Open Password - Freitag, den 5. Mai 2017

 #195

Wissenschaftliche Bibliotheken – Oliver Renn – Ray Oldenburg – Vierter Ort – Management von Bibliotheken – Jeroen Bosman – Bianca Kramer - Xing – E-Recruiting – New Work Experience - e.ventures – Datenschutz – Smartphone – Online-Anbieter - Christian Leybold


Briefe

Bessere Stellensituation für InfoPros
- zumindest in Berlin-Brandenburg

Lieber Herr Bredemeier,

es hat mich sehr gefreut, Sie wiedermal in Berlin gesehen zu haben. Unser Gespräch ist mir noch lange durch den Kopf gegangen, vor allem, was die Arbeitsmarktlage für Informationsdienstleister betrifft.

Ich zähle ja zu jeder Mitgliederversammlung die Stellenanzeigen aus, die wir in dem vergangenen Jahr über die BAK-Mailingliste versandt haben. Dabei habe ich festgestellt, dass wir 2016 80 Stellenanzeigen mehr als 2015 gepostet haben. Gleichzeitig haben zwei Vorstandsmitglieder, die mehrere Jahre arbeitslos waren, 2016 eine neue Arbeitsstelle gefunden und inzwischen auch die Probezeit hinter sich. Eine andere Vorstandskollegin und ich haben ebenfalls eine neue Arbeitsstelle Anfang 2017 begonnen.

Es sieht zumindest in Berlin-Brandenburg nicht ganz so finster aus.

Tania Estler-Ziegler, Berliner Arbeitskreis Information


Bibliotheken

Die wissenschaftliche Bibliothek
als neuer, vierter Ort:

Warum?

Von Oliver Renn (Zürich)

Bibliotheken, insbesondere wissenschaftliche, kämpfen um Aufmerksamkeit, ja um ihre Berechtigung, und versuchen ihre Rolle neu zu definieren oder alte – nicht notwendigerweise schlechte – Werte zu verteidigen. Manche definieren sich über ihre erhaltende, bewahrende Funktion als Archiv, andere versuchen, als Unterstützer von Open Science die Forschenden zu unterstützen. Andere definieren sich – im Sinne von Ray Oldenburg – als „Dritter Ort“, als Ort zwischen Arbeitsplatz und Wohnung. Und dies in einer Zeit, in der Arbeitsplatz und Wohnung ineinander übergehen. Versuche, die wissenschaftliche Bibliothek neu auszurichten, gibt es viele und ein idealer Weg ist nicht abzusehen. Dafür sind sicherlich auch die Rahmenbedingungen jeder Bibliothek zu unterschiedlich.

Klar ist aber, dass es heute eigentlich dringender denn je einen Mittler braucht. Ein Vermittler zwischen der Information, den Möglichkeiten der Informationsnutzung und dem Nutzer der Information.

Die Bibliothek war dieser Mittler. Allerdings war diese Mittleraufgabe vergleichsweise trivial. Zur erfolgreichen Vermittlung waren nur Behälter (Regale) und Hinweise (Kataloge) nötig. Der Weg vom gedruckten Wissen in den Kopf der Wissenschaftler und in die Anwendung war vergleichsweise einfach.
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Als Kompetenzraum für Nutzung dafür sorgen, dass die noch ungeahnten Möglichkeiten tatsächlich genutzt werden.
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Heute, in der digitalen Welt, sind die Möglichkeiten, Informationen zu nutzen, ungleich grösser. Die Fähigkeiten, die notwendig sind, um die neuen, teilweise überwältigenden Möglichkeiten zu nutzen, lassen sich nicht mehr so leicht aneignen wie jene, die zur Nutzung gedruckter Literatur notwendig sind – dazu gehören übrigens auch klassische e-Books. Es braucht, wie früher, Mittler. Warum sollten diese nicht die Bibliotheken sein, als „Vierter Ort“, der als Kompetenzzentrum für die Nutzung wissenschaftlicher Information dafür sorgt, dass die heute ungeahnten Möglichkeiten auch wirklich genutzt werden?

Die Tatsache, dass diese Möglichkeiten ungeahnt sind, ist leider aber auch der Grund, warum sich Bibliotheken – wie ohnehin jede zentrale, als administrativ bezeichnete Einheit – so schwertun, überzeugend für sich zu werben. Egal unter welchen Namen bzw. Flagge segelnd, egal ob im akademischen Umfeld oder innerhalb eines Unternehmens: Auch auf der Ebene des Senior Managements sind diese neuen Möglichkeiten nie angekommen und damit bleibt es beim Bild des Bücherspeichers, um den sich stille Menschen kümmern. Warum sich das Bild nicht ändert? Alleine der Zeitmangel auf der Managementebene sorgt dafür, dass die Chance, sich über die neuen Möglichkeiten der Informationsnutzung informieren zu lassen, nicht wahrgenommen wird. Eine Zusage, sich das einmal anzuhören, wird in der Regel zurückgezogen, da Dringenderes ansteht, bei Bibliotheken ja nichts anbrennen kann und diesen als Infrastruktureinrichtung eine ähnliche Bedeutung wie die der Gebäudeunterhaltung zugemessen wird – also nichts, mit dem sich die Senior Manager beschäftigen müssen. Und damit bleibt es bei dem historischen Bild.
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Die entscheidende Änderung kann nur über die potenziellen Nutzer kommen.
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Eine Änderung kann nur über die potentiellen Nutzer erfolgen. Diese müssen merken, dass es heute Möglichkeiten gibt, durch effizienten und effektiven Einsatz von Information Retrieval, Information Management, Knowledge Discovery und Knowledge Management bessere Ergebnisse zu erzielen und Zeit zu sparen. Dazu braucht es aber andere Bibliotheken, andere Konzepte, andere Formate, andere Fähigkeiten und auch andere Mitarbeiter. Dann werden Umfragen wie die von Jeroen Bosman und Bianca Kramer (https://101innovations.wordpress.com) künftig andere Ergebnisse liefern.

Lesen Sie in der nächsten Folge: Die wissenschaftliche Bibliothek als neuer, vierter Ort: Scouting, Recommending, Implementing

 

Anbieterinformationen


XING

567.000 neue Mitglieder im ersten Quartal,
das sind 12 Millionen Mitglieder insgesamt

 

Rapides Wachstum im E-Recruiting

Das berufliche Netzwerk XING (Hamburg) steigerte seinen Gesamtumsatz im ersten Quartal 2017 um 23 Prozent auf 42,2 Mio. €. Im Segment B2C erzielte XING ein Umsatzwachstum von 12 Prozent und kam damit auf 20,5 Mio. €. Das Segment B2B E-Recruiting war erneut der größte Wachstumstreiber. Mit seinen Services zur Personalsuche erlöste XING 17,1 Mio. €, das sind 40 Prozent mehr als im Vorjahr. Das Geschäftssegment B2B Advertising & Events steigerte seine Umsatzerlöse um 23 Prozent auf 3,6 Mio. €.

Das EBITDA stieg im Berichtszeitraum um 15 Prozent auf 12,0 Mio. €. Grund hierfür waren die erhöhten Marketingausgaben für eine Out-of-home-Kampagne und das Event „New Work Experience“ in Berlin. Der Gewinn sank wegen der Investitionen für den Aufbau einer US-Präsenz von 5.3 auf 5,1 Mio. €.

Im März erreichte XING die Marke von 12 Millionen Mitgliedern. Das Mitgliederwachstum lag im ersten Quartal bei 567.000 neuen Mitgliedern, so viele wie noch nie zuvor in einem Quartal.  

Im ersten Quartal fand das Event „New Work Experience“ mit knapp tausend Gästen aus Wissenschaft, Gründerszene, Personalwesen und Medien und über 80 Referenten statt. Der XING-Messenger bietet Nutzern jetzt die Möglichkeit, den gesamten Kommunikationsverlauf mit einem Kontakt auf einen Blick nachvollziehen und per Häkchen zu sehen, ob eine Nachricht bereits gelesen wurde. 

 e.ventures

Viele Bundesbürger ohne große
Datenschutzbedenken

Die digitalen Wettbewerber werden stärker

Vier von zehn Bundesbürgern sind bereit, private Daten an Online-Dienste weiterzugeben, wenn sie dafür einen deutlichen Mehrwert in Sachen Mehrwert in Sachen Funktionalität, intuitive Bedienung und nahtlose Einbindung in ihr digitales Leben erhalten. Bei den 18- bis 34-Jährigen sind dies sogar 51%. Das ist ein zentrales Ergebnis der Umfrage unter 1000 Bundesbürgern im Auftrage der Venture-Capital-Gesellschaft e.ventures (Hamburg).

44 % aller Bundesbürger und 57% der 18- bis 34-Jährigen möchten ihre Heimelektronik wie Licht und Musik lieber über ihr Handy steuern als sich in die Anwendungen der Hersteller einzuarbeiten. 56% trauen Google Maps eher zu, sie ans Ziel zu bringen, als dem Navigationssystem in ihrem Auto. Geschäftsführer Christian Leybold folgert: "Die neuen Anbieter schieben sich zwischen ihn und den Kunden. Die bisherigen Hersteller der Produkte werden von der neuen Marke zum Lieferanten degradiert. Der digitale Wettbewerber und seine Marke haben den direkten Kundenzugang". – Weitere Ergebnisse unter: http://www.eventures.vc/news/umfrage-daten-onlinedienste/



Briefe (2)

Öffnen und bereichern Sie
Ihr Sammlungen!

Lieber Herr Bredemeier,

wir möchten Sie herzlich zu folgender Veranstaltung des „BAK Information“ einladen:

„Öffnen und bereichern Sie Ihre Sammlungen“ – Ein Seminar der Deutschen Kinemathek in Zusammenarbeit mit Axiell

Archive, Bibliotheken und Museen haben Sammlungen, die für Forschung, Bildung und ein breites interessiertes Publikum wertvolle Einsichten bergen. Um das Potenzial der Sammlungen wirklich zu entfalten, bedarf es jedoch eines vertieften Verständnisses der digitalen Gesellschaft sowie einer klaren digitalen Strategie. Wie können Kulturerbe-Einrichtungen ihre Daten besser verwalten und ein größeres Publikum mit ihren Sammlungen erreichen? Und welche Werkzeuge gibt es dafür in ausgereiften Sammlungsmanagement-Systemen?

In diesem Seminar berichtet die Deutsche Kinemathek von der Migration der Film- und Bestandsdatenbanken und stellt Web-Projekte vor, die mit dem neuen System realisiert wurden. Axiell präsentiert anhand von Best-Practice-Beispielen, wie andere Einrichtungen ihre Sammlungen digitalisieren, anreichern, verknüpfen und zugänglich machen. Abgerundet wird das Seminar mit einer Präsentation des browserbasierten Sammlungsmanagement-Systems Axiell Collections.

Die Veranstaltung findet am Dienstag, den 09. Mai 2017 von 13:00 bis 16:30 Uhr in der Deutschen Kinemathek - Museum für Film und Fernsehen, Potsdamer Straße 2, 10785 Berlin statt.

Das vollständige Programm der Veranstaltung finden Sie auf unserer Website unter "Aktuelle Veranstaltungen".

Die Veranstaltung ist kostenlos. Bitte melden Sie sich trotzdem über unsere Website oder über die Anmeldeseite der Deutschen Kinemathek/Axiell an.

Wir freuen uns auf Ihr Kommen.

            Mit freundlichen Grüßen Tania Estler-Ziegler, Berliner Arbeitskreis Information (BAK)

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