Open Password - Dienstag, den 22. August 2017

 
#244

Open Password – Universität Witten-Herdecke – Password – Themen – Bülent Ecevit – Konrad Schily – Otto Schily – Willi Bredemeier – Anna Knoll – Steilvorlagen für den Unternehmenserfolg – Information Professionals - Birger P. Priddat – VW – Lobbyismus – Aufsichtsrat - Stephan Weil – Münchener Kreis – Digitale Infrastruktur – Cybersecurity – Industrielle Wertschöpfung – Digitale Transformation


Open Password – Universität Witten-Herdecke

Sentimentale Reise mit Erträgen
für Sie, lieber Leser!

Lieber Password-Leser,

ich verrmute, Sie wissen, dass das mittlerweile seit knapp zwei Jahren bestehende Open Password einen Vorläufer hatte, nämlich Password Print. Aber vermutlich wissen Sie nicht, dass auch das 30 Jahre lang bestehende Password Print einen Vorläufer hatte, nämlich die Zeitschrift „Themen“ in Trägerschaft der Universität Witten-Herdecke. Damals war ich nach etwa 15 Jahren an diversen öffentlichen Hochschulen von den Unzulänglichkeiten dort ernüchtert und enttäuscht. Umso mehr war ich elektrisiert von der Entstehung der ersten Privathochschule Deutschlands in meiner unmittelbaren geographischen Nachbarschaft, insbesondere von der in Aussicht genommenen engen Kooperation zwischen Wissenschaft und Praxis, von den ganzheitlichen Studiengängen unter Einschluss eines „Studiums fundamentale“, von der Weigerung, öffentliche Gelder anzunehmen (mittlerweile zurückgenommen) und von dem allerorts in Witten und Herdecke herrschenden enthusiastischen Gründergeist.

Mit unserer Zeitschrift „Themen“ übernahmen wir 1983 publizistisch den Qualitätsanspruch von Witten-Herdecke. Wir nahmen uns vor, zu den bedeutenden wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Fragen und Herausforderungen bedeutende Beiträge zu veröffentlichen. Das gelang uns in Ansätzen. So stellte, um nur ein Beispiel zu nennen, der ehemalige Ministerpräsident Bülent Ecevit die Türkei als ein offenes pluralistisches Land dar, dass seine Kultur aus vielen heterogenen Quellen geschöpft hat und daraus seine Stärken bezieht. Auch wenn dieser Ansatz heute in politischer Willkür und einem religiös gefärbten Nationalismus unterzugehen droht, er verdient es, weiter verfolgt zu werden.

Leider brachten wir es mit „Themen“ nur auf fünf Ausgaben. Gleichwohl unterhielt ich in den folgenden Jahrzehnten eine sentimentale Beziehung zu Witten-Herdecke und hatte ich auch den einen und anderen Kontakt. Den letzten nutzte ich, um nach „Themen“ zu fragen und bot ich an, mit den seinerzeit erschienenen Ausgaben auszuhelfen. Ja, ein Archiv befinde sich im Aufbau, sagte man mir, aber „Themen“ kannte wohl keiner… So führte eines zum anderen, auch zu einer Vereinbarung eines Beitrages zur „Virtual Reality“, der in Kürze erscheinen wird. Und der untenstehende Beitrag aus Witten-Herdecke nimmt auf die immer problematische Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und Politik aus Anlass einer weiteren Affäre von VW Bezug. Wir, die wir auf eine bessere Zusammenarbeit zwischen Verlagen, Bibliotheken und Wissenschaftlern angewiesen sind und uns eine weniger zufallsgesteuerte Informationspolitik auf der Basis von Expertenwissen wünschen, mögen daraus lernen.

Mal schauen, was meine „sentimenale Reise“ nach Witten-Herdecke für die Leser von Open Password noch bringen wird.

                                                                                                 Herzlichst Ihr Willi Bredemeier

Steilvorlagen für den Unternehmenserfolg

Die InfoPros müssen auf
den Digitalisierungsprozess setzen

Haben die Information Professionals
die Digitalisierung bereits verpasst?

Nein, sagt Anna Knoll, und begründet dies im Vorfeld der Konferenz „Steilvorlagen für den Unternehmenserfolg mit einem kurzen Statement im Videoformat. Siehe hier: https://www.youtube.com/watch?v=cJrvXaWgSg8

Steilvorlagen für den Unternehmenserfolg 2017 - Digitization: Redefining and Innovating New Businesses - Eine Veranstaltung der Frankfurter Buchmesse und des „Arbeitskreises Informationsvermittlung“ für Information Professionals, Informationsvermittler, Großnutzer und Informationsanbieter - Frankfurter Buchmesse - Donnerstag, den 12. Oktober 2017, 9 - 13 Uhr, Halle 4.2, Raum Dimension

Eine Übersicht weiterer Statements zur Veranstaltung finden Sie in dieser YouTube PlayList:

https://www.youtube.com/playlist?list=PLBEAPYtwTjXmfNbXsssSWcI4VDVW7_FMx

Kooperation Wirtschaft – Politik

Wenn VW dem Ministerpräsidenten
die Rede umschreibt…

Die Zeit der naiven Kumpaneien ist vorbei

 Von Prof. Dr. Birger P. Priddat, Universität Witten-Herdecke

Inzwischen wissen wir, dass VW dem Ministerpräsidenten Weil seine Rede umformuliert hat. Für Kenner der politischen Praxis ist das überhaupt nicht neu…

Inzwischen wissen wir, dass VW dem Ministerpräsidenten Weil seine Rede umformuliert hat. Für Kenner der politischen Praxis ist das überhaupt nicht neu, wissen wir doch, dass in Berlin und Brüssel unzählige Lobbyisten damit beschäftigt sind, zum Teil an Gesetzestexten mitzuschreiben. Da liegt es nahe, diese großartige Dienstleistung auch dem Ministerpräsidenten anzudienen; es zählt gleichsam zu den Gewohnheiten.

Bei Weil muss man gar nicht die Lobby aktivieren, sondern man war sich mit dem Management von VW seit langem einig, alle Dinge untereinander zu besprechen und zu regeln. Die Kontrollfunktion des Aufsichtsrates war längst von einem konsensorientierten Diskurs begleitet. Nun war VW bislang eine anerkannte und geachtete Institution. Seit dem Betrugsskandal und jetzt wegen der Dieselaffäre hat sich das geändert. VW wird seitdem völlig anders, nämlich hochsensibilisiert, beobachtet. Diese Risiken hat die Politik nicht wirklich beachtet. Man ist unvorbereitet in diese nationalen Fettnäpfchen gestiegen, ohne Plan B (ohne überhaupt eine strategische Option – was tun, wenn die deutsche Autoindustrie in- und ausländisch ihren Markenwert verliert? Und den Elektromobilitäts-Wettbewerb gegen China und Tesla?). Man hat sich untereinander – zu sehr – vertraut.

Im Laufe dieses Prozesses hat die Politik ihren Instinkt verloren. Denn gerade dann, wenn die Lage längst heikel ist, sich vom Verursacher der Misere die politischen Aussagen diktieren zu lassen, ist politisch äußerst unklug. Denn jetzt steht Weil da als einer, der die Situation nicht lenkt, sondern von den Verursachern in Haftung genommen wurde. Das ist besonders obsolet, da er als Ministerpräsident seine Souveränität verschenkt hat. Solche opportunistischen Politiker will man allmählich nicht mehr sehen.

Als Aufsichtsrat sitzt Weil zwischen zwei Stühlen. Für VW und das Land will er die Wertschöpfungskraft erhalten. Als Ministerpräsident aber muss er kontrollieren und Schaden vom Land abwenden. Jetzt hat er durch sein politisch taktloses Verhalten den Schaden nur vermehrt. Er hätte sich von vornherein heraushalten können – in keinem Vertrag steht, dass die beiden Sitze im Aufsichtsrat vom Ministerpräsidenten selber eingenommen werden müssen. Auch hier hat Weil nicht die Risiken erspürt, die durch die Betrugshandlungen des niedersächsischen Weltkonzerns für die Politik hochklappen.

Es geht nicht darum, die Gesprächsebene zwischen Wirtschaft und Politik abzubauen. Natürlich sind diese Gespräche wichtig, zumal die Politiker oft wenig Kompetenz in Ökonomie haben. Und weil die Unternehmen natürlich wissen wollen, auf was sie sich einstellen müssen in der Politik. All das ist notwendig und legitim – bis die Grenze strafrechtlich überschritten wird. Von dem Moment ist höchste Vorsicht geboten. Die Vorsicht hat Weil nicht gehabt. Deshalb braucht es künftig – wie in jedem Konzern heute schon üblich – Compliance-Regeln, an die man sich halten kann, wenn man in Konflikt steht. Bei aller produktiven Kumpanei muss man dann, wenn es darauf ankommt, auf die Regeln verweisen können, um nicht in etwas hineingezogen zu werden, was man nicht wollen kann und um dann zu sagen, was zu sagen nötig ist.

Weil rechtfertigt sich, dass es gerade wegen der Brisanz der Lage wichtig gewesen sei, alle Formulierungen auf juridische Klopffestigkeit zu prüfen. Gabriel bestätigt ihn darin. Aber das können doch unabhängige Juristen tun; dazu hat man doch Ministerien! Dass man als Landesvater dem Konzern in schwerer Zeit beistehen will, mag sein, aber deshalb sich die Argumentation und damit die Haltung wie die Entscheidbarkeit vorschreiben zu lassen, ist ein starkes Stück. Auch bei VW ist die Klugheit zu bezweifeln: man braucht doch einen starken Ministerpräsidenten im Aufsichtsrat, nicht einen, der als schwach entwertet ist. Man hätte das Ansinnen, das Manuskript zu sondieren, zurückweisen müssen. Auf beiden Seiten unkluge Leute macht eine Misere mehr. Weiß denn niemand mehr sich zu verhalten?!

Die Affäre Weil ist nur ein Indikator für eine Wandlung im politischen Umgang: Die Zeit der naiven Kumpaneien ist vorbei. Die Märkte sind keine großen Wohlstandstanker mehr, die sich positiv wie von selbst regeln, sondern voller Überraschungen – positiver wie negativer Art. Das Management ist keine Vertrauensbruderschaft, sondern z.T. vorteilssuchend bis zum Betrug, wie wir es jetzt gerade wieder kennengelernt haben. Da muss die Politik sich umstellen, sehr viel aufmerksamer werden, erste Indizien wahrnehmen, neutrale Wissenschaftlerkohorten haben, die ihnen die Dinge präventiv entschlüsseln, die sie als Politiker mehr nur vermuten. Und ein anderes Rückgrat haben: einen politischen Stolz, Verhältnisse, die nicht zur demokratischen und zivilisatorischen Grundvereinbarung gehören, abzuschaffen. Warum nicht zur Abwechslung einmal Politiker, die mannhaft ihren Staat stehen?

Münchener Kreis

Fünf Kernthemen zur Sicherstellung
eines erfolgreichen Wandels
digitaler Basisinfrastrukturen

Fachkonferenz „Digitale Basisinfrastrukturen für die Wirtschaft 2025“ in Trägerschaft des Münchener Kreises in München mit der Identifizierung von fünf Kernthemen, die für den erfolgreichen Wandel der digitalen Basisinfrastrukturen entscheidend sind und die die bisherigen Breitbandziele der Bundesregierung erweitern sollten. 70 Experten aus Wirtschaft und Wissenschaft erarbeiteten, wo dringender Handlungsbedarf für Politik und Unternehmen besteht und welche Weichenstellungen erfolgen müssen.   

1. Cybersecurity als „conditio sine qua non“ digitaler Infrastrukturen. Digitale Wertschöpfung ist zwingend auf verlässliche Sicherheit, garantierte Identitäten (ganz wesentlich auch von „Dingen“ im Internet der Dinge) und Schutz der Daten entlang der gesamten Wertschöpfungskette angewiesen. Dafür sind Sicherheitskonzepte, -architekturen und -Prüfverfahren für alle Anwendungsfelder von vornherein zu planen und zu implementieren. Risikomanagement wird hier immer wichtiger.

2. Die künftigen Anforderungen digitaler, besonders industrieller Wertschöpfung reichen weit über die Möglichkeiten konventioneller Netze hinaus.  Anwendungen für Endkunden und für die Industrie werden immer unterschiedlicher: Je nach Branche sind symmetrische Bandbreiten bis in den Gbps-Bereich, Verzögerungszeiten von wenigen Millisekunden, garantierte Verbindungsqualität, ausgeprägte Modularität und Flexibilität, definierte Schnittstellen nach den branchenspezifischen Anforderungen und jahrzehntelange Verfügbarkeit von Technologien für den Erfolg digitaler Transformation unerlässlich. Um diese heterogenen Anforderungen zu erfüllen, benötigen wir über die heutige Endkunden-Orientierung hinausgehende konkrete Ziele. 

3. Wandel des Infrastrukturverständnisses. Leistungsfähige digitale Basisinfrastrukturen sind für unsere Wirtschaft, digitalisiert oder nicht, ebenso wichtig wie Strom, Gas, Wasser, Abwasser, und Verkehrsanbindung. Ihr Mehrwert für unsere Gesellschaft reicht deshalb weit über den betriebswirtschaftlichen Wert, z.B. für den Betreiber von öffentlichen Netzen hinaus. Die Kosten von Kernelementen der digitalen Basisinfrastruktur, beispielsweise Glasfaserleitungen und Standorte für neue Mobilfunkstationen, müssen bei der Planung neuer Infrastrukturvorhaben von vornherein mit einbezogen werden. Dies gilt auch für die Modernisierung bestehender Infrastrukturen.  

 4. Ländliche Gegenden als Herausforderung. Vor allem ländliche Gegenden stellen eine Herausforderung bei der Versorgung mit leistungsfähigen digitalen Basisdiensten dar, da die Kosten häufig so hoch sind, dass bei marktüblichen Preisen kein profitabler Ausbau und Betrieb möglich sind. Es müssen Alternativen erarbeitet werden wie etwa die Trennung von Infrastruktur und Dienst. Parallele gleichartige Infrastrukturen sollten verhindert werden.

5. Digitale Infrastrukturen als Wegbereiter für die erfolgreiche digitale Transformation. Auf der Basis digitaler Infrastrukturen entstehen neue Wertschöpfungsnetzwerke über Länder- und Unternehmensgrenzen hinweg. Damit diese funktionsfähig arbeiten, bedarf es neuer Geschäftsmodelle und vielfältiger Schnittstellen sowie Standards, die zumindest europaweit eingeführt werden sollten. Dies erfordert branchenübergreifende Kooperationen. 

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