Open Password - Donnerstag, den 7. September 2017

#250


Zukunft der Informationsbranche – Michael Klems – Willi Bredemeier – Zukunft der Informationswissenschaft – Dieter Schumacher – IuD-Politik – Christian Schlögl – Wolfgang Stock – Wissensrepräsentation – Information Retrieval – Nutzerforschung – Informetrie – Kernwissenschaft und Peripherie – Lehre – Informationskompetenz - GBI-Genios – Datenbankfrühstück – BAK – Tanja Estler-Ziegler

 

Zukunft der Informationsbranche

„Wir sind was und wir können was
und das müsst Ihr haben“

Michael Klems spricht mit dem Branchenkenner und Herausgeber Dr. Wilhelm Heinrich Bredemeier in einem zwölfminütigen Video über die aktuelle Lage und Perspektiven der Informationsbranche.

In einer einleitenden Aussage wünscht sich Bredemeier, dass „wir raus in die freie Luft gehen und sagen: Wir sind was und wir können was und das müsst ihr haben“. Und das sei eine Haltung, die man „bei unseren hochkultivierten Leuten teilweise vermissen kann“.

Link zum Video: https://www.youtube.com/watch?v=0Q-La-mBlqI

Zukunft der Informationswissenschaft

Wer nicht unter Artenschutz steht,
muss Eigeninitiative entfalten

„Regelungskäfig“ staatlicher Fürsorge verlassen und verlorene Freiräume zurückgewinnen

Open-Password-Gespräch mit Branchenpionier und -satiriker Dieter Schumacher  

PW: Nach der Abwicklung ehemals als verdienstvoll angesehener Einrichtungen ist die Zukunft der Informationswissenschaft wieder zu einem Brennpunktthema geworden. Der Diskurs findet allerdings nur unter Insidern und Betroffenen statt.

DS: Die Informationswissenschaft war ja schon immer im Vergleich mit den etablierten Fächern ein zartes Pflänzlein, erfuhr aber durch die Öffentliche Hand bis zur „Google-Wende“ eine institutionelle Festigung und konnte sich unter dem Dach der IuD-Politik eines Eigenlebens erfreuen. Diese Alleinstellung ging mit der „Entpolitisierung“ verloren: Fortan gehörte sie für die Obrigkeit nicht mehr zu den schützenswerten Disziplinen und wurde zu einem Tummelfeld für Kostensenker.

PW: Demnach wäre die Politik an allem schuld?

DS: In gewisser Weise schon, denn es gibt jetzt auf Regierungsebene keine Zuständigkeiten für IuD mehr, und ohne Zuständigkeit läuft nichts. Unserer Disziplin gingen die Befürworter und Ansprechpartner verloren. Wer nicht unter Artenschutz steht, muss Eigeninitiativen entfalten. Dafür waren und sind unsere Altvorderen aber weder programmiert noch motiviert.

PW: Wäre eine Revitalisierung somit nur mit Fremdhilfe möglich?

DS: Fakt ist, dass sich die Informationswissenschaft mittlerweile metastasenhaft in fast allen etablierten Disziplinen eingenistet hat (vgl. Beitrag Schlögl) und sich insoweit eines blühenden Lebens erfreut, wenn auch unter Verlusten in der reinen Lehre. Es wurde versäumt, sich dieser extrinsischen Stimulation anzuschließen. Man verharrt im intrinsischen Modus und verzichtet damit auf die eigene Profilierung. Es gibt mittlerweile zahlreiche Mikrodisziplinen und Studiengänge, die letztlich Informationswissenschaft betreiben, aber als Bindestrich-Wissenschaften mit Begriffen wie Informatik, Medien oder Kommunikation verknüpft sind und unsere alten Arbeitsgebiete übernommen haben. Das muss man allerdings nicht unbedingt bedauern.

PW: Brauchen wir dann noch eine Kerndisziplin?

DS: Hier sollten wir unterscheiden zwischen Forschung und Lehre. Christian Schlögl und Wolfgang Stock (siehe ihre entsprechenden Beiträge in Open Password) unterscheiden sogar drei informationswissenschaftliche Kerndisziplinen:

• Wissensrepräsentation,

• Information Retrieval und

• Nutzerforschung,

flankiert durch eine eigene Informetrie.

Das ist aus der Innensicht der Disziplin und aus der Forschungsperspektive gerechtfertigt. In der Lehre muss eine lebendige Disziplin aber großräumiger denken und ihre externen Wirkungsfelder einbeziehen, wo abgespecktes Knowhow ausreicht. Wir brauchen also eine vergleichsweise kleine Forschungsinfrastruktur für die Kernthemen und eine Verbreitungsinfrastruktur in allen anderen Disziplinen und in der Außenwelt.

PW: Und wie soll das Ganze gesteuert werden?

DS: Damit sind wir wieder bei der Politik, weil eine Infrastruktur immer auch die Mitwirkung der Obrigkeit erfordert. Im Klartext: Wenn die Obrigkeit eine hochkarätige und auch im Ausland respektierte informationswissenschaftliche Forschung wünscht, dann brauchen wir dazu einige wenige Kompetenzzentren, die auch Vollblutinformationswissenschaftler ausbilden. Für die Verbreitung gibt es – was gern übersehen wird – hingegen bereits eine Infrastruktur, nämlich all jene, die in den metastasierten anderen Disziplinen mit informationswissenschaftlichen Aufgaben betraut sind. Hier sind z.B. die zahlreichen Bindestrich-Studiengänge angesiedelt, die Fachdisziplin mit Informationskompetenz verknüpfen, wie schon an zahlreichen Fachhochschulen realisiert. Hier bedarf es keiner zentralen Steuerung, wohl aber auf Hochschulebene eines generellen Bewusstseins für die Wichtigkeit des Informationswesens für alle Studierende. Hilfreich wäre z.B. ein Pflichtmodul Informationskompetenz in allen Studiengängen, angeboten durch die Fachkräfte in den Hochschulbibliotheken. Dazu bedarf es keiner Zustimmung der Kultusminister.

PW: Das hört sich ziemlich chaotisch an.

DS: In unserer Informationsgesellschaft kann man nicht davon ausgehen, dass alles, was mit dem Informationswesen zu tun hat, geregelt wird. Wir wissen aus der Bürokratieforschung, dass ein Gemeinwesen dann lebendig ist, wenn in ihm eine „gute Ordnung“ herrscht. Diese Ordnung kann in zwei Richtungen entarten. Wenn zu viel geregelt wird, drohen Bürokratie und Stagnation: Die in den Zeiten der Fachinformationspolitik entstandenen geregelten Strukturen waren damals angemessen, wurden dann aber durch Google und Digitalisierung obsolet, weil die Obrigkeit eine Revitalisierung versäumte. Deshalb haben wir nun vermeintlich chaotische Verhältnisse. Umgekehrt kann eine gute Ordnung auch direkt zum Chaos führen, wenn nichts oder zu wenig geregelt wird. Chaos beinhaltet aber nicht nur Unordnung, sondern bietet auch Freiräume für Innovation und Kreativität. Diese gilt es jetzt zu nutzen.

PW: Und das Fazit?

DS: Natürlich hat die Informationswissenschaft eine Zukunft, denn sie ist unverzichtbar. Dazu muss sie aber ihren „Regelungskäfig“ staatlicher Fürsorge verlassen, sich nach außen öffnen und verlorene Freiräume zurückgewinnen.

GBI-Genios

„Simplify Yous Life“
Mit Cicero und Bild International

11. Oktober, ab 9.30 Uhr, GENIOS-Datenbankfrühstück zur Frankfurter Buchmesse im Hotel Maritim in Frankfurt mit Werner Taki Küstenmacher zu „Simplify jour liefe“.

Die bisher verwendeten Ländergruppen, zum Beispiel Osteuropa, wurde durch eine Sortierung nach einzelnen Ländern ersetzt.

Neue Datenbanken im Tagungszeitungsbereich sind Bild International sowie die Regionalausgaben Barmstedt er Zeitung, Elmshorner Nachrichten, Pinneberger Tageblatt, Quickborner Tageblatt, Schneefeldern Tageblatt, Uetersener Nachrichten und Wedel-Schlauer Tageblatt. Hinzu kommen die Publikumszeitschriften Monopol, Rolling Stone, Muikexpress, ICON, Tauchboot, Besser leben, Bild der Frau – gut kochen & backen, Bild der Frau – schlank & fit, Der Griller, Hörzu Gesundheit sowie Fußball Bild und Zeit für mich. Das Angebot an Fachzeitschriften wurde um BIKE Bild, Cicero, TESTBild, PiR, Internationale Rechnungslegung und StuB, Unternehmenssteuern und Bilanzen. Nicht mehr aktualisiert wird das Süderländer Tagebltt sowie CIM Conference und

Briefe

Die deutsche Museumslandschaft
und ihre dokumentarischen Player

Lieber Herr Bredemeier,

der Berliner Arbeitskreis Information (BAK) beschäftigt sich wieder einmal mit dem Thema "Museumsdokumentation". Es wäre schön, wenn Sie auf die Veranstaltung in der password-online hinweisen könnten.

Prof. Monika Hagedorn-Saupe (Stellvertretende Leiterin des Instituts für Museumsforschung) und Axel Ermert (Mitarbeiter Museumsdokumentation und EU-Projekte) sprechen zum Thema

„Die deutsche Museumslandschaft und die 'Player' in der Museumsdokumentation“

Die Abteilung "Museumsdokumentation" des Instituts für Museumsforschung (IfM) der Staatlichen Museen zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz (SMB/PK) hat zwei große Aufgabenbereiche, die von den beiden Vortragenden vorgestellt werden:

Im Bereich "Dokumentation der Institutionen" werden die ca. 6.800 öffentlichen und privaten Museen in einer Datenbank erfasst, deren Daten die Basis für die jährliche Gesamtstatistik der deutschen Museen mit Angaben zu Besuchen, Ausstellungen und weiteren relevanten statistischen Daten bilden.

Der zweite Bereich ist die "Objektdokumentation". Hier geht es darum, die Entwicklung und den Einsatz von relevanten Standards für Dokumentation von Museumsobjekten, Sammlungsmanagement, Einsatz von Datenbanken sowie (Weiter-) Entwicklung und Vernetzung von Museumsvokabularen sowie um Standards für die digitale Präsentation und Publikation von Objektinformationen im Internet.

Diese Aufgaben können nur in Abstimmung mit verschiedenen anderen Institutionen wahrgenommen werden. Darum wird sich ein Teil des Vortrages mit der Zusammenarbeit des IfM mit Betreuungseinrichtungen für Museen in den Bundesländern, dem deutsche Museumsbund DMB und ICOM-Deutschland beschäftigen. Ebenfalls bedeutsam sind die Kooperationen mit den Hochschulen/Universitäten, die in Deutschland grundständige oder Aufbau-Studiengänge bzw. Weiterbildungen zur „Museologie / Museumskunde“ anbieten sowie der fachliche Kontakt mit Einrichtungen im Ausland sowie im Rahmen vielfältiger EU-Projekte.

Vortrag und Diskussion finden am Montag, den 18. September 2017 um 17:30 Uhr im Institut für Museumsforschung, In der Halde 1, 14195 Berlin statt. Sie erreichen das Institut mit der U-Bahn U3 (Dahlem-Dorf) oder den Bussen X83 (U Dahlem-Dorf) und 110 (Im Dol).

Im Anschluss gibt es die Möglichkeit, die sich ergebenden Fragen bei einem Snack und Getränken mit dem Vortragenden zu diskutieren.

Die Veranstaltung ist kostenlos. Bitte melden Sie sich unbedingt telefonisch (030-755 183 66) oder per Mail (bak[at]ub.tu-berlin.de) an. Aus Platzgründen können nur 25 Personen an dieser Veranstaltung teilnehmen.

Vielen Dank und herzliche Grüße Tania Estler-Ziegler

 

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