Open Password: Montag, den 19.Sept. 2016

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Information Professionals - Bernd Jörs - Anna Knoll - Steilvorlagen für den Unternehmenserfolg - Kostenfreies Webinar - Bureau van Dijk - Berlin - Hochschulen - Digitalisierung – Elisabeth Simon – ZB MED – Leibniz Gemeinschaft – Forschungsinfrastruktur - Deutsche Universitätszeitung – Hans Spada – Mareike Knoke – Willi Bredemeier

Bereits zum vierten Mal ist die Veranstaltung Steilvorlagen für den Unternehmenserfolg – organisiert und durchgeführt von der Frankfurter Buchmesse und dem Arbeitskreis Informationsvermittlung – die Leitveranstaltung für Information Professionals, Informationsvermittler, Großnutzer und Informationsanbieter im Rahmen der Frankfurter Buchmesse.

Jetzt anmelden: http://www.buchmesse.de/infopro16
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Kommentar

Berlin schafft 50 Stellen für Digitalisierung.
Bringt das was?

Die Politik vergisst unsere Bibliotheken

50 Professuren will Berlin mit dem Schwerpunkt Digitalisierung schaffen.  Fein, es wird gute Projekte geben und vielleicht auch einige gute Erfindungen, nur einen Einstieg der deutschen Gesellschaft in die Digitalisierung ist das nicht.

Google und Facebook sind die herrschenden Konzerne aus den USA und es gibt kein deutsches Äquivalent. Warum? Weil die US-amerikanischen Kids eine Bibliothekssozialisation mit bekommen, aber hier in Deutschland nicht, man bedient sich nicht mal der Bibliotheken bei der Integration, macht sie lieber zu toten Institutionen oder wickelt sie ab.  

 Elisabeth Simon, Verlag für Bibliothekswissen, Berlin

Zentralbibliothek der Medizin

Die Leibniz Gemeinschaft nimmt öffentlich
zur Einstellungsempfehlung

der ZB MED Stellung

Der große Nebelwerfer zur Verschleierung
aller richtigen und relevanten Aussagen

Von Willi Bredemeier

Open Password berichtete, dass die Leibniz Gemeinschaft in den letzten Jahren eine ganze Reihe von wissenschaftlichen Bibliotheken/Fachinformationseinrichtungen zu Fall brachte. Darüber hinaus erzwang sie in den weiteren ihr angeschlossenen nicht wissenschaftlichen Einrichtungen radikale Änderungen, ohne dass die Gründe dafür jemals öffentlich diskutiert und die Folgen dieser Änderungen jemals untersucht wurden. Soweit sich gegen die entsprechenden (zunächst stets befolgten) Empfehlungen des Senates der Leibniz Gemeinschaft öffentliche Kritik erhob, wurden diese schweigend ausgesessen.

Nunmehr hat die Leibniz Gemeinschaft im Falle der ZB MED – nach einer weitgehenden Mobilisierung der Informationsbranche, mehr als 10.000 Unterschriften unter einer Protest-Petition und vielen Experten-Stellungnahmen pro ZB MED – doch einmal zu der eigenen Empfehlung Stellung genommen. Es geht um das Interview der Deutschen Universitätszeitung mit Prof. Dr. Hans Spada, dem Vorsitzenden des Senatsausschusses für Evaluierung in der Leibniz Gemeinschaft („Kaum Forschung betrieben“, in: http://www.duz.de/duz-magazin/2016/10/kaum-forschung-betrieben/396). Die Existenz eines ersten öffentlichen Rechtfertigungsversuches einer Empfehlung des Senates der Leibniz Gemeinschaft lassen sich als ein weiterer wenngleich kleiner Erfolg der Mobilisierungskampagne zugunsten der ZB MED werten.

Allerdings ist das Interview so, wie man dies mittlerweile von der Leibniz Gemeinschaft erwarten darf. Die Kritikpunkte im Einzelnen:

1. Das Interview lässt sich in vier Teile gegliedert sehen, und beginnen wir mal von hinten. Nachdem man die ersten drei Teile gelesen und vergeblich nach Aussagen gesucht hat, die zugleich relevant und richtig sind, hört das Interview auf. Das heißt, dass wir uns mit einem nicht vorhandenen vierten Teil befassen müssen

-          Mit keinem Wort wird im gesamten Interview auf die Mobilisierung der Informationsbranche eingegangen, ohne die es dieses Interview nie gegeben hätte.

-          Noch wird direkt auf die Argumente derer eingegangen, die die Entscheidung der Leibniz Gemeinschaft kritisierten.

-          Mit keinem Wort wird auf die Evaluierung der ZB MED durch die eigene Kommission eingegangen, die die Performance der ZB MED in allen Geschäftsbereichen außerhalb der Forschung lobte und selbst für den Forschungsbereich zu einer viel zurückhaltenderen Abwägung kam als der Senat der Leibniz Gemeinschaft.

-          Mit keinem Wort wird auf die Gründe für eine Zwischenfinanzierung für die ZB MED eingegangen, mit der sich Bund und Land von der Empfehlung des Senates der Leibniz Gemeinschaft distanzierten.

Das gleicht einem Vorgehen in der Forschung, mit dem man den eigenen Ansatz aufrechtzuerhalten sucht, indem man alle Literatur darüber und natürlich die Kritik daran ignoriert.

2. Im dritten Teil des Interviews spekuliert Spada mit seiner Interviewpartnerin darüber, was wohl der ZB MED während der Zeit ihrer Zwischenfinanzierung widerfahren mag. Diese Textpassagen sind irrelevant, da der Leibniz Gemeinschaft in dieser Zeit keine Funktion innehat. Selbstverständlich bleibt die Problematik, was mit der ZB MED geschieht, wenn sie in die Leibniz Gemeinschaft reintegriert werden sollte und dort nach wie vor Einrichtungen der Forschungsinfrastruktur mit Forschungsinstituten verwechselt werden, ausgeklammert

3. Immerhin wird vor allem im ersten Teil des Interviews mit wenigen Sätzen auch auf die Geschäftsbereiche der ZB MED außerhalb der Forschung eingegangen, dies immerhin ein weiterer kleiner Erfolg der Mobilisierungskampagne. Allerdings gilt auch für diesen Teil, dass die Interviewerin auf jede relevante Frage verzichtet und ihrem Gesprächspartner die für ihn opportunen Stichworte serviert. Darüber hinaus behandelt sie falsche Aussagen aus der Leibniz Gemeinschaft als nicht zu bezweifelnde Wahrheiten, indem sie fragt: „Bei der Evaluierung kam jedoch auch heraus, dass viele Mediziner die Angebote der ZB MED wenig nutzen. Sind diese Dienstleistungen nicht zeitgemäß?“ Hätte sich Frau Knoke nur ein wenig mit den Stellungnahmen der Experten in der Mobilisierungskampagne auseinandergesetzt, sie hätte zu einer anderen Meinung kommen müssen. Das ist keine Hofberichterstattung mehr, das ist schlimmer.

Und der Repräsentant der Leibniz Gemeinschaft? Dieser operiert mit Vernebelungstechniken, Halbwahrheiten und mit aus dem Kontext gerissenen Aussagen, die nur deswegen gegen die ZB MED zu sprechen scheinen, wenn der Leser beispielsweise nicht realisiert, dass es sich um einen allgemeinen Trend handelt. Sehen wir uns diese Taktiken an den einzelnen Beispielen an:

-          Was, die Mediziner recherchieren häufiger in PubMed? (Ja, aber die Amerikaner machen es den Informationseinrichtungen in allen Ländern schwer.)

-          Die Einnahmen der ZB MED aus der klassischen Volltextversorgung sind gesunken? (Ja, aber hier handelt es sich um einen allgemeinen Trend, der auch alle anderen Informationsanbieter getroffen hat.)

-          Die Publikationsplattform publisso sollte viel mehr Nutzer haben?  (Aber sie ist doch gerade erst gestartet, und die Evaluierungskommission der Leibniz Gemeinschaft sah diese Plattform als vielversprechend an.)

-          Es fehle im Bereich Lizenzierung an europaweiten Lösungen? (Ja, aber warum legt man das speziell der ZB MED zur Last, wenn es für solche Lösungen doch vieler Partner bedarf?)  

4. Aber natürlich geht es auch in diesem Interview, solange es relevant bleibt wenngleich nicht richtig wird, vor allem um Forschung. Hier versteigt sich Spada zu dem Satz: „Um mit dem veränderten Informationsverhalten und -bedürfnis der jüngeren Wissenschaftler und Studierendengeneration Schritt halten zu können, ist es jedoch erforderlich, im Bereich der Informationstechnologie zu forschen.“ Dieser Satz ist in mehrfacher Hinsicht falsch: Es wird fälschlicherweise nahegelegt, dass die ZB MED hinter der Zeit zurückgeblieben ist und deshalb der Nachfrage nachrückender Generationen nicht nachkommen kann. Es wird ein zwingender Zusammenhang zwischen Nachfrageveränderungen und Forschung vorausgesetzt. Dieser wäre jedoch erst zu erörtern. Wären nicht Markterhebungen und Best-Practice-Recherchen in gleicher Weise geeignet, sich auf Veränderungen der Nachfrage einzustellen? Der zitierte Satz leitet weitere Aussagen ein, die die Politik der Leibniz Gemeinschaft, die von einer Verwechslung von Einrichtungen der Forschungsinfrastruktur mit Forschungsinstituten ausgeht, als alternativlos voraussetzt. Gerade diese Voraussetzung ist jedoch zu kritisieren.

Eine besonders unfaire Aussage Spadas ist der folgende Satz: „Eines der größten Versäumnisse ist aus Sicht des Senats der Leibniz-Gemeinschaft…, dass die vom Bund und vom Land Nordrhein-Westfalen ab 2014 bereit gestellten Mittel für eine Professur im Bereich der Informationstechnologie sowie für mehrere Doktorandenstellen bislang nicht genutzt werden und noch niemand eingestellt wurde.“ Ja genau, 2014. Weiß der Senat der Leibniz Gemeinschaft nicht, wie lange es dauert, bis Kooperationen mit Hochschulen geschlossen und Berufungsverfahren abgeschlossen werden? Hier muss die Frage erlaubt sein, ob der Senat der Leibniz Gemeinschaft der ZB MED absichtlich so kurze Fristen vorgab, um sie anschließend leichter zur Abwicklung freigeben zu können.

Wie sollen wir dieses Interview bewerten? Ein Gespräch, das den Standards der Medien, der Wissenschaft und der Fairness in keiner Weise gerecht wird? Intellektuelles Downgrading? Der große Nebelwerfer, der alle richtigen und relevanten Zusammenhänge verschleiert, nur um der Leibniz Gemeinschaft ein Alibi zu geben? Suchen Sie sich etwas aus.

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