Open Password - Freitag,
den 17. November 2017

#282

 

Ökologie – Umweltfreundlichkeit – Willi Bredemeier - Grüne – Menschenrechtsdokumentation – Patrick Müller -  Huridocs – Amnesty International – Huri Search - Enzyclopedia of Life – E.O. Wilson – Sozialbiologie – Biodiversität - Spezies

Password-Archiv,
diesmal mit Fokus auf Nachhaltigkeit
und nachhaltige Bemühungen,
mit Updates


Vor 25 Jahren

Die Grünen haben den Kampf
um ökologische Nachhaltigkeit
in der Propaganda gewonnen

Vor 15 Jahren schrieb Willi Bredemeier unter „Ökologie und elektronische Informationsdienste“:

„Es gibt kaum mehr eine Aussage und schon gar nicht in der Werbung seitens unserer Vorzeigunternehmen, in denen diese nicht darauf hinwiesen, wie sehr sie ihrer ökologischen Verantwortung gerecht würden. … Nach einem so engen ökonomischem Kalkül handelt keiner von uns mehr (und sei es, dass wir in der Beschaffungsabteilung eines Unternehmens säßen), als dass wir nicht im Zweifelsfall das umweltfreundlichere Projekt vorzogen.“

*

Update: Die Aussagen sind unverändert aktuell. Die Grünen müssen um ihre Kernkompetenz in der öffentlichen Wahrnehmung bangen, da die anderen Parteien kaum anders als sie reden. Im Kampf um das richtige nachhaltige ökologische Handeln beispielsweise in der Energiepolitik haben es alternative Ziele und adverse Rahmenbedingungen, beispielsweise Versorgungssicherheit und Wirtschaftlichkeit, überall schwerer.

Vor 15 Jahren

25 Jahre Kampf gegen die Folter

Menschenrechtsdokumentation in Europa -
und wo noch?

Patrick Müller schrieb in einem weltweiten Überblick über die Lage der Menschenrechtsdokumentation:

„20 Jahre Huridocs und 25. Europäische Konferenz in Genf und damit ein doppeltes Jubiliäum in der Menschenrechtsdokumentation. Totgesagte leben länger: Als vor zwanzig Jahren einige Nichtregierungsorganisationen, darunter der damalige Generalsekretär von Amnesty International, den Verband Huridocs gründeten, hätten nur Optimisten sein langes Leben voraussagen können. An Visionen immer mangelte es nicht, wie man in den ersten Huridocs-Berichten von 1982 nachlesen konnte: „Some of us even felt that computers could be useful“…

Warum ist eine kontinuierliche und intensive Zusammenarbeit in Menschenrechtsfragen in Europa sichergestellt, während sie auf den meisten anderen Kontinenten nur auf Sparflamme läuft – wenn überhaupt? An Thesen wurden geäußert:

• Die Europäer fühlen sich politisch und kulturell eher zusammengehörig als zum Beispiel die Afrikaner oder die Asiaten. Bestes Beispiel: Es gibt keinen anderen Kontinent, der eine ähnlich weitreichende Zusammenarbeit organisiert hat wie Europa mit dem Europarat.

• Der „Turnover“ an Personal ist auf anderen Kontinenten erheblich höher. In Europa hingegen kennen sich viele Teilnehmer schon zehn Jahre und länger.

• Besonders in Afrika und Südamerika sind finanzielle Ressourcen für regelmäßige internationale Treffen nicht genügend vorhanden.

• Eine kanadische Teilnehmerin merke an: In Europa sei man es gewohnt, über allgemeine Probleme zu diskutieren. In Nordamerika funktioniere eine Zusammenarbeit nur in konkreten Projekten.

• An den ersten europäischen Workshops nahmen vor allem Direktoren teil, die ihre Organisation repräsentieren wollten. Mittlerweile bestehen die Teilnehmer aus „Information Professionals“, die die Diskussion auch inhaltlich in Gang bringen.“

*

Update: Das Human Rights Information and Documentation System existiert nach wie vor und ist angesichts des Aufstiegs autoritärer politischer Systeme mit ihrer notorischen Missachtung von Menschenrechten (es sei denn, es würde Öffentlichkeit hergestellt) notwendiger denn je. 2006 wurde die Suchmaschine Huri Search gestartet – mit den Informationen aus 3.250 Sites und 3,8 Millionen Seiten. Recherchierbar unter anderem nach einzelnen Ländern. Es ist in mehr als 150 Ländern vertreten.

 

Vor 10 Jahren

Der anspruchsvollste Versuch,
der Vernichtung von Spezies entgegenzuwirken und die Biodiversität unseres Planeten zu erhalten, lebt weiter

„Eine frei im Internet verfügbare „Enzyclopedia of Life“ wird im Rahmen eines Zehn-Jahres-Projekts von der John D. und Catherine T. MacArthur Foundation und der Alfred P. Sloan Foundation aufgebaut, basierend auf der „wissenschaftlichen Integrität von Tausenden von Experimenten weltweit“. Am Ende wird sie Beschreibungen der 1,8 Millionen bekannten Spezies auf der Erde enthalten, angereichert um Fotos, Landkarten, Audios und Videos. …

Begonnen wird mit der Klassifizierung von Tieren und Pflanzen, Mikroben sollen später hinzukommen. Eine mögliche Erweiterung besteht in der Einbeziehung von Fossilien und der Einbeziehung weiterer Sprachen nach Englisch. …

Geistiger Vater ist der Harvard-Biologe E.O. Wilson, der das Projekt im Februar 2003 in der Zeitschrift „Trends in Ecology and Evolution“ vorschlug. … Wilson erregte schon einmal als Begründer der Sozialbiologie in den 90er Jahren weltweites Aufsehen. Die Wirtschaftstheorie ist nach wie vor von seinem Ansatz fasziniert, der die Möglichkeit bietet, Altruismus in das ökonomische Paradigma zu integrieren, sofern nicht die Individuen, sondern die Gene ihren Nutzen maximieren. Wilson ist nach wie vor der beste Propagandist seiner „Enzyclopadia des Lebens“: „Wir haben die Möglichkeit, den in den letzten 250 Jahren beschriebenen vielleicht 10% der lebenden Arten die verbleibenden 90% in einem Zehntel der Zeit hinzuzufügen. … Der Großteil der lebenden Welt ist uns unbekannt. Wollen wir weitermachen in diesem Blindflug? Wie sollen wir verstehen, wie Ölosysteme funktionieren, wenn wir nicht wissen, worüber wir sprechen? … Wir brauchen das Wissen auch, um neue Produkte zu finden: Medikamente, Fasern, Nahrungsmittel. Der Mensch verlässt sich auf zwanzig Pflanzensorten, die er zufällig in der Steinzeit gefunden hat. Es gibt aber wahrscheinlich 50.000 Pflanzensorten, die sich als Nahrung eignen.“ …

Das Projekt stellt den bislang anspruchsvollsten Versuch dar, der Vernichtung von Spezies entgegenzuwirken und die Biodiversität unseres Planeten zu erhalten. Das 20. Jahrhundert lässt sich als gigantische Vernichtung von Spezies auf der Erde charakterisieren – dies meist als Nebenprodukt menschlicher Aktivitäten, die anderen Zielen folgten. Dabei wurde die Vernichtung von Spezies lange Zeit kaum zur Kenntnis genommen.  … Nach wie vor befinden wir uns in einer Situation, dass „our knowledge of biodiversity is so incomplete that we are at risk of losing a great deal of it before it es even discovered“ (Wilson).

*

Update. Ein Jahrzehnt später ist das Projekt nach wie vor lebendig. 2008 ging es mit 30.000 Einträgen online und wurde in wenigen Tagen durch 11 Millionen Anfragen überrannt. Zunächst wurden die Informationen vor allem aus bereits existierenden Quellen nachgeschlagen. 2011 machte EOL (Enzyclopedia of Life) Informationen über 700.000 Spezies verfügbar (einschließlich 600.000 Fotos und Millionen an Seiten gescannter Literatur). Alljährlich werden 20.000 neue Spezies entdeckt. EOL will sich in den nächsten Jahren auch den ausgestorbenen Spezies zuwenden.

www.eol.org

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