Open Password - Mittwoch, den 13. September 2017

#253


DINI – Bundestagswahlkampf – Wahlprüfsteine – Jon von Tetzchner – Google – SUMA – Manuela Branz – Circle – Dave Eggers – George Orwell - EU-Kommission – Tagesschau.de – Benny Lynn – New America Foundation – Kashmir Hill – GIZMODO Media Group – Forbes – Image – WIND – Marktkonzentration - Regulierung


DINI

Die Antworten der Parteien
auf Wahlprüfsteine zur Digitalisierung
von Forschung und Lehre

Die Deutsche Initiative für Netzwerkinformation (DINI) hat die Parteien nach ihren Standpunkten zur Weiterentwicklung der Informationsinfrastrukturen und Digitalisierungsstrategien befragt, darunter zu Open Access, Open Educational Resources und Forschungsdaten.

Die Antworten der Parteien befinden sich unter: https://dini.de/service/nachrichten/nachricht/x/_/wahlpruefsteine_zur_bundes/


Jon von Tetzchner

Vom Google-Enthusiasten
zum Google-Kritiker

In der Pipeline: Interview von Open Password mit Jon von Tetzchner, dem Gründer und CEO von Opera, der sich vom Google-Enthusiasten zum Google-Kritiker wandelte.


SUMA

Wankt das Google-Monopol?

Von Manuela Branz, Hannover, branz@suma-ev.de

Dass Monopole problematisch sind, wissen wir. Die Konzentration von Geld und Macht birgt ökonomische Risiken, aber auch Probleme, die das gesamte gesellschaftliche System betreffen, unser aller Leben. Im Roman „Circle“ von Dave Eggers (2014) wird beschrieben, wie dieses monopolistische System allmählich Macht über alle Lebensbereiche der Protagonisten gewinnt, wie der Internetkonzern zum Zwecke totaler Kommunikation und Transparenz Strukturen verankert, deren antidemokratisches, ja totalitäres Potential sich bald offenbart. Auf Kritiker wird massiv Druck ausgeübt, Störenfriede werden schon mal mundtot gemacht. Diese Schreckensvision einer Überwachungsgesellschaft in Orwellscher Machart berührt in ihrem aktuellen Gewand (gläserner Mensch arbeitet in einer Firma, die stark an Google erinnert) mit einer bewussten Anlehnung an die Realität. Wir sehen: Eine skeptische Haltung mächtigen Konzernen gegenüber findet sich nicht nur bei linken Kapitalismusgegnern, sondern ist inzwischen weit verbreitet (und natürlich durchaus angebracht).

Nun zeigt sich wieder mal: Die Realität kann es mit einigen dieser Visionen locker aufnehmen. Dass der oben genannte Roman mit dem Google-Vergleich spielt, ist kein Zufall. Nirgendwo besser als im Google-Universum kann man aktuell so hervorragend sehen, mit welchen Instrumenten mächtige Konzerne an ihrer Machtstellung arbeiten: Lobbyismus, Verflechtung mit politischen Instanzen, der Versuch der politischen und gesellschaftlichen Einflussnahme. Es ist ein in sich geschlossenes System, fast unanfechtbar, scheinbar unzerstörbar.

Doch langsam gerät das System Google in Turbulenzen. Zunächst war Google von der EU-Kommission zu einer Rekordstrafe von 4,42 Milliarden Euro verdonnert worden. Diese Entscheidung war gefallen, weil der Konzern seine „marktbeherrschende Stellung mit seinem Preisvergleichsdienst missbraucht“, zitierte die Tagesschau.de am 27. August den Kommissionsbericht [1]. Dann kam der Fall Benny Lynn in die Öffentlichkeit. Als Leiter einer Gruppe des von Google geförderten Thinktanks „New America Foundation“ postete Lynn auf der Webseite seine Meinung zur Entscheidung der EU-Kommission und begrüßte die Rekordstrafe. „Googles Marktmacht ist heute eine der wichtigsten Probleme für Wettbewerbspolitik in der Welt", wurde Barry Lynn auf der Website der „New America Foundation“ zitiert. Er rief die US-Regierung auf, nach dem Vorbild der EU zu handeln. Daraufhin gab es in der „New America Foundation“ die Auflösung der Abteilung „Offene Märkte“, als dessen Leiter Lynn fungierte [2].

Doch das ist nicht alles. Im Nachklang dieser Geschichte melden sich andere Personen zu Wort, die darstellen, wie sie von Google unter Druck gesetzt wurden. So beschreibt Kashmir Hill auf der GIZMODO Media Group`s Website [3], wie sie im Zusammenhang mit ihrer Tätigkeit als Journalistin bei dem US-amerikanischen Wirtschaftsmagazin „Forbes“ vor sechs Jahren mit Google in Konflikt gekommen war. In einem Gespräch mit einem Google-Berater über soziale Netzwerke sei ihr damals nahegelegt worden, auf der Forbes-Seite einen „Google Plus“-Knopf anzubringen. Wenn sie sich dieser „Google Plus“-Promotion verweigere, leide das Ranking der eigenen Seite darunter, habe der Berater mehrfach betont. Sie habe daraufhin einen Artikel über diese Begegnung mit dem Google-Berater veröffentlicht, der diese skandalöse Ranking-Praxis zum Gegenstand hatte. Unter Druck ihres Arbeitgebers und Googles hätte sie ihn dann aber wieder löschen müssen. Doch der eigentliche Skandal habe sich erst im Anschluss entwickelt: Das Dokument sei sehr bald restlos gelöscht gewesen. Normalerweise sind Spuren eines gelöschten Artikels immer noch vorhanden, sei es in der Form der Überschrift oder im Cache. In diesem Fall sei aber eine radikale Säuberung erfolgt, für deren Umsetzung nur Google selbst in Frage komme. Ihr früherer Arbeitgeber habe gar nicht die Mittel dazu besessen, berichtet sie in ihrem Post vom 31. August. Welche Macht hier nun wirklich für die Löschung verantwortlich war, ist heute nicht mehr nachzuvollziehen. Klar ist jedoch: Die hemmungslose Machtausübung des Konzerns wird deutlich.

Man kann die oben beschriebenen Maßnahmen Googles als die typische Praxis eines Monopolisten betrachten, der sich seiner Dominanz versichern will. Imagepflege im weiteren Sinne also, wie man es von einem Konzern dieses Kalibers erwartet. Wenn ein von Google finanzierter Thinktank Google-Kritik betreibt, ist zunächst nicht wirklich überraschend, wenn Hebel in Bewegung gesetzt werden, den Kritiker los zu werden, sei es auf direkte Weise oder unter Einsatz entsprechender Druckmittel. Andererseits: Google hätte auch gelassener auf Barry Lynns Statement reagieren können, oder sagen wir: professioneller. Man kann diese vermutete Einflussnahme Googles auf die Entledigung des Google-Kritikers daher als zunehmend verzweifelten Versuch interpretieren, mit einem um sich greifenden Imageverlust zurecht zu kommen.

Denn dieser Imageverlust ist ein zunehmendes Problem für den Tech-Giganten: In den USA verliert Google gerade die politische Unterstützung von links und von rechts. Eine wachsende Anzahl liberaler Denker glaubt, die Konzentration gesammelter Macht sei ein Hauptverursacher für die Probleme der amerikanischen Wirtschaft [4]. Zwar sind die Republikaner traditionell gegen Regulierungen. Da aber selbst auf Seiten der Konservativen kritische Stimmen an Einfluss gewinnen, die auf monopolistische Gefahren hinweisen und Regulierung fordern, mag sich ein Paradigmenwechsel ankündigen.

Der Gigant wankt nicht, nein, aber zittert. Immerhin. Die Zeit scheint reif, dem Konzern sinnvolle Grenzen zu setzen, in den USA, aber auch auf EU-Ebene. Denn dazu reichen die erfolgten Maßnahmen bei weitem nicht aus.

Quellen:

[1] https://www.tagesschau.de/wirtschaft/google-eu-strafe-101.html

[2] https://www.heise.de/tp/features/Google-und-die-Meinungsvielfalt-3818062.html

[3] http://gizmodo.com/yes-google-uses-its-power-to-quash-ideas-it-doesn-t-li-1798646437

[4] https://arstechnica.com/tech-policy/2017/08/google-is-losing-allies-across-the-political-spectrum/

Briefe

Weitere Seminare von WIND

Sehr geehrter Herr Dr. Bredemeier,

die letzten drei Seminare dieses Jahres stehen an und wir würden uns freuen, wenn Sie oder einer Ihrer Mitarbeiter dabei sind.

Hier die nächsten Termine mit Link zum Programm:
Do 28. 09. 2017  Medizin- und Pharma im Internet 490,-

Do 16. 11. 2017 Wirtschaftsinformation  im Internet 490,-

Do 07. 12. 2017 Advanced Internet Searching 390,-

Die Hauptthemen des Medizin- und Pharma-Seminars sind Pharmakovigilanz, Klinische Studien und Zulassungsinformation. Gegenstand des Seminars sind außerdem Wirkstoff-Recherchen mit den wichtigsten Techniken zur Lösung der Nomenklaturproblematik und Alternativen nach dem Wegfall der Literaturdatenbanken bei DIMDI. Die Alternativen zu DIMDI bieten wir auch in ausführlicher und auf den Bedarf Ihrer Firma abgestimmten Version als Inhouse-Seminar an. Siehe hierzu auch die letzten WIND-News.

Anmeldungen können formlos per e-Mail oder Post oder über das Formular
auf der Seite https://www.seminare-wind.de/kontakt/erfolgen. Für jeden Teilnehmer steht ein PC mit schnellem Internet zur Verfügung.

Der Veranstaltungsort ist vom Hauptbahnhof Köln in weniger als einer halben Stunde zu Fuß oder per U-Bahn (Haltestelle Neumarkt) zu erreichen Vom Flughafen geht es per Bus oder S-Bahn in 20 Minuten zum Hbf. Das Taxi braucht 20-25 Minuten. Im Nachbargebäude gibt es eine öffentliche Tiefgarage und weitere Parkhäuser innerhalb fünf Gehminuten.

Anmeldeschluss ist Montag der 18. September.

Mit freundlichen Grüßen Ihr WIND-Team

Die Adresse des Veranstaltungsortes ist AUREX GmbH, 50667 Köln-Zentrum, Apostelnstraße 1 - Auf Wunsch senden wir Ihnen eine Hotel-Liste zu.

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