Open Password - Donnerstag, den 28. September 2017

#26o

Steilvorlagen für den Unternehmenserfolg – Willi Bredemeier – Dieter Schumacher – Michael Klems – Password Print – Open Password – Yannick Loonis – Information Professionals – Digitalisierung – Bedeutungsverlust - Value of Proximity – Michael Krake – Stefan Zilich – Unternehmensberatung – Outsourcing – Offshoring – Management – Risikoneigung – McKinsey – Bain – Research Consultant – Projektphasen – Automatisierung – mAAArkets - Semalytics

Steilvorlagen für den Unternehmenserfolg (1)

Einstieg in den Ausstieg sollte

rechtzeitig sein

Zu: Willi Bredemeier verlässt die „Steilvorlagen“ und blickt zufrieden zurück - Die Information Professionals immer im Mittelpunkt, in: Open Password, 22. September

Hallo Willi, …

Den Einstieg in den Steilvorlagenausstieg wird von uns mitgetragen. Innovatoren müssen die Jobs immer rechtzeitig an andere abgeben, damit sie Luft für neue Projekte haben. Der Bredemeier-Clan hat deine verstärkte Zuwendung verdient…. 

Heartly, Dieter Schumacher, Institut für angewandte Satire, Offenburg

 

 Steilvorlagen für den Unternehmenserfolg (2)

Die Zeit nach Password Print

Michael Klems befindet sich auf Interviewtour. Er meldet: Anfang 2016 wurde Password Print, eines der führenden Organe der Informationsbranche eingestellt. Im Gespräch mit dem Branchenkenner und Herausgeber Dr. Wilhelm Heinrich Bredemeier (Hattingen) spreche ich über seine Pläne und Vorhaben für die Infoszene. „Steilvorlagen“ und „Open Password“ kommen selbstverständlich vor.

https://www.youtube.com/watch?v=haJ0nDRrJt4&index=10&list=PLBEAPYtwTjXmfNbXsssSWcI4VDVW7_FMx

Digitalization & the Value of Proximity

Zum Bedeutungsverlust

der Information Professionals
in der Beratungsbranche

Von Yannick Loonus

Es ist kaum zu leugnen, dass beinahe alle Wirtschaftsbranchen im Zuge der Digitalisierung einem unaufhaltsamen drastischen Wandel unterliegen. Information Professionals werden dabei mit ganz besonderen Herausforderungen konfrontiert. Nannten sie noch vor zwanzig Jahren umfassende Bibliotheken, Kopierer und Faxgeräte ihre Werkzeuge und wurde eine seltene Nutzung des World Wide Webs im Voraus der ganzen Abteilung angekündigt (man wollte nicht gestört werden, es wurde ja in Minuten abgerechnet), hat sich das Spielfeld der Branche mittlerweile nahezu vollständig in den digitalen Bereich verlagert.

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Wie wir unseren Bedeutungsverlust vorübergehend in den Griff bekamen.

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Zu Beginn meiner fünfjährigen Tätigkeit in der Research-Abteilung einer führenden Unternehmensberatung erinnerten überall um mich herum Artefakte an diese vergangene Epoche. Mit den neuesten Laptops ausgestattet, saßen wir in einer Bibliothek mit mehreren tausend Titeln. Die Kopierer und Faxgeräte verstaubten in der Ecke. Ohne es zu wissen war ich in einen Konflikt geraten, den Michael Krake (1) und Stefan Zilich (2) in ihren Beiträgen für Password Online treffend als Kampf gegen den Bedeutungsverlust beschreiben. Krake schließt in seinem Beitrag mit einer Liste von Strategien, eben diesem entgegen zu wirken: kontinuierliche Demonstration einer wirtschaftlichen Denkweise, offensive Kommunikation, Koordination bei allen informatorischen Prozessen und das Erwerben von Zusatzqualifikationen.

Um beim militärischen Vokabular zu bleiben: Ich wurde vom ersten Tag an zu all diesen Maßnahmen gedrillt. Auch hatte ich von Beginn an zu erkennen, dass die alleinige Bereitstellung von Informationen nicht mehr als Daseinsberechtigung ausreicht. Auch ihre Zusammenfassung, visuelle Aufbereitung und die Ableitung von Handlungsempfehlungen fielen in meinen Aufgabenbereich, der, abgesehen von den geregelten Arbeitszeiten, kaum noch von dem eines Junior-Unternehmensberaters zu unterscheiden war.

All diese Maßnahmen funktionieren zumindest eine Zeit lang großartig, um die Symptome des Bedeutungsverlustes zu lindern. Doch worin besteht die tatsächliche Ursache?

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Digitalization & the Value of Proximity

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Ein Nebeneffekt der Digitalisierung ist die einfache Tatsache, dass Information Professionals nicht mehr räumlich an Bücher, Kopierer und Faxgeräte gebunden sind. Leicht überspitzt gesagt bin ich in der Lage, meinem Beruf an jedem Ort der Welt nachzukommen, solange mein Handy einen Hotspot für meinen Laptop einrichten kann. In diesem Kontext beobachtet Stefan Zilich in seinem Beitrag eine zunehmende Abwanderung der Recherchefunktion nach Südostasien und Osteuropa. Nicht nur externe Dienstleister aus diesen Regionen erscheinen zunehmend attraktiver, auch immer mehr Unternehmen aus Westeuropa und Nordamerika bauen ihre eigenen Recherche-Abteilungen in diesen Regionen aus.

Ich hatte kürzlich Gelegenheit, diesen Sachverhalt mit einem für genau diesen Bereich verantwortlichen Partner einer international tätigen Unternehmensberatung zu diskutieren. Seine Entscheidungen, wo auf der Welt Recherchekapazitäten auf- oder abgebaut werden, basieren auf einem überraschend einfachen Kalkül:

The Value of Proximity oder auf Deutsch, der Wert der räumlichen Nähe.

Die neue räumliche Ungebundenheit von Information Professionals wirkt sich stark zu Ungunsten jener Vertreter in Ländern mit hohen Lohnkosten aus. Allein am Lohnniveau gemessen muss ein Rechercheur in Westeuropa die Leistung von bis zu drei Branchengenossen in Südosteuropa erreichen. Natürlich geht dies nicht durch übermäßigen Arbeitseinsatz, sondern nur in Form eines durch räumliche Nähe geschaffenen Mehrwerts, der extrem schwer monetär zu bewerten ist. Wie viel ist es beispielsweise wert, dass ein Mitarbeiter in derselben Zeitzone arbeitet, die Landessprache beherrscht, Kontakte zu örtlichen Behörden, Firmen und Verbänden pflegt und zu einem persönlichen Treffen bereit ist?

Zu meiner Überraschung lag meine Einschätzung des Wertes der räumlichen Nähe deutlich über der meines Gesprächspartners. Wie kann es sein, dass Entscheidungsträger den Wert der räumlichen Nähe so gering einschätzen? Ich führe das auf zwei Hauptgründe zurück. Zum einen liegt wie von Stefan Zilich beschrieben eine gewisse Entfremdung zwischen beiden Partnern vor, die nicht allein aus ihrer Positionierung auf verschiedenen Hierarchieebenen erklärt werden kann. Zum anderen kann von einer gewissen Risikoaversion gesprochen werden, denn Einsparungen bei den Fixkosten lassen sich viel schneller ausweisen als schwer zu erfassende Größen wie der Wert der räumlichen Nähe. Hinzu kommt, dass die negativen Folgen eines Outsourcings an Billiglohnländer erst mit einer zeitlichen Verzögerung zu spüren sind.

Zur Bewältigung dieser Problematik spricht sich Zilich für eine Stärkung nationaler Verbände aus. Einem Großteil der Information Professionals in der Beratungsbranche, deren Leistung von Entscheidungsträgern in Nordamerika und Großbritannien beurteilt wird, würde dies aber kaum helfen. Was bleibt ist eine gewisse Hilflosigkeit, denn gegen fehlende Kommunikation gibt es kein Patentmittel. Es bleiben allerdings drei Beobachtungen, die sich zu einem Hoffnungsschimmer ergänzen:

• Einige Beratungsunternehmen scheinen das Outsourcing- und Offshoring-Tal durchschritten zu haben und beginnen erneut Kapazitäten in Kundennähe aufzubauen. Vorreiter dieser Renaissance sind McKinsey und Bain, die aktuell zehn bzw. sechs Recherche-Positionen in Deutschland über LinkedIn (3) ausschreiben. Gibt der Primus eine Marschrichtung vor, dauert es in der Regel nicht lange, bis der Rest der Branche folgt. Es gibt somit vorsichtigen Grund zur der Annahme, dass sich der Wert der räumlichen Nähe und der damit verbundenen Wettbewerbsvorteil mit einer zeitlichen Verzögerung auch bei den Entscheidungsträgern herumspricht.

• Ein Weg, diese Entwicklung zu beschleunigen, kann darin bestehen, Information Professionals aktiv von der Kosten- auf die Einnahmenseite zu verschieben. In der Beratungsbranche würde das bedeuten, die sich ohnehin schon vollziehende Hybridisierung des Berufsbildes weiter zu beschleunigen. Wie oben beschrieben verschwimmt die Grenze zwischen Information Professional und Junior-Unternehmensberater immer mehr. Auch die Stundensätze sind mittlerweile vergleichbar. Denkbar wäre es, die Position des Research Consultants einzuführen, welcher nicht von Projektteams während des laufenden Projekts gebucht, sondern von Beginn an als Teil des Beratungsteams dem Kunden verkauft wird. Ein positiver Nebeneffekt wäre ein engeres Zusammenrücken der unternehmensinternen Bereiche und eine höhere Identifikation der Rechercheabteilung mit dem Projekt. Beratungsprojekte haben gewöhnlich die Eigenschaft, gerade zu Beginn intensive Recherchen zu benötigen. So könnte ein Research Consultant ein Projekt in der ersten Phase intensiv unterstützen und nach Etablierung einer soliden Datenbasis den Fokus auf sein nächstes Engagement legen. Auch die Projektnachbearbeitung, für viele Berater bestenfalls ein notwendiges Übel, könnte so besser unterstützt werden. Ein solches Modell zu testen und unternehmensintern zu bewerben, könnte eine sinnvolle Ergänzung zu den von Michael Krake vorgeschlagenen Maßnahmen sein.

• Für Information Professionals scheinen sich zudem im Zuge der fortschreitenden Digitalisierung interessante Möglichkeiten abseits der klassischen Betätigungsfelder zu ergeben. Fortschritte in den Bereichen künstliche Intelligenz und automatisiertes Textverständnis versetzen IT-Unternehmen Schritt für Schritt in die Lage, Rechercheaufgaben zu automatisieren. Standardisierte Produkte sind in diesem Bereich noch rar, die meisten Lösungen werden individuell auf den Kunden zugeschnitten. Viele dieser Dienstleister suchen Mitarbeiter, die über Erfahrungen in der Informationsbranche besitzen und diese in Bereichen wie Kundenkommunikation, Preisgestaltung und Benutzerfreundlichkeit einbringen. Darauf aufbauend entstehen wiederum neue Beratungskonzepte wie beispielsweise das der mAAArkets GmbH aus Frankfurt, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, etablierte Konzerne mit einem umfangreichen Portfolio aufstrebender IT-Firmen zu vernetzen.

Über den Autor:

Yannick Loonus (yannick.loonus@semalytix.de) ist Chief Sales Officer der Semalytix GmbH, wo er hilft, die nächste Generation textverarbeitender künstlicher Intelligenz zu entwickeln. Semalytix analysiert unstrukturierte Daten aus allen internen und externen Quellen, um verstecktes Wissen in Texten sichtbar zu machen. Zuvor hat Yannick in der Informationsabteilung einer internationalen Unternehmensberatung gearbeitet und Wirtschaftswissenschaften mit Schwerpunkt Entrepreneurship an der Schumpeter School of Business and Economics in Wuppertal studiert.

Quellen:

(1); (2): http://www.password-online.de/category/information-professionals/

(3): https://www.linkedin.com/jobs/ - Daten abgerufen am 15. August 2017

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