Open Password - Donnerstag,

den 7. Dezember 2017

#293


Steilvorlagen für den Unternehmenserfolg – Arne Krüger – Moving Target Consulting – Michael Klems – Information Professionals – IT-Professionals – Rafael Ball – Lasting Search – Instagramm – Candy Cash – Mobiles Internet – Wettbewerbsfähigkeit – Angst und Digitalisierung – Cloud – Rundum-Digitalisierung – Management Information Systems – Star Wars – Bayer Healthcare – Tata – Deutsches Patentamt – Unternehmensphilosophie – Mitarbeiterführung – Vertrieb – Zen-Buddhismus

Steilvorlagen für den Unternehmenserfolg

Arne Krüger

Erkennen, helfen, dienen!

Mit Zen-Buddhismus, Gemeinwohlorientierung
und Fokussierung auf die eigentliche Aufgabe zum wirtschaftlichen Erfolg

Die auf der „Steilvorlagen“-Veranstaltung gesprochenen Texte können im Podcast unter www.infobroker.de/podcast gehört oder unter https://www.youtube.com/user/infobrokertv gesehen werden. Bei den Veröffentlichungen in Open Password handelt es sich um publizistische Auswertungen und eine Auseinandersetzung mit den Inhalten. Dazu gehören auch Gewichtungen und Interpretationen. 

(W.B.) Die Nachbereitung der „Steilvorlagen“-Konferenz läuft und ein wesentliches Ergebnis lautet, dass Arne Krüger, Mitgründer und geschäftsführender Gesellschafter von Moving Target Consulting (MTC) in Berlin-Kreuzberg, der „Shooting Star“ (Michael Klems) der Veranstaltung war. Jedes dritte Lob, das von den Teilnehmern über die Feedback-Bögen kam, galt Arne Krüger. Ein ähnliches Ergebnis gab es auch in den persönlichen Gesprächen während des Networking. Auch die Organisatoren der „Steilvorlagen“-Veranstaltung konnten sich der Authentizität dieses Referenten in seinem Vortrag „Patent mit Patenten umgehen“ nicht entziehen. Zum Beispiel Klems: Krüger sei „frisch, anders und vor allem total modern und digital in der Denkweise“ herübergekommen, „also das, was unsere Information Professionals hören wollen“. Lag die unbestreitbare positive Wirkung Krügers nun daran, wie er etwas sagte, oder an seinen Inhalten oder an beidem? Hören wir uns Krüger noch einmal aus der Perspektive eines Content Freaks an. Um ein Ergebnis vorwegzunehmen: Sollte Arne Krüger wirklich kein Information Professional sein, dann sollten wir ihm die Ehrenbürgerschaft anbieten.  

 Arne Krüger (links) im Gespräch mit Michael Klems (rechts) - https://youtu.be/O-z7YCQlIWs
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 IT-Professional zu Information Professionals: „Wir sind die Bibliothek der Zukunft. Wir sind Ihre Nachfolger.“
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Als sich Arne Krüger Rafael Ball und die weiteren Referenten anhörte, kam ihm die Idee, dass er in der falschen Veranstaltung saß. Denn Krüger sieht sich nicht als Information Professional, sondern vielmehr – „ein kleiner Unterschied“ – als Informationstechnologie-Professional. Dennoch gibt es deutliche Bezüge zu der Arbeit der InfoPros, da Krüger sein Unternehmen als „die neue Bibliothek“ sieht. „Wir sind also quasi Ihre Nachfolger.“ Es sei nämlich möglich, mit einem „ordentlichen Rechner und ein bisschen Verstand und den richtigen Werkzeugen auf dem Rechner“ (hier mit dem Big-Data-Tool „Lasting Search“) zwanzig Terabyte Patentpublikationen zu sammeln und dafür einen Publikation-Store einzurichten und auf dieser Grundlage Dienstleistungen entwickeln. „Das versuchen wir.“ 

Müssen sich die Information Professionals demnach Sorgen machen? Ja insoweit, als sich die Welt derzeit durch die Digitalisierung nachhaltig ändert.  

Krüger ist mit einer Türkin verheiratet und lebte fünf Jahre in Istanbul. 2009 entdeckte er, dass sich der Teeküchenmann an der Bosporus-Universität Facebook widmete. Alle Leute lasen damals Zeitung, aber dieser Mann hatte die Zeitung für Facebook eingetauscht. Für Krüger war das ein Erweckungserlebnis. Er stieg in die neue Welt ein und hielt Vorträge darüber. Er meldete sich bei Instagramm an, organisierte die erste Instagramm-Ausstellung in Deutschland und hat dort heute noch 30.000 Follower. 2014 suchte Krüger seinen Lieblings-Döner-Laden in Istanbul auf. Alle Türken haben das neueste Smartphone, der Türke hinter der Theke auch, aber dieser Mann spielte damit ausschließlich Candy Cash. (Wer das Spiel nicht kennt: Der Spieler hat die Aufgabe, mehrere Süßigkeiten einer Sorte zusammenzubringen und damit Punkte zu sammeln.) Dieser Mann hatte mehr Power auf der Maschine als man seinerzeit für die Mondlandung benötigte und beschränkte sich auf Candy Cash. War er damit ein Vorläufer und Prototyp unserer künftigen Gesellschaft, die sich nur noch um Gaming und Entertainment schert, wie Rafael Ball in seinem vorangegangenen Referat vermutet habe? 

Deutschland ist in Sachen Digitalisierung nicht so weit, wie es sein könnte und wie es sein müsste und wohin die Türkei längst gekommen ist. In der Türkei hat das mobile Internet das letzte Dorf in Anatolien erreicht, während bei uns zwischen Berlin und Hamburg zwei Stunden lang, da kein Internet verfügbar, die absolute Ruhe herrscht. Das ist für eine führende Industrienation ein Standortnachteil, den das Land nicht hinnehmen darf. Oder sollen die Information Professionals alle in die Ballungszentren ziehen, damit sie wenigstens dort auf ein schnelles Internet zugreifen können?  

Noch einmal: Müssen sich die Information Professionals folglich Sorgen machen? Ja insoweit, als Arne Krüger während des Vortrages von Rafael Ball den Eindruck gewann, dieser wolle den Information Professionals Angst machen, etwa in der Art: „Ihre ganze Herkunft nützt Ihnen nichts. Wenn Sie die Digitalisierung nicht verstanden haben, sind Sie bald weg.“ Allerdings habe Ball auf die von ihm an die Wand geworfenen Gefahren keine Antworten gegeben. Dies sei womöglich geschehen, weil Ball eine große Organisation vertrete und nicht alles sagen dürfe, was er hätte sagen können. Ansonsten lobte Arne Krüger Balls Referat über den grünen Klee, aber darauf müssen wir nicht in Einzelheiten eingehen.

Ein bisschen Star Wars Arne Krüger - YouTube https://youtu.be/dIyOncmHvDk

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In welchem Geschäft stecken wir? Diese grundsätzliche Frage sollten wir uns immer wieder stellen.  
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„Angst treibt mich nicht.“ Oder Arne Krüger macht sich etwas weniger Angst als andere, weil er seit zwei Jahrzehnten selbstständig tätig ist, finanziell schon gar nicht, da er seine „gesamte Kohle in die Firma gesteckt“ hat (Scherz am Rande). Krüger hat „Angst und Digitalisierung“ gegoogelt und ist auf 406.000 Treffer gekommen. „Angst und Digitalisierung“ sind demnach ein Thema. Wer Angst hat, fällt wie das Kaninchen vor der Schlange in Starre und ist handlungsunfähig geworden und hat die Suche nach Lösungen eingestellt.  

Zum falschen Themen und zum Leben in Routinen, auch ein Thema von Ball. Nehmen wir uns den Generalpostmeister von Berlin, der dem Pferdekutschendienst von Berlin nach Potsdam vorstand, als Beispiel. Dieser wies nach, dass es wirtschaftlich unsinnig sei, eine Bahnlinie von Berlin nach Potsdam einzurichten, weil bereits die Kapazitäten seines Pferdekutschendienstes nicht ausgelastet seien. Der Generalpostmeister konnte sich also nicht vorstellen, dass es eine potenzielle Nachfrage für die Möglichkeit gab, einfach mal so von Berlin an den Wannsee zu kommen, oder ein Interesse daran, in Berlin zu wohnen und in Potsdam zu arbeiten oder umgekehrt. Demnach wollte es ihm nicht in den Kopf, dass er nicht im Pferdekutschengeschäft, vielmehr im Transportgeschäft tätig war. 

Ähnlich sollten sich die Information Professionals fragen, in welchem Geschäft sie sich befinden. Sind sie im Recherche- oder im Schulungsgeschäft? Betreiben sie Patent- oder Wettbewerbsmonitoring? Sind sie Informationsanbieter oder erarbeiten sie Analysen oder strategische Empfehlungen? Machen sie weiter wie bisher, nennen sich aber „Data Scientists“, weil sie so den Eindruck erwecken wollen, sie hätten die Digitalisierung verstanden? Mit welchem Geschäft machen sie sich zukunftsfähig und bauen auf einem richtigen Verständnis von Digitalisierung auf? 

Krüger fragt sich seit langem selbst immer wieder, was er als IT-Professional macht. Befindet er sich im Support-Geschäft? Betätigt er sich als Berater oder Produktentwickler? Ist seine Firma ein IT-Unternehmen oder eine Web Agentur oder modischer ausgedrückt ein Web Agency? Wie positioniert und repositioniert er sich, so dass er im Zuge der Digitalisierung vorn bleiben kann?   

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Ein digitales Unternehmen, das keine Abkürzungen nimmt.  

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Moving Target Consulting „ist komplett digital“. Das bedeutet zunächst, dass Krüger relativ rechtzeitig verstand, dass es nicht darauf ankommen kann, einen Mail-Server selbst zu betreiben. Vielmehr ging er mit seiner kompletten E-Mail-Infrastruktur zu einem der größten Anbieter in die Cloud. Wenn jetzt einmal etwas nicht funktioniert, weiß er, dass hundert Millionen Nutzer aufschreien, und der Anbieter über die nötigen Kompetenzen verfügt und sich genötigt fühlt, die Störung schnell zu beheben. Haben Sie in Ihrer Einrichtung ein System der Zeiterfassung und müssen Karten durch einen Schlitz ziehen? So etwas gibt es bei Moving Target nicht, da Zeiterfassung keine Produktivitätserfassung ist und es bei Moving Target nicht auf Präsenzpflichten, sondern auf Ergebnisse ankommt. 

 „Komplett digital“ heißt, dass das Unternehmen mit Hilfe eines Task-Management-Systems gelenkt wird. Projekte anlegen, Rechnungen generieren, Termine, Arbeitsstände und Deadlines eingeben, feststellen, was der einzelne Mitarbeiter gerade macht. Die Alternative wäre gewesen, dass man von den Auskünften der einzelnen Mitarbeiter abhängig ist. Vor zwei Jahren hat Moving Target für seine 75 Mitarbeiter und 30 freie Mitarbeiter ein Management Information System eingerichtet, das die Daten des Task-Management-Systems in Grafiken verwandelt und anzeigt, wie weit die einzelnen Mitarbeiter ausgelastet sind und welche Ergebnisse sie produzieren. Keine Sorge, das ist alles betriebsratsfreundlich geregelt. Über lange Jahre betrieb Krüger ein Management by Kontostand. Daran hatte sich auch nichts geändert, als der jährliche Umsatz die Fünf-Millionen-Euro-Grenze überschritten hatte. Nun, bei einem Jahresumsatz von 7,2 Millionen Euro kann Krüger einen Blick auf aufbereitete Zahlen werfen und weiß besser, wo Moving Target Geld liegenlässt und wo es verdient.  

Das war es aber auch schon. „Andere Tools gibt es nicht, aber, und das ist vielleicht eine kleine Steilvorlage für Sie, das ist keine Abkürzung.“ Soll heißen, wenn einem im Internet eine ähnliche Lösung versprochen wird, nur habe man selbst keine Anstrengung damit, dann ist das eine Abkürzung und kann nicht funktionieren. Wenn Ihnen Alexander Riedel „30 Kunden in 30 Tagen“ verspricht, dann abonnieren Sie sein Newsletter, wenn Sie lernen wollen, wie Riedel in 30 Tagen an 30 Kunden gekommen ist, aber so kommen Sie selbst nicht an neue Kunden. Wenn eine ihm persönlich bekannte Autorin „Gesundheit für 97 Euro“ anbietet, dann lobt Krüger zunächst die Autorin, um danach festzustellen, dass dies gleichfalls eine Abkürzung sei, die keine Gesundheit bringe. Nicht, dass Krüger gefeit vor ähnlichen Kurzschlüssen wäre und nicht schon selbst reingefallen sei. Als Beispiel führt er den Startup „99 Chairs“ am Prenzlauer Berg an, der verspricht, man müsse nur einen Klick machen und schon sei das Büro im Superlicht erstrahlt und man habe dafür selbst keine Arbeit. Glauben Sie das nicht, sagt Krüger, Sie könnten eine Abkürzung nehmen, indem Sie mit Designern über eine Webplattform arbeiten. Die ganze Arbeit muss man am Ende doch selber machen.  

Krüger sagt auch: „Wo Widerstand ist, ist Wachstum“. Dort, wo man sich anstrengen muss, dann, wenn es unangenehm wird und vielleicht sogar Angst spürt, dort muss man hingucken. Anders wird man sich auch persönlich nicht weiterentwickeln. 

Krüger und vielleicht das gesamte Unternehmen sind Star-Wars-Fanatics. So hatten sich die Mitarbeiter zum Sommerfest in Star-Wars-Kostüme gekleidet. Von daher kommt Krügers Aufforderung: Wechseln Sie nicht auf die dunkle Seite der Macht! Wann ist man dort angekommen? Wenn man sich von Angst und Gier leiten lässt. Was blüht einem, wenn man dort länger verweilt? Man bleibt nicht mehr lange im Business. Was heißt es, sich auf der hellen Seite der Macht zu befinden? Wenn man sich auf seine Aufgabe konzentriert und das Leben derer, die es angeht, ein klein wenig besser macht.  

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Bei Moving Target gibt es keine Arbeitsanweisungen, keine Kündigungen und keinen Vertrieb. 
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Aber vielleicht sagt ein konkretes Beispiel mehr als tausend weise Worte. 2015 erwirtschaftete Moving Target ein Drittel seines Umsatzes in der Zusammenarbeit mit Bayer Healthcare. Das lief solange gut, bis der Kunde sagte: Das ist alles wunderbar, was ihr für uns tut, aber wir wollen mal eine Ausschreibung machen. Moving Target steckte Ressourcen in die Erarbeitung eines Angebots, aber am Ende gewann natürlich Tata. Die Standardreaktion darauf in der Firma war: Kämpfen, dagegen angehen, Ellenbogen ausfahren, sich breitmachen. Krüger sagte, nein, so geht das nicht, damit begeben wir uns auf die dunkle Seite der Macht. Wir werden im Gegenteil alles tun, damit Tata erfolgreich wird, und die beste Übergabe hinlegen, die es je gegeben hat. Die Folge war, dass Moving Target auch Tata zum Kunden gewann und Bayer Healthcare zurückgekehrt ist und mit diesem Kunden heute ein höherer Umsatz generiert wird als 2015. Cool! 

Das Deutsche Patentamt und die Bundesdruckerei gaben „Deutsche Patente“ auf CD-ROM heraus. Sie kamen auf eine Million Euro Umsatz im Jahr. Aber im Jahre 2006 wollten sie nicht mehr und gaben das Produkt für einen Euro an Moving Target weiter. Krüger und seine Leute gaben sich alle Mühe, das innovative Produkt wiederzubeleben und ins Internet zu bringen, aber am Ende hatten sie zwei Drittel der Nutzer und zwei Drittel des Umsatzes verloren. Wie kam es dazu, dass das Unternehmen trotz dieser gravierenden Rückgänge weiterwuchs? Krüger antwortet: Indem ich mich an meine Werte erinnerte und an 1987 zurückdachte, als er einen Zugriff auf seinen ersten Computer machte, weil der Transportlaster auf dem Wege zu der LPG seines Vaters einen Bruch auf der Transitautobahn machte. Für seinen Vater stellte er in zwei Tagen die Kalkulation für die Futterrationen der Kühe in einem Excel-Vorläufer zusammen. Der Vater, der der Controller der LPG war, hätte für seine Berechnungen ohne Computer zwei Monate benötigt.  

So mache er das weiter, sagt Krüger, Computertechnologien zu nehmen und sie auf Probleme zu werfen. Sich nicht als Patentberater oder Softwareentwickler sehen, sondern nach Bedarfe fragen. Nicht das eigene Ego in den Vordergrund stellen, sondern die eigentliche Aufgabe. „Mein Geschäft ist zu helfen, das heißt, helfen - nicht retten.“ Für das Letztere gibt es den Notdienst und die Polizei.  

Arne Krüger hat mit einem Inhouse-Team Fragen entwickelt, die helfen sollen, nach der Philosophie des Unternehmens zu leben. Wie schaffe ich es, freundlich zu sein? (Unfreundlichkeit führt auf die dunkle Seite der Macht.) Wie kann ich aufrichtig sein, vor den anderen und vor allem vor mir selbst? Wie kann ich mich von meinen Erwartungen und Erfahrungen so freimachen, dass ich die Welt sehe, wie sie wirklich ist? Wie finde ich den Mut, nach dem, was ich als richtig erkannt habe, zu handeln? Sich nicht auf Veranstaltungen beschränken, um dort zu labern, oder nur zuzuhören, sondern nach Hause gehen und einfach mal etwas anderes als gestern machen. Darauf kommt es an. 

Krüger: Wir alle sind auf Beziehungen auf Augenhöhe angewiesen. Das gilt auch für Menschen in hierarchischen Organisationen. Denn „anders gewinne ich (und gewinnen wir) die Herzen nicht, und die brauche ich für meinen Job.“ Was Krüger hingegen nicht benötigt, ist „Zeit für Geld“. Es ist ein Irrtum, wenn man glaubt, man besitze die Zeit eines Mitarbeiters, wenn man ihn bezahlt. Wer danach handelt, wird nicht bekommen, was man benötigt. Die Lebenszeit eines Mitarbeiters ist unbezahlbar. Und natürlich geht Machen vor Sagen. Krügers Mitarbeiter beurteilen ihn ausschließlich nach seinen Handlungen, nicht nach seinen Worten. 

Daraus folgt einiges: Es gibt keine Arbeitsanweisungen, nur Vereinbarungen. Es gibt keine Kündigungspolicy. Zwar lassen sich betriebsbedingte Kündigungen nicht für alle Zeiten ausschließen, dies für den Fall, dass Krüger seine Mitarbeiter nicht mehr bezahlen kann. Aber wenn es Probleme gibt, die in der Person oder in der Performance des Mitarbeiters liegen, wird nicht gekündigt. Vielmehr wird der Mitarbeiter gecoached, damit er seiner Aufgabe wieder gewachsen ist. Krüger erhält von einer befreundeten Anwältin Newsletter, die darüber informieren, wie man Mitarbeiter trotz des deutschen Kündigungsrechtes los wird. Dazu Krüger: So etwas mache ich nicht. Da habe ich keinen Bock drauf.  

Und noch eine Folgerung: Moving Target hat keinen Vertrieb und damit auch keine Mitarbeiter, die davon leben, dass sie Fremdes verkaufen und anderen etwas aufschwatzen. Vielmehr lebt das Unternehmen ausschließlich von Empfehlungen. Ähnliches gilt für das Recruiting.

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Anfängergeist unter Beweis stellen und tun, was in unserer Natur liegt.

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Krüger zu seinem weiteren Verhältnis zu den Mitarbeitern. „Sie müssen mich täglich aushalten. Ich muss aushalten, dass nicht alles so läuft, wie ich mir das vorgestellt habe. Das ist meine größte Herausforderung.“ Ist das radikaler Humanismus und zugleich der Nachweis, dass die Gleichsetzung von einzelwirtschaftlichem Wohl und Gemeinwohl zwar nicht in den bisherigen sozialistischen Systemen, wohl aber unter marktwirtschaftlichen Bedingungen zum Erfolg führen kann – dies zumindest in einem einzelnen noch übersichtlichen Unternehmen und unter einem charismatischen Gründer? Das heißt auch, dass ein Transfer von Krügers Praktiken in ein anderes Unternehmen problematisch sein könnte. 

Krüger hat sich lange mit Zen-Buddhismus befasst und findet das Konzept des „Anfängergeistes“ oder „Beginners Mind“ überzeugend, das ist eine „attitude of openness, eagerness, and lack of preconceptions when studying a subject“. Kinder zum Beispiel lernen das Laufen, indem sie nicht eine Laufakademie besuchen, sondern aufstehen und hinfallen. Dann sagen sie nicht: Schau her, Papa, ich kann nicht laufen, was ich hiermit bewiesen habe. Vielmehr stehen sie auf und fallen wieder hin, bis sie laufen können. Und warum machen sie das? Weil das Laufen in ihrer Natur liegt.  

Der Referent ermuntert seine Zuhörer: Finden Sie heraus, was in Ihrer Natur liegt, und handeln Sie danach. Bewegen Sie sich in Ihrem Umfeld kooperativ und nicht konfrontativ, denn wir sind soziale Wesen und werden geboren um zu kooperieren. Erkennen, helfen, dienen! Seien Sie freundlich, aufrichtig und mutig und seien wir miteinander und füreinander tätig.  

Es war auch die Art, wie Krüger dies sagte, dass wir nicht mit unserem gewohnten Zynismus reagierten. Vielmehr gingen uns seine Worte, ja, wie soll ich es anders sagen, zu Herzen

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