Open Password - Freitag, den 2. Dezember 2016

Trend des Jahres – Open Password – GB-Genios – EU-Kommission – E-Books - Donald Trump – US-Wähler – Information Literacy – Information Competency – Desinformation  Verschwörungstheorien.

#134

Das war 2016

Trend des Jahres? Einrichtung
und Mann oder Frau des Jahres?

Open Password fragt seine Leser

2016! Was für ein Jahr auch und gerade für die Informationsbranche! Um nur an zehn Ereignisse und Entwicklungen zu erinnern, über die Open Password in diesem Jahr ausführlich berichtete:

• Der Beschluss zur Abwicklung der Düsseldorfer Informationswissenschaft und die Mobilisierung der Branche dagegen

• Der Beschluss zur Abwicklung der ZB MED und ihre vorläufige Rettung nach einer gelungenen Mobilisierung der Branche

• Die hitzige Debatte um die Zukunft der Bibliotheken, nachdem ein Bibliotheksdirektor in der Schweiz missverstanden wurde oder sich missverständlich geäußert hatte

• Der Brexit und seine Bedeutung für die Informationsbranche

• Die Wahl Donald Trumps und der Siegeszug des Postfaktischen durch die Welt der InfoPros

• Thomson Reuters verkauft seine Patent- und Wissenschaftsinformationen an Private Equity

• Es gibt sie, die Success Stories für Information Professionals, siehe die Debatten dazu auf „Steilvorlagen“

• Die atemberaubenden Fortschritte der Künstlichen Intelligenz

• Der Beginn einer kontinuierlichen Debatte zur Krise und Zukunft der Informationswissenschaften: Forschung und praxisorientierte Ausbildung

• Online Information Reborn: Die LII in London

Kommt in dieser Auflistung auch ein Ranking zum Ausdruck? Darüber möchten wir mit Ihnen diskutieren.

Seit 1986 hat Password den Trend des Jahres für die Informationsbranche gewählt. Einige Jahre später kamen Wahlen für die Einrichtung des Jahres und für den Mann oder die Frau des Jahres hinzu. Eine Praxis, die, wie wir finden, Open Password fortsetzen sollte – dies aber unter Einbeziehung seiner Leser.

Bitte, teilen Sie uns mit, was und wen Sie als Trend des Jahres, als Einrichtung des Jahres und als Mann oder Frau des Jahres wählen. Auch Ihre Begründungen, warum Sie Ihre Entscheidung so und nicht anders getroffen haben, sind hochwillkommen. Sollten wir diese Begründungen nicht veröffentlichen dürfen, merken Sie dies bitte an.

Bitte schicken Sie uns Ihre Entscheidungen bis zum 21. Dezember per E-Mail an w.bredemeier@gmx.de

Die Redaktion wird ihre Wahlen nach einer sorgfältigen Abwägung der Anregungen ihrer Leser in der ersten Ausgabe von Open Password am 9. Januar veröffentlichen.

 

GBI-Genios

Neue-Books, Zeitungen,
Zeitschriften

Neue E-Books gibt es aus dem Schattauer-Verlag, unter anderem die Reihen „Versorgungs-Report“, „Krankenhaus-Report“ und „Pflege-Report“, die in Kooperation mit dem Wissenschaftlichen Institut der AOK erstellt werden.

An weiteren Zeitungen gingen online: Heidenheimer Zeitung – Nordwest-Zeitung -Schwäbisches Tagblatt. An weiteren Fachzeitschriften wurden verfügbar gemacht: European Journal of Counselling Psychology – Europe´s Journal of Psychology – Interpersona – Japan Rubber Weekly – Journal of Numerical Cognition – Journal of Social and Political Psycology – Psycological Thought – REGION. Zum Jahresende gelöscht werden die Datenbanken HOLZtechnologie - KGK,Kautschuk Gummi Kunststoffe – Polish News Bulletin.

 

Europäische Union

Bald ermäßigter Mehrwertsteuersatz
für E-Books?

Die EU-Kommission hat ihre Richtlinie für Mehrwertsteuer geändert. Danach wird für E-Books der ermäßigte Mehrwertsteuersatz von 7 Prozent(sonst bei uns: 19 %) möglich gemacht.

Jetzt müssen nur noch die Finanzminister der Mitgliedstaaten im Rat Wirtschaft und Finanzen zustimmen. Zuvor hatte der Europäische Gerichtshof die Anwendung des ermäßigten Mehrwertsteuersatzes auf E-Books untersagt. Dagegen hatten die europäischen Dachverbände von Verlegern und Buchhändlern protestiert.

 

Zur Informationskompetenz
wahlberechtigter Bürger

Aufstieg der Information Professionals
zwecks Irreführung von Laien

Von Walther Umstätter

Die Wahl in den USA wirft die Frage auf, wie viel Informationskompetenz bei diesem Wahlergebnis eine Rolle gespielt hat. Nun könnte man denken, bei den Trump-Wählern könne die Information Literacy der Amerikaner nicht sehr groß gewesen sein. Denn eigentlich hätte man ihn bei ausreichender Beobachtung natürlich nicht wählen dürfen, wenn man eine Präsidentenwahl nicht zum Vabanquespiel verkommen lassen will. Er hat sich bekanntlich so oft widersprüchlich und fragwürdig geäußert, dass man schon Fatalist sein musste, um sich auf diese Politik einzulassen. Die meisten Journalisten, die als Information Professionals davon abgeraten haben, wollten damit ihre Professionalität gegenüber den Sozialen Netzen beweisen. Stattdessen hat Trump aufmerksamkeitsheischend glaubhaft signalisiert, dass er seine Gegner erfolgreich austricksen kann und dass alle, die davon profitieren wollen, sich machiavellistisch auf seine Seite schlagen müssten. Dass das ethisch eher verwerflich ist, wussten die meisten Trump-Wähler auch, und hielten sich darum bei Umfragen zurück.

Informationskompetenz bedeutet in erster Linie, möglichst vollständige und zuverlässige Informationen zu einem Thema erworben zu haben, um im Diskurs wettbewerbsfähig zu sein. Das beinhaltet ebenso, dass Information Literacy und Information Competency keine einfachen Synonyme sind, denn gerade diese Wahl hat deutlich gemacht, wie viele Information Professionals ihr Können missbrauchen, um die breite Öffentlichkeit hinters Licht zu führen. Da wurde ganz gezielt getrickst, gefaked und gehacked, so dass wir es mit vier Arten der Informationskompetenz zu tun hatten,

• mit der der Berater von Clinton und Trump,

• mit der der Interessengruppen, den SICs (Special Interest Groups), die die Wahl in ihrem Sinne zu beeinflussen bzw. zu torpedieren versuchten,

• mit der der Journalisten, die ihre Leser zu beraten vorgaben,

• und mit der der Wähler selbst, die sich ein eigenes Bild zu machen hatten.

Während in der Information Literacy der Bedarf, die Einschätzung und die möglichst zielgerichtete Suche zur Problemlösung im Vordergrund stehen, geht es im Wettbewerb um die zuverlässigeren und besser begründeten Informationen – um Wissen. Da war in diesem Wahlkampf besonders deutlich zu sehen, wie die verschiedenen Interessengruppen sich gegenseitig zu diffamieren versuchten. So dass oft am Ende niemand wusste, was stimmt und was nicht. War Clinton, wie Trump behauptete, kriminell? Was wusste das FBI wirklich? 

Zur Entscheidungsfindung der Wähler hat es dabei auf beiden Seiten nicht an Informationen gemangelt. Aber zu viele davon waren gefälscht. Inzwischen wird es immer schwieriger, den Wahrheitsgehalt einer Information zu überprüfen.

• Weil die Irreführungen immer häufiger von informationskompetenten Information Professionals gekonnt lanciert werden.

• Weil gerade irreführende Informationen besonders gezielt kopiert und verbreitet werden.

• Weil Spezialisten der Agnotologie über immer mehr Geld verfügen (www.password-online.de/?wysija-page=1&controller=email&action=view&email_id=124&wysijap=subscriptions). Man denke nur an RT, also den Propagandasender Russia Today, Al Jazeera und viele andere zweifelhaften Informationsquellen unserer Zeit. Etliche werden als wissenschaftliche Institute getarnt. Auch die Geheimdienste beteiligen sich sehr gekonnt an diesen Verwirrspielen.

• Wir müssen damit erkennen, dass es in der Informationskompetenz inzwischen einen Kampf zwischen den Information Professionals und den Laien gibt, bei dem immer mehr informationskompetente Spezialisten die Aufgabe haben, die Laien zu instrumentalisieren und hinters Licht zu führen.

Der damit verbundene Zuwachs an Zweifeln am Wahrheitsgehalt der Massenmedien hat nicht nur zu Aussagen und Begriffen wie „Sie lügen wie gedruckt“, „Lügenpresse“, „Shitstorm“ und „Wutbürger“ geführt, er stellt auch immer mehr Nachrichtenquellen unter Generalverdacht, bestimmten Verschwörungen zu entspringen. Dabei sind die meisten Verschwörungstheorien nichts anderes als das Ergebnis eines unglaublichen Lobbyismus.
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Informationskompetenz erwirbt man durch Wissen. Nicht durch Mehrheiten.

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Es reichte den Trump-Wählern schon zu erkennen, dass Trump über einen völlig veralteten Protektionismus Aufschwung versprach. Mehr wollte man gar nicht wissen. Das hätte ja nur bedeutet, dass man zugeben muss, dass die Kriegsgefahr wächst (www.fondsdiscount.de/magazin/news/donald-trump-waere-ein-desaster-fuer-die-weltwirtschaft-2166/), dass man als Trump-Wähler auch nur egoistisch ist, und dass man ernstlich glaubt, die Zeit zurückdrehen zu können. Viele Menschen, die so denken, wissen, dass sie wie dumme Jungs erscheinen, und gleichen ihre Minderwertigkeitskomplexe durch Machtfantasien, Aggressivität und Gewalt aus. Viele Nationalsozialisten drangsalierten die Juden insbesondere darum, weil sie wussten, dass sie vor deren Augen wie Oberdeppen dastanden. Wenn man an die damalige „Rassenkunde“ denkt, waren sie das ja auch, und genau das machte sie besonders aggressiv.

Nicht wissen wollen, also die Dummheit, ist somit eine besonders gefährliche Form des Mangels an Informationskompetenz. Wir haben heute das Gefühl, mit Hilfe des Internets besser informiert zu sein als unsere Vorfahren. In Wahrheit bekommen wir weit mehr gezielte Fehlinformationen, so dass wir nur schwer die Spreu vom Weizen trennen können.

 Das Fazit: Auch Informationskompetenz kann missbraucht werden. So ist Populismus unter Nutzung der modernen Massenmedien und des Internets geeignet, demokratische Prozesse zu missbrauchen, indem man über Volksbefragungen Minderheiten schädigt, Völkerrecht ignoriert oder gemeinsam beschließt, Gesetze zu brechen – Hauptsache, man hat die Mehrheit. Informationskompetenz erwirbt man aber durch Wissen und nicht durch Mehrheiten.

Nachwuchsförderung Recherche

Gütesiegel „Bibliotheken – Partner der Schulen“

Es sind oft die vermeintlichen kleinen Meldungen die aufhorchen und hoffen lassen, das die jüngeren Generationen weitaus andere Medien als Facebook, Google und Wikipedia für die Recherche einsetzen. Die Password Redaktion ist dankbar für vergleichbare Meldungen.

Exemplarisch hierzu die Meldung der Hochschule Kempten

Hochschulbibliothek Kempten erhält Gütesiegel

Individuelle Betreuung als besondere Stärke

Hochschulbibliothek Kempten erhält Gütesiegel „Bibliotheken – Partner der Schulen“

Bei der Verleihung des Gütesiegels 2016-2018 an 49 öffentliche und 12 wissenschaftliche bayerische Bibliotheken wurde auch die Hochschulbibliothek Kempten ausgezeichnet. Gewürdigt werden Bibliotheken, die besonders intensiv und beispielhaft mit Schulen zusammenarbeiten.

Seit der Einführung des achtjährigen Gymnasiums werden dort W-Seminare abgehalten, in denen Schülerinnen und Schülern das Wissenschaftliche Arbeiten nähergebracht wird. Im Lehrplan ist dabei auch der Besuch einer Wissenschaftlichen Bibliothek vorgesehen. Dort sollen die Schüler den Lern- und Arbeitsort Bibliothek kennenlernen und in die Suche nach wissenschaftlicher Literatur eingeführt werden. Während früher für diese Aufgabe Universitätsbibliotheken prädestiniert waren, können Hochschulbibliotheken die Vermittlung von Informationskompetenz heute ebenfalls übernehmen. „Dank des großen Angebots an fachübergreifenden elektronischen Medien finden die Schüler bei uns auch zu speziellen Themen relevante Literatur“ erklärt der stellvertretende Bibliotheksleiter Engelbert Schwegele, der für die Hochschulbibliothek das Gütesiegel von Staatssekretär Sibler in Empfang nehmen durfte. Daneben steht den Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit offen, über die Fernleihe Bücher aus anderen Bibliotheken zu bestellen.

Verantwortlich für die Rechercheeinführung für Schulen ist Bibliotheksmitarbeiterin Marina Hantmann. Sie bereitet sich anhand der konkreten Seminarthemen der einzelnen Schülerinnen und Schüler auf die Schulungen vor und bietet zusätzlich freiwillige Workshops an, in denen die Schüler das Gelernte in die Praxis umsetzen und jederzeit Hilfestellung bei der Recherche erhalten. „Diese persönliche Betreuung ist eine besondere Stärke in Kempten und hat sicher wesentlich zum Erhalt des Gütesiegels beigetragen“, so Bibliotheksleiter Günter Höld.

„2015 konnte ich 553 Schüler aus 15 verschiedenen Schulen in das richtige Recherchieren nach wissenschaftlicher Literatur einführen. Die Beschäftigung mit den unterschiedlichsten Seminarthemen ist dabei jedes Mal eine interessante Herausforderung“ ergänzt Marina Hantmann. An den Universitäten in Augsburg und München ist man sicher froh, dass die Allgäuer Schüler die im letzten Jahr dazu erforderlichen 37 Veranstaltungen an der Hochschulbibliothek Kempten wahrnehmen konnten.

Das Angebot an Schülerinnen und Schüler richtet sich aber nicht nur an Gymnasien – auch Fach- und Berufsoberschulen sowie verschiedene berufliche Schulen nehmen regelmäßig an den Rechercheschulungen teil. Interessierte Lehrerinnen und Lehrer wenden sich an schulung(at)hs-kempten.de.

Zeit für 27 Fragen?

Wirkung von Product Placement aus Sicht deutscher Führungskräfte

Benjamin Leising studiert an der Fachakademie für Wirtschaft in München und führt eine
interessante Auswertung zum Thema Product Placement in den Medien durch. Die Ergebnisse der Befragung werden wir innerhalb von Open Password veröffentlichen.

Hier gehts zum Fragebogen:

http://umfrage.cleverdom.net/index.php/444285?lang=de&encode

 

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