„Transforming Information into Knowledge“ - 25 Jahre infobroking lutz

Ein Rückblick und Ausblick von Wolfgang Lutz

Was vor 25 Jahren in einer Studentenbude in Augsburg begann, hat sich heute als Nische im Bereich „Informationsdienstleistung“ etabliert.

Als Wolfgang Lutz während des Studiums der Betriebswirtschaft in Augsburg mit seinem Partner am 1. Januar 1993 den Gesellschaftsvertrag unterschrieb, war von World Wide Web für die Öffentlichkeit noch nicht viel zu sehen. In das Datennetz musste man sich damals via Datex-P mit einem Modem einwählen. Abfragen wurden mit einer speziellen Sprache ausgeführt und anschließend konnten die Rechercheergebnisse aus den Hostcomputern auf den eigenen übertragen werden. Eine spannende Sache, dachte sich Lutz, und so wurde kurzerhand noch während des Studiums das StartUp im Bereich „Online-Informationsdienstleistung“ gegründet.

 

Schnell gelang es dem StartUp, Interessenten für die innovative Recherchedienstleistung zu gewinnen. Mit Werbebriefen und direkter Ansprache von potentiellen Kunden konnten schon in den ersten Jahren die Siemens AG und auch große Unternehmensberatungsgesellschaften wie die Boston Consulting Group (BCG) gewonnen werden.

Die GbR blieb bis 1997 bestehen. Nach dem Ausstieg des Partners folgte die Weiterführung als Einzelfirma unter der Firmierung „infobroking lutz“ in Ulm.

Ziel des Unternehmens ist die bestmögliche Informationsversorgung der Kunden — »Transforming Information into Knowledge«. Kunden werden in die Lage versetzt, mehr Umsatz zu generieren und auf dem Markt optimal präsent zu sein.

 

Um diesem hochgesteckten Ziel zu entsprechen, setzt infobroking lutz auf zwei Standbeine:
ein umfassendes Angebot an B2B Adressen sowie das klassische Angebot des Informationsvermittlers.

 

Das erste Standbein beinhaltet die Vermarktung von weltweiten B2B-Adressen verschiedener Adresslieferanten. Für jeden Kunden wird eine individuell geschnürte Lösung gefunden. Durch seine 25-jährige Erfahrung im Bereich Adressdatenbanken und B2B-Marketing werden auch schon mal Neukunden überzeugt, die bisher das Social Media Marketing als ihren alleinigen Partner angesehen haben. Die Kunden schätzen den Wert der persönlichen Beratung. In Ergänzung dazu gibt es seit 2016 den neuen Adressenshop http://www.adressen.shop . Angeboten werden deutsche Top-Branchenadressen sowie weltweite Top-Ausstelleradressen.

 

Beim zweiten Standbein, dem klassischen Angebot des Infobrokers, setzt infobroking lutz verstärkt auf Fragestellungen aus dem Bereich „Unternehmensinformationen“. Anfragen bzw. Aufträge (Mailingadressen weltweit, individuelle Datenerfassung, Unternehmensauskünfte, Bonitätsauskünfte, Handelsregisterauskünfte, Marktstudien, weltweite Importzahlen/Exportzahlen, medizinische Fachrecherchen) lassen sich mit einfachen Formularen über die Webseite https://www.infobroking.de kommunizieren.

 

Die individuelle Datenerfassung, Datenanalyse sowie der Umgang mit der Datenflut wird im Zeitalter von BigData und Industrie 4.0 immer stärker gefragt. Die jahrelange Erfahrung im Umgang mit Daten kommt dabei dem Dienstleister zu Gute. Mittels geschulter Fachkräfte und geeigneter Kooperationspartner wird immer eine geeignete Lösung gefunden. Der Hype um „Big Data“ ist allerdings teilweise nicht mehr als ein Hype. Das, was dort als neu verkauft werden soll, setzt infobroking lutz seit 25 Jahren in der Realität um.

 

Zielgruppen für die umfassende Dienstleistung sind alle Unternehmen aus dem gesamten B2B-Bereich, Entscheider aus allen Führungsebenen, Werbeagenturen, Callcenter, Marketing Manager sowie der gesamte Einkauf.


Wie aus Information Professionals Hidden Information Champions werden

Schreiben um jeden Preis? - Meine 3 Themen-Tipps für Ihre Publikationen

Von Michael Klems

Information Professionals stecken in einem Dilemma. Wie andere Dienstleister sollten sie im eigenen Interesse möglichst viel publizieren. Siehe dazu unsere mehrfache Berichterstattung in der letzten Woche. Aber Beiträge bis zur Veröffentlichungsreife zu bringen, erfordert einen erheblichen Aufwand, zumal jeder Beitrag einen Mehrwert für die Kunden haben soll. Dazu kommt, dass sich das Schreiben und Publizieren nicht von selbst in den beruflichen Alltag integriert. Ein strenges Haushalten mit den eigenen Kräften ist unerlässlich.

 

Die technischen Anforderungen eines Blogbetriebs sind hingegen geringfügig, sobald man sich mit ihnen vertraut gemacht hat. Welche neuen technischen Entwicklungen auf uns zukommen und welche Chancen damit verbunden sind, werde ich in einem späteren Beitrag erörtern. Weitaus schwieriger als die Technik ist das Finden von Themen, die im Markt Gehör finden, so dass sie geeignet sind, die Reputation des Autors in seiner Zielgruppe zu fördern. Für den frustfreien Einstieg lege ich Ihnen drei Thementipps ans Herz. Während sich Willi Bredemeier am Freitag an der Themenfront „Über den Tellerrand schauen“ abgearbeitet hat, geht es mir heute vorranging darum, unsere Kunden direkt bei ihren Bedürfnissen zu packen.

 

Anzeige

 

Sie verfügen über wichtige exklusive Informationen, an die Ihr Kunde nicht ohne weiteres herankommt. “Fish - where the fishes are.” Bewegen Sie sich thematisch dort, wo Ihre Kunden sind. Beleuchten Sie aktuelle Fachthemen Ihres Fachgebietes, die das jeweilige Sachgebiet Ihres Recherchefeldes beleuchten. Lassen sie Ihre Recherche-Performance spielen und werden so gesehen zum Fachjournalisten. Auf längere Sicht besteht die Chance, einen Expertenstatus zu erlangen.

 

 

Stellen Sie unter Beweis, dass Sie über Informationen verfügen, die Ihre Kunden- und Zielgruppe dringend benötigt, an die sie aber nicht so einfach herankommt. Aber denken Sie auch daran, dass das, was Sie bringen, attraktiv herüberkommt. Das kann auch eine inhaltliche Auflockerung bedeuten, beispielsweise die Anreicherung eines Newsletters um Skurrilitäten, solange nur die Mehrzahl der Informationen von strategischer Bedeutung sind. Diese Richtung schlägt Frau Dr. Bromann mit ihrem Japan-Consulting-Blog (http://blog.bromann-japanconsulting.de/) ein. Sie beleuchtet rein wirtschaftliche Themen zu Japan, geht aber auch auf Randthemen beispielsweise aus dem Sport ein.

 

In einem aktuellen Videobeitrag spreche ich Entscheider auf professionelle Datenbanken an.

 

Sie lassen Ihre Kunden an Ihre Erfahrungen in Form spannender Erfolgsgeschichten teilnehmen. Kunden und Leser lieben erfolgreiche Menschen. Mit ihnen möchte man sich umgeben und seinen Nutzen aus dem Umgang mit ihnen ziehen. Solche Erfolgsmenschen sind wir auf den ersten Blick nicht. Vielmehr erscheinen vielen die Dienstleistungen eines Information Professionals im Zeitalter von Suchmaschinen und offenen Webquellen überflüssig. Im allerbesten Fall sind wir also keine Champions, sondern Hidden Information Champions. Dazu müssen wir aber erst in glaubwürdiger Weise werden.

 

Geht das überhaupt und können wir das? Yes, we can. Beispielsweise, indem wir den Ablauf von Projekten als Erfolgsgeschichte erzählen und auf diese Weise unter Beweis stellen, warum Kunden auf spezialisierte Informationsbeschaffung angewiesen sind. Das sind spannende Geschichten insbesondere auch dann, wenn es im Verlauf des Projektes zu veränderten Fragestellungen kam oder die Strategie umgestellt werden musste. Diese Geschichten sind nicht an sich spannend. Aber sie können als spannende Geschichte erzählt werden (Storytelling). Damit haben wir in einer Nussschale die Rezeptur eines Erfolgsblogs, Kundenmagazins oder Newsletters vor uns.

 

Vermeiden Sie Werbliches, wo immer es geht. Die besten Kunden finden Sie von ganz allein.

 

So viel Werbung muss allerdings sein, dass Sie immer auffindbar sind. Ihre Kommunikationsdaten gehören also in jedem Fall zu jedem Ihrer Beiträge . Dies gilt insbesondere, wenn Sie bei Dritten publizieren.

 

Treten Sie nicht als Wissenschaftler auf und sehen Sie sich nicht als Konkurrenten der Wissenschaftler. Wenn Sie studiert haben, haben Sie die „Technik des wissenschaftlichen Arbeitens“ in einem Proseminar oder auf andere Weisen erlernt. Vergessen Sie das alles, wenn Sie mit Ihrem Kunden kommunizieren. Beherzigen Sie eher das, was Willi Bredemeier am Freitag über die Texte mit den vielen Fußnoten schrieb. Die öffentlich finanzierte Wissenschaft hat die Zeit und Ressourcen, auch kleinere Winkel von Themen auszuleuchten und sich auf verschlungene Argumentationspfade einzulassen. Dazu reden sie in erster Linie nicht zu den Kunden oder allgemeiner zur Praxis, sondern zunächst einmal zu anderen Wissenschaftlern.

 

Anzeige

 

Dem Wissenschaftler geht es in erster Linie um neue Erkenntnis, während es für Sie um die Vermittlung eines praktischen Mehrwerts an Ihre Kunden geht. Formulieren Sie diesen so einfach und verständlich wie möglich und dies möglichst im ersten und einzigen Satz Ihres Beitrages. Und packen Sie den Mehrwert in Ihre Überschrift. Damit haben Sie auch das Thema Ihres Beitrages formuliert. Sehen Sie zu, dass Sie in jedem Satz Ihres Beitrages dabeibleiben. Und natürlich: Wählen Sie ein Thema, das die Vermittlung eines praktischen Mehrwerts und am Ende das Ernten eines Auftrags möglich macht.

 

Das heißt nicht, dass wir nicht unsere Wissenschaftler liebten. Wir treffen uns wieder in unserer überschaubar gewordenen Branche. Wir diskutieren mit ihnen, wir lernen von ihnen (sie vielleicht auch gelegentlich von uns) und hier und da kritisieren wir einander. Aber wenn wir ihr publizistisches Procedere nachäffen, tun wir weder ihnen noch uns noch unseren Kunden einen Gefallen.

 

Open Password freut sich auf Ihre Beiträge.


Wie und worüber wir publizieren sollten

Den Netzwerken nicht Strafzahlungen und willkürliche Löschungen,sondern Moderation abverlangen

Von Willi Bredemeier

Michael Klems hat in dieser Woche ein weiteres Mal unser Mantra wiederholt, dass die InfoPros im eigenen Interesse mehr publizieren sollten. Veröffentlichungen erhöhen Bekanntheit und Reputation, schaffen auf längere Sicht Kundschaft herbei und helfen, die eigene Marktnische gegen Invasoren von außen abzusichern.

Publizieren wie und worüber? Das sind Fragen, die bislang weder von uns noch von anderen abgedeckt werden. Weil wir die Meinungsfreiheit nicht einschränken wollen? Nun, eine Zensur findet nicht statt, wenn wir über Möglichkeiten professionellen Schreibens reden. Weil die Antworten selbstverständlich sind? Das sehe ich nur teilweise so.

 

Anzeige

 

So nehmen sich viele InfoPros, wenn sie doch einmal zu schreiben beginnen, den Wissenschaftler zum Leitbild und schleppen damit unnötigerweise Fußnoten, Literaturverzeichnisse, Nebenthemen, die von den zentralen Aussagen ablenken und zu einer unverhältnismäßigen Länge eines Beitrages führen, sowie eine Fachsprache mit, die die Adressaten abschrecken. Wenn schon ein Leitbild fürs Schreiben gefragt wird, so stelle ich mir den Redakteur einer nationalen Tageszeitung vor, der ein Spezialist dafür ist, komplexe Sachverhalte verständlich, seriös und attraktiv für seine Zielgruppe aufzubereiten. So komplex ist im übrigen unsere Branche nicht, dass sich nicht alles verständlich ausdrücken ließe, von wenigen speziellen Themen für sehr kleine Lesergruppen vielleicht abgesehen. Und klar, ein Leitbild zu haben, bedeutet nicht, es diesem alsbald gleich zu tun. Wie bei vielen Handwerkern, so macht auch hier die Übung den Meister.

Publizieren worüber? Das sind selbstverständlich die Aufgaben und Herausforderungen, die wir heute und auf längere Sicht zu bewältigen haben. Allerdings hat die Branche und insbesondere die Informationswissenschaft beansprucht, über die Informations- und Wissensgesellschaft und ihre Gestaltungsmöglichkeiten mitzureden. Open Password fordert im Verbund mit der „Steilvorlagen“-Veranstaltung immer wieder dazu auf, über den eigenen Tellerrand zu blicken. Nun sind diese Aussagen sehr abstrakt und sollten nicht dazu führen, über alles und jedes zu schreiben, beispielsweise sich an jeder aktuellen Erörterung eines Internet-Themas zu beteiligen. Haben wir Eigenes in Sachen „Netzneutralität“ sein? Da würde ich intuitiv erst einmal „Nein“ sagen.

Mir sind drei Kriterien eingefallen, wie man zu einer sinnvollen weiteren Konkretisierung der obigen Forderungen und damit zu handlungsfähigem Wissen kommen kann:

• erstens, allgemeine Internet-Trends, beispielsweise die Digitalisierung oder die Blockchain-Technologie, auf ihre Bedeutung für Information Professionals zu beziehen;

• zweitens nur zu publizieren, wenn man wirklich etwas zu sagen hat, also sich nicht nur in den Mainstream oder in eine der Parteien in einem Polarisierungsprozess einzureihen und nur das zu wiederholen, was andere veröffentlicht haben;

• drittens vor allem dann zu publizieren, wenn man eine Chance hat, gehört zu werden.

Allgemeine Trends auf unsere Branche herunterbrechen. Es ist nicht immer einfach, allgemeine Trends auf kleine Gruppen herunterzubrechen. Ein gutes Beispiel ist „Big Data“, wo es schon ein Overkill an Beiträgen gibt, in denen die Information Professionals aber nicht vorkommen. Die Informationsbranche hat eine ganze Reihe von Veranstaltungen zu „Big Data“ durchgeführt, aber wir haben immer nur zugehört und keiner hat Spezifisches zur Bedeutung von „Big Data“ für Information Professionals zu sagen gewusst. Umso mehr freue ich mich, einen Beitrag von Yannick Loonus in Open Password anzukündigen, der eben dies thematisiert und eine Vielzahl von Einsatzbereichen von Big Data für InfoPros findet und dazu spezielle Zusammenhänge für Information Professionals in der pharmazeutischen Branche und bei Finanzdienstleistern thematisiert. Möge sein in Kürze erscheinender Beitrag viele Nachahmer finden.

Neue Argumente außerhalb des Mainstreams und von Polarisierungsprozessen. Wenn wir über die Wissensgesellschaft mitreden wollen, müssen wir auch etwas zu sagen haben. Wo haben wir nun unseren USP (= Unique Selling Point)? Hier sind mehrere Antworten möglich. Beispielsweise habe ich immer engere Zusammenhänge zwischen Dokumentation und Journalismus oder zwischen Informationsgenerierung und intellektuelle Informationsverarbeitung als zwischen Dokumentation und Informatik gesehen. Da ich an dieser Schnittstelle beheimatet bin, konnte ich anlässlich der öffentlichen Erregung über „Google Maps“ darauf verweisen, dass sich die Politiker in ihrer Abneigung über die Internet-Konzerne verrannt hatten, indem sie die Hausfassaden als Privatsphäre ihrer Besitzer bezeichneten, obgleich diese die öffentliche Repräsentanz ihrer Eigentümer sind und es die Architektur als Kunst und als Handwerk nicht gäbe, wenn sich Individuen und Institutionen nicht über Steine und Wände öffentlich präsentieren möchten.

Im Streben nach Akzeptanz bescheiden bleiben. In der Informationsbranche sind die Chancen, publiziert zu werden, gar nicht so schlecht, nicht zuletzt wegen der Angebote von Open Password. Auch kann man bereits seine Chancen verbessern, zur Kenntnis genommen zu werden, wenn man sich ansieht, wie es die anderen machen. Allerdings mag man sich vieles mehr wünschen, beispielsweise, nicht nur zur Kenntnis genommen, sondern auch gelesen zu werden, sogar zu überzeugen, wenn nicht Debatten loszutreten, und andere in ihrem Verhalten und Politiken zum Besseren zu veranlassen. Hier lehrt uns Michael Klems, bescheiden zu bleiben, wenn er das voraussichtliche Response auf seine Videos berechnet. Im Übrigen ist das Finden größerer Akzeptanz auch eine Sache von Glück, aber wer viel publiziert, hat durchaus mal Fortune. Leider ist der Prozess der Akzeptanzgewährung ein weitgehend irrationaler und von Willkür getriebener Prozess, und es sollte überlegt werden, was sich unternehmen ließe, um dem besseren Argument in gesellschaftlichen Prozessen zum Sieg zu verhelfen. Aber das ist nicht unser Thema für heute.

 

Das Beispiel Netzwerkdurchsetzungsgesetz:

Warum die gegenwärtigen Regelungen und Erörterungen von einem falschen Ansatz ausgehen.

Spielen wir unsere Überlegungen an einem aktuellen Beispiel öffentlicher Empörung, über die am Netzwerkdurchsetzungsgesetz durch. Haben wir hier einen USP? Ja, da es vor allem um die Zurückdrängung von „Fake News“ geht, und was wäre die Informationsgenerierung und intellektuelle Informationsverarbeitung ohne den Wahrheitsbegriff?

Ist es unabhängig von der öffentlichen Empörung dringlich, Positionen zu beziehen? Ja, denn die Sozialen Medien haben die jüngeren Alterskohorten weitgehend im Griff und nicht nur die Aufgabe des Wahrheitsbegriffs, sondern auch die Verrohung in den Kommunikationen untereinander haben nicht nur dort, aber vor allem dort ein erschreckendes Ausmaß angenommen. Noch schlimmer, die Sozialen Medien sind zum Schauplatz eines neuen Kalten Krieges geworden, in dem Bots und Schreiberlinge zum Illegitimierung und Destabilisierung demokratischer Gesellschaften eingesetzt werden. Bereits heute haben sie den Anstieg des Populismus begünstigt und den amerikanischen Wahlkampf womöglich zum Schlechteren entschieden.

Eine regulierungsfreie Spielwiese dürfen Internet und Soziale Medien demnach nicht sein. Aber ist das Netzwerkdurchsetzungsgesetz ein geeignetes Tool, um Fake News zu eliminieren, zur Netiquette anzuhalten und den Kalten Krieg außen vor zu halten? Im Kern werden mit diesem Gesetz Soziale Netzwerke mit mehr als zwei Millionen registrierte Mitglieder verpflichtet, offensichtlich rechtswidrige Hetze und Falschmeldungen binnen 24 Stunden zu löschen. Nun wird vermutet, die Beauftragten der Netzwerke würden weit mehr als notwendig eliminieren, um den angedrohten hohen Strafzahlungen zu entgehen. Damit werde jedoch Zensur ausgeübt. Die Fraktionsvorsitzende der Linken, Sahra Wagenknecht, kann auf einen weitgehenden gesellschaftlichen Konsens bis hin zur AfD vertrauen, wenn sie behauptet, das Gesetz schlage „allen rechtsstaatlichen Grundsätzen ins Gesicht“. Nicht private Unternehmen, sondern Richter müssten entscheiden, was rechtswidrig sei.

 

Bei den Sozialen Medien sollte es nicht um die Eliminierung strafrechtlich relevanter Inhalte, sondern um die Förderung von Qualität gehen.

 

Noch einmal: Haben wir von der Informationsbranche dazu etwas zu sagen? Ich behaupte: Ja, sofern wir an der Schnittstelle zwischen Journalismus und Dokumentation beheimatet sind.

Zuvor aber noch ein paar allgemeine Einwände: Positiv ist anzumerken, dass für das Netzwerkdurchsetzungsgesetz eine Erprobungsphase vorgesehen ist, da wir anders als dies die öffentliche Empörung suggeriert gar nicht wissen, wie die einzelnen Bestimmungen wirken. Zweitens sind die Löschungen im Satireorgan Titanic und eines Tweets des Bundesjustizministers keine ausreichenden Gründe, um ein Gesetz zu falsifizieren. Fehler passieren überall, und viele Menschen sind unterschiedlicher Meinung, ob Böhmermanns Einlassungen über Erdogan noch Satire oder schon Beschimpfungen sind. Jedenfalls sollten wir auch in politischen Diskussionen fehlertoleranter werden. Drittens ist die von Sarah Wagenknecht vorgeschlagene Regelung offensichtlich unpraktikabel, da sie zu einer Überlastung des Justizapparates führen und bei den Sozialen Medien (fast) alles beim Alten belassen würde.

Mein Haupteinwand ist jedoch, dass die Sozialen Medien nicht nur von Sahra Wagenknecht, sondern auch vom Bundesjustizminister als Entität sui generis und nicht als das, was sie sind, nämlich als Medienprodukt, gesehen werden. Ginge man von letzterem aus, so sähe man schnell, dass Probleme der Falschmeldungen, der Hetze und der politischen Instrumentalisierung nicht in jedem Fall, aber insgesamt gesehen zufriedenstellend von den meisten anderen Medienprodukten, unter anderem der Presse, gelöst werden. Das geschieht, indem die „Posteingänge“ von dafür qualifizierten Redakteuren moderiert werden. Der Übergang zu diesem Ansatz wäre durchaus ein radikaler Schritt, da es nun nicht mehr um die Eliminierung strafrechtlich relevanter Inhalte, sondern um die Förderung und Sicherstellung von Qualität ginge. Aber warum diese Lösung für Soziale Medien nicht funktionieren sollte, dafür fehlt bislang jede Begründung.

 

Anzeige

 

Ginge man von den Sozialen Medien als Presseerzeugnis aus und verlangte man ihnen eine Moderation der Eingänge ab, dann ließen sich in einem zweiten Schritt auch Spezifika Sozialer Netzwerke berücksichtigen. Soziale Medien unterscheiden sich von klassischen Presseerzeugnissen dadurch, dass eine radikale Demokratisierung der Autorenschaft stattgefunden hat und der Tendenz nach jeder Bürger zum Publizisten geworden ist. Das publizistische Upgrading des einfachen Bürgers bringt aber auch Verantwortlichkeiten mit sich und bedarf, wenn er seiner Verantwortung nicht nachkommt, eines Gatekeepers. Den damit großen Massen an Texteingängen würde man besser Herr, wenn man sich bei der Moderation im Routinefall auf Stichproben beschränkte, sich zunächst auf besonders kritische Fälle konzentrierte und bei der Entdeckung beispielsweise problematischer Chatgruppen auch auf die Mithilfe und Intelligenz, also auf die „Wisdom der Crowd“, verließe.


3 x 100 Programm - Der Nachfolger zu meinen täglichen Videos

Ein Appell und eine Ermunterung für Nachahmungstäter

(M.K.) Jedes Jahr beginnt mit guten Vorsätzen und Absichtserklärungen. Mit meinem Kollegen in der Sonntagskolumne habe ich bereits über das Thema “Gute Vorsätze” gesprochen. Den Videobeitrag zur S.M.A.R.T-Methode finden Sie hier:

 

 

Auch ich habe mir für dieses Jahr an Veröffentlichungen einiges vorgenommen. Dabei hatte ich schon im letzten Vierteljahr 2017 ziemlich aufgedreht, indem ich täglich ein neues Video im Rahmen der Serie „Aus dem TageVlog eines Infobrokers“ veröffentlichte. 2018 soll es nun sogar ein Mehr geben. Ich nenne dieses Vorhaben das „3x100-Programm“. Dabei bin ich sicher, dass mindestens ein Leser schon jetzt hocherfreut über dieses Programm ist. Falls Sie es nicht wissen, hier kommt der Tipp: Er sitzt virtuell neben mir in der Redaktion von Open Password und spart sich so seine Arbeit am Wochenende und wir haben schon mal (fast) eine Password-Ausgabe zum Wochenbeginn.

 

„3 x 100“ ist das Kontrastprogramm zu einer publizistischen Diät wenn nicht einer Hungerkur. Solche betreibt unsere Branche inhaltlich und mengenmäßig seit einer Reihe von Jahren. Dünner kann es kaum werden. Schon langem postulieren Willi Bredemeier und ich, dass die Information Professionals publizieren sollten. Wie sollen wir zu Gesprächen zusammenfinden, wenn wir nicht die Öffentlichkeit suchen? Das sollte sich 2018 ändern und nicht nur durch mein „3 x 100“-Programm.

 

Transparentes Vorhaben

Konkret bedeutet „3 x 100“, dass ich 100 Videos, 100 Artikel oder Beiträge und 100 neue Festpreis-Produkte auf den verschiedensten Kanälen veröffentlichen werde. Welche Inhalte, Strategien und Plattformen dahinterstecken, wird Ihnen von Veröffentlichung zu Veröffentlichung deutlicher werden und am Ende werde ich eine Bilanz ziehen. Auch können Sie alle Schritte meines Vorhabens direkt über eine offene Google-Tabelle verfolgen.

 

Link zur Tabelle: https://docs.google.com/spreadsheets/d/16oicFSdprldm41M-vcR78IjYyfO9-1MO74NEI7bgyg4/edit?usp=sharing

 

Ist das Vorhaben realistisch, das mein Kollege in der Redaktion von Open Password „noch gigantischer“ nennt? 300 Beiträge in zwölf Monaten ist ein verdammt dickes Brett. Dennoch ist das Vorhaben realistisch, nachdem ich gezeigt habe, dass das Veröffentlichen von 130 Videobeiträgen in drei Monaten möglich ist.

Nutzwert?

Ist der Aufwand auch lohnend? Eine einfache Rechnung lässt sich schon jetzt anstellen. 300 x 30 Views = 9.000 Views in Summe. Erfolgen aus diesem Engagement 0,03% Rückläufe, so ergeben sich aus 9.000 Lesebetrachtungen 30 konkrete Rückläufe. Dazu kommen überraschende Feedbacks und Erfolge, die wir heute noch nicht kennen, die es aber mit Sicherheit geben wird und die dazu beitragen, das Jahr 2018 spannend zu machen.

 

Anzeige

 

Mein Programm ist auch als Ermunterung und Appell für mögliche Nachahmungstäter gedacht. Wer schreibt, der bleibt und erhält Aufmerksamkeit und Reputation. Lässt man diese Potenziale ungenutzt, zieht der Markt an einem vorbei. Das ist Konsens weit über unsere Branche hinaus.

 

Und wer seine Publikationschancen nicht nutzt, lädt seine Konkurrenz dazu ein, die eigene Marktnische mit Veröffentlichungen und eigenen Angeboten zu besetzen. Mit großer Sorge sehe ich, dass Domänen der Information Professionals durch Veröffentlichungen aus dem Beratungsumfeld verstopft werden. Bereits jetzt sind mir eine Reihe Dienstleister bekannt, die zu Themen aus dem Berufsbild des Information Professionals veröffentlichen und solches mit einem Angebot an Beratungsleistungen kombinieren. Dabei sind sie in den von ihnen bevorzugten Veröffentlichungskanälen recht dominant.

 

 

Es ist höchste Zeit für uns, in diesen publizistischen Wettbewerb einzusteigen. Also machen Sie mit! Es müssen ja nicht gleich 300 Veröffentlichungen im Jahr sein.

Dies ist der erste Beitrag von 300. Den zweiten finden Sie auf YouTube unter: https://youtu.be/6hobcIZH3nk


40 Jahre GBI-Genios - Das Jubiläum des Jahres

Am Freitag, den 5. Januar, ist GBI-Genios (München) 40 Jahre alt geworden. Zweifelsohne handelt es sich um das Jubiläum des Jahres in unserer Branche. Aber warum, mögen sich unsere Newcomer fragen. Dazu fallen mir sieben Gründe kombiniert mit einem Griff in unsere Geschichte ein:

 

Was haben wir poniert, innoviert und gefeiert, allen voran die GBI-Gründer (von links nach rechts) Peter Müller-Bader und Christoph Aschoff.

 

1) 40 Jahre sind wie viele Internet-Zeitalter? Jedenfalls stirbt es sich in Internet-Zusammenhängen leicht. Schauen Sie um sich und Sie müssen vielleicht längere Zeit suchen, bis Sie auf Einrichtungen kommen, die nach vier Jahrzehnten immer noch existieren. Oder eine Bedeutung für unsere Branche behalten haben. So gibt es den einstigen Beherrscher unserer Branche, das Bundesministerium für Forschung und Technologie (BMFT), unter einer anderen Bezeichnung zwar immer noch, aber durch seine Selbstentmachtung und Abschaffung zuständiger Referate wurde es weitgehend unbedeutend für uns. Besonders überlebensgefährdet waren natürlich jene Unternehmen, die ihr Geld auf dem Markt verdienen mussten. Da ist sogar Password, wenn wir es mit Open Password zusammenwerfen, mit seinen 32 Jahren ein Methusalem, und sprechen die 40 erfolgreichen Jahre von GBI-Genios für besondere Überlebenskunst.

 

2) Die Online-Wirtschaftsinformationen im deutschen Sprachraum heimisch gemacht. Bis die Gesellschaft für Betriebswirtschaftliche Information (GBI) in München (1978) und GENIOS-Wirtschaftsdatenbanken (1986) in Düsseldorf auf den Markt gingen, wurden Online-Informationen in Deutschland weitgehend mit technisch-naturwissenschaftlichen Daten gleichgesetzt (von den Echtzeitkursen für Finanzdienstleister abgesehen). Hier war eine Pioniertat zu vollbringen, und die beiden Einrichtungen meisterten sie in teilweise erzwungener Kooperation und teilweise erbitterter Konkurrenz zueinander mit Bravour. Ich erinnere mich gut, wie wir auf der ersten Road Show der Branche in Trägerschaft von GENIOS in den Metropolen der Branche unter hundert Teilnehmern gar nicht erst anfingen. Keiner der Teilnehmer schien genug zu bekommen, wenn wir ihn über die wundervollen Möglichkeiten der neuen Technologie (teilweise noch mit Akkustikkoppler betrieben) in Kenntnis setzten. Es war so viel zu tun, dass wir kaum mehr aus dem Flieger herauskamen und das Flugzeug für uns unsere neue S-Bahn wurde. Ja, auch daran erinnern wir uns, wie die staatlichen Fördermittel und privaten Investitionen nur so flossen und Manna auf all unseren Wegen war.

 

Anzeige

 

3) Ein Stück „deutscher Sonderweg“ zum Wohle der deutschen Publizistik und Wirtschaft gerettet. Das BMFT versuchte mit seinen Fachinformationszentren einen „deutschen Sonderweg“ in der Online-Information zu gehen und erlitt gegen die großen sich weltweit durchsetzenden Internet-Konzerne eine endgültige Niederlage. Was vom „deutschen Sonderweg“ blieb, waren ausgerechnet die deutschen Wirtschaftsinformationsanbieter, die nicht öffentlich gefördert worden waren. Das wirkte sich zum Wohle der deutschen Publizistik und der deutschen Wirtschaft aus. Denn die internationalen Internet-Konzerne interessierten sich zunächst einmal für die DAX-Konzerne und deren Informationsbedarf und meinten, sie könnten ihr Angebot entsprechend beschränken. Dagegen sog insbesondere die GBI(und in ihrem Gefolge auch GENIOS und teilweise die internationale Konkurrenz) noch die Angebote von Kleinst-Contentproduzenten wie ein Schwamm in ihr Angebot auf. Diese Praxis wurde bis heute beibehalten. Damit leistet das Unternehmen einen Beitrag zur Vielfalt unseres Medienwesens, die weltweit ohnehin einmalig ist, und zur vollständigen Bedienung von Informationsinteressenten selbst in kleinsten Nischen.

 

4) Ein Anflug von „German Dream“ für die deutsche Online-Branche. Die Gründer der GBI, Peter Müller-Bader und Christoph Aschoff, begannen ihre Geschäfte damit, dass sie ihren Mitstudenten, die über ihre Diplomarbeiten brüteten, Literaturlisten für 50 DM verkauften. Mit ihrem Aufstieg bekam unsere überreglementierte und überbevormundete Branche einen Anflug von „German Dream“ als Gegenstück zum „American Dream“ wenn nicht zum „Silicon Valley“. Innovativ waren die Online-Informationsanbieter damals alle, aber Aschoff baute auf Zuruf neue Funktionen sofort ein, sobald ein größerer Kunde diesen Wunsch geäußert hatte. Peter Müller-Bader, der als einziger deutscher Aussteller auf dem National Online Meeting vertreten war, kehrte Anfang der 90er Jahre als erster aus den USA mit der unerhörten Botschaft zurück, dass wir alle eine Website im Internet bräuchten. Mit Müller-Bader, der sich nicht zu schade war, in seinen Präsentationen zum „Spaßvogel der Branche“ zu mutieren, konnte man über alles reden, man durfte ihm jederzeit widersprechen und man bekam immer ein klares „Ja“ oder „Nein“. Mit mindestens einem unserer gemeinsamen Projekte, dem „German Information Network“, sinnigerweise GIN genannt, erlitten wir Schiffbruch, aber am nächsten Morgen waren wir bereit für das Neue.

 

5) Die Kommunikationskultur aus der Gründerzeit bis heute erhalten. Blieb diese Mixtur aus Innovationsgeist, rasantem Aufstieg, Flexibilität und offener Kommunikationskultur erhalten, als die Online-Branche aus ihrer Pionierphase in die Zeit der Etablierung, Konzentration und Restrukturierung eintrat? Ja und nein. Im Wettbewerb der kleinen Entrepreneure gegen das „große Geld“ gewannen die Zwerge, aber dann machten die GBI-Gründer Kasse. Sie begaben sich in die Konzernabhängigkeit, die ihrerseits GBI und GENIOS fusionierten. Das blieb zunächst ein Sieg für die GBI, da die Belegschaft des neuen Unternehmens fast ausschließlich aus den Mitarbeitern der GBI bestand, die Geschäftsführung von Müller-Bader und Aschoff übernommen wurde, und in München blieb man sowieso. Wenn man heute die Räume der GBI betritt, kann man leicht ins Staunen geraten, wenn man die vielen neuen Gesichter sieht und wie viel doch von der alten Kommunikationskultur aus der Gründerzeit erhalten geblieben ist. Man kann noch immer mit allen über alles reden und man bekommt (fast) immer ein klares „Ja“ oder „Nein“.

 

6) Password sagt: „Danke!“ Password wurde von der Verlagsgruppe Handelsblatt nebenbei mitgegründet, als GENIOS-Wirtschaftsdatenbanken entstand. Es wurde 1997 an den Password-Redakteur, also an mich, verkauft, weil es noch immer nicht so groß wie die „Absatzwirtschaft“ war. Ohne GENIOS hätte es also diese Publikation nie gegeben. Mit der GBI verbindet mich eine einzigartige Partnerschaft, weil sie die einzige Einrichtung ist, über die ich 32 Jahre lang regelmäßig berichtet habe und mit der es keinen einzigen ernstzunehmenden Konflikt gab. Das hatte vor allem damit zu tun, dass die GBI auch kritische Anmerkungen niemals übelnahm und sogar bereit war, beispielsweise bei dem Einstieg in eine eigene Content-Produktion und in der Öffentlichkeitsarbeit von meinem Know how zu partizipieren.

 

Anzeige

 

7) Und jetzt die Jubiläumsfeier(n)! Was haben wir in den Pionierjahren der Branche viel innoviert und noch mehr gefeiert. Von letzterem sind nur das Datenbankfrühstück der GBI und – das hoffe ich doch! – die Jubiläumsfeiern der GBI übriggeblieben. Nach einer rauschenden Feier zum 10. Geburtstag machten wir alle bedröppelte Gesichter. Das Fest fand nämlich am geografischen Ursprung der GBI am Waldesrand statt, und nachts waren die Räuber gekommen und hatten all unsere Geschenke mitgenommen. Zum 20. Geburtstag hatte ich eine weinselige Runde auf der Frankfurter Messe zu moderieren. Auf dem Podium mit dabei waren zwei der einflussreichsten Würdenträger der Branche, die alles besitzen mochten, nur keinen Humor. Das war noch lustiger anzusehen als alles, was wir uns hatten vorstellen können.

 

Und 2018? Lassen wir uns überraschen, zumal das Jubiläumsjahr gerade erst begonnen hat.

Willi Bredemeier