Open Password - Freitag, den 9. Dezember 2016

Schweiz – Fachhochschulen – HEG – HTW Chur – Stephan Holländer – Berufsverbände – Bachelor - Master – Master of Advanced Studies – Weiterbildung – BIS – Hochschulförderungsgesetz- Salvatore Saporito – LexisNexis – ISO-Standard – Risikomanagement – Bestechung - Korruption - Sascha Pallenberg - #mobilegeeks

#137


Schweiz

18 Jahre praxisorientiertes Fachhochschulstudium:
Wo stehen wir heute?

Die Fachhochschulen bald nur noch «Universität light?»

Von Stephan Holländer

Nach Deutschland und Österreich beschloss die Schweiz 1995 ein Fachhochschulgesetz[1]. Die etwa siebzig Höheren Wirtschafts- und Verwaltungsschulen (HWV), die Höhere Technische Lehranstalt (HTL, Ingenieurschule, kurz Technikum genannt) sowie die höheren Fachschulen für Gestaltung (HFG) wurden in sieben organisatorischen Fachhochschulen (FH, HES, SUP) zusammengefasst. Später kamen Fachschulen für den Sozial- und Gesundheitsbereich dazu. Dieser Verbund sollte nach dem Willen der Politik eine weiterqualifizierende Ausbildung auf Hochschulniveau nach beruflicher Lehre und beruflichem Abschluss („Berufsmaturität“) ermöglichen.

Voraussetzung für ein FH-Studium ist also nach dem Fachhochschulgesetz eine abgeschlossene Berufslehre mit Berufsmatura oder eine abgeschlossene Matura mit einem Praxisjahr im entsprechenden Bereich. Bei vielen FH-Studiengängen kann eine Zulassung auch - ein Lehrabschluss vorausgesetzt - durch das Bestehen einer Aufnahmeprüfung oder einem Diplom an einer Schule[2], die dem Niveau der Berufsmatura entspricht, erreicht werden.

Für die drei damaligen Berufsverbände BBS, SVD und VSA ging damit ein lang gehegter Wunsch in Erfüllung, zu einem staatlich anerkannten beruflichen Abschluss zu kommen. Die Bibliotheken hatten sich bereits seit den dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts um eine Vereinheitlichung der Berufsausbildung bemüht, was zum BBS-Diplom führte. Diese Ausbildung wurde auf der Basis einer freiwilligen Übereinkunft der Bibliotheken akzeptiert. Ihr fehlte jedoch die staatliche Anerkennung. Der Bund ließ die Verbände wissen, dass er bereit sei, einen entsprechenden Studiengang jeweils in der Romandie und der Deutschschweiz zuzulassen, sofern sich diese zuvor auf eine gemeinsame Berufslehre verständigt hatten.

Um diese Voraussetzungen zu erfüllen, beschlossen 1994 die drei damaligen Berufsverbän-de[3] , ihre Jahresversammlungen gemeinsam in Lausanne abzuhalten. Sie einigten sich auf getrennten Versammlungen auf eine gemeinsame Berufslehre, die über die Berufsmatura zum Fachhochschulstudium führen sollte. Diese Beschlüsse wurden möglich, weil sie intensiv vorbereitet worden waren und unter den drei Verbandspräsidenten ein gutes Einvernehmen bestand. Seitdem ist es nicht mehr gelungen, sich an einem Ort zu gemeinsamen Mitgliederversammlungen zu treffen.

Chur, Genf und Luzern bewarben sich als drei künftige Fachhochschulen darum, ein informationswissenschaftliches Studium in ihr Angebot aufzunehmen. 1998 genehmigte der Bundesrat die sieben Fachhochschuleinheiten und gab Chur und Genf den Zuschlag für ein Studium der Information und Dokumentation oder IuD, wie die damaligen Bezeichnungen lauteten.

Während die Genfer Haute École de Gestion (HEG) mit ihrer Studienrichtung auf die Erfahrungen der seit 1918 bestehenden École de bibliothécaires mit einem Vollzeitstudienangebot zurückgriff, bot die Hochschule für Technik und Wirtschaft Chur (HTW Chur) seit Beginn der neunziger Jahre ein berufsbegleitendes Nachdiplom Information und Dokumentation (NDS I+D) an. Als Studienleiter der beiden damaligen FH-Studiengänge wurden Yolande Estermann für die HEG und Stephan Holländer für die HTW Chur ernannt.

Bereits 2001 erfolgte eine erste Peer Review[4]. Viel Zeit für den Aufbau blieb nicht, zumal es gleich darum ging, die zweite Bedingung des Bundes, den Aufbau einer angewandten Forschung, zu erfüllen. Kurz darauf erfolgte eine zweite Peer Review. Berufsbegleitende Studiengänge[5], durchgeführtes Bachelorteilzeitstudium sowie ein französisch-deutschsprachiger Studiengang an der HEG ab 2004 ergänzten das damalige IuD- Bachelorangebot.

Ab 2005 stand der Bologna-Prozess mit dem damit notwendig gewordenen Aufbau von Bachelorstudiengängen an. In der Folge entstand ein Wettbewerb zwischen den Universitäten und Fachhochschulen, wer von ihnen Masterstudiengänge anbieten durfte. Sowohl die HEG als auch die HTW Chur bewarben sich um die Führung eines Masterstudienganges im Bereich der Informationswissenschaft. Es musste der Nachweis erbracht werden, dass sich mindestens dreißig Studierende pro Masterstudiengang einschreiben würden. Die größte Herausforderung stellte jedoch die Anforderung dar, eine größere Anzahl an Forschungsprojekten im Betrag, finanziert durch Drittmittel nachzuweisen. Da es an keiner Schweizer Universität einen informationswissenschaftlichen Lehrstuhl gab, war die informationswissenschaftliche Forschung in der Schweiz ausschließlich an den beiden Fachhochschulen angesiedelt. Das stellte bei den Bewerbungen um Masterstudiengänge ein deutliches Plus dar.

Ab 2008 wurden erstmals Masterstudiengänge seitens der Fachhochschulen Chur und Genf angeboten. Es erwies sich jedoch als schwierig, zu dem erforderlichen Minimum an eingeschriebenen Studierenden zu kommen. So kooperierte die HEG Genf mit der Universität in Montreal. Wenn die Studierenden in Kanada weilten, durften sie in Genf nicht als Studierende gezählt werden. Chur machte die Erfahrung, dass ein jährlich stattfindender Vollzeitstudiengang nicht auf die erforderliche Mindestanzahl an Studierenden kam. Heute finden die Masterstudiengänge an beiden Hochschulen berufsbegleitend alle zwei Jahre statt.

Zum Erfolgsmodell wurde der Studiengang Master of Advanced Studies (MAS), der seit 1992 nur an der HTW Chur durchgeführt wird. Die notwendige Studierendenzahl wurde bislang mehr als erreicht, weil sich das Angebot als attraktiv für Quereinsteiger in den Beruf erwies. In drei Semestern und mit Abfassung einer Masterarbeit wird der Studienabschluss berufsbegleitend erreicht.

Die beiden Fachhochschulen sind auch in der Weiterbildung tätig. Die Regelungsdichte im Bereich der Weiterbildung ist längst nicht so dicht wie für die Bachelor- und Masterstudiengänge. Die Weiterbildungsangebote werden im Bereich der Informationswissenschaft heute teilweise in Kooperation mit dem Berufsverband BIS durchgeführt.

Die Fachhochschulen haben sich in der Schweiz durchgesetzt, wie die Studierendenzahlen belegen. Mit dem nun geltenden Hochschulförderungsgesetz rückt man vom ursprünglichen Grundsatz des „Gleichwertig, aber andersartig“ ab und betrachtet die tertiären Bildungsinstitutionen – also die universitären Hochschulen, die Fachhochschulen und die Pädagogischen Hochschulen – als eine Einheit. Dies verwässert die Profilierung der FH‘s, die Lehre und Forschung auf wissenschaftlicher Grundlage mit anwendungsorientiertem Schwerpunkt betreiben sollen.

 

[1] https://www.admin.ch/opc/de/classified-compilation/19950279/201301010000/414.71.pdf

[2] So etwa im Kanton Genf eine maturähnliche Prüfung nach dem „Diplôme Ecole de Culture Générale“.

[3] BBS, SVD und VSA sowie mit einem fachlichen Beitrag die damalige Ecole de bibliothécaire, die heutige  Haute Ecole supérieure d’information documentaire in Carouge, wo bereits seit Beginn der neunziger Jahre über eine integrierte Ausbildung diskutiert wurde.

[4] In Chur erfolgte die erste Peer Review im am 24. und 25. April 2001. Der Bericht der Peers trägt das Datum Mai 2001.

[5] Durchgeführt an der HEG Carouge durch die HTW in Zürich.

 

ISO 37001

Eine erste Beurteilung

Salvatore Saporito hat seinem ersten Beitrag über den neuen ISO-Standard zur Prävention von Bestechnung und Korruption einen zweiten folgen lassen. Im LexisNexis-Blog (http://bit.ly/2gOxG4n) schreibt er unter anderem:

Eine Zertifizierung kann das Geschäft beflügeln. Manche Experten glauben, dass Unternehmen, die den Standard anwenden, neue und lukrative Geschäfte gewinnen könnten, da sie als ehrlich und verantwortungsvoll wahrgenommen werden. Eine gute Reputation für Transparenz und Integrität hat sich bereits in einigen Fällen positiv auf den Umsatz ausgewirkt. So hat beispielsweise Singapurs harte Haltung zu Korruption dem Land einen signifikanten Wettbewerbsvorteil gegenüber seinen Nachbarn erbracht. Singapur lockt Investoren mit Vorhersagbarkeit und Offenheit an, was in vielen anderen Ländern in der Asien-Pazifik-Region nicht der Fall ist. … 

Hoffnung für die Anwendung in Hoch-Risiko-Märkten. Die Anforderungen für eine ISO 37001-Zertifizierung unterscheiden sich nicht besonders von bestehenden Anti-Bestechungs- und Korruptions-Gesetzgebungen in den USA und Großbritannien. Am sinnvollsten kann der Standard in Ländern mit einem höheren Korruptionsrisiko und weniger strikten Vorschriften eingesetzt werden. In einem FCPA-Blogartikel heißt es, dass die Glaubwürdigkeit vieler lateinamerikanischer Regierungen aufgrund zu schwacher Strafverfolgung von Korruption und Bestechung immer noch kränkelt. … Auch Länder mit einem hohen Korruptionsrisiko wie Brasilien, Irak, China, Kamerun und Indien sind unter den Ländern, die dem Standard zugestimmt haben….

Ein flexibler Compliance-Ansatz. … Der Standard ist auch so gestaltet, dass er von kleinen und mittleren Unternehmen genutzt werden kann, die normalerweise eher nicht über Investitionen in Compliance nachdenken. Laut des ISO 37001-Komitees genügt es bereits, wenn Organisationen angemessene und verhältnismäßige Richtlinien, Maßnahmen und Kontrollen umsetzen, um zertifiziert zu werden. … In der Praxis bedeutet das, dass geringe Überprüfungen bei Kunden und Lieferanten mit einem als gering bewerteten Risiko der Finanzkriminalität bereits ausreichen. …

In jedem Fall sollten Unternehmeneinem risikobasierten Compliance-Ansatz folgen, mit einer Due Diligence, die dem jeweils vorliegenden Risikolevel angepasst wird.“

Sascha Pallenberg

Der Techno-Blogger geht von Bord

Von Michael Klems

Weltmeister werden und dann aufhören, wenn es am besten läuft. Formel 1 Weltmeister Nico Rosberg hat es vorgemacht. Man könnte meinen, Sascha Pallenberg einer der bedeutensten deutschen Techno-Blogger macht es gleich. Ende des Jahre verlässt der Wahl-Wonhort-Taiwaner Mobile Geeks.

Sascha Pallenberg gilt als einer der profiliertesten deutschen Techno Blogger auf dem Publishing Markt. Mit Mobile Geeks schaut der Blog auf neue Technologien, Hardware und mobile Gadgets.

Sein Team hat etablierten Medien in der digitalen Berichterstattung in vielen Punkten den Rang abgelaufen. Mit seinem Hub in Taipe war Mobile Geeks direkt am Puls der technischen Entwicklung von mobilen Endgeräten und anderer Hardware. Direkt vor Ort und dauernd mit dem Flieger unterwegs berichtete Pallenberg über Neuigkeiten aus der digitalen Hardware-Welt.

Pallenberg hat mit seinen Ansichten und Meinungen der BloggerSzene ein Gesicht und auch ein Format gegeben. Wie kann mit Online-Publishing und Informationen Geld verdienen? Wie können Informationen so aufbereitet werden, dass ein Portal davon leben kann? In der Regel machen es die Medien mit Werbebannern und Advertorials vor. Pallenberg ging 2015 einen vollkommen anderen Weg und holte Sponsoren in das Projekt. Eine Vorreiterrolle, die andere Portale wie curved nachbauten. Wer mehr zu diesem Thema erfahren möchte, sollte die Beiträge von Sascha Pallenberg auf der re:publica via YouTube ansehen.

Für Information Professionals sind die Ansätze der BloggerSzene äußerst wichtig. Hier werden die Leitlinien eingeschlagen, wie das Netz Informationen wahrnimmt und auch wahrnehmen will. Pallenberg geht in den ersten Minuten seines Video-Statements auf deutliche Fehlannahmen seines Teams ein und wie die Anwendermasse ihn korrigierte. Selbt 40 Beta-Tester konnten ihn vor einer Fehlentwicklung nicht bewahren.

Ich schätze besonders seine Einsicht, dass sich vieles in Filterblasen bewegt. Die Informationsbranche ist meiner Ansicht nach in einer solchen. Informationen recherchieren aufbereiten und einen Mehrwert transportieren als der Heilsbringer?

Es wird interessant zu beobachten, wo Pallenberg seinen Enthusiasmus zukünftig einbringt.

Sein Beitrag und Statement zum Ausstieg mit einem Video ist lesenswert. Hier gehts zu Sascha Pallenberg.

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