Open Password: Montag, den 27.Juni 2016

 

Festhalten an Terminologien schürt Hoffnung

"Begrüßt" ist viel mehr als nur "zur Kenntnis genommen"

Universitäten zu Bonn und Köln in Schlüsselpositionen

Zurück zur Leibnitz Gemeinschaft als Lösungsweg

Von Michael Klems

Die ZB MED Mitgliedschaft wird zum Jahresende in der Leibniz-Gemeinschaft beendet. Dies hat die GWK beschlossen. Die GWK meldet dies recht kurz und knackig:

"Die DeutscheZentralbibliothekfürMedizin,Leibniz-Informationszentrum Lebenswissenschaften (ZBMED),Köln,erfüllt die Voraussetzungen für die gemeinsame Förderung von Bund und Ländern nicht mehr. Daher scheidet die ZB MED mit Ablauf des Jahres 2016 aus der gemeinsamen Förderung aus. Die GWK hat es begrüßt, dass das Ministerium für Innovation, Wissenschaftund Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen und das Bundesgesundheitsministerium sich gemeinsam darum bemühen wollen, den Erhalt der überregionalen Informationsversorgung in den Lebenswissenschaften sicherzustellen."

Quelle: http://www.gwk-bonn.de/fileadmin/Pressemitteilungen/pm2016-11.pdf

Liest man die gesamte Pressemitteilung so offenbart sich im Abschluss wieder der bereits mehrfach beschriebene Widerspruch zwischen Forschung und den Aufgaben einer Infrastruktur-Einrichtung für die Forschung.

"Die Leibniz-Gemeinschaft umfasst gegenwärtig 88 außerhochschulische Forschungs-und Infrastruktureinrichtungen. Die Forschungseinrichtungen sind auf Forschungsfeldern tätig, welche eine langfristig angelegte Bearbeitung erfordern, in der Regel interdisziplinär ausgerichtet sind und sich wegen ihres Umfangs, ihrer langfristigen Anlage oder ihrer Inhalte nicht für die typische Universitätsforschung eignen. Die Infrastruktureinrichtungen erbringen für die hochschulische und außerhochschulische Forschung wissenschaftliche Informations-und Serviceleistungen. Bund und Länder fördern die Leibniz-Einrichtungen 2016 mit rund 1,2Mrd. Euro."

Blaukraut bleibt Blaukraut und Brautkleid bleibt Brautkleid

Wie eine positive Meldung der GWK aussieht stellt sich nachfolgend dar:

Das Leibniz-Institut für Gemüse-und Zierpflanzenbau e.V. Großbeeren und Erfurt (IGZ)erfüllt am Standort Großbeeren die Voraussetzungen für die weitere Förderung von Bund und Ländernnach der Ausführungsvereinbarung-WGL. Sie werden im Jahr 2020 erneut überprüft. 

Sicherlich verwechselt man jetzt als Autor Kohlkopf mit Kohlrabi, aber soviel Galgenhumor muss sein und offenbart mit welcher wissenschaftlicher Härte die ZB-MED in die Wüste geschickt wird.

Die ZB-MED meldet den Sachverhalt in einer eigenen Pressemitteilung:

Auslauffinanzierung ermöglicht Transformationsprozess und Fortbestand


"Die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz (GWK) hat am 24. Juni beschlossen, dass die Bund-Länder-Förderung von ZB MED – Leibniz-Informationszentrum Lebenswissenschaften zum 31. Dezember 2016 beendet wird. Damit verbunden ist das Ausscheiden aus der Leibniz-Gemeinschaft. Zugleich begrüßt die GWK es, dass das Ministerium für Innovation, Wissenschaft und Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen (MIWF NRW) und das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) sich gemeinsam bemühen wollen, den Erhalt der überregionalen Informationsversorgung in den Lebenswissenschaften sicherzustellen.
Das Auslaufen der regulären Bund-Länder-Finanzierung zum Ende des Jahres 2016 ist nicht gleichbedeutend mit einer Schließung. Eine Auslauffinanzierung sichert den Erhalt der Stiftung „Deutsche Zentralbibliothek für Medizin (ZB MED)“ bis zum Ende des Jahres 2019. In diesem Zeitraum wird die Einrichtung sich neu aufstellen. Ziel ist es, im Anschluss an die Übergangszeit wieder in die reguläre Bund-Länder-Finanzierung aufgenommen zu werden. Dieser Prozess wird vom Land NRW, vertreten durch das MIWF, und dem Bundesgesundheitsministerium unterstützt. Dass die GWK diese Planungen begrüßt, kann als positives Signal gewertet werden.


Der Transformationsprozess von ZB MED hin zu einem modernen Fach-informationszentrum wird nun baldmöglichst eingeleitet. Ein wichtiger Teil des Prozesses ist die gemeinsame Berufung einer W3-Professur mit der Universität zu Köln sowie einer W2-Professur mit der Universität Bonn. Die W3-Professur übernimmt zudem die Leitung von ZB MED. Die Berufungsverfahren pausieren, seitdem im März der Senat der Leibniz-Gemeinschaft empfohlen hat, ZB MED nicht weiter von Bund und Ländern zu finanzieren. Dem Vernehmen nach sind die Universitäten jedoch bereit, die Verfahren jetzt wieder aufzunehmen. Die Verhandlungen dazu sind bereits angelaufen.


Nachdem im März bekannt wurde, dass die Finanzierung von ZB MED gefährdet ist, hat sich eine breite Protestwelle formiert. Die aus der Wissenschaftsgemeinschaft initiierte Online-Petition „#keepZBMED“ wurde von fast 10.000 Personen unterzeichnet und teilweise kommentiert. Zudem haben sich zahlreiche Fachverbände an MIWF und BMG gewandt, darunter zum Beispiel die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) oder der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie (BPI). In Stellungnahmen, offenen Briefen oder ähnlichem forderten sie den Fortbestand der Einrichtung als wichtiger Informationsversorger in den Lebenswissenschaften. Der nun eingeschlagene Weg kann dies ermöglichen."

Das Ende ist nicht Nah - aber irgendwie doch

Die Weiterfinanzierung über das Land NRW, dessen finanzielle Situation und mit Dauerschwankungen durchzogene Bildungs- und Wirtschaftspolitik bekannt sein sollte, wird zum Notanker der Einrichtung. Hier wird sicherlich mit Einschnitten durch Stellenumschichtungen und Streichungen zu rechnen sein. Mit Streichungen sind auch Leistungsrücknahmen gemeint. Ob der weiterhin angestrebte wissenschaftliche Forschungsansatz unter Einbeziehung der Unis Bonn und Köln der Weisheit letzter Schluss sein wird, kann sich erst in einigen Monaten, wenn nicht sogar Jahren zeigen.

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