka, Gewinnerin 2014 und Tamara Heck, Gewinnerin 2012, nach und ist nun Teilnehmerin des „New Leader“-Programms aus dem Jahr 2017. Ihr Mentor ist Emad Khazraee von der Kent State University aus Ohio.

SIG Social Media: Neue Interessengruppe der ASIS&T-Familie. Die speziellen Interessengruppen (SIG) der ASIS&T haben seit der diesjährigen Versammlung eine neue Schwester erhalten. Aylin Ilhan und Isabelle Dorsch präsentierten auf der Sitzung „SIG Cabinet“ den Konzeptentwurf für das neue SIG Social Media. Was benötigt man, um ein neues SIGs zu gründen? Mindestens 50 Unterschriften von ASIS&T-Mitgliedern, ein Anschreiben mit einem Jahresplan und einer Definition der speziellen Interessengruppe. Über die längst überfällige SIG Social Media wurde von den Anwesenden der Versammlung abgestimmt und nunmehr ist es offiziell: Die SIG Social Media existiert. Sie wird geleitet von den beiden Co-Vorsitzenden Aylin Ilhan und Isabelle Dorsch. Weitere Vorstandsmitglieder sind Philippe Mongeon (Kassenwart; Université de Montréal), Nic DePaula (Sekretär; University at Albany), Kaja J. Fietkiewicz (Webmaster; Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf) und Wasim Ahmed (Kommunikator und Social Media Manager; Information School, Regent Court, Sheffield). Wir heißen alle interessierten und engagierten ASIS&T-Mitglieder und Nicht-Mitglieder herzlich willkommen.

81. Annual Meeting 2018 in Vancouver. Die 80. Versammlung der ASIS&T war ein erfolgreiches Event für die Düsseldorfer Informationswissenschaft und für die europäischen Chapter. Für das nächste Treffen vom 9.-14. November 2018 haben die Vorbereitungen bereits begonnen. Die Frist für das Einreichen von Forschungsarbeiten ist der 2. April 2018 – viel Zeit bleibt also nicht. Wir freuen uns auf den 81. Geburtstag der ASIS&T in Vancouver!

Weitere Links:

• 80. Annual Meeting

• Präsentation ”Cross-Metric Compatibility of Altmetrics“ von Christine Meschede

• Präsentation „Relative Visibility: Methodological Considerations on a New Scientometric Indicator Based upon Personal Publication Lists“ von Isabelle Dorsch

• New Leader Award

• European Student Chapter

• European Chapter

• Scientivity Contest

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