Open Password - Donnerstag,

den 26. Oktober 2017

#272


Password-Archiv – New Economy – Frankfurter Allgemeine – Thomas Middelhoff – Bertelsmann – Handelsblatt – Münchener Merkur – Finanzkrise – Online Information – LII – Informationsanbieter – Banken – Informationszentren – Fachinformationspolitik – Branchenöffentlichkeit – Sybille Franzmann – LexisNexis – Jochen Schumacher – ONLINE GMBH – SVP – Michael Ripke – Tim Brouwer – Georg Krauss – OLBG – DGI - Patrick Müller – i-expo – infotelligence – Frankfurter Buchmesse – Leibniz-Gemeinschaft – Zukunft durch Forschung – Willi Bredemeier - Roboterjournalismus - BDZV - Schickler - Zeitungsverleger - DNB - Forschungsdaten - Dissertationen - ZB MED - Open Access - OA 2020 - EBSCO - Dynamic Health - TIB - EDP Sciences - ZBW - Peter Lang


Password-Archiv

Vor 15 Jahren:
Oktober 2002

Zeitenwende der Informationsbranche

Mit dem Ende der New Economy endete

die Ära der Innovation

und des Pioniergeistes

„Innerhalb nur weniger Wochen sind die Lichtgestalten der New Economy aus ihren Ämtern gedrängt worden“, schrieb die Frankfurter Allgemeine unter der Überschrift „Die Visionäre gehen, die Alten kommen“ und führte Ron Sommer bei der Telekom, Jean-Marie Messier bei Vivendi, Bob Pitman bei AOL Time Warner und nun Thomas Middelhoff bei Bertelsmann an. Die Zustimmung für Middelhoffs „radikalen Kurs ohne Rücksicht“ (Handelsblatt) war geschwunden, als „die euphorischen Vorwärtsstrategien des vergangenen Jahrzehnts in den Wirren einer mörderischen Börsenkrise“ untergingen (Münchener Merkur).

Password definierte die „New Economy“ als „bedingungslose Expansion“, der Middelhoff zwei Merkmale hinzugefügt habe: „Tempo und ein den Amerikanern abgekupferter Stil“. Die Zeitschrift sah „das Ende der New Economy, wie sie in Deutschland am besten durch Thomas Middelhoff präsentiert wurde, gekommen.“

Für die Informationsbranche bedeutete das Ende der New Economy eine Zeitenwende. Die Londoner Online Information, die bis dahin Jahr für Jahr gewachsen war, verlor zuerst ihre Aussteller an der Branchenperipherie und dann alle deutschen Aussteller. Am Ende war sie zu klein geworden, um weitergeführt zu werden. Heute würden wir uns freuen, wenn es der Londoner LII gelänge, das Erbe der Online Information auf einem viel bescheideneren Niveau auf Dauer weiterzuführen. Die Umsätze der Informationsanbieter schrumpften, unter anderem, weil der Bankensektor, wichtigster Kunde der Online-Branche, unter der von ihm verursachten Zerstörung der Finanzmärkte litt. Auch in vielen Großunternehmen anderer Branchen war Konsolidierung und Restrukturierung angesagt. Dabei wurden auch die Budgets der Informationszentren auf den Prüfstand gestellt. Die einst unabhängigen und autonom agierenden Informationsanbieter, die eine Innovation an die andere reihten, wurden von ihren Müttern an die Kandare genommen und fokussierten sich weniger auf die technische Entwicklung als auf den Vertrieb. Die einst milliardenschwere Fachinformationspolitik und die sie begleitenden konzeptionellen Erörterungen wurden eingestellt, indem im Zuge organisationsstruktureller Veränderungen das zuständige Referat aufgelöst wurde. Dies geschah, ohne dass dies dem Bundesforschungsministerium ein Kommentar wert gewesen oder der sich zunehmend zerfasernden Branche eine Debatte wert gewesen wäre.

Nicht, dass wir dies damals im Oktober so klargesehen hätten. Erinnern Sie sich, was es für Pläne und Veränderungen gab? Sybille Franzmann, eine frühere Mitarbeiterin von Middelhoff, wurde neue Geschäftsführerin von LexisNexis und sollte angeblich ein Budget zwischen 80 und 100 Millionen Euro zugewiesen bekommen und dafür zwischen 80 und 100 Mitarbeiter einstellen. Dies wurde von Frau Franzmann im Gespräch mit Password nicht bestätigt. „Allerdings würden weitere Einstellungen vorgenommen und gehe man jetzt daran, aus dem Vertriebsbüro ein Unternehmen mit allen üblichen Funktionen zu machen. Als Organisation ist neben einer zentralen Finanzabteilung eine Struktur nach Produktgruppen vorgesehen.“ Jochen Schumacher übernahm die Heidelberger ONLINE GMBH, um den „Altvorderen in der Branche (zu zeigen), dass man in der Akquisition nicht nur einen Pull-, sondern auch einen Push-Ansatz fahren kann.“ Als Anbieter nunmehr von Web Services bezeichnete er diese Dienstleistungsgruppe als „beste Erfindung, seit es das Internet gibt“. Bei der Heidelberger SVP wurde die alte Geschäftsführung (Michael Ripke) durch Tim Brouwer und Georg Krauss ersetzt. Während das neue Management auf dem Sprung zu stehen schien, alles radikal zu verändern, versprach Ripke: „Inzwischen gibt es vier Enkel, und die werden einen größeren Stellenwert in meinem Leben erhalten. In Zukunft wird es mir auch nicht so leichtfallen, vor Haus- und Gartenarbeit ins Büro zu flüchten.“ Heute wissen wir, was aus diesen Plänen geworden ist.

Ja, und der OLBG-Lenkungsausschuss legte rechtzeitig vor dem Erscheinen der nächsten Password-Printausgabe seine Aufgaben an der Vorbereitung des nächsten DGI-Kongresses nieder und wollte „nach eigenen Worten einer Neuordnung des Veranstaltungsbereiches nicht im Wege stehen.“

Vor zehn Jahren:
Oktober 2007

30 Jahre i-expo:
Die Informationsbranche lebt

Vor zehn Jahren schrieb Patrick Müller, der für Password die i-expo in Paris besucht hatte:

„Der Informationsmarkt ist vielleicht gesundgeschrumpft, aber er lebt – zumindest in Frankreich. Die nächste i-expo kommt bestimmt – am 21. und 22. Mai 2008 in Paris. Es ist die dreißigste Ausgabe, und die GFII-Präsidentin hat bereits „Überraschungen“ zu diesem Anlass angekündigt. Paris ist immer eine Reise wert – und dank TGV und ICE jetzt in weniger als vier Stunden von Frankfurt und Stuttgart zu erreichen. Und auch wenn wir der Infotelligence und der Buchmesse alles Gute wünschen – so konzentriert wie auf der i-expo gibt es keine vergleichbare Branchenveranstaltung in Deutschland“.



Vor fünf Jahren:
Oktober 2012

Schleichender Wandel der Einrichtungen
der Forschungsinfrastruktur
zu Quasi-Forschungsinstituten

Eine außerordentliche Mitgliederversammlung der Leibniz-Gemeinschaft beschloss das Positionspapier unter dem Titel „Zukunft durch Forschung“. Willi Bredemeier würdigte das Papier in seiner Bedeutung für die Informationsbranche und sah als kritische Punkte:

• Abschottung von Öffentlichkeit und Praxis;

• Bedeutungsabwertung von Aufgaben und Einrichtungen der Informationsinfrastruktur;

• Nicht-Berücksichtigung der Besonderheiten von Infrastruktureinrichtungen für deren Weiterentwicklung sowie

• Entmutigung von Einrichtungen der Infrastruktur, sich um das eigene Kerngeschäft zu kümmern und neue Zielgruppen zu erschließen.

Bredemeier schrieb: Diese „Kritik erscheint desto gravierender, als sie den gegenwärtig schleichenden und nicht kommunizierten Wandel der Informationsinfrastruktureinrichtungen zu Quasi-Forschungsinstituten unterstützt, wie er von der Leibniz-Gemeinschaf initiiert wurde und als oberster Finanzier und Bewerter der ihr angeschlossenen Einrichtungen vorangetrieben wird.“

Password Aktuell

Jeder fünfte Zeitungsverleger im Roboterjournalismus engagiert. Rund ein Fünftel der Zeitungsverleger geben an, Roboterjournalismus einzusetzen, zu testen oder den Einsatz in der Redaktion zu planen. Dies ist ein Ergebnis der gemeinsam von BDZV und dem Beratungsunternehmen SCHICKLER vorgelegten Studie "Trends der Zeitungsbranche 2017“.

DNB: Policy für Forschungsdaten. Mit der „Policy für dissertationsbezogene Forschungsdaten“ hat die Deutsche Nationalbibliothek im Rahmen eines DFG-Projektes erstmals ihre Zuständigkeit für Forschungsdaten im Zusammenhang mit wissenschaftlichen Veröffentlichungen definiert. Daten, die erkennbar zu einer sammelpflichtigen Publikation gehören, also als Teil einer Dissertation publizierte Forschungsdaten, unterliegen dem Sammelauftrag der Deutschen Nationalbibliothek. Je nach Wissenschaftsdisziplin kann es sich dabei um Messdaten, Beobachtungsdaten, Umfrageergebnisse oder andere Arten von Daten handeln. http://d-nb.info/114060242X/34

ZB MED: Open Access zum Regelfall machen. Vom 23. bis 29. Oktober findet die International Open Access Week statt. ZB MED hat sich zu diesem Anlass der globalen Initiative OA2020 angeschlossen und die Expression of Interest unterzeichnet. OA2020 will das Open-Access-Publizieren zum Regelfall machen. Die Initiative unterstützt die Transformation bestehender wissenschaftlicher Journals, die derzeit noch per Subskription erscheinen, zu Open Access (OA).

EBSCO: Kompetenz-Checklisten für die Arbeit mit Patienten. Dynamic Health ist eine umfassende Kollektion an evidenzbasierten Inhalten für den Ausbau von Kompetenzen und enthält entsprechende Kompetenz-Checklisten, um Fachkräfte in der Pflege und verwandten Gesundheitsbereichen dabei zu unterstützen, wichtige klinische, kulturübergreifende sowie instruierende Fähigkeiten für die Arbeit mit Patienten zu entwickeln. Dynamic Health ist ab sofort via EBSCO Health verfügbar, einem Geschäftsbereich von EBSCO Information Services (EBSCO).

TIB: Konferenzberichte in Open Access. EDP Sciences hat einen Kooperationsvertrag mit der Technischen Informationsbibliothek (TIB) zur Unterstützung der Veröffentlichung von Konferenzberichten in verschiedenen technisch-naturwissenschaftlichen Bereichen unterzeichnet. Die Vereinbarung ermöglicht es der TIB, alle deutschen Tagungsberichte aus den Bereichen Physik, Ingenieurwesen und Technik, Chemie, Mathematik und Informatik zu sehr attraktiven Konditionen in den entsprechenden Zeitschriftenreihen des Verlages EPD Sciences im Open Access zu veröffentlichen.

ZBW: 600 Fachbücher frei verfügbar. Der Verlag Peter Lang und die ZBW – Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft machen 600 wirtschaftswissenschaftliche Fachbücher auf der Basis eines Kooperationsvertrages frei verfügbar.Die Titel stehen ab Frühjahr 2018 im Open Access zur Verfügung. Rund 500 Bücher werden dafür vom Verlag digitalisiert.

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