Open Password - Freitag, den 27. Januar 2017

# 153

APE 2017 – Elisabeth Simon – Arnoud de Kemp – Open Access – Ralf Schimmer – Peer Review – Wissenschaftsverlage – Wissenschaftliches Publizieren – Wissenschaftliche Ethik – Vertrauenskrise – Transparenz – Integrität – DGI – Bibliothekartag – Sigrid Riedel – D 21 – E-Leihe – Akademie der Medien - Leonie Rouenhoff


APE 2017 (3)

Siegeszüge von Open Access,
aber wie sieht das künftige Publikationssystem aus?

Noch nie war die Wissenschaftsgemeinschaft
durch ethische Einbrüche und
steigende Regulierung
so sehr gefährdet

Europäische Initiativen und damit die APE
notwendiger denn je

Von Elisabeth Simon

Publishing Ethics: Doing the Right Thing - Doing Things Right - Academic Publishing in Europe (APE) 2017, am 17. und 18. Januar im Leibniz Saal der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften.

Diese Konferenz mit gesamteuropäischem Focus auf deutschem Boden ist nach wie vor wichtig, da wir im Zeitalter von Fake News und Donald Trump und wegen weiterer Entwicklungen in den USA mehr denn je auf europäische Initiativen angewiesen sind. In der Tat waren die wichtigen Player aus Großbritannien, den Niederlanden und Deutschland, auch aus den USA, vertreten. Aus Mitteleuropa war Litauen zu Gast. Leider steht einer weiteren Expansion das Sprachenproblem entgegen, seitdem das Englische das Deutsche als Lingua Franca ersetzt hat. Die mangelnde Beteiligung an der Konferenz ist aber kein Indiz für ein mangelndes Interesse an einer Tagung über Wissenschaftsinformationen, geschweige für eine mangelnde Nutzung von Wissenschaftsdaten.

Arnoud de Kemp, Creator und Organisator dieser jährlichen Winterkonferenz in Berlin, scheint einen sechsten Sinn für Doing the Right Thing und Doing Things Right zu haben. Gelang es ihm doch mit dieser Konferenz mit 39 Beiträgen die Zuhörer und Diskutanten so zu fesseln und sogar zu unterhalten, dass man am Ende nicht nur mit vielen Ideen und Fragen die schönen Räume der Akademie der Wissenschaften verließ, sondern auch wusste, dass für die wissenschaftlichen Verlage eine neue Zeit angebrochen war. Diese wurde zwar schon auf der APE 2016 angekündigt, aber jetzt war es höchste Zeit, alte Strategien zu hinterfragen und neue zu entwickeln. Dazu gab die Konferenz viele Anregungen, was besonders für jene galt, die sich anhand der klugen Abstracts und der Profile der aktiven Teilnehmer gut vorbereitet hatten.  

Dr. Ralf Schimmer, Max-Planck-Gesellschaft (Digitale Bibliothek), hatte bereits auf der APE 2016 die Entscheidung der Max-Planck-Gesellschaft begründet, Open Access zu dem vorrangigen Modell wissenschaftlicher Publikationen zu machen. Wurde sein Vortrag 2016 noch von einem hörbaren Grummeln begleitet, das während der Kaffeepausen zu einem lauteren Chor anschwoll, so hatte er diesmal ein Heimspiel, nachdem das Open-Access-Modell von der Deutschen Forschungsgemeinschaft, der Leibniz Gemeinschaft und der Helmholtz-Gesellschaft übernommen worden war und die Bewilligung von Förderanträgen mit der Maßgabe verbunden wird, die entstehenden Forschungsdaten open access zu stellen. Diesmal wies Schimmer mit harten Zahlen zu den naturwissenschaftlichen Veröffentlichungen die monetäre Vorteilhaftigkeit von Open Access nach. Da die Schlacht mittlerweile gewonnen ist, musste auf die politischen Beweggründe der Open-Access-Bewegung, die mit der Erklärung von Budapest und Lawrence Lessigs „Free Culture - How Big Media Uses Technology and the Law to Lock Down Culture and Control Creativity“ (New York 2004) begonnen hatte, kaum mehr eingegangen werden.

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Was hauptsächlich aufzubauen und aufrechtzuerhalten ist: Transparenz und Integrität.

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Beim zweiten großen Tagungsthema, der Peer Review, wurde beispielsweise in „Technical Peer Review – Standardized Peer Review“ gefragt, inwieweit sich Peer Reviews automatisieren lassen. Gelangen die Roboter auch bis hierhin und nicht weiter? Eine weitere Frage: Soll die Peer Review flächendeckend auf einzelne Kapitel von Büchern ausgeweitet werden? Dr. Usebrand (Aalbergsberg) sagte in seinem Beitrag „Safeguarding the Integrity of Research“, dass es in der Wissenschaftsgemeinschaft auch in einer relativen Betrachtung noch nie so viele schlechte Veröffentlichungen gegeben habe. Viele Papers enthielten offensichtliche Fehler. Noch nie gab es (abermals relativ gesehen) so viele zurückgezogene Veröffentlichungen. Wenn Beiträge in Print und Beiträge in elektronischer Form unterschiedlich bewertet werden, habe dies noch etwas mit der Bewertung von Inhalten zu tun?

Auch müsse den veröffentlichenden Einrichtungen eine Mitschuld an der sinkenden Qualität der Wissenschaftskommunikation gegeben werden. Wenn die Wissenschaftsverwaltungen gegenüber den Wissenschaftlern weiter an Boden gewönnen und sich diese stärker an die Opportunitäten ihrer Regulierer zu orientieren hätten, schadete dies letztlich ihrer Kreativität und ihrer Ethik, die sich in einem sich selbst regulierenden System entwickelt und entfaltet habe. Man denke an die Wissenschaftler aus manchen Schwellenländern, die während ihrer Aufenthalte in westlichen Ländern wertvolle Beiträge geleistet hätten und von denen man nach ihrer Rückkehr nichts mehr gehört habe. Diese Gesamtlage trüge zur Entstehung eines generellen Misstrauens gegenüber der Wissenschaft bei.

Daher sei ein qualifikatorisches Training für die Wissenschaftler zu fordern, insbesondere bei der Übernahme statistischer Daten und Bildern. Solches erfordert eine gute Zusammenarbeit mit den wissenschaftlichen Zeitschriften, was teilweise erst organisiert werden muss. Über die Lösung technischer Probleme sollte aber nicht vergessen werden, was hauptsächlich aufzubauen und aufrechtzuerhalten ist: Transparenz und Integrität. Ohne diese sei ein Fortschritt in Wissenschaft und Forschung kaum möglich.

Die APE-Konferenz ist ein guter Barometer, wie weit die Wissenschaftsverlage mit ihrer Verteidigung alter Geschäftsmodelle und dem Aufbau neuer Geschäftsmodelle (und der Verteidigung ihrer Renditen gekommen sind) und wie es um den Klimawandel zwischen Wissenschaftsverlagen und Wissenschaftlern steht, nachdem sich mit der Open-Access-Bewegung Risse gezeigt haben. Ob das nun auslaufende Subskription-Modell durch Plattformen der Verleger ersetzt und so eine neue wissenschaftliche Veröffentlichungslandschaft aufgebaut werden kann, bleibt zu erörtern. Auch die Frage nach neuen Wegen der Finanzierung von Publikationen ist offen. Hier zielt das Projekt Horizon 2020 von ERC auf Veröffentlichungen in Repositorien.


Briefe 

DGI mit besonderem Engagement
auf dem Bibliothekartag 

Lieber Herr Bredemeier, 

die DGI ist dieses Jahr Aussteller beim Bibliothekartag in Frankfurt. Wir werden da einen Gemeinschaftsstand anbieten, den die DGI für ihre Mitglieder und andere interessierte Institutionen organisiert. Zurzeit haben zugesagt: WTI, TIB, Herder Institut, DGI, FIZ-Karlsruhe, ZB Med, Zentrum für Psychologische Information und Dokumentation (ZPID) und angefragt ist noch LexisNexis. 

Wir würden uns gerne noch etwas größer ausrichten, aber dazu benötigen wir noch Unternehmen und Institutionen die sich als Aussteller beteiligen wollen. Meine Bitte, könnten Sie die Info auch über Ihren Newsletter verbreiten, Sie erreichen ja eine sehr große Community in unserer Branche. 

                                  Vielen Dank und viele Grüße Sigrid Riedel, Vorstand WTI-Frankfurt eG


D 21

Selbstbestimmtheit, Lebenswelt,
Standort

Die Initiative D 21, Deutschlands größtes Netzwerk für die digitale Gesellschaft, hat sich nach 18 Jahren Begleitung des digitalen Wandels in Anpassung an die aktuellen Entwicklungen repositioniert. Themenschwerpunkte sind nunmehr:

• „Digitale Selbstbestimmtheit: Um die Herausforderungen der Digitalisierung chancenorientiert zu nutzen, benötig die digitale Gesellschaft selbstbestimmte und digitalkompetente Individuen.

• Digitale Lebenswelt: Eine digitale Gesellschaft benötigt Lebenswelten, die ihren digitalen Ansprüchen gerecht wurden und die unterschiedlichen Bedürfnisse ausbalancieren.

• Digitaler Standort: Das Fundament einer digitalen Gesellschaft sind moderne und flächendeckende Infrastrukturen und Regelungen, die das Entwicklungspotenzial fördern.“

 

Briefe (2)

Zukunft der E-Leihe:

Wie Verlage und Bibliotheken
kooperieren können 

Ob neue Leih-Konditionen, das EuGH-Urteil, das Projekt DEAL oder die Open-Access-Debatte – auch in diesem Jahr bietet das Thema „E-Leihe“ viel Zündstoff. So stoßen Bibliotheken bei dem Versuch, ihren Nutzern eine repräsentative Auswahl an E-Book- und E-Journals zu bieten, häufig an lizenzrechtliche Grenzen. Und Verlage stehen vor der Aufgabe, Kooperationsmodelle zu entwickeln, die das eigene E-Business nicht gefährden. Vor diesem Hintergrund veranstaltet die Akademie der Deutschen Medien am 26. April 2017 die E-Medien-Konferenz für Verlage und Bibliotheken.

Unter dem Motto „Wie Verlage und Bibliotheken kooperieren können“ dreht sich die Veranstaltung um die Zukunft der E-Leihe, die Verlage und Bibliotheken im Hinblick auf eine konstruktive Zusammenarbeit vor große Herausforderungen stellt. Denn welche Kooperationsmodelle sind für Verlage und Bibliotheken zielführend? Welche neuen Lizenz-, Leih- und Geschäftsmodelle gibt es und was sind ihre Vor- und Nachteile? Und welche technischen Lösungen sind bei der E-Book-Leihe einfach umzusetzen und erfolgreich?

Die Konferenz bietet Teilnehmern und Referenten die Möglichkeit für den unmittelbaren Erfahrungsaustausch. In Strategie-Keynotes und Praxisvorträgen präsentieren die Referenten Einblicke in die Bibliothek der Zukunft und Best Practices für Kooperationsmodelle zwischen Verlagen und Bibliotheken. Zudem bieten Roundtable-Sessions viel Raum für persönliche Fragestellungen und anregende Diskussionen.

Die Referenten sind u. a. Dr. Ursula Feindor-Schmidt, LL.M (Fachanwältin für Urheber- und Medienrecht), Branka Felba (Missing Link), Dr. Michaela Hammerl (Bayerische Staatsbibliothek), Dr. Dubravka Hindelang (Carl Hanser), Dr. Karlheinz Höfner (Höfner Verlagsberatung), Sarah Mirschinka (Bastei Lübbe), Prof. Rudolf Mumenthaler (Professor für Bibliothekswissenschaft, HTW Chur), Christian Schumacher-Gebler (Bonnier Verlagsgruppe), Dr. Niels Peter Thomas (Springer Nature). Moderator der Fachkonferenz ist Dr. Werner-Christian Guggemos (ciando).

Die Konferenz richtet sich an Fach- und Führungskräfte aus Wissenschafts- und Publikumsverlagen sowie Wissenschafts- und öffentlichen Bibliotheken und dem Fachbuchhandel, die sich mit dem Thema E-Leihe und Verlags-/Bibliothekskooperationen beschäftigen.

Weitere Informationen und Anmeldung zur Konferenz: http://verlage-bibliotheken-konferenz.de

                                                             Leonie Rouenhoff, Akademie der Deutschen Medien

 

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