Open Password - Dienstag, den 11. April 2017

#186

Informationsmarketing – Walther Umstätter – Preispolitik – Fake News – inetbib - March for Science – Smart Home – YouGov – Coquon – Google - Digitale Information und Manipulation – Dirk Lewandowski – HAW - Google – Sentimentanalyse – Populismus - Online-Training – Claudia Olewinski – GBI-Genios

 

Replys

Zur Vermarktung von Information
und zur geistigen Unterversorgung
der Empfänger

Von Walther Umstätter

Zu Open Password, 5. April: Praxishandbuch „Informationsmarketing“

Mit einer gewissen Hoffnung auf Fortschritte in der Informationsbranche las ich in Open Password vom 5. April unter anderem den Satz: “Die Vermarktung von Information und von Information Services ist dabei aufgrund ihrer besonderen Merkmale herausfordernd“, da ich darin eine Abkehr der alten Behauptung „Information ist eine Ware“, im Sinne von „wie jede andere“, sehe.

Stattdessen wird Information immer öfter vom Sender gesponsert, so auch in den meisten Open-Access-Angeboten. Oft wird noch ein fragwürdiger Obolus von den Empfängern eingefordert, damit diese glauben, den Informationswert bezahlt zu haben. Jedermann kann aber beobachten, dass wir z. B. bei Büchern nicht den Inhalt bezahlen. So lässt sich eine Korrelation von Qualität und Preis nicht nachweisen. Auch wenn also wissenschaftliche Bücher meist teurer als beispielsweise gedruckte Romane sind, so liegt das an der Höhe der Auflage bzw. der Nachfrage, aber nicht an der Qualität. Dass die Preise von Erstausgaben weit höher sind, als ihre Nachdrucke, belegen ebenfalls, dass es nicht um den Inhalt von Druckwerken geht. Wer schon mal versucht hat, alte Bücher zu verkaufen, weiß, dass die Ergänzung mit Randnotizen den Preis meist mindern und nicht erhöhen, nicht einmal dann, wenn es wichtige Berichtigungen sind.

Die wachsende Verschiebung des Informationsmarketings von der Empfängerseite zur Senderseite, die wiederholt mit dem Schlagwort „Freibiermentalität“ (http://blog.bibliothekarisch.de/blog/tag/freibiermentalitaet/) diskreditiert werden soll, geht auf ein altes Problem der Informationswissenschaft zurück. Eine Information, einmal in die Welt gebracht, kann heute annähernd kostenlos beliebig redundant gemacht werden, so dass die alte Preisgestaltung, die auf Angebot und Nachfrage beruhte, außer Kraft gesetzt werden kann. Vorausgesetzt, man verknappt nicht mit allen erdenklichen politischen, rechtlichen oder technischen Tricks die Angebote, nur um ein völlig veraltetes Marketing aufrecht zu erhalten. Das funktioniert nur so lange, bis sich allgemein herumspricht, dass sich dahinter inzwischen nur eine Reihe von Fakes verstecken. 

So gesehen ist es kein Wunder, dass immer mehr Menschen weltweit aufmüpfig werden, wenn sie erkennen, dass man sie nur aus Egoismus und monopolistischen Gründen geistig unterversorgt. Sicher gibt es auch in Zukunft noch Informationen, die von den Empfängern nachgefragt und bezahlt werden, aber ihre Bedeutung nimmt mit den fallenden Kopierkosten in der digitalen Welt immer weiter ab.

22. April,
March for Science

Mitmarschieren! Machen wir Trump, Erdogan und Konsorten einiges klar!

Gerade hat Password-Autor Walther Umstätter in inetbib dazu aufgerufen, auf dem „March for Science“ mitzumarchieren, gerade auch dann, wenn man wissenschaftlich oder wissenschaftsnah tätig ist (siehe auch (http://marchforscience.de/auch-in-deiner-stadt/). Unter anderem schreibt er:

„Es gibt aber durchaus gute Gründe, auch als wissenschaftlich interessierter Mensch am “March for Science” teilzunehmen, um beispielsweise auch Menschen wie Trump, Erdogan und vielen anderen deutlich zu machen, dass sich in der Wissenschaftsgesellschaft postindustrieller Länder, sdie Zahl anwissenschaftlich Tätigen langsam von einer Minderheit zu einer Mehrheit wandelt. Sie werden damit auch für Populisten immer interessanter. Einige sprechen schon von „Akademisierungswahn“(www.ib.hu-berlin.de/~wumsta/infopub/BAK14b_Vortrag.pdf) weil sie unterschätzen wie mächtig und unaufhaltsam dieser Trend seit Jahrhunderten voranschreitet. Wer also am 22. April gerade nicht zu forschen hat, sollte wohl in der nächst besten Stadt (http://marchforscience.de/auch-in-deiner-stadt/) mitmarschieren.“

 

Smart Home

Drei von vier Bundesbürgern
wünschen sich ein Smart Home

74% der Bundesbürger würden gern in einem Smart Home leben. Das geht aus einer repräsentativen Umfrage von YouGov im Auftrag von Coquon hervor.

45% sind bereit, in Sicherheit rum um die Wohnung zu investieren, also zum Beispiel in Bewegungsmelder, Fensterkontakte und Lichtsteuerung. Das Thema Energieersparnis rangiert mit 43% auf Platz zwei, gefolgt von der Alarmierung der Bewohner im Notfall (36%), Kameraüberwachung (34%) und Komfortlösungen (28%). 47% der Männer und 39% der Frauen möchten in intelligente Heizungen investieren. 27 Prozent der Männer und 15% der Frauen würden ihre Unterhaltungselektronik gern intelligent vernetzen.

Internet bevorzugte Informationsquelle. 53% der Männer und 46% der Frauen informieren sich zunächst über das Internet. Zweitwichtigste Anlaufstelle für Männer und Frauen ist mit 39% der Fachhandel, gefolgt vom Elektro-Handwerk mit 28%. 23% holen vorab zunächst im Freundes- und Bekanntenkreis Informationen ein.

Vorbehalte gegenüber den Kosten. 45% der Männer und 40% der Frauen sind der Meinung, dass „smarte Lösungen zu teuer“ sind.  46% möchten auf "smarte Helfer" in Autos wie Türschloss-Fernbedienung, Licht- und Scheibenwischer-Sensorik oder Klimaanlage nicht mehr verzichten. 49% ist nicht bekannt, dass es Förderungsmöglichkeiten gibt.

Briefe (2)

HAW: Digitale Information und Manipulation

Lieber Willi,

ich organisiere in diesem Semester eine Ringvorlesung, die auch für Open-Password-Leser (in der Region Hamburg) interessant sein dürfte. Es wäre nett, wenn Du die untenstehende Ankündigung in den Pushdienst aufnehmen könntest.

Vielen Dank & Grüße Dirk (Lewandowski)

Öffentliche Ringvorlesung

„Digitale Information und Manipulation“ 

20. April - 22. Juni 2017
Immer donnerstags von 18:00 - 19:30 Uhr

Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg
Kunst- und Mediencampus Finkenau 

www.ringvorlesung.info

In den aktuellen Informationsumgebungen des Internet stellen sich Fragen nach Information und Manipulation auf eine neue Weise: Welche Rolle spielen manipulierte Nachrichten in Facebook oder Google für die öffentliche Meinungsbildung? Wie werden wir im Netz beeinflusst, ohne dass uns das bewusst ist? Wie kann die Manipulation von Informationen und Informationssystemen vielleicht auch zum Guten eingesetzt werden? Und letztlich: Wie zuverlässig sind eigentlich die Tools des Internet (vor allem Google und Facebook), wenn wir wissen, dass erheblicher Aufwand betrieben wird, um die dort angezeigten Ergebnisse bzw. Meldungen zu manipulieren? Und wer hat hier überhaupt ein Interesse zu manipulieren? Im Rahmen der Ringvorlesung sprechen namhafte Expertinnen und Experten über ihre Forschungsergebnisse und Tätigkeiten im Umfeld von Information und Manipulation.

Das klingt interessant? Alle Interessierten sind herzlich eingeladen! Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Stets aktuelle Informationen zum Programm sind unter www.ringvorlesung.info zu finden.

Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg, Kunst- und Mediencampus Hamburg
Finkenau 35, 22081 Hamburg. Die Veranstaltung findet im Forum Finkenau (Neubau) statt.
Die Ringvorlesung wird organisiert von Prof. Dr. Dirk Lewandowski, Department Information.

PROGRAMM

20.4.
Search Engine Bias - sollen wir Googles Suchergebnissen vertrauen?
Prof. Dr. Dirk Lewandowski, Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg

27.4.
Schöne Neue Datenwelt: Daten, Wissen, Werte & Gesellschaft
Prof. Dr. Judith Simon, Universität Hamburg 

4.5.
Wie gefälschte Meinungsäußerungen mittels Sentimentanalyse entlarvt werden können
Prof. Dr. Melanie Siegel, Hochschule Darmstadt

11.5.
Extremistische Gehirnwäsche 4.0: Wie Verfassungsfeinde das Netz als Propaganda-Medium nutzen
Marco Haase, Landesamt für Verfassungsschutz Hamburg

18.5.
Wie bewerten Nutzer Informationen im Netz? Einflussfaktoren auf Quellenbewertungen bei der Informationsrecherche im Internet
Dr. Yvonne Kammerer, Leibniz-Institut für Wissensmedien, Tübingen 

25.5.
Feiertag

1.6.
Fake News, Algorithmen und Filterblasen: Journalismus und Öffentlichkeit im Zeitalter der Digitalisierung
Prof. Dr. Christian Stöcker, Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg 

8.6.
Politiker und Social Media - Wovon wird der Wahlkampf im Netz beeinflusst?
Dr. Kay Hinz; neues handeln GmbH - Kommunikation für gesellschaftliche Themen Berlin

15.6.
Fake News bekämpfen
Albrecht Ude, Freier Journalist, und Fiete Stegers, Norddeutscher Rundfunk (NDR)

22.6.
Wie man seinen guten Ruf wiederherstellt - zwischen Recht auf Vergessen und Reputationsmanagement
Prof. Dr. Johannes Caspar, Der Hamburgische Beauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit
Bruno Schmidt, aspector, Hamburg

 

Briefe (2)

Optimale Nutzung von Recherchemöglichkeiten

Sehr geehrter Herr Bredemeier,

GENIOS ist eine der wichtigsten Informationsressourcen im deutschsprachigen Raum und ein mächtiges "Arbeitswerkzeug". Im Handumdrehen lassen sich alle wichtigen Fakten und Informationen ziehen - vorausgesetzt, man kann richtig damit umgehen.

Wie Sie dieses intelligente System konsequent zu Ihrem Vorteil nutzen, zeigen wir Ihnen in unserem Seminar. Übrigens auch ein optimaler Einstieg für neue Mitarbeiter! Inhalte:

• Überblick über das Quellenportfolio
Insbesondere Firmeninformationen, Marktdaten, Presse

• Recherche mit GENIOS

Umgang mit den verschiedenen Recherchefunktionen, Einrichten automatischer Monitorings u.v.m.

• Aufsetzen von Suchanfragen
Präzisieren Sie Ihre Suche mit der richtigen Verwendung von Operatoren

Vierstündiges Präsenzprogramm – Umfassendes Seminarprogramm – Erfahrener Trainer – Ausführliche Schulungsunterlagen – Teilnehmerzertifikat, Verpflegung – Preis: 129 €.

Berlin, 9. Mai – Düsseldorf, 10. Mai – Frankfurt, 10. Mai – Hamburg, 8. Mai – München, 11. Mai.

Damit wir konkrete Informationsfälle bearbeiten können und ausreichend Zeit für Ihre Fragen haben, bieten wir das Seminar in kleinen Gruppen von maximal zwölf Teilnehmern an.

Herzliche Grüße aus München! Claudia Olewinski, GBI-Genios

  

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