Open Password - Freitag,

den 8. Dezember 2017

#294

Blockchain – MÜNCHENER KREIS – Use Cases - Gartner - Helmut Krcmar - Roman Beck – IT-Universität Kopenhagen – SAP – Tanja Rückert – Jonas von Malottki – Daimler – Intermediäre – Datensicherheit – Smart Contracts – Alexander Duisberg – Bird & Bird – Datenschutz – ISO – Michael Reuter – Datarella – WWF - Christoph Schaefers - Robert Bosch GmbH - Sebastian Becker - RIDDLE&CODE – Estland – Schweden – Dänemark – GBI-Genios – Heise Medien – DIPF – Recherchekompetenz – SMS – WhatsApp – Online-Banking

Die Anwendung der Blockchain-Technologie beschränkt sich nicht auf die Finanzbranche und Bitcoin, sondern wird bereits in vielen Branchen eingesetzt. Beispiel Landwirtschaft: Die Kompensation von Ernteausfällen erfolgt automatisiert über Sensoren und die Blockchain, der lästige Papierkram entfällt und die Zahlung kommt viel schneller beim Landwirt an. (Foto: Fotolia/kugelwolf)

Konferenz „Blockchain“

Disruptive Technologie mit

ganz besonderen Chancen

Bereits viele Anwendungen, obgleich Technologie in den Kinderschuhen steckt

Konferenz „Blockchain“ des MÜNCHNER KREISES in München. Blockchain steht zurzeit ganz oben auf der Liste der Trends im Gartner Hypecycle und hat das Potenzial, den Finanzsektor und weitere Branchen zu revolutionieren. „Da sich Deutschland momentan noch im Blockchain-Winterschlaf befindet, wollen wir mit dieser Konferenz einen Weckruf starten. Die Erforschung von Use Cases, der Austausch von Erfahrungen und das Dazulernen sollen die Müdigkeit vertreiben.“ So der Vorsitzende des Forschungsausschusses des MÜNCHNER KREIS, Prof. Dr. Helmut Krcmar. Der Hype um Blockchain werde in echte Begeisterung umschlagen und das Jahr 2018 zum Blockchain-Jahr werden. Der Gründer der Blockchain Summer School an der IT-Universität Kopenhagen, Prof. Dr. Roman Beck, stimmte in seiner Keynote zu, dämpfte allerdings auch die Erwartungen: „Mithilfe der Blockchain-Technologie können einige Probleme gelöst werden, nichtsdestotrotz ist die Technologie weit davon entfernt, perfekt zu sein.“  Einig waren sich alle Teilnehmer, dass die Blockchain-Technologie gekommen ist, um zu bleiben.

Vor allem kollaborative Business-Szenarien wie die Fertigung oder digitale Logistik könne „Blockchain as a Service“ revolutionieren, so Dr. Tanja Rückert, President IoT & Digital Supply Chain, SAP SE. Blockchain sei wie eine Feier, zeichnete Jonas von Malottki, Daimler AG, ein Bild. Je mehr Leute an ihr teilnähmen, desto besser würde sie.

Technische Grundlagen – die Vorteile. Aber was ist Blockchain? Es handelt es sich um ein verteiltes Netzwerk aus Rechnern ohne zentrale Kontrollstelle oder Autorität. Diese sind in einer Blockchain nicht notwendig, da das verteilte Netzwerk die durchgeführten Transaktionen selbst verifiziert. Dies gilt als zentrale Innovation der Blockchain-Technologie. Wenn eine Transaktion im Netzwerk zwischen zwei Parteien erfolgen soll, konkurrieren die Knoten im verteilten Netzwerk, um einen mathematischen Beweis zu lösen, der diese Transaktion auch im Transaktionsregister aller Knoten im Netzwerk speichert. Eine Transaktion kann anschließend nicht mehr aus dem Transaktionsregister gelöscht oder zurückgenommen werden. Der Verzicht auf eine zentrale Kontrollstelle im verteilten Netzwerk bedeutet eine radikale Umstellung auf direkte Transaktionen zwischen Nutzern ohne Intermediäre oder Vermittlungsdienste.

Bei der Blockchain muss zwischen der Datenstruktur und dem zugehörigen Verwaltungssystem unterschieden werden. Die Datenstruktur einer Blockchain entspricht einer Datenbank, die Einträge in Blöcken gruppiert, welche in chronologischer Reihenfolge über eine kryptographische Signatur miteinander verknüpft sind. Die Blöcke enthalten eine Kopie der letzten Transaktionen seit dem Hinzufügen des letzten Blocks. Somit handelt es sich bei einer Blockchain um ein dezentrales, nicht reguliertes und gegebenenfalls offenes Transaktionsregister. Das Verwaltungssystem einer Blockchain entspricht einem verteilten Konsenssystem. Da eine Blockchain über keine zentrale Autorität verfügt, muss stets Konsens zwischen den Akteuren im System über den validen Zustand der Blockchain herrschen. Für die Verifikation der Blockchain können Konsensmechanismen verwendet werden, die auf Peer-to-Peer-Technologien und Verschlüsselung basieren. 

Dies sind die stärksten Argumente pro Blockchain-Technologie: volle Transparenz - die Unabhängigkeit von Intermediären wie Banken, Regierungen und Notaren – die dadurch entstehende Kosteneinsparungen - beschleunigte Geschäftsabwicklungen. Darüber hinaus bietet die Technologie eine außerordentlich hohe Sicherheit, erreicht durch Verschlüsselung und dezentrale Archivierung. Transparenz und Nachvollziehbarkeit der Transaktionen schaffen ein ungemeines Vertrauen

Neue regulatorische und vertragsrechtliche Fragestellungen – „Smart Contracts“. Wenn in einer Blockchain Programmierungslogiken abgelegt werden, die unveränderbar sind, können „Smart Contracts“ geschlossen werden, die aus gemeinsam festgelegten Regeln bestehen. So ist kein Vertrauen mehr zwischen zwei Vertragspartnern nötig, denn: Wenn A in Vorleistung tritt, wird auch B automatisch eintreten, bevor C vollzogen werden kann. Das heißt, bestimmte Vertragsinhalte wie Zahlungen können selbsttätig ausgeführt werden, wenn die Bedingung dafür erfüllt ist.

Gerade diese automatisierte und unumkehrbare Ausführung der Transaktion habe eine Kehrseite bei den „Smart Contracts“, erläuterte Dr. Alexander Duisberg, Partner bei Bird & Bird LLP. Im deutschen Recht hätten wir das Problem, dass ein Rechtsgeschäft von Anfang an nichtig sein könne und keine Wirkung entfalte. Das gelte für Verstöße gegen gesetzliche Verbote oder z.B. auch für die Anfechtung wegen Irrtums. Kern der Blockchain-Technologie sei aber die Nachvollziehbarkeit der Transaktionshistorie im Code, die auf der Blockchain weder geändert noch ausgelöscht werden könne. Hier müsse noch verstärkt über rechtliche Rahmenbedingungen – einschließlich von Reverse Transactions und Streiterledigung – nachgedacht werden. Außerdem werfe der Datenschutz Probleme auf. Man könne allenfalls pseudonyme Daten auf der Blockchain abbilden, denn die Löschrechte der Betroffenen griffen mit Sicherheit ins Leere. 

Noch zu erarbeitende Standards. Derzeit arbeiten 24 Länder innerhalb eines technischen Komitees der International Organization for Standardization (ISO) an Standards für Blockchan-Anwendungen. Prof. Dr. Roman Beck steht der Dänischen Delegation vor und sagte, Ziel sei es, „einen Rahmen für Innovationen zu schaffen“, denn die Technologie entwickle sich täglich weiter. Dass Standards auf Industrieebene eine essentielle Rolle für das Voranschreiten der Technologie spielen, betonte auch Dr. Tanja Rückert, SAP SE. Eigens dafür gründete SAP die Blockchain-Initiative, der mittlerweile 27 Unternehmen aus unterschiedlichsten Branchen angehören, darunter Deloitte, UPS und Here Technologies. Die Großen setzten sich also in Bewegung und erkundeten mit gemeinsamen Anwendungsfällen das Potential und den Nutzen dieser IT-Innovation.   

Use Cases. Michael Reuter, Gründer & CCO der Datarella GmbH, stellte ein Blockchain-Pilotprojekt vor, das in Kooperation mit dem World Food Programme (WFP) erarbeitet wurde. Hierbei werden täglich mehrere Tausend Kauf-Transaktionen im Supermarkt eines Flüchtlingscamps in Jordanien über eine Blockchain abgewickelt. Alles was die Bewohner benötigen, ist ein einfaches Feature-Phone, mit dem sie Textnachrichten empfangen können. Mittels einer Identifizierung über einen Iris-Scan lässt sich der Stand ihres Kontos bei WFP prüfen, die Einkäufe direkt damit verrechnen und auf der Blockchain aufzeichnen. So können die Zahlungen viel besser als mit herkömmlichen Gutscheinsystemen nachverfolgt werden und gleichzeitig entscheiden die Flüchtlinge autonom über ihr Geld. 

Weiterer Anwendungssektor Energie. Dieser entwickelt sich derzeit vom Monopol zu einem demokratischen dezentralen System, in dem Haushalte die Energie produzieren – also vom „Consumer“ zum „Prosumer“ werden – und die selbst erzeugte Energie in einem virtuellen Microgrid-System managen. Christoph Schaefers, Robert Bosch GmbH, zählt Blockchain neben Künstlicher Intelligenz, Cloud Computing und IoT-Netzwerken zu den vier Technologien, die das „Internet of Things“ (IoT) auf das nächsthöhere Level bringen werden.  Auch im Bereich der Smart Business Solutions werde Blockchain eine wichtige Rolle spielen, erklärte Sebastian Becker von RIDDLE&CODE: Crypto Papers verhindern beispielsweise Fälschungen, das Smart Lock verbessert die Sicherheit in der Logistik und mit Smart Plugs können wir unser Elektroauto demnächst leicht im Nachbarort laden.

Estland testet derzeit die Speicherung von Gesundheitsdaten, etwa Bluttestergebnissen oder Röntgenbilder, auf der „Blockkette“, um Krankenhäusern und Ärzten im Urlaubsland den Zugriff zu erleichtern. In Schweden arbeitet das Katasteramt mit Blockchain und die dänische Liberale Allianz nutzt die Technologie seit 2014 für eine sichere elektronische Abstimmung.

GBI-Genios

Auch Texte wollen gut aussehen

Neu bei GBI-Genios die Kieler Nachrichten sowie MarketLine mit makroökonomischen und demographischen Daten zu 72 Metropolen weltweit.

Für die Zeitschrift „Der Betrieb“ werden alle Beiträge ab 2017 auch im Original-Heftlayout angeboten. In der Trefferliste am PDF-Symbol zu erkennen. Heise Medien hat für die Magazine iX und c´t alle Dokumente ab 2013 überarbeitet. Bilder und Dokumente werden nicht mehr unten angehängt, sondern „inline“ im Text positioniert. Zusätzlich sind alle Dokumente als Ganzseien-PDF im Original-Layout verfügbar und können auch „Ganzausgaben“ als Heft-PDF erworben werden.


DIPF-Studie

Wer besser lesen kann,
geht besser mit Suchmaschinen um

15-Jährige können Suchmaschinen-Ergebnisse besser auf Relevanz und Glaubwürdigkeit überprüfen können, wenn sie versierte Leserinnen und Leser sind. Gute Lesefähigkeiten erhöhen zudem die Chance, dass man sich weitere Seiten der Ergebnislisten oder die hinter den Treffern gelegenen Webseiten anschaut. Das hilft wiederum zusätzlich beim Bewerten der Ergebnisse.

Hahnel, C., Goldhammer, F., Kröhne, U., & Naumann, J. (2018). The role of reading skills for the evaluation of online information. Computers in Human Behavior, 78, 223–234. DOI: http://doi.org/10.1016/j.chb.2017.10.004


25 Jahre SMS

Die Nutzung sinkt und sinkt

Die Nutzung von SMS ist von seinem Höhepunkt im Jahr 2012 (59,8 Milliarden Kurzmitteilungen) auf 12,7 Milliarden im Jahr 2016 zurückgegangen. Die Ursachen sind WhatsApp und weitere Messengerdienste.Allerdings nutzen immer noch 58% der Nutzer SMS, während es bei den Messenger-Diensten 62% sind.

Allerdings ist das Durchschnittsalter des SMS-Nutzers höher. Eine nach wie vor sehr beliebte SMS-Anwendung ist das Authentifizierung beim Online-Banking, weil der SMS-Standard auf jedem Handy funktioniert und keine Internetverbindung noch gesonderte Anmeldung voraussetzt.

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