Open Password - Donnerstag, den 19. Januar 2017

#148

DEAL – Bernhard Mittermaier – Stephan Holländer – Elsevier - ODOK 2016 – Anna Knoll - Klaus Mak – Landesverteidigungsakademie - CyberDocumentation&ResearchCenter – Expertennetzwerke – Axel Ermert – Institut für Materialforschung -  ISO 5127/2016 – Leopold Hayer – Bibliometrie - Barbara Geyer-Hayden - Michael Zeiller – FH Burgenland – Universität Wien - Birgit Hörzer - UB Graz - RDA

Briefe

Zum Beitrag von Stephan Holländer zum Stand der Verhandlungen zwischen Hochschulrektorenkonferenz und Elsevier vom 13. Januar

Die voraussichtlichen Wirkungen von DEAL: Die andere Ansicht

Lieber Herr Bredemeier!

Schaltet DEAL den Buchhandel aus den Transaktionen zwischen Verlagen und Nutzern aus? Nein, denn solche Transaktionen gibt es sowieso nicht. Welcher Nutzer aus einer der Teilnehmereinrichtungen wendet sich an den Buchhandel, um eine Elsevier-Zeitschrift zu lesen?

Fallen Aggregatoren und Agenturen aus der Wertschöpfungskette heraus? Das stimmt jedenfalls mit Blick auf zusätzliche Print-Hefte zum Deep Discount nicht. Bei den elektronischen Zeitschriften besteht ein Markt für Agenturen dann, wenn sie einen Beitrag zur Wertschöpfung leisten.

Wird der weiteren Monopolisierung des Zugangs zu wissenschaftlichen Information Vorschub geleistet? Das Ziel ist Open Access, und das ist gerade der Gegensatz zur Monopolisierung. Oder ist damit ein anbieterseitiges Monopol gemeint? Das gibt es ja jetzt schon. Wer z.B. „The Lancet“ lesen will, muss Elsevier dafür Geld bezahlen.

Müssen mittlere und kleinere Bibliotheken mit geringeren Budgets Titel einstellen, die nicht ihrem Kernbereich für den Bestandsaufbau oder ihrer Spezialisierung entsprechen und haben sie deshalb keine Etatmittel für Sondersammelgebiete? Es ist davon auszugehen, dass alle Bibliotheken im Wesentlichen auch jetzt schon das lizenziert haben, was sie wirklich benötigen. Die Nutzung der hinzukommenden Titel wird sich in engen Grenzen halten und kann sich finanziell daher auch nicht substantiell bemerkbar machen. Insgesamt ist dies im Kontext eines gerechten Kostenverteilungsmodells zu sehen, das von DEAL auch schon ausgearbeitet wurde?

Bleiben kleinere Verlage bei Lizenzverhandlungen unberücksichtigt und sind daher zukünftig in Bibliotheken unterrepräsentiert? Völlig falsch, seit 2004 wurden Dutzende National- und Allianzlizenzen mit kleinen und mittleren Verlagen abgeschlossen, siehe http://www.nationallizenzen.de/angebote.

Und zuletzt und am wichtigsten: Glaubt wirklich jemand, dass die Allianz der Wissenschaftsorganisationen das Projekt DEAL ins Leben gerufen hat, um - trotz Verweis auf ca. 40% Umsatzrendite - mehr Geld bei Elsevier auszugeben? Und dass jetzt über 60 Einrichtungen in den Ausstand getreten sind, um mehr zu zahlen?

Dr. Bernhard Mittermaier, Forschungszentrum Jülich, Leiter der Zentralbibliothek  

 ODOK 2016

Multisprachliche Expertennetzwerke
zur Bekämpfung der Cyberkriminalität

Umstellung auf RDA:
Wie man Weiterbildung betreiben soll

Dritter Teil

Von Anna Knoll

In der Sitzung „Digitale Welt der Dokumentation und Erschließung“ stellte Klaus Mak von der Zentraldokumentation der Landesverteidigungsakademie Wien in seinem Vortrag „Wissensentwicklung und Offene Fachinformation“ das Konzept von Expertennetzwerken zur Bekämpfung von Cyberkriminalität vor. 2014 wurde im Fachbereich „Wissensmanagement“ des österreichischen Bundesheeres das Projekt "CyberDocumentation&ResearchCenter" (»CDRC«) gestartet. Ziel war es, Entscheidungsträger zeitnahe, relevante und qualitativ hochwertige Open-Source-Informationen und Methoden der Wissensentwicklung bereitzustellen.

Eine Idee, wie man dies umsetzen kann, ist die sogenannte "High Quality“ oder „High Performance Crowd". Rekruten mit Migrationshintergrund führen ein Relevanz-Monitoring in 25 kritischen Infrastrukturbereichen (Strom, Wasser usw.) in ihren Muttersprachen durch und decken somit acht bis zehn Sprachen ab. Allein in Wien gibt es knapp 150 gesprochene Sprachen. Der Anteil der Einwohner mit einem Migrationshintergrund beträgt 40%, bei den Rekruten sind es sogar 60%. Internetseiten werden beispielsweise mit Google Translate gescannt. Damit werden überraschend gute Erfolge erzielt (circa 80 bis 85% der Inhalte werden richtig erkannt). Außerdem gibt es über dreißig laufende juristische Verfahren, die ständig beobachtet werden müssen. Mit Hilfe von Monitoring-Tools und assoziativem, automatisiertem Finden von Themen werden kritische Nachrichten herausgefiltert. Die Rekruten durchsuchen Open-Source-Informationen nach vorgegebenen Themen in ihrer Muttersprache und wenden Tools wie „proTERM“ an. Mak führte an, dass ein einzelner Experte in einer gewissen Zeit circa fünfzig bis hundert gute Suchergebnisse in ein bis zwei Sprachen selektieren kann; eine Crowd mit 15 Personen schafft 500 bis 700 Ergebnisse in acht bis zehn Sprachen! In einem Netzwerk von hunderten von Personen wären noch viel mehr Ergebnisse möglich, aber wann wäre der Sättigungsgrad erreicht?

In der Vergangenheit wurden Ereignisse erst im Nachhinein analysiert und darauf reagiert, heutzutage muss man vorausschauen. Mak führte ein anschauliches Beispiel an: Die belgische Telekom wurde sechs(!) Jahre lang gehackt und keiner merkte es (hier könnte man auch Yahoo anführen). Foresight-Studien und Analysten können also Chancen und Risiken vorab erkennen und die Lebensumstände der Bevölkerung verbessern. Der

Vortrag von Mak war hochspannend, aber fast schon ein Zuviel an Informationen. Es ist beeindruckend, welch gute Ergebnisse mit der Expertencrowd erzielt werden. Mehr Informationen zu diesem Beitrag gibt es im Band 25/2015 der Schriftenreihe der Landesverteidigungsakademie.

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Die Studiengänge befinden sich im ständigen Reformprozess. Sind die vermittelten Kompetenzen nach drei Ausbildungsjahren schon wieder veraltet?
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Axel Ermert vom Institut für Museumsforschung (Berlin) stellte die neue ISO 5127/2016 vor. Die überarbeitete Norm von 2001 bietet einen strukturierten Gesamtüberblick zum gesamten Arbeitsgebiet der Dokumentation (Daten, Dokumente, Publikationen von der Entstehung über die Aufbereitung bis zur Bewahrung und dem Retrieval). Die Begriffe sind systematisch aufgelistet und präzise definiert. Ende 2016 wird sie sowohl gedruckt als auch online veröffentlicht (es fehlen noch deutsche und französische Übersetzungen). Danach erfolgt die Revision, 2019 ist mit der Neuauflage zu rechnen. Auf der Internetseite www.iso.org/obp/ui kann man nach Begriffen suchen und bekommt einen guten Einblick in die Norm.

Leopold Hayer aus Wien berichtete aus seinem Masterarbeitsthema „Bibliometrische Untersuchungen zur Auswirkung der Schriften von Robert King MERTON“. Detalliert beschrieb er seine bibliometrischen Untersuchungen in „Web of Science“, Google Ngram und weiteren Tools. Leider legte er einen zu großen Schwerpunkt auf die Ergebnisse seiner Untersuchungen statt einigermaßen gleichberechtigt den Weg dorthin zu beschreiben.

In der Session „Aus- und Weiterbildung und Berufsbild im Wandel“ zeigten Barbara Geyer-Hayden und Michael Zeiller, Dozenten an der FH Burgenland, in ihrem Vortrag „Ausbildung im Spannungsfeld zwischen Bibliothekswesen und Wissensmanagement“ die Unterschiede der Bibliotheks- und Wissensmanagementstudiengänge in Österreich auf. Sowohl an der FH Burgenland („Information, Medien & Kommunikation“) als auch an der Uni Wien („Library and Information Studies“) gibt es einen Bachelor zu erwerben, der (mehr oder weniger) Bibliotheksmanagement beinhaltet. Ebenfalls an der FH Burgenland und an der Donau-Universität Krems gibt es den Master „(Angewandtes) Wissensmanagement“. Im direkten Vergleich schnitt die FH besser ab, da sie kostenfrei ist und mehr Module vor allem im Wahlbereich anbietet. Eingangs erwähnte Zeiller, dass bibliothekarisches Wissen notwendig für Wissensmanagement sei und sich beide Disziplinen gegenseitig bedingen würden. Am Schluss zogen die Referenten jedoch das Fazit, dass die Überschneidungen in den Ausbildungen Bibliotheksmanagement und Wissensmanagement gering seien. Informationsmanagement und IT spielen dagegen bei beiden Ausbildungsrichtungen eine große Rolle. Die Frage, wie viel von welchen Inhalten braucht man also tatsächlich, wurde ans Publikum abgegeben. Zuletzt kündigten die Referenten an, dass momentan eine Bachelorarbeit in Arbeit ist, die diese Studiengänge nicht nur in Österreich, sondern im gesamten deutschsprachigen Raum vergleicht.

In der Diskussion wurde erwähnt, dass es in einigen Studiengängen viele Redundanzen gäbe, die man kürzen könne. In ihnen käme vor allem der Aufbau von IT-Kompetenzen zu kurz. Die Referenten gaben zu bedenken, dass jede neue Lerneinheit eine etablierte Lerneinheit eliminiere und man gut überlegen solle, welche Kompetenzen man wirklich in der Lehre verankern muss. Eine Personalverantwortliche im Plenum monierte das Fehlen von im Job benötigten Kompetenzen bei den Bewerbern. Da sie zusätzlich Ausbilderin sei, wisse sie, dass sich die Lehre in einem ständigen Reformprozess befinde, um die von ihnen zu vermittelnden Kenntnisse an die Qualifikationsanforderungen der Arbeitgeber anzupassen. Aber damit kämen die Studiengänge immer einen Schritt zu spät, da die Kompetenz sofort benötigt werde und die Studenten erst nach drei Ausbildungsjahren auf den Arbeitsmarkt kämen.

Ein weiterer Teilnehmer hob hervor, dass die FH Burgenland seit 1997 Bibliothekare für den Öffentlichen Dienst ausbilde und ein umfassendes Feld an Bibliotheksberufen abdecke. Bei der Umstellung vom Diplom auf Bachelor und Master sei viel weggefallen und umstrukturiert worden. Da das Bibliotheksmodul nur im Wahlbereich des Studiengangs vorkomme, ginge schlussendlich nur eine kleine Anzahl an Absolventen für den Bibliotheksbereich aus dem Studiengang hervor. Aber diese punkteten mit breiten Kompetenzen, auch in der IT.

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Selbstverantwortlichkeit ist bei Weiterbildung gefragt. Follow-ups mit Moodle.
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Birgit Hörzer von der UB Graz stellte in „Blended Learning und regional – Erfahrungen mit einem neuen Schulungskonzept am Beispiel des RDA-Schulungskonzeptes im OBV“ praktische Erfahrungen einer groß angelegten Schulungsreihe vor. Die Umstellung auf RDA hat die Verbünde vor viele Herausforderungen gestellt, eine davon war das Thema Schulungen. Bei der GND-Umstellung hatte man bereits die Erfahrung gemacht, dass eine schnelle Schulung von Multiplikatoren, die dann ihrerseits ihre Kollegen in den einzelnen Einrichtungen qualifizieren sollten, nicht erfolgreich gewesen war. Das Thema ist einfach zu komplex und man benötigt ausreichende Zeit für praktische Anwendungen.

Daher wurde bei RDA ein anderer Weg eingeschlagen: Zuerst wurde 2015 ein allgemeines Schulungskonzept für den gesamten DACH-Raum erstellt. Anschließend wurden eLearning-Module in Moodle entwickelt und bis zu fünf Präsenztage in fünf Wochen (jeweils ein Tag pro Woche) angeboten, an dem die Grundlagen vermittelt wurden. Dazwischen gab es genügend Zeit zum Anwenden und Ausprobieren. Insgesamt wurden 2015 742 Kollegen in ganz Österreich ausgebildet. 45 Trainer und Trainerinnen in sechs Regionen hielten in einem Zeitraum von sechs Monaten 42 parallele Schulungen. Auf Moodle gab es ein RDA-Info-Wiki und Frage-Foren. Die Testdatenbank war für alle Teilnehmer freigeschaltet.

Die Referentin zog dieses Resümee: Mitarbeiter sollten die Möglichkeit haben, sich selbstverantwortlich weiterzubilden und ihre Informationen selbst holen zu können (z.B. aus dem RDA-Wiki). Follow-ups sind notwendig, denn das Regelwerk entwickelt sich ständig weiter und man darf die Mitarbeiter nach der Schulung nicht allein lassen (dies ist durch die Plattform Moodle gewährleistet). Ein guter Vortrag, der einen tiefen Einblick „hinter die Kulissen“ solcher Schulungen gab und sehr selbstkritisch war.

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