Open Password - Freitag, den 21. Juli 2017


# 228

Klaus Rohr – Wolters Kluwer - Dietrich Rieth – Deal – Elsevier – Springer – Wiley – Andrea Degkwitz – Humboldt-Universität - The Scientist – Helga Schwarz – Deutsches Bibliotheksinstitut – Library and Information Science – Fachinformationspolitik – John Naisbitt – Weinberg-Report – USA – Heiko Maas – Digital-Agentur – Institut für Bibliotheks- und Informationswissenschaft – GID – Algorithmen – System Althoff – Diskriminanzanalyse – Google – Steilvorlagen für den Unternehmenserfolg – Stephan Holländer

 

Multiplikatoren der Informationsbranche:
Was wurde aus ihnen?

Klaus Rohr, Dietrich Rieth

Klaus Rohr: früher Geschäftsführer von PMG Monitor – jetzt Sales Director bei Wolter Kluwer Deutschland GmbH

Dietrich Rieth: früher Softwareanbieter für die Informationsbranche – jetzt Sanierung von denkmalgeschützten Häusern als Generalunternehmer oder Beiträger, Die Bauleute GmbH, Freiburg

 

Zitat

Deal: Keine Fortschritte

der Verhandlungen mit Elsevier,

aber solche mit Wiley und Springer

“I don’t see an immediate end [to the negotiations with Elsevier]. With Springer and Wiley we might have a contract in the beginning or in the first months of 2018, and so far the cancellations of those subscriptions have not been discussed. … Springer has already agreed to implement the “publish and read model,” which combines reading and publishing into one combined fee, with some European institutions.“

Andreas Degkwitz, Direktor der Universitätsbibliothek der Humboldt-Universität Berlin,
in: Major German Universities Cancel Elsevier Contracts The Scientist

 

Informationspolitik

Kann die Digital-Agentur
eine LIS-Innovation bringen?

 Von Amanda Schwarm

Nachdem die Diskussion um die Schließung des Deutschen Bibliotheksinstituts (Helga Schwarz, Das Deutsche Bibliotheksinstitut im Spannungsfeld zwischen Auftrag und politischen Interessen, Simon Verlag für Bibliothekswissen, Berlin 2017) wieder entfacht ist, erinnert man sich an die vielen anderen erfolglosen Versuche in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts, den Vorsprung der USA im Bereich LIS (Library and Information Science) nach Erscheinen des epochalen Weinberg-Reports aufzuholen. Da waren ja nicht nur das IuD-Programm '74-'77, seine folgende Neuausrichtung auf die Fachinformationsprogramm und die neu ausgerichteten Ausbildungseinrichtungen in Berlin, Hannover, Köln, Ulm und an anderen Orten. Das DIMDI sollte nach dem Vorbild der National Library of Medicine gemeinsam mit der Zentralbibliothek der Medizin in Köln zusammen verlorenen Boden wieder gut machen, und das Informationszentrum in Karlsruhe (INKA) ging wie die Sonne auf und unter. Mit der sogenannten IuD-Station von Nixdorf, mit BTX und dem „Modellversuch Informationsvermittlung“ 1987-1989 jagte ein Flop den nächsten und offenbarte in Deutschland bedeutende Fehleinschätzungen.

Eigentlich ist an diesem informationspolitischen Megatrend im Sinne von John Naisbitt mit Euphorie in den siebziger Jahren und der darauffolgenden Resignation um das Jahr 2000 nichts Außergewöhnliches. Sicher hatte man hierzulande das Signal des Weinberg-Reports auch um mehr als zehn Jahre verschlafen und zudem weitgehend fehlinterpretiert, um dann von der GID und dem dbi innerhalb von zehn Jahren wissenschaftspolitische Wunder zu erwarten. Als diese ausblieben, tauchte immer häufiger die Frage auf: Wozu brauchen wir überhaupt noch Bibliotheken, wenn wir das Internet haben? Frei übersetzt: Warum sollen wir in Deutschland informationswissenschaftlich innovativ sein, wenn wir das längst den USA überlassen haben? Natürlich hatten die USA ihre Informationsangebote so geschickt zugeschnitten, dass es sich nicht lohnte, ein deutsches MEDLARS oder Google aufzubauen.

Nun, da Europa seine Abhängigkeit im Informationsmarkt immer lauter beklagt, wünscht sich Justizminister Heiko Maas eine Digital-Agentur.

Schlichte Vertreter der Wissenschaftspolitik glauben ja ernstlich, man könne durch erhöhten Leistungsdruck den Vorsprung der USA einholen. Im Kommunismus wollte man sogar überholen ohne einzuholen. Dass man fundiertes Wissen braucht und in den Chreoden nicht ganze Bereiche überspringen kann, um im wissenschaftlichen Wettbewerb mitzumischen, gerät dabei oft in Vergessenheit. So war es auch typisch, als 1994 für das Institut für Bibliotheks- und Informationswissenschaft an der Humboldt-Universität zu Berlin ein Neubeginn geplant war, um dann schon im gleichen Jahr alle Mitarbeiter bis 2006 damit voll zu beschäftigen, die Existenz der Bibliothekswissenschaft zu verteidigen. Dass das IBI überlebte, das dbi aber nicht, hatte mehrere Gründe, die zunehmend in Vergessenheit geraten (libreas.wordpress.com/2017/07/05/ibweblog/).

Ich entsinne mich gut, dass ich in der Startphase der GID und des dbi dort junge enthusiastische Menschen traf, die etwas Neues aufbauen wollten und den Kampf mit all den dazugehörigen Anfangsschwierigkeiten aufgenommen hatten. Als sie nach einem Jahrzehnt eine Menge Know how erworben hatten, war das auf gut Deutsch für die Katz, denn sie hatten das wissenschaftspolitische Wunder noch nicht vollbracht, und die Geduld der Politiker war schon wieder erschöpft.

Ob die Digital-Agentur mehr Fortune haben und die notwendige Initialzündung liefern wird, bleibt abzuwarten. Beunruhigend ist allerdings, wenn die Berater von Heiko Maas ihrem Minister anscheinend sagen, Algorithmen seien nur so gut wie ihre Programmierer (www.ndr.de/nachrichten/netzwelt/Maas-kaempft-gegen-digitale-Diskriminierung,maas158.html). Diese Aussage zeigt ein weiteres Mal die erschreckende Ahnungslosigkeit hierzulande im informationspolitischen Bereich, als gäbe es keine Evolutionsstrategie, keine lernenden Systeme, keine künstliche Intelligenz, keine Semantik und keine Personalisierung der Suchen bei Google und als wäre die Diskriminanzanalyse nicht per se eine „digitale Diskriminierung“. Was dachte sich ein Minister, als er sagte: “Wenn Daten aus der Vergangenheit über Teilhabe-Chancen in der Zukunft bestimmen, ist das nicht unbedenklich“ (www.bmjv.de/SharedDocs/Reden/DE/2017/07032017_digitales_Leben.html), so als wüsste er nicht, dass solche Daten aus der Vergangenheit bei jeder Bewerbung entscheidend sind.

Natürlich möchten die Europäer seit Jahrzehnten wissen, in welchen „Algorithmen“ sich der Vorsprung der USA versteckt. Aber ich erinnere ich mich nur zu gut daran, dass uns die Bosse von Medlars, Biosis oder SCIsearch hier in Deutschland schon vor vierzig Jahren wie die blutigen Anfänger behandelten. Sie kannten ihre Überlegenheit im Know how genau und nutzten sie schamlos. Das wird weiter so bleiben, solange sie sehen, welche offenkundigen Defizite im Know how hier weiter bestehen und Minister Maas nur insoweit verbal up to date ist, als er nicht mehr von Computerprogrammen oder Applications (kurz Apps), sondern von Algorithmen spricht.

Nicht jedes Ministerium ist fähig und in der Lage, das altbekannte System Althoff mit seinen ressortübergreifenden Netzwerken zu realisieren, denn dazu gehört es, Menschen mit fundiertem Wissen von den zahllosen Lobbyisten zu trennen – auch das ist eine wichtige Form der Diskriminanzanalyse. In diesem Zusammenhang sollte man auch nicht von den USA erwarten, dass sie uns sagen, welche deutschen Wissenschaftler genial und welche es nicht sind. Mir erzählte mal ein Professor stolz, wie es ihm gelungen war, einen Assistenten, den er für medioker hielt, wegzuloben. Aber ist es andererseits wirklich so schwierig, die guten Wissenschaftler durch gezielte Recherchen herauszufinden? Auch wenn das sicher nicht immer die meistzitierten sind.

Immerhin wird nun durch „Algorithmwatch“ und „Datenspende“ versucht herauszufinden, mit welchen Tricks Google seine personalisierten Rankings (Eli Pariser sprach von „Filter Bubbles“) erzeugt. Nur können Studierende im LIS-Bereich in ihren Rechercheübungen ihre unterschiedlichen Ergebnisse nicht auch vergleichen und analysieren?  Die Publizierung solcher Ranking-Ergebnisse könnte sicher zu einer LIS-Innovation beitragen. Vermutlich sollte sich nicht nur der Rat für Informationsinfrastruktur um den Erfolg einer Digital-Agentur kümmern.

 

Steilvorlagen für den Unternehmenserfolg

Warum die Schweizer Kollegen
auch kommen sollten

Die Macher und Organisatoren der „Steilvorlagen“-Veranstaltung nehmen in Statements auf YouTube zur Bedeutung der „Steilvorlagen“, dem diesjährigen Programm und zu den aktuellen und kommenden Herausforderungen für Information Professionals Stellung.

In einem zweiten Statement begründet Stephan Holländer, Mitglied des Arbeitskreises Informationsvermittlung, warum die Veranstaltung in Frankfurt auch für Schweizer Information Professionals ein Must Visit ist. Dafür gibt es zahlreiche Gründe.

Das Statement ist via YouTube frei abrufbar. Link zum Video-Statemtent >>

#infopro17

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