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Pushdienst 2016#130

Hillary Clinton – Donald Trump – US-Wahlkampf – Willi Bredemeier – Brandon Teeple – Millennials – dcif - Desinformation

Heute wählt Amerika

Was machen wir,
wenn sich ein wildgewordener
politischer Prozess ad absurdum führt?

Warum dürfen nicht die Deutschen den amerikanischen Präsidenten wählen? Sie würden so viele Gefahren abwenden - für den Weltfrieden beispielsweise, aber auch für den Welthandel, für eine Umweltpolitik, die ihren Namen verdient, für die Vorherrschaft des Westens und der westlichen Werte, für die Abwehr populistischer Wellen in Europa und für einen politischen Diskurs, in dem vernünftige Leute Argumente austauschen. 70% wählten hierzulande Hillary Clinton, 4% Donald Trump.

Nein, nein, das ist ernst gemeint und mehr als ein Gedankenspiel. Amerika ist militärisch, politisch, wissenschaftlich, technologisch, kulturell und wirtschaftlich noch immer so wichtig, dass die Ergebnisse dieser Wahl unser Land wahrscheinlich stärker beeinflussen als jedes innenpolitische Ereignis. Wenn wir so abhängig von den USA sind, sollten wir direkte Mitspracherechte einfordern.

Ziehen wir, bevor wir uns heute Nacht an unseren Fernseher begeben, um dabei zu sein, wenn aus den Bundesstaaten die Wahlergebnisse einlaufen, eine erste Bilanz für die Informationsbranche: Die Medien haben sich mit ihrer Wahlberichterstattung nicht mit Ruhm bekleckert. Indem sie sich auf persönliche Merkmale und die Performance der Kandidaten konzentrierten, versäumten sie es, die politischen Alternativen zu erörtern, vor denen Amerika steht. Indem sie die Aussagen der Kandidaten nebeneinanderstellten, als seien sie gleichberechtigt zu behandeln, taten sie so, als sei dies objektive Berichterstattung. Das war so, als ob man die Thesen, ob die Erde um die Sonne oder die Sonne um die Erde kreiste, mit gleichem Ernst zu erörtern hätte. Hier ist Protest angebracht: Objektive Berichterstattung ja, aber sie sollte inhaltlich Sinn machen.

Für die Analyse hat der amerikanische Wahlkampf zu einer neuen Frage oder vielmehr zu einer alten zwischenzeitlich vergessenen Frage geführt: Was machen wir, wenn sich ein wildgewordener demokratischer Prozess ad absurdum führt? Es ist wahr, diese Frage ist früher von den Demokratieverächtern gestellt worden, aber wir können sie auch stellen, um die Funktionsfähigkeit der Demokratie zu befördern.

Und natürlich ist die Datenbankbranche auch bei diesem Spitzenthema mittendrin im Analysegeschäft. Brandon Teeple zeigt in dem folgenden Beitrag, wie sowohl Hillary als auch Trump 33% der US-Bevölkerung, nämlich die Millenials, weitgehend vergessen haben. Für den gesamten Beitrag https://www.lexisnexis.de/blog/medienbeobachtung/wahlkampf-millennials.

Willi Bredemeier

Amerikanischer Wahlkampf

Clinton und Trump
wählten die falschen „Issues“

Nur 10% der Berichterstattung
ging auf die für Millennials
wichtigen Themen ein

Von Brandon Teeple

Welche Themen interessieren Sie bei der amerikanischen Präsidentschaftswahl am meisten? Ist es der ständig steigende Staatshaushalt? Oder doch der Schutz von Waffengesetzen? Jede Generation empfindet andere Themen als wichtig, je nachdem, in welchem Lebensabschnitt sie sich befindet. Die „Baby-Boomer" (geboren zwischen 1946 und 1964) empfinden die jetzige und künftige soziale Sicherheit als sehr wichtig. Aber wie sieht es mit der Millennium-Generation aus?

Andere Generation bedeutet andere Interessen. Zur Millennium-Generation gehören Personen, die zwischen den frühen 1980er und 2000er Jahren geboren wurden und heute zwischen 19 und 36 Jahre alt sind. Diese Generation ist mit 75,4 Millionen Menschen (das entspricht also fast 92 % der deutschen Bevölkerung) die weltweit umfangreichste.1

Laut einer Pew Research-Studie vertreten Millennials eine liberalere Position gegenüber Themen wie der Legalisierung von Marihuana, der gleichgeschlechtlichen Ehe oder Immigrationsreform. Seit 2014 unterstützen 68 % der Millennials die gleichgeschlechtliche Ehe.2 Im Vergleich dazu tun dies nur 55 % der Generation X (geburtenschwache Generation der Jahrgänge 1965 bis 1980) und 48 % der Baby-Boomer-Generation. Auch die Republikaner unter den Millenials unterstützen die gleichgeschlechtliche Ehe oder haben keine Meinung dazu. Nach Interviews von „Generation Progress" mit jungen Republikanern ist das Verbot gleichgeschlechtlicher Ehe eine Verletzung des gottgegebenen Rechts eines jeden Amerikaners auf Leben, Freiheit und dem Streben nach Glück.

So wie die soziale Sicherheit für die Baby-Boomers relevant ist, beschäftigt die Millennium-Generation eine finanzielle Sorge: hohe Studienkredite. Laut einer Studie der Pittsburgh Post-Gazette haben Millennials durchschnittliche Studienschulden in Höhe von 30.000 US-Dollar, fast das Doppelte der Schulden der vorigen Generation. 70 % aller Studenten müssen einen Bildungskredit für ihr Studium aufnehmen, was langfristige Auswirkungen mit sich zieht. So werden wichtige Meilensteine im Leben wie Hochzeit, Nachwuchs und das Sparen für die Rente immer weiter aufgeschoben. Und damit hören die Probleme nicht auf. 2014 lag die Arbeitslosenquote der amerikanischen 16- bis 24-Jährigen bei 13,6 %. Die Gesamtzahl der Arbeitslosen in den USA lag zu der Zeit gerade einmal bei der Hälfte (6,2 %). Die Zahlen aus 2014 sind aber im Vergleich zu 2010 schon eine deutliche Verbesserung. 2010 erreichte die Quote der jungen Arbeitslosen nämlich einen Rekordwert von 19,6 %. In Anbetracht der Schuldenproblematik der Millennials ist es nicht überraschend, dass eine Umfrage von Public Policy Polling ergeben hat, dass Millennials eher einen Kandidaten wählen, der die Rückfinanzierung von Studienkrediten sowie freie Bildung unterstützt.

Wahlkampfthemen. Doch wie stark thematisieren die diesjährigen Kandidaten die Studienkredite und andere für die Millennials wichtige Bereiche?

Eine mit LexisNexis Newsdesk erstellte Analyse stellt die Prozentangaben der Themen dar, die Hillary Clinton und Donald Trump von Juli bis Oktober 2016 diskutiert haben. Darunter befinden sich Themen wie Abtreibung, Reglementierung von Waffenbesitz und Legalisierung von Marihuana. Die wichtigsten Themen im Oktober sind klar: Steuern, Immigration und Rassenfragen. Letzteres machte seit Juli 2016 13 % der diskutierten Themen aus, vor allem nach den kürzlichen Vorfällen in Charlotte, North Carolina. Im Vergleich dazu ging es in 35 % der Diskussionen um Steuern. Allerdings ist die Anzahl der Meldungen über Steuern deshalb so stark angestiegen, weil die Steuerklärungen von Donald Trump seit der Präsidentschaftsdebatte am 26. September in den Fokus geraten sind und seitdem diskutiert und überprüft werden.

Doch was ist mit den Themen, die für die Millennials wichtig sind? All diese Themen zusammen, machen gerade einmal 10 % der Berichterstattung aus, obwohl 34 % der US-Bevölkerung zu den Millennials gehören. Bedeutet das, dass die Kandidaten diese Themen nicht als wichtig erachten? Haben sie entschieden, diese Themen außer Acht zu lassen, weil die Generation, die wahrscheinlich für sie stimmen wird, eine schlechte Wahlbeteiligung vorweist? Auch wenn niemand das klar beantworten kann, ist es doch sehr unwahrscheinlich.

1 Pew Research Center, 25. April 2016: Millennials overtake Baby Boomers as America's largest generation
2 Pew Research Center, 7. März 2014: Chapter 2: Generations and Issues

Deutsches Competitive Intelligence Forum

Wie CI-Professionals Strategien
der Desinformation in der Wirtschaft begegnen

15.-16. November, Desinformation – The Next Level – 9. Jahreskonferenz des deutschen Competitive Intelligence Forums in Berlin.

Die Wahl des Tagungsthemas wird vom dcif wie folgt begründet: „Diese Angriffsart wird längst nicht nur von Staaten eingesetzt, auch im Wettbewerb werden gezielt falsche Fährten gelegt und Köder verwendet, um Vorteile zu erlangen. Digitale Möglichkeiten bieten hier ganz neue Bühnen.

Competitive Intelligence Professionals müssen dieses Thema annehmen, um solche Ansätze rechtzeitig aufspüren und legale Einsatzszenarien abbilden zu können. Patentanmeldungen, FUD (Fear, Uncertainty and Doubt), Social Engineering, Sockenpuppen und Trolle sind nur einige Stichworte in diesem rasant wachsenden Feld.“

15. November, Workshops, jeweils 14 Uhr: Wie Sie mit Market und Competitive Intelligence starten sollten (Matthias Knapp, SVP Deutschland) – Desinformation: Fälle, Formen und Maßnahmen (Prof. Dr. Martin Grothe, complexium) – IP & CI – Von der Patentanalyse zur Technological Intelligence (Dr. Carsten Deus, c. deus consulting).

16. November, Konferenz, 9 Uhr, Thoughts on Disinfomation (Wang Qiang/Xia Yongqi, Beijing Science and Technology Information Institute/Key Laboratory of Competitive Intelligence and Innovation Evaluation)  - Unternehmensgerichtete Kriminalität im Cyberraum (Alexander Geschonnek, Head Forensic KPMG) – 11.30 Uhr, Die dcif-Software-Landkarte – ein Einstieg – Panel: Alles Software? Auswirkungen für CI-Professionals (Dr. Thomas Keil, SAS Institute – Claus Neugebauer, LPV-con - Prof. Dr. Eike Theobald (HS Pforzheim, Management Monitor) – Prof. Dr. Ralf Wagner (Uni Kassel).

14 Uhr, Boosting CI with Social Media: Wie Intelligence Professionals profitieren können – Erfolgreiche Nutzung von Patent-Informationen für CI (Dr. Michael Huhn, Stolmar & Partner) – 16 Uhr, Unternehmen im Informationskrieg: Zwischen Wahrheit und Lüge (Bernd Buehler, JANUS Consulting) – Aktuelle Herausforderungen für den Wirtschaftsschutz (Mario Fassbender, Verfassungsschutz Brandenburg).

 

 

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