ZB-MED: Die Selbstmobilisierung der Branche hat begonnen

Zum Abwicklungsbeschluss
gegen die ZB MED (1)

Die Selbstmobilisierung der Branche
hat begonnen

Die Selbst-Mobilisierung der Informationsbranche gegen den Abwicklungsbeschluss des Senates der Leibniz Gemeinschaft hat begonnen. Schon jetzt kann gesagt werden: Das läuft diesmal besser als die seinerzeitige Abwicklung von FIZ CHEMIE.

Im Folgenden eine Auswahl aus dem Fundus protestierender Stimmen. Open Password setzt die Berichterstattung über den Abwicklungsbeschluss gegen die ZB MED fort.

Zum Abwicklungsbeschluss
gegen die ZB MED (2)

Petition „Keep ZB MED – gegen
die Schließung von ZB MED“

Einrichtungen der Forschungsinfrastruktur
dürfen nicht mit Forschungsinstituten
verwechselt werden

Rudolf Mumenthaler hat gemeinsam mit Barbara Tribelhorn und Herbert Staudt eine Petition auf change.org gegen den Abwicklungsbeschluss des Senates der Leibniz-Gemeinschaft gegen die ZB MED gestartet. https://www.change.org/p/gemeinsame-wissenschaftliche-kommission-save-zb-med-gegen-die-schliessung-von-zb-med?recruiter=48671236&utm_source=share_for_starters&utm_medium=copyLink. Die Petition richtet sich an die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz. In der Begründung heißt es:  

Keep ZB MED – gegen die Schließung von ZB MED. Mit Bestürzung haben wir erfahren, dass der Senat der Leibniz-Gemeinschaft die Empfehlung für eine Beendigung der Förderung des Leibniz-Informationszentrums Lebenswissenschaften ZB MED (im Folgenden: ZB MED) aussprach. Der Senat nimmt dabei Bezug auf den Bericht der Evaluierungskommission und begründet damit seine Entscheidung. Wir haben diesen Bericht ebenfalls gelesen, können daraus jedoch keinesfalls einen Beschluss ableiten, die Förderung für ZB MED einzustellen und sie als überregionale Forschungsinfrastruktureinrichtung zu schließen.

Der durchaus kritische und differenzierte Bericht attestiert ZB MED große Fortschritte bei der Neuausrichtung ihrer Dienstleistungen und in der internen Organisation. Klaren Handlungsbedarf sehen die Experten bei der von der Leibniz-Gemeinschaft geforderten Ausrichtung auf Forschung. Hier zieht sich das Berufungsverfahren für die W3-Professur, die gleichzeitig das Amt des Direktors von ZB MED bekleiden soll, aus unterschiedlichen Gründen in die Länge. Diese im Wissenschaftsbetrieb durchaus nachvollziehbare Verzögerung zum Anlass zu nehmen, ZB MED zu schließen, finden wir ungerechtfertigt und unverständlich, zumal die Berufung unmittelbar bevor stand. Sie sollte noch in diesem Monat erfolgen. Die Evaluierungskommission hat klar gefordert, das Verfahren voranzutreiben und dann mit der Professur auch eine Forschungsstrategie zu formulieren. Es ist für uns sehr wohl nachvollziehbar, dass man die Formulierung der Forschungsstrategie der künftigen Professur nicht vorwegnehmen wollte, auch um das Feld der Bewerbungen möglichst offen zu halten.

Wir sind nicht damit einverstanden, dass man Forschungsinfrastruktureinrichtungen mit den gleichen Maßstäben evaluiert wie Forschungsinstitute. Hier verkennt der Senat der Leibniz-Gemeinschaft die Aufgaben und Anforderungen an Wissenschaftliche Bibliotheken. Sie spielen eine entscheidende Rolle bei der Aufbereitung und dem Verfügbarmachen wissenschaftlicher Information als Grundlage für wissenschaftliche Forschung. Ohne Bibliotheken würden Forschende noch stärker von kommerziellen Verlagen abhängig und erhalten je nach Forschungsstandort nur beschränkt Zugang zu aktueller Literatur, was ein großer Nachteil für den Forschungsstandort wäre.

ZB MED engagiert sich wie andere Bibliotheken stark für Open Access, zum einen mit einer eigenen Publikationsplattform, zum anderen mit Beratungsdienstleistungen für Forschende und mit der Aufbereitung offener Inhalte für ihr Discovery-Tool Livivo. Sie leistet wichtige Dienstleistungen zur Unterstützung von Forschung, zum Beispiel mit der Vergabe von DOI oder der Speicherung und Langzeitarchivierung von Forschungsdaten. Und natürlich sammelt und erschließt ZB MED weiterhin wissenschaftliche Literatur, über die sie als einzige Institution in Deutschland verfügt. Über Dokumentlieferdienste werden diese Inhalte sowie 2700 Fachzeitschriften, die ZB MED deutschlandweit im Alleinbesitz hält, allen Forschenden zugänglich gemacht, was gerade für Spezialdisziplinen von entscheidender Bedeutung ist, um mit der internationalen Forschung Schritt halten zu können.

Die Ergebnisse von Umfragen, u.a. einer umfassenden Marktstudie von ZB MED, belegen die Bedeutung dieser Dienstleistungen für den Wissenschafts- und Forschungsstandort Deutschland. Die Schließung von ZB MED würde dazu führen, dass der nach wie vor bestehende Bedarf über eine andere Organisation abgedeckt werden müsste. Die Mitarbeitenden von ZB MED haben es mit ihrer großen Veränderungsbereitschaft und außerordentlichem Einsatz für die Neuausrichtung verdient, diesen Auftrag weiterhin erfüllen zu dürfen.

Die Unterzeichnenden fordern die GWK auf, der Empfehlung des Senats der Leibniz-Gemeinschaft nicht zu folgen und ZB MED für eine weitere Periode zu fördern und die benötigten finanziellen Ressourcen bereitzustellen.

Zum Abwicklungsbeschluss
gegen die ZB MED (4) 

BAK macht mit
bei Mobilisierung der Informationsbranche

Auch ASpB für den Erhalt
der ZB MED

Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen,

leider müssen wir Sie darüber informieren, dass der Senat der Leibniz Gemeinschaft Ende letzter Woche entschieden hat, die Zentralbibliothek für Medizin abzuwickeln. …

Es gab schon einige Reaktionen in der Fachpresse, den Verbänden, auf Twitter und verschiedenen Blogs. Hier ein Auszug:

Willi Bredemeier: ZB MED wird abgewickelt, 18. März 2016:

Open Password: http://www.password-online.de/zb-med-wird-abgewickelt/

Rudolf Mumenthaler: Abwicklung der ZBMED beschlossen (mit inzwischen 3 updates), 18.-21. März 2016: http://ruedimumenthaler.ch/2016/03/18/abwicklung-der-zbmed-beschlossen/

medinfo – Informationen aus Medizin, Bibliothek und Fachpresse: ZB Med Köln vor dem Aus: Abwicklung bis 2019: http://medinfo.netbib.de/archives/2016/03/18/4727

Stellungnahme der ASpB, 21. März 2016 „Für den Erhalt der ZB MED“: http://www.aspb.de/fuer-den-erhalt-der-zb-med/

Mit freundlichen Grüßen Tania Estler-Ziegler (Vorstandsvorsitzende), Berliner Arbeitskreis Information (BAK)


ZB MED Abwicklung - das negative Echo in einer Zusammenfassung (1)

Zur Abwicklung von ZB MED (1)

119 Mitarbeiter schwer getroffen
Abwicklungsprozess bis 2018/2019

In der Nacht zum Freitag wandte sich der Direktor der ZB MED, Ulrich Korwitz, kurz vor Mitternacht (23.13 Uhr) an einen Teil der Informationsbranche und teilte ihm den Abwicklungsbeschluss des Senates der Leibniz Gemeinschaft mit:

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

es fällt mir sehr schwer, Ihnen das Folgende mitzuteilen, aber es muss sein:

Der Senat der Leibniz-Gemeinschaft hat soeben beschlossen, Bund und Ländern zu empfehlen, ZB MED ab 2017 nicht mehr gemeinsam zu fördern. ZB MED als von Bund und Ländern geförderte Einrichtung wird damit in spätestens 3 ½ Jahren abgewickelt werden. …

Die Entscheidung trifft alle 119 Kolleginnen und Kollegen in ZB MED schwer. Wir werden die Situation zusammen mit dem Ministerium in Ruhe analysieren und mögliche Konsequenzen betrachten. Der Abwicklungsprozess streckt sich bis mindestens Ende 2018, wahrscheinlich sogar bis Ende 2019 hin. Es wird Alternativen zum jetzigen Status geben.

Mit bestem Gruß Korwitz

Zur Abwicklung von ZB MED (2) 

Die Informationsversorgung wird sich
drastisch verschlechtern 

Wissenschaftler mit ihren Publikationswünschen
im Regen stehen gelassen 

Am Freitag wandte sich Ulrich Korwitz ein weiteres Mal an eine nunmehr breitere Öffentlichkeit:  

Mit großer Bestürzung hat ZB MED – Leibniz-Informationszentrum Lebenswissenschaften erfahren, dass der Senat der Leibniz-Gemeinschaft das Ende der Finanzierung durch Bund und Länder empfohlen hat. …

Begründet wird dies damit, dass es ZB MED in den vergangenen Jahren trotz einiger Teilerfolge nicht in dem notwendigen Maß gelungen sei, sich auf die erheblichen Veränderungen im Fachinformationswesen einzustellen.  In der Begründung durch den Senat der Leibniz-Gemeinschaft wird verkannt, dass sich ZB MED mit digitalen Angeboten auf dem nationalen oder internationalen Markt behauptet.

Die Nachricht kommt für alle 119 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter völlig überraschend und ist unverständlich. Noch im Juni 2015 hatte eine Bewertungskommission ZB MED sehr gute und gute Arbeit attestiert und Anregungen zur Stärkung der Forschungsaktivitäten gegeben. In gemeinsamer Berufung mit der Universität zu Köln war 2015 eine W3-Professur zur Leitung von ZB MED ausgeschrieben worden; das Berufungsverfahren ist weit gediehen und mit der Ruferteilung war Mitte März 2016 zu rechnen. Gemeinsam mit der Universität Bonn war eine W2-Professur für Wissenserschließung zur Ausschreibung gelangt; eine Ruferteilung war für Mitte April vorgesehen. Dieser Ausbau der Forschungsaktivitäten wird durch die Empfehlung der Leibniz-Gemeinschaft gestoppt. Insofern ist die Begründung für die Schließung von ZB MED völlig unverständlich.

In anderen Fällen hat man Instituten in gleicher Situation (Leitungswechsel) eine vierjährige Bewährungschance eingeräumt.ZB MED stellt mit seinen vielfältigen Aktivitäten die überregionale Informationsversorgung in den Lebenswissenschaften, vor allem der Medizin, sicher. Dies leistet ZB MED seit 43 Jahren mit großem Erfolg. 2.700 Zeitschriften befinden sich allein in ZB MED und sonst nirgendwo in Deutschland. Die Informationsversorgung wird sich mit der Abwicklung von ZB MED drastisch verschlechtern. Wie sich dies auf Wissenschaft, Forschung und Krankenversorgung auswirken wird, ist unabsehbar.

Das Schicksal von fruchtbaren Kooperationen mit wissenschaftlichen Gesellschaften und Forscherinnen und Forschern – ZB MED ist sehr erfolgreicher Open-Access-Publikationspartner – ist offen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler werden mit ihren Publikationswünschen im Regen stehen gelassen. Vor allem ist das berufliche Schicksal der 119 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ab 2017 ungewiss. Die meisten von ihnen werden vom Land NRW unterzubringen sein, leider gilt das aber nicht für alle. Mit der Einstellung der Förderung von ZB MED wird die Wissenschaftslandschaft in Deutschland um eine bedeutende und anerkannte Einrichtung ärmer…

Zur Abwicklung von ZB MED (3)

Open Password: Leibniz-Senat entscheidet
in ausdrücklichem Gegensatz
zu Empfehlungen seiner Bewertungskommission

Mumenthaler: Vorgaben der Evaluierung
von vornherein nicht zu erfüllen

Open Password berichtete, dass sich der Senat der Leibniz Gemeinschaft gegen die Empfehlungen seiner Bewertungskommission für eine Abwicklung von ZB MED entschieden hat. In einer ersten Analyse schrieben wir:

„Halten wir fest: Von fünf Programmbereichen werden vier mit „sehr gut“ oder „gut“ bewertet,, während für einen weiteren Programmbereich („derzeit noch im Aufbau“) zunächst keine Zensur vergeben wurde. Dies wird in einer Gesamtbeurteilung für die Programmbereiche 1 – 3 noch einmal ausdrücklich bestätigt (Seite 25):

„Der Direktor der ZB MED organisiert die Bearbeitung und Modernisierung des klassischen Kerngeschäfts sehr gut. Die ZB MED profitiert auch sehr von der hohen Kompetenz in den fünf Dezernaten.“

Demnach müsste die Weiterförderung der ZB MED sichergestellt sein, es sei denn, der Stand des Programmbereiches „Anwendungsorientierte Forschung und Innovation“ ist doch kritisch zu sehen und dieser Bereich ist wesentlich wichtiger als alle anderen Programmbereiche zusammen. Dieser Ansicht können die Mitglieder der Bewertungsgruppe unmöglich gewesen sein, zumal sechs von 13 Mitgliedern aus dem Bibliotheksbereich kommen und die Deutsche Nationalbibliothek sowie die Bibliotheken der Medizinischen Universität Wien und der Universitäten Dresden, Tübingen, Göttingen und Freiburg auch nicht und schon gar nicht ausschließlich nach ihren Forschungsleistungen bewertet werden.“

Mittlerweile regt sich die Informationsszene und sieht die bevorstehende Abwicklung der ZB MED ausschließlich kritisch.  Wichtige Beiträge stammen vom Rudolf Mumenthaler (HTW Chur) und Walther Umstätter (Berlin). Mumenthalers Schlussfolgerungen decken sich weitgehend mit den Beurteilungen von Open Password, während Umstätter nach den Folgen für die Informationswissenschaft fragt (http://ruedimumenthaler.ch/2016/03/18/ab

wicklung-der-zbmed-beschlossen/ – Internet in Bibliotheken vom Sonntag). Mumenthaler findet zu dem Beschluss des Senates der Leibniz Gemeinschaft erfreulich klare Worte. Er schreibt unter anderem:

„Die Vorgaben (aus dem letzten Evaluierungsprozess aus dem Jahre 2012) waren in der kurzen Zeit nicht zu erfüllen, und die Ausrichtung auf Forschung ist eigentlich Unsinn. … Mit diesen Argumenten könnte man wohl fast alle überregional ausgerichteten Bibliotheken abwickeln.“

Wir kommen auf diese Beiträge zurück.

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ZB MED wird abgewickelt

Der mittlerweile weit fortgeschrittene Abbruch

der Fachinformationseinrichtungen

setzt sich fort

 

Keine Fortsetzung der Förderung,

obgleich vier von fünf Arbeitsbereichen

rundum positiv bewertet wurden

 

Sollen nur Forschungsleistungen

für wissenschaftliche Bibliotheken relevant sein?

 

Der Senat der Leibniz Gemeinschaft hat heute entschieden, die Zentralbibliothek für Medizin abzuwickeln. Der mittlerweile weit fortgeschrittene Abbruch der Fachinformationseinrichtungen, die einmal einen deutschen Sonderweg in der Informationspolitik sicherstellen sollten, setzt sich fort.

 

Die Entscheidung des Senates steht im Widerspruch zu dem Bewertungsbericht seiner Gutachter. Damit drängen sich weitgehende Parallelen zu der seinerzeitigen Abwicklung des Fachinformationszentrums Chemie auf, als der Senat gleichfalls eine Weiterförderung im Widerspruch zu der eigenen Bewertungskommission ablehnte. Abermals gelangt der Senat zu seiner Entscheidung, weil er das Kerngeschäft von Fachinformationszentren und wissenschaftlichen Bibliotheken gering schätzt und die Weiterförderung praktisch ausschließlich von deren Forschungsleistungen abhängig macht. Das allerdings ist ein illegitimes Kriterium und wird daher nicht offen kommuniziert.

 

Begründet wird dies damit, dass es ZB MED in den vergangenen Jahren trotz einiger Teilerfolge nicht in dem notwendigen Maß gelungen sei, sich auf die erheblichen Veränderungen im Fachinformationswesen einzustellen.

Weitere Informationen dazu gibt es in der Pressemitteilung der Leibniz-Gemeinschaft

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Senat der Leibniz Gemeinschaft stellt sich abermals in ausdrücklichem Gegensatz zu den Bewertungen seiner Gutachter.

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Der Senat der Leibniz Gemeinschaft stellt sich mit seiner Entscheidung in einen ausdrücklichen Gegensatz zu den Bewertungen seiner Gutachter. Sehen wir uns deren Bewertungen nach den einzelnen Programmbereichen der ZB MED an:

 

ZB MED ist in fünf Programmbereiche gegliedert. Der Programmbereich 1 wird ab 2016 in zwei Förderbereiche aufgeteilt (1a und 1b).

 

Wie wurden diese (ab 2016 bestehenden) fünf Programmbereiche beurteilt? Dazu steht im Bewertungsbericht (Seite 11):

 

„Im PB 1a „Bestandsentwicklung“ werden die Arbeiten im Bereich der Bestandsentwicklung als „gut“ bewertet. Die zwei neuen Abteilungen „Lizenzen“ und „Digitale Langzeitarchivierung“ befinden sich noch im Aufbau.

 

Im PB 1b „Open-Access-Publizieren und -Beraten“ sind die Arbeiten rund um das neue Publikationsportal PUBLISSO angesiedelt, sie werden als „sehr gut“ bewertet.

 

Im PB 2 „Bereitstellung von Informationsdiensten“ wird das Suchportal LIVIVO betreut. Mit Blick auf die technische Architektur wird LIVIVO als „sehr gut“ bewertet. In Bezug auf die Marktpositionierung besteht jedoch noch Klärungsbedarf. …

 

Im PB 3 „Volltextversorgung“ werden die Arbeiten im Bereich der Volltextversorgung als „gut“ bewertet. Auf Grund der sinkenden Auftragszahlen in der Volltextversorgung (Dokumentenlieferung) wurden Personalkapazitäten frei, die ZB MED zum weiteren Ausbau des Bereichs der Digitalen Sammlungen genutzt hat. Daran anknüpfend wird ein Bereich Themenportale (interaktive Orte, die Wissen zu bestimmten Themenbereichen bündeln) aufgebaut. Die Arbeiten im Bereich der Digitalen Sammlungen und der Themenportale sind interessant und können als Keimzelle für weiterführende Projekte dienen. …

 

Der PB 4 „Anwendungsorientierte Forschung und Innovation“ befindet sich derzeit noch im Aufbau.“

 

Halten wir fest: Von fünf Programmbereichen werden vier mit „sehr gut“ oder „gut“ bewertet,, während für einen weiteren Programmbereich („derzeit noch im Aufbau“) zunächst keine Zensur vergeben wurde. Dies wird in einer Gesamtbeurteilung für die Programmbereiche 1 – 3 noch einmal ausdrücklich bestätigt (Seite 25):

 

„Der Direktor der ZB MED organisiert die Bearbeitung und Modernisierung des klassischen Kerngeschäfts sehr gut. Die ZB MED profitiert auch sehr von der hohen Kompetenz in den fünf Dezernaten.“

 

Demnach müsste die Weiterförderung der ZB MED sichergestellt sein, es sei denn, der Stand des Programmbereiches „Anwendungsorientierte Forschung und Innovation“ ist doch kritisch zu sehen und dieser Bereich ist wesentlich wichtiger als alle anderen Programmbereiche zusammen. Dieser Ansicht können die Mitglieder der Bewertungsgruppe unmöglich gewesen sein, zumal sechs von 13 Mitgliedern aus dem Bibliotheksbereich kommen und die Deutsche Nationalbibliothek sowie die Bibliotheken der Medizinischen Universität Wien und der Universitäten Dresden, Tübingen, Göttingen und Freiburg auch nicht und schon gar nicht ausschließlich nach ihren Forschungsleistungen bewertet werden.

 

Wir kommen auf den Abwicklungsbeschluss gegen die ZB MED zurück.

Ihr Statement zur Abwicklungsempfehlung der ZB MED? Wir freuen uns im Kommentarbereich über Ihre Meinung!

 

Über den Autor

Dr. Willi Bredemeier, Autor Fiction und Non-Fiction, ist seit dreißig Jahren Redakteur von Password. Derzeit stellt er Password, die Fachzeitschrift für die Informationsbranche im deutschsprachigen Raum, gemeinsam mit Partnern auf „Open Password“ – alles elektronisch und alles kostenfrei – um, um die Information Professionals mit einer umfassenden Plattform für Information und Kommunikation zu versorgen.


Die richtigen Schlüsse ziehen – LexisNexis, ein führender Anbieter von Global Media

Teil 5 der Video-Reihe „Herausforderungen bei der Informationsbeschaffung“

In unserer neuen Reihe der Video-Kurzinterviews mit Michael Krake, Geschäftsführer der LexisNexis GmbH, befassen wir uns mit verschiedenen Themen rund um die Informationsbeschaffung.

Im fünften Teil spricht Michael Krake über die Herausforderungen und das Potenzial von Global Media. Als Teilmenge von Big Data sind Global Media die Inhalte internationaler Medien, die frei und auch nicht frei verfügbar sind („Free Web" und „Deep Web"). Trotz der kaum zu überblickenden Menge an weltweit verfügbaren Informationen, sollte sich kein Unternehmen der Herausforderung entziehen, diese zu analysieren. Denn scheinen Global Media auf den ersten Blick nicht zu bewältigen zu sein, bergen Sie doch hervorragende Chancen, um auf der Basis umfassender Wirtschaftsinformationen fundierte Entscheidungen zu treffen.

 

Im Video erklärt Michael Krake, wie Sie Global Media strukturiert und effizient auswerten.


Recherche-Irrtümer: „Im frei zugänglichen Internet steht alles“

Weit verbreitete Irrtümer in der Recherche - Teil 2

„Im Internet steht alles!" Mit dieser Aussage werde ich immer wieder konfrontiert. Tatsächlich denken viele Menschen, dass im sogenannten Web, worunter man landläufig das frei zugängliche Internet versteht, alles oder nahezu alles zu finden sei. Weit gefehlt!

Tatsächlich ist nur ein Bruchteil der Informationen frei im Internet verfügbar. Der weitaus größere Teil verbirgt sich im sogenannten Deep Web. Dabei handelt es sich größtenteils um Datenbanken, die nicht jedem zugänglich und die auch von Suchmaschinen im freien Internet nicht zu finden sind. Der Zugang erfolgt über Spezialanbieter wie LexisNexis, die diese Inhalte lizensieren und so aufbereiten, dass sie über eigene Suchalgorithmen strukturiert und übersichtlich darstellbar sind. Anders als im frei zugänglichen Internet sind die Ergebnisse der Datenbankanbieter nicht durch Suchmaschinenoptimierung der Anbieter sowie das persönliche Benutzerprofil beeinflusst.

Gerade im Deep Web verbergen sich viele qualitativ hochwertige Informationen. Deren Quellen sind unter anderen Firmendatenbanken, Volltextveröffentlichungen von nationalen und internationalen Zeitungen, Zeitschriften und vielen weiteren Medien.

Weiter gehts auf dem LexisNexis Blog


Mauern überwinden Öffentliche Suchmaschinen fischen im kleinen Teich

„Niemand hat die Absicht eine Mauer zu errichten!" Mit dieser Lüge ging der ehemalige DDR-Staatschef Walter Ulbricht in die Geschichte ein, weil er zwei Monate später, am 13. August 1961, mit einer etwa 160 Kilometer langen Barrikade Berlin für 28 Jahre in zwei Teile trennte.

Niemand hat die Absicht – zumindest in demokratischen Staaten – eine Mauer im Internet zu errichten. Diesen Satz hat bislang kein prominenter Politiker gesprochen. Und das ist auch gut so, denn er wäre ebenso wenig tragbar, wie Ulbrichts Aussage vom 15. Juni 1961. Es gibt sie längst. Wer im „sichtbaren" Web (Free Web) über frei zugängliche Suchmaschinen recherchiert, sieht sie nicht und bewegt sich unbewusst auf Terrain, das keinen Zugang zum sogenannten Deep Web bietet.

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Was Rafael Ball wirklich sagen wollte

Aufruhr unter Bibliothekaren

Ist das alles richtig, aber nicht wichtig

und Much Ado about Nothing?

 

Von Willi Bredemeier

 

Rafael Balls Aussagen über das mögliche Ende des Buches und Bibliothekswesens unter anderem in der NZZ gehen in die dritte Woche, und noch immer sind der Stellungnahmen und der damit verbundenen Empörung unter den deutschsprachigen ansonsten zurückhaltend agierenden Bibliothekaren kein Ende. Dabei hat der Züricher Bibliotheksdirektor das Gleiche früher gesagt, unter anderem in dem 2013 erschienenen Buch „Was von Bibliotheken wirklich bleibt“ (Dönges & Frick), ohne dass es danach Ansätze eines Aufstandes gegeben hätte. Haben wir da etwas verpasst? Stephan Holländer hat in Open Password gefragt, ob es nicht wichtigere Themen gibt. Diesmal fragen wir, nachdem wir uns mit Balls Buch bewaffnet haben, sind seine Thesen zwar richtig, aber nicht wichtig?

 

Das Vorwort des Buches beginnt mit den Worten:

 

„Das Informationsmonopol der Bibliotheken ist gekippt. Niemand braucht die altehrwürdigen Institutionen noch wirklich. Längst lösen andere Monopole unsere Informationsbedürfnisse.“

 

Auf der gleichen Seite wird gefragt:

 

„Brauchen wir sie also tatsächlich nicht mehr? Was werden Bibliotheken morgen anbieten? Gelingt ihnen die Wende von der verstaubten Behörde zum modernen konkurrenzfähigen Dienstleister in der digitalen Welt der Informationsindustrie? Wie sollten sich Bibliotheken positionieren in einer Welt der permanenten Netzverfügbarkeit, der allgegenwärtigen Smartphones und Tablets?“ (Seite 9)

 

Hier haben wir in einer Nussschale wesentliche Elemente des gesamten Buches vor uns. Der Ton ist alarmistisch. Der oberflächliche Leser könnte meinen, das Ende der Bibliotheken sei nah (dabei geht es doch nur um das Ende der Bibliotheken als „altehrwürdige Institutionen“). Der Alarmismus ist sachlich insoweit gerechtfertigt, als sich die Bibliotheken angesichts ihrer rückläufigen Ressourcen und ihres unklaren künftigen Weges in einer Existenzkrise befinden. Er ist insoweit ungerechtfertigt, als das Stilmittel des Alarmismus häufig gewählt wird, um in der Rolle des Rebellen gegen uneinsichtige geschlossene Festungen im Diskurs anzutreten. Aber hier tritt Ball nur offene Türen ein, indem er sich nicht inhaltlich, sondern nur im Ton von seinen Kollegen absetzt. Scheinbar dazu sagt Ball an anderer Stelle:

 

„Insgesamt gilt es … unbedingt im Gespräch bleiben. Unsere Welt ist eine Medienwelt. Wer nicht wahrgenommen wird, existiert nicht. Wo der Diskurs nämlich Konkurs erleidet, werden sich Bibliotheken keine Chancen mehr geben (können)“ (Seite 105).

 

Hier könnte der bisherige Verlauf der Diskussionen um Ball dem Vorwort Recht gegeben haben.

 

Was die Fragen des Vorwortes angeht, die stellen wir uns alle. Das Buch würde unbefriedigend ausfallen, gäbe es dazu keine Antworten.

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Assoziative Status-quo-Beschreibungen von Problemlagen, die sich vorwiegend im Ton vom allgemeinen Konsens unterscheiden.

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Formal handelt es sich bei dem Buch um Essays, wenn nicht um „Snippets“, also um hingeworfene Kurzkommentare aus tagespolitischem Anlass für den raschen Konsum. Für Essays seien der assoziative Stil und die Wiederaufnahme der gleichen Melodien typisch?

Dann sollten wir uns fragen, ob wir Essays in der Diskussion über die Zukunft der Bibliotheken wirklich gebrauchen können. Benötigen wir nicht für eine angemessene Diskussion über die Zukunft der Bibliotheken einen Ansatz, mindestens eine viel versprechende These, die alles zusammenhält, damit wir im Overload der Zusammenhänge nicht untergehen und am Ende nicht vieles vorfinden, was irgendwie interessant sein könnte, aber unserer Sache – der Zukunft der Bibliotheken – nicht dient (wie die Verwendung des Sicherheitsbegriffes im Alten Rom oder die Impressionen zum Bibliothekssystem Singapurs)?

 

Hier ließe sich einwenden, diesen Ansatz gäbe es auch im weiteren Diskurs unter Bibliothekaren nicht. Zumindest habe sich ein solcher nicht durchgesetzt. Das ist richtig, aber zumindest setzt sich Ball hier nicht positiv vom Mainstream des Bibliotheksdiskurses ab.

 

Spätestens, wenn man zum gefühlten zwanzigstenmal erfährt, dass in der neuen Wissenschaftskommunikation Erkenntnisgewinnung und -verbreitung in realtime zusammenfallen, gerät der Rezensent in Versuchung, den erbosten Ton des Verfassers gegen ihn zu kehren. Die Essays und Snippets sind schlampig aneinandergereiht, soll heißen, eine redaktionelle und lektorierende Tätigkeit scheint außer dem Hinzufügen des Vorwortes nicht stattgefunden zu haben. Quellenangaben, wo das früher veröffentlicht wurde, fehlen auch. Während im Vorwort gesagt wird, dass aus Vereinfachungsgründen bei Personen der Gattungsbegriff gewählt wird, feiern die „Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler“ im späteren Buch und damit die Verhunzung der deutschen Sprache fröhliche Urständ – dies ein weiteres Indiz dafür, dass Ball weitaus konventionalistischer spricht als er unter seiner Tarnkappe des Rebellen vorgibt. Es fällt mir schwer zu glauben, dass ein solches Buch einen Verlag gefunden hätte, wenn der Verfasser nicht Direktor einer namhaften Bibliothek gewesen wäre oder keine vergleichbare Position innegehabt hätte.

 

Bei den Status-quo-Beschreibungen des Buches müssen wir nicht in die Einzelkritiken gehen, aus meiner Sicht stimmt das mehr oder minder. Aber es stellt auch mehr oder minder den allgemeinen Konsens dar. Warum dann dieser alarmistische und polemische Ton (es sei denn, dass man sich im Zeitalter des Information Overkill nicht anders zu Gehör bringen kann)? Nehmen wir als typisches Beispiel die Anwendungsorientierung der Wissenschaft:

 

„Die Gesellschaft will es sich nicht mehr länger leisten, Wissenschaft bedingungslos vor sich hin arbeiten zu lassen, sie verlangt zurecht Rechenschaft auch von jenen, die mit Steuergeldern die Fußnoten in den Briefen von König Ludwig analysieren und sie erwartet wieder zurecht, wie ich meine, dass sich die Wissenschaftler messen lassen mit vergleichbaren Maßstäben, die international anerkannt sind und nicht durch die undurchdringliche Selbstbestätigung der Inner Circles einer eingeschworenen Community, die sich permanent selbst bescheinigt, wie gut und hervorragend ihre Ergebnisse und wie fundamental ihre Forschungen für die Zukunft der Menschheit sind.“ (Seite 85)

 

Ja klar, dass meinen wir alle (obgleich wir das zurückhaltender formulieren würden). Aber ist es damit nicht auch trivial?

 

Und brauchen die Bibliotheken solche Status-quo-Analysen, wenn sie das alles selbst wissen? Der Laie wäre eine andere mögliche Zielgruppe, aber für ihn wäre ein Buch über Bibliotheken zu speziell und für ihn ist es auch – mit möglicher Ausnahme der Snippets – erkennbar nicht geschrieben. Und sollten wir nicht von einer Publikation erwarten, dass sie uns Aha-Effekte, will sagen, Neuheiten beschert?

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Anstelle praktischer Lösungen für Bibliotheken phrasennahe inhaltsarme wohlklingende Aufforderungen.

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Meine Hauptkritik an Rafael Ball lautet jedoch, dass er uns nicht weiterbringt. Weder stellt er konkrete Lösungen für die angesprochenen Probleme vor noch beschreibt er Beispiele, wie einzelne Bibliotheken aktuelle Herausforderungen überzeugend bewältigen. Vielmehr beschränkt er sich häufig auf Fragen, listet also auf, was der Autor ansatzweise beantworten sollte. Oder er beschränkt sich auf phrasennahe inhaltsarme gut klingende Aufforderungen, wie wir sie aus der Managementliteratur kennen, zum Beispiel:

 

„Der freie Zugang zu wissenschaftlicher Literatur bedeutet einen Paradigmenwechsel in der Wissenschaftskommunikation. Und deshalb ist es ganz besonders wichtig, jetzt im Gespräch zu bleiben, die Bedürfnisse aller Akteure abzustimmen sowie Prozesse und Geschäftsmodelle zu entwickeln, die das Know-how und die Kompetenzen aller Beteiligten konstruktiv in die neue Situation einbringen.“ (Seite 83)

 

Ja klar, lasst uns mal alle miteinander reden. Und dabei muss es vor allem „modern“ unter uns zugehen, nicht wahr?

 

Dabei ist dem Autor zuzugestehen, dass der künftige Weg der Bibliotheken in Teilen dunkel ist und nicht alle Fragen beantwortet werden können (was der Autor auch sagt und beschreibt).

 

Aber bei einem Buch von 203 Seiten muss es doch Ausnahmen geben, auf die die hier geübte Kritik nicht zutrifft? Dazu habe ich dieses Zitat gefunden:

 

„Die Bibliothek der Zukunft muss zum Mehrwertdienstleister mit kritisch-krisischer Kompetenz werden, dem es im Sinne eines Customer Relations Managements gelingt, mit wirklichen Mehrwerten aus zufriedenen loyale Kunden und Unterhaltsträger zu machen. … Wie einfach wäre es, Wissenschaftlern und Studierenden attraktive, individualisierte Angebote über Neuerwerbungen zukommen zu lassen und sie über verwandte und ähnliche Titel und Treffer einer Datenbank zu informieren. … Da muss auch jede noch so gut gemachte One-to-One-Marketingstrategie auch wirklich gut gemacht und vor allem individuell treffend sein.“ (Seite 111f.)

 

Nun ist der Transfer von Personalisierungsstrategien auf den Bibliotheksbereich nicht unbedingt eine intellektuelle Großtat. Aber die Idee ist vielversprechend und kann funktionieren. Aber wenn man meint, jetzt mehr über Personalisierungsstrategien im Bibliotheksbereich zu erfahren, wird damit abgespeist, dass eine „One-to-One-Marketingstrategie … wirklich gut gemacht“ sein müsste. Aber sicher, was denn sonst?

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Auch Kritik am Diskurs unter Bibliothekaren? Oder Freude darüber, dass sie ihren Mund aufmachen können?

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Und eine weitere Frage: Wenn sich das Bibliothekswesen derart über Rafael Ball aufregt, müsste man dann die Kritik nicht auch gegen den Diskurs im Bibliothekswesen wenden? Ich für meinen Teil meine, dass es gut ist, wenn die Bibliothekare unter Beweis gestellt haben, dass sie sich aufregen können. Das ist immerhin ein Anfang.

 

In der Wissenschaftstheorie scheint mir unumstritten, dass es nicht ausreichend ist, Hypothesen zu falsifizieren. Vielmehr sollte man, um eine These abschaffen zu können, eine überlegene Alternative vorstellen. Dann bemühe ich mich mal um einen innovativen Vorschlag. Wir müssen nach Wegen suchen, Thesen auch dann zur Kenntnis zu nehmen, wenn sie nicht von Trägern höherer formaler Positionen stammen. Ein guter Schritt wäre getan, wenn wir unsere persönlichen Eitelkeiten aufgäben und den Namen in der Autorenzeile durch drei Sterne ersetzten.

Über den Autor

Dr. Willi Bredemeier, Autor Fiction und Non-Fiction, ist seit dreißig Jahren Redakteur von Password. Derzeit stellt er Password, die Fachzeitschrift für die Informationsbranche im deutschsprachigen Raum, gemeinsam mit Partnern auf „Open Password“ – alles elektronisch und alles kostenfrei – um, um die Information Professionals mit einer umfassenden Plattform für Information und Kommunikation zu versorgen.