Open Password - Montag, den 17. Juli 2017

# 226

Kurt Matzler - Franz Bailom - Stephan Friedrich von den Eichen - Markus Anschober - Digital Disruption – Informationsbranche – Anna Knoll – London Info International – Uber – AirBnB – Whats App – Sharing Economy – Open Source – Industrie 4.0 – Digitales Geschäftsmodell – Google Nest – Start-ups – Wisdom of the Crowd – Information Professionals - ZB MED - TH Köln - Informationskompetenz - EBSCO - Accel5 - Soziale Kompetenzen - Best Practice - Erasmus - Informationswissenschaftliche Lehre - Open Educational Resources


Digital Disruption

Wie die digitale Disruption
die Informationsbranche verändern wird

Von Anna Knoll

Kurt Matzler, Franz Bailom, Stephan Friedrich von den Eichen, Markus Anschober: Digital Disruption – wie Sie Ihr Unternehmen auf das digitale Zeitalter vorbereiten. München: Vahlen, 2016. ISBN 978-3-8006-5378-2.

Der digitale Wandel ist in vollem Gange. Das hat Tracey Armstrong in ihrer Keynote auf der London Info International (LII) 2016 eindrucksvoll dargestellt. Und es wird das diesjährige Thema der „Steilvorlagen für den Unternehmenserfolg“ auf der Buchmesse im Oktober. Da passt das Buch „Digital Disruption“ von Kurt Matzler, Franz Bailom, Stephan Friedrich von den Eichen und Markus Anschober ins Bild.

Eine Disruption, also eine Zerstörung oder vollständige Verdrängung eines Produktes, Dienstleistung oder Geschäftsmodells, wird am ehesten über Beispiele deutlich. Und davon gibt es in dem Buch reichlich. So berichten die Autoren vom Untergang der Musikindustrie (Stichworte: Napster, iTunes, Youtube) und Fotoindustrie (Kodak) und den „Siegern“ des digitalen Wandels: den Start-ups. Die beiden „Vorzeige-Start-ups“, die immer wieder im Buch auftreten, Uber und AirBnB, zeigen, dass eine digitale Transformation sieben Eigenschaften aufweist:

• Exponentielles Wachstum: Whats App schaffte in zwei Jahren mehr Nachrichten pro Tag zu versenden als die SMS in zwanzig Jahren. Sehr eingängig ist die Anekdote von Ray Kurzweil, ein Reiskorn auf ein Schachbrett zu legen und auf jedem neuen Feld die Menge zu verdoppeln - so entwickelt sich die Computertechnologie derzeit.

• Kombinationen von Innovationen: Neue Technologien werden miteinander verknüpft und es entstehen unendlich viele neue Möglichkeiten.

• The Winner takes it all: je häufiger ein Produkt oder eine Dienstleistung von anderen Kunden genutzt wird, desto mehr an Wert gewinnt es/sie (Beispiel Whats App, Uber, AirBnB).

• Zero Marginal Cost: Die „Gratis-Ökonomie“ hat sich bereits überall dort durchgesetzt, wo Produkte digitalisiert sind (Bücher, Musik, Software, Games). Die „Sharing Economy“ und die „Open Source“-Philosophie befördern diesen Trend. Geld verdienen Unternehmen mit diesen Produkten oft nur über Premium-Zugänge oder Werbung.

• Minimale Transaktionskosten: Fallende Transaktionskosten versetzen Konsumenten in die Lage, Produkte selbst zu entwickeln und zu produzieren.

• Zugang zu Ressourcen ist wichtigerals deren Besitz: Abermals zeigen die Paradebeispiele Uber und AirBnB die Vorteile auf: hohe Flexibilität, geringe Fixkosten und Skalierbarkeit.

• Personalisierung und Dezentralisierung: Man denke an das selbst konfigurierbare Auto oder 3D-Drucker, die die eigene Prothese drucken.

Die Digitalisierung hat laut den Autoren drei Ebenen: Zuerst werden Produkte und Dienstleistungen digitalisiert. Dies ist heute nichts Neues mehr, Staubsaugerroboter oder mit Sensoren ausgestattete Laufschuhe sind bekannt. Die nächste Stufe ist die Digitalisierung von Prozessen und Entscheidungen, auch Industrie 4.0 genannt. Diese Ebene hat sich noch nicht durchgesetzt. Große Unternehmen sehen die Vorteile von Künstlicher Intelligenz in Maschinen, und in den Bereichen Lageroptimierung und Automatisierung der Fertigung, tun sich aber schwer mit der Umsetzung. Die dritte Stufe ist das digitale Geschäftsmodell mit neuen Ertragslogiken. Als Beispiel hierfür nennen die Autoren Google Nest, dessen Thermostate mit Sensoren und Aktuatoren ausgestattet sind und laufend Verbraucherdaten sammeln. Der Energieverbrauch kann so automatisch gesenkt und reguliert werden. ‚

________________________________________________________________________

„Der beste Schachspieler ist weder der Mensch noch der Computer. Es ist die Zusammenarbeit zwischen Mensch und Maschine.“

________________________________________________________________________

Im zweiten Teil des Buches geben die Autoren Tipps, was Unternehmen konkret tun können, um einem Scheitern á la Kodak zu entgehen. Zum einen muss zuerst zwischen einer Disruption und einer Weiterentwicklung unterschieden werden. Ersteres ist eine völlige Neuerung eines Produkts oder Dienstleistung, z.B. das Tablet oder das Elektroauto. Eine Weiterentwicklung oder Verbesserung ist z.B. die CD oder der Laptop. Letzteres machen viele erfolgreiche Unternehmen und verdienen damit womöglich viel Geld. Um aber einer Disruption zu entgehen, müssen sie mutiger werden und zumindest in disruptive Technologien investieren. Start-ups eignen sich hervorragend für eine solche Investition: Sie folgen bedingungslos und risikobereit einer Idee, sind agil und haben große Wachstumschancen. Großunternehmen haben keine dieser Eigenschaften, aber sie haben Geld, Macht, Stabilität und beherrschen womöglich den Markt.

Die Autoren raten außerdem, die eigenen Mitarbeiter mehr mitentscheiden bzw. sich einbringen zu lassen. Eine viel gehörte Anekdote, die Schätzung des Gewichts eines Bullen auf einem Fleischmarkt in England Anfang des 20. Jahrhunderts, belegt die Theorie „Wisdom of the crowds“, die Weisheit der Vielen. Ein weiterer Tipp der Autoren lautet, die Komfortzone zu verlassen und neue Kontakte außerhalb seines Netzwerks zu knüpfen. Nur so kann man überraschende neue Ideen entwickeln und abseits der ausgetretenen Pfade denken (auch hier haben die Autoren sehr einleuchtende Beispiele gewählt).

Das kurze Buch (knapp 120 Seiten) liest sich flüssig und wirkt durch die interessanten Beispiele sehr anschaulich. Auch wenn der letzte Teil etwas zu sehr an einen Workshop für Innovationsmanagement erinnert, können auch Information Professionals viel aus diesem Buch mitnehmen. Die Digitalisierung wird sich nämlich nicht nur auf große Unternehmen auswirken, sie wird uns alle betreffen. Berufe werden durch die Digitalisierung verschwinden, andere neu entstehen. Aber es wird vor allem wichtig werden, wie Mensch und Maschine miteinander kommunizieren. Im Einleitungstext wird das Schachspiel Kasparov gegen IBM Deep Blue angesprochen. Die Autoren schreiben: „Mittlerweile weiß man aber auch, dass der beste Schachspieler weder der Mensch noch der Computer ist. Es ist die Zusammenarbeit zwischen Mensch und Maschine.“ Und genau hier liegt eine Chance für Information Professionals, wie sie ihre Kompetenzen für sich und ihre Unternehmen erfolgreich einsetzen.

ZB MED

Gemeinsame Professur
zur Informationskompetenz

ZB MED und TH Köln haben eine Kooperationsvereinbarung geschlossen. In einem ersten Schritt schreiben die Partner eine gemeinsame Professur zur Informationskompetenz aus. Diese wird bei ZB MED die Leitung des Bereiches Informationsdienste mit dem Suchportal LIVIVO übernehmen.

Mit der neuen Professur wollen die Partner die gemeinsame Forschung zur Informationskompetenz stärken und neue Akzente in der Lehre setzen. Für Studierende der TH Köln werden Möglichkeiten geschaffen, Studienarbeiten zu Fragestellungen von ZB MED zu schreiben.


EBSCO 

Verbesserung sozialer Kompetenzen
in weniger als fünf Minuten

Accel5 ist eine neue Micro-Lernlösung, um Mitarbeiter unter Zeitdruck zu helfen, ihre sozialen Kompetenzen zu verbessern. Das Tool unterstützt kontinuierliches selbstbestimmtes Lernen durch die Bereitstellung von Best Practices führender Wirtschaftsautoren, Coaches und Führungskräften. Die Inhalte sind so konzipiert, dass sie nur fünf Minuten oder weniger Zeit in Anspruch nehmen.

 Accel5 ermöglicht Mitarbeitern auf einzigartige Weise, von den Besten der Besten zu lernen - mit Hilfe von drei verschiedenen Formaten: Videos, Buchzusammenfassungen und Artikeln. Neue Videos berücksichtigen Bücher von herausragenden Autoren und Verlagen, darunter Harvard Business Review Press. Sie werden in Audio- und Textformaten mit Fokus auf die wichtigsten Schlussfolgerungen zusammengefasst. Artikel aus Top-Wirtschaftsmagazinen liefern wichtige Erkenntnisse. Konzepte, Theorien und Ideen sollen sofort in die Praxis umgesetzt werden können. Täglich werden neue Inhalte hinzugefügt. Optimiert für mobile Nutzung.


Erasmus 

The Future of Education
in Information Sciences 

Call for Papers: 10.-11. September, International Symposium on the Future of Education in Information Sciences (FEIS 2018) in Trägerschaft von Erasmus und EINFOSE in Pisa - http://feis2018.di.unipi.it  - Vorgeschlagene Themenscherwerpunkte sind:   

* Educational trends in higher education worldwide

* Information professionals in changing and challenging digital environment (new profiles, old skills and new competencies, social role)

* Entrepreneurship and the information professional

* Reminiscing about the future of professional education

* Ethical values in IS (Universal access, collaboration, intellectual freedom, fairness)

* Multidisciplinarity issues and relation with other sciences (Computer Sciences, Digital Humanities, Economics, etc.)

* Best educational practices and current challenges

* Software tools and platforms for collaborative learning and teaching

* Open educational resources

* Role and responsibility of archives, libraries and documentation centers in higher education

* Entrance into the labour market of IS graduates.

Aus dem Archiv

Push-Dienst Archiv 2016/2017

Push-Dienst Archiv 2016 Frisch per E-Mail: Aktuelle Beiträge und Meldungen Mit dem Password Push-Dienst sind sie bestens informiert. Kostenfrei und regelmäßig informiert der Newsletter über die Informationsbranche. Per Klick können Sie den jeweiligen Push-Dienst öffnen. April 2016 Gescheiterter Protest - 5 vor dem Komma - Wochenrückblick Unternehmensbibliotheken zwischen Neupositionierung und Überlebenskampf Welcher Interessensverbund vertritt die Information Professionals? Oh wie schön …

Mehr...

Mit einem Klick 

Danke sagen

Open Password ist kostenfrei. Sie können die Redaktion unterstützen. Wie Sie dies ohne großen Aufwand machen können - lesen Sie hier!

---