Breaking News - Dienstag, den 2. Februar 2016

DIMDI – ZB MED

Recherchen nach Informationen
im Bereich Lebenswissenschaften

Der einstige Pionier der Fachinformationsbranche
gibt alle Literaturdatenbanken auf

Der Dienstleister des Gesundheitsministeriums
konzentriert sich künftig auf Fakten

ZB MED wird zentraler Ansrpechpartner
für Recherchen
im Bereich der Lebenswissenschaften

Ulrich Korwitz: „ZB MED prüft, welche Datenbank
sie in Livivo übernehmen kann“

Ab 2017 konzentriert DIMDI (Köln) sein Datenbankangebot auf medizinische Fakten und nimmt seine Literaturdatenbanken aus dem Programm. Damit setze es, so der bisherige Informationsanbieter, Ressourcen frei, um seine gesetzlich begründeten Informationsaufgaben ausbauen zu können. Weiterhin anbieten und weiterentwickeln will DIMDI seine Informationssysteme und Datenbanken zu Arzneimitteln, Medizinprodukten, medizinischen Begriffssystemen, Versorgungsdaten und Health Technology Assessment. Neue zentrale Anlaufstelle für Recherchen im Bereich der Medizininformationen oder allgemeiner der Lebenswissenschaften wird ZB MED.

DIMDI begründet die Umstrukturierung seiner Produktpalette mit seinem „erheblichen Zuwachs an gesetzlichen Aufgaben in den letzten Jahren“. Datenbanken werde es nur noch im Rahmen der gesetzlich begründeten Informationssysteme anbieten. Zum Jahresende 2016 nimmt das Institut daher mit Ausnahme von DAHTA, GMS und GMS Meetings alle Literaturdatenbanken aus seinem Angebot. Die elektronische Literaturversorgung für die Medizin ist ab 2017 bei der ZB MED konzentriert.
Die Chancen, ein ganz großer Informationsanbieter zu werden, durften nicht aufgegriffen werden.

Die Aufgabe der Literaturdatenbanken bei DIMDI stellt einen Bruch in der Entwicklung der (Fach-)Informationsbranche dar. In den Pionierjahren der Branche gab es Literaturdatenbanken und sonst nichts. DIMDI war einer der ganz großen Pioniere der Informationsbranche, der sich im Prestigewettbewerb mit anderen Fachinformationszentren immer wieder mit der Einführung neuer Funktionen als erster auf dem deutschen Markt hervortat. Dazu vertrieb DIMDI die großen internationalen Medizininformationsdatenbanken wie MEDLINE auf dem deutschen Markt, dies in Konkurrenz mit den privaten internationalen Anbietern.

Die Chance, ein ganz Großer im Bereich der Medizininformation zu werden, indem DIMDI in den damals noch nicht besetzten Bereich der Medizininformation und -beratung für tatsächliche und potenzielle Patienten vorzustoßen – eine Möglichkeit, die ich in den 80er Jahren wiederholt mit dem damaligen Geschäftsführer des DIMDI diskutiert habe -, blieb dem Anbieter als nachgeordnetes Institut des Bundesgesundheitsministeriums versagt.  Dies führte auch dazu, dass sich das Aufgabenprofil in den letzten Jahren immer stärker in Richtung höchstspezialisierter Aufgaben, die in den Augen des Ministeriums hochrelevant, für die Branche jedoch von geringerer Bedeutung waren, verschob. Auf der anderen Seite rückte das ZB MED mit immer neuen innovativen Projekten stärker ins Zentrum der Informationsbranche und der Informationsinfrastruktur.

DIMDI werde  auch künftig von seinen Erfahrungen mit Literaturdatenbanken profitieren, sagt der Anbieter. Denn es behalte „mit seinen Informationssystemen eine aktive Rolle als Anbieter medizinischer Datenbanken und baut diese sogar aus: So bietet sein jüngstes, noch im Ausbau begriffenes System mit Versorgungsdaten der gesetzlich Versicherten für die Forschung ganz neue Möglichkeiten, das Versorgungsgeschehens im Rahmen der Versorgungsforschung und für Steuerungsaufgaben zu analysieren.“

Medizinrecherche: zentral bei der ZB MED

DIMDI weiter: „Die ursprüngliche Trennung zwischen elektronischer Information in Literaturdatenbanken und der papiergebundenen Form in Bibliotheken ist im Laufe der Jahre mehr und mehr verschwunden. Der langjährige DIMDI-Partner ZB MED – Leibniz-Informationszentrum Lebenswissenschaften hat zunehmend auch elektronische Angebote übernommen, einige Datenbanken hatte das DIMDI schon vor Jahren für dessen Suchportal LIVIVO zugänglich gemacht. Heute bündelt die ZB Med beide Aufgaben und ist damit für Deutschland der zentrale Anbieter für Literatur aus den Lebenswissenschaften. Dort sind auch einige der künftig beim DIMDI nicht mehr angebotenen Datenbanken verfügbar, beispielsweise MEDLINE, aber auch Psyndex und Ethmed, die bisher nur beim DIMDI recherchierbar waren.

Dazu der Leiter von ZB MED, Ulrich Korwitz, zu Password: „ZB MED prüft, welche Datenbank sie in Livivo übernehmen kann.“

Originäre Daten weiterhin beim DIMDI

Neben den oben genannten Informationssystemen und Datenbanken betreibt das DIMDI auch künftig seine originären Datenbanken und Register wie im Portal PharmNet.Bund (Arzneimittelinformationen des Bundes und der Länder) oder das Register mit Objekt-Identifikatoren für den Bereich „Deutschland Gesundheitswesen“. Im Programm bleiben weiter spezielle Datenbanken für begrenzte Nutzerkreise (insbesondere Behörden).

Folgende Datenbanken entfallen ab 2017:
•         BIOSIS Previews
•         Cochrane-Datenbanken (CCTR, CDSR, CDAR, INAHTA, NHSEED)
•         CAB Abstracts
•         Global Health
•         EMBASE/EMBASE Alert
•         Ethmed
•         ISTPB + ISTP/ISSHP
•         MEDLINE
•         PsycInfo
•         Psyndex
•         SciSearch

Ergänzende Informationen auf der DIMDI-Website:
•    Datenbank-Informationen (mit Kontaktangaben zu Herstellern)
•    Informationssystem Arzneimittel
•    Informationssystem Medizinprodukte
•    Informationssystem Versorgungsdaten
•    Informationssystem HTA
•    PharmNet.Bund
•    OID-Register

Weitere Informationen im Web:
•    Portal PharmNet.Bund
•    LIVIVO (Portal der ZB Med)

Herausgeber:
Password Redaktionsbüro
Dr. Willi Bredemeier
Erzbergerstraße 9-11
45527 Hattingen

Tel: (02324) 67009
E-Mail: w.bredemeier@password-online.de
Web: www.password-online.de

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Password-Nachrichten - Montag, den 1. Februar 2016

Informationswissenschaft Düsseldorf - Informationswissenschaft Deutschland - 
Walther Umstätter - AStA Universität Düsseldorf - Isabella Peters - 
Europäische Kommission - Altmetrics

Informationswissenschaft

Schließung der Informationswissenschaft
schreitet seit Jahrzehnten voran

Wenn die Informationswissenschaft
nicht fundamental aufgebaut wird,
macht der Letzte hier bald wirklich das Licht aus

Mittlerweile haben praktisch alle regelmäßigen Autoren von Password gegen die beabsichtigte und von der Philosophischen Fakultät der Universität Düsseldorf durchgewunkene Schließung der Düsseldorfer Informationswissenschaft Stellung bezogen. Password-Autor Walther Umstätter setzt den Vorfall in die allgemeinere Entwicklung des jahrzehntelangen Niederganges der Informationswissenschaft nach Stellen und Finanzierung und fürchtet um die Existenz der gesamten Disziplin. Wir übernehmen seinen Beitrag aus „Internet in Bibliotheken“.

 „Für diejenigen Informationsspezialisten, die es inzwischen vergessen haben sollten: Die Schließung der Informationswissenschaft schreitet in Deutschland seit Jahrzehnten voran. Nachdem die Nachfolge von Wersig an der FU Berlin, die von R. Kuhlen in Konstanz, die von H. Zimmermann in Saarbrücken, oder auch die von P. Kaegbein in Köln gestrichen war, ist nun die von W. Stock in Düsseldorf virulent. Auch die Streichung der Dokumentation in Potsdam ist nicht zu vergessen.

Siehe auch. die Schule für Medizinische Dokumentation in Ulm.

Ich entsinne mich noch gut daran, dass P. Kaegbein nach dem Mauerfall noch viel Kraft in den Neuaufbau des Instituts für Bibliotheks- und Informationswissenschaft der HU-Berlin gesteckt hatte, und dass ich, nachdem ich bei diesem Neuanfang zufälligerweise die erste berufene Professor an der HU inne hatte, den Dekan der Philosophischen Fakultät. I 1994 besuchte, um mir bereits anzuhören, dass nun wieder Stellenstreichungen im Gange waren. Was lag für die Fakultät näher, als ein Institut zu streichen, das noch gar nicht vollständig besetzt war. Danach waren wir, bis zu meiner Emeritierung 2006 vorwiegend damit beschäftigt, alles zu tun, um dieses Institut zu retten. Als gäbe es nichts Wichtigeres in der Informationswissenschaft zu tun. Es gab damals viele, die uns halfen, so wie auch Prof. E. Mittler, der die Neubesetzung durch Prof. M. Seadle sehr professionell erreichte. Danach kamen noch Prof. P. Schirmbacher und Prof. V. Petras hinzu. Trotzdem kann man sich nicht sicher sein, ob dieses Institut auf längere Sicht in trockenen Tüchern ist.

Es gehört mit zu der aktuellen Diskussion „Sind Universitäten unregierbar?“, dass der Ausbau von Hochschulen, oder auch die Streichung von Instituten keine Frage der inhaltlichen Diskussion sind, sondern fast ausschließlich aus taktischen Erwägungen entspringen. Was lässt sich mit dem geringsten Widerstand streichen? Ab wann sind Studentenunruhen zu erwarten? Es ist auch gleichgültig, wie viele iatrogene Schäden die Medizin und die Pharmazie jährlich erzeugt, ihre Lobby sorgt für ungebremstes Wachstum bei den Versicherungen.

Ich entsinne mich, dass sich unser Dekan, bei seinen Streichungsüberlegungen vehement dagegen verwahrte, dass sich Außenstehende in seine Entscheidungsfindung einmischen wollten. Dazu pickte er sich auch gern Argumente von Briefschreibern heraus, die er anhand ihres mangelhaften Insiderwissens lächerlich machen konnte, um damit auch unsere Bemühungen wenn möglich ins Lächerliche zu ziehen. Ich vermute, dass die Entscheidungsträger in Düsseldorf auch auf ihre „Informationswissenschaft und Sprachtechnologie“ verweisen werden.

Ein Argument, unser Institut zu schließen, war damals auch, dass der hohe Praxisbezug eine Aufgabe der Fachhochschule in Potsdam sei. Insofern sollten Informationswissenschaftler, die den hohen Praxisbezug betonen, der ja unzweifelhaft besteht, vorsichtig sein, wenn sie dabei das informationstheoretische Fundament der Informationswissenschaft vernachlässigen.www.welt.de/print-welt/article332009/Information-ist-neben-Materie-und-Energie-die-oft-vergessene-dritte-Saeule-der-Physik.html

Es würde mich zwar freuen, aber auch wundern, wenn sich an den bevorstehenden Beschlüssen in Düsseldorf argumentativ noch so rasch etwas ändern ließe und ob genug Studierende dafür auf die Straße gehen, ist fraglich.

Auch die Resonanz hier in Inetbib lässt noch nicht erhoffen, dass es einen Aufschrei der Empörung geben wird. … Schon kurz nach dem IuD-Programm hatte die Bundesrepublik Deutschland aufgegeben, der dokumentarischen Vormachtstellung der USA Paroli zu bieten. Während man hierzulande diskutierte, ob es Digitale oder Hybride Bibliothek heißen sollte, hat man im Digital Library Programm der USA Google aus der Taufe gehoben. Schon am Beginn des Internets erkannte das US-Amerikanische Militär welches Potential im Internet (Arpanet) steckte, während man hier Jahrzehnte danach über die Enthüllungen von E. Snowden Erstaunen demonstrierte.

Alle beklagen die Monopolstellung von Google, und der Kollege D. Lewandowski versucht ja auch mit einem konstruktiven Vorschlag zu seinem freien Web-Index Abhilfe zu schaffen, aber wenn die Informationswissenschaft ab- und nicht fundamental aufgebaut wird, macht der Letzte hier bald wirklich das Licht aus.

MfG Walther Umstätter“

#saveIWS 

Studierende und AStA nicht oder zu spät
von Düsseldorfer Schließungsplänen informiert

Hätten die Studenten der Informationswissenschaft bereits vor zwei Monaten von
den Schließungsplänen zu den Informationswissenschaften in Düsseldorf wissen können? Glaubt man dem Kommentar auf dem Hochschulradio unter so liegt es am
Desinteresse der Studierenden, die AStA-Veranstaltungen zu besuchen.

Kommentar Hochschulradio: http://hochschulradio.de/politur-am-donnerstag-28-januar/

Die AStA stellt den Kommentar der unter den Studierenden für sehr viel Ärger
sorgte auf Facebook klar: „An dieser Stelle, möchten wir auch betonen, dass wir nicht eher über die Schließung der Informationswissenschaften Bescheid wussten. Wir wussten nur
von den unkonkreten Plänen, die aber schon seit Jahren bestanden haben.“
https://www.facebook.com/AStAHHU/posts/10153433527890292

Isabella Peters

Empfehlungen für ein Bewertungssystem
jenseits des Impact Factors

Password-Autorin Isabella Peters wurde von der Europäischen Kommission als Mitglied der High Level Expert Group „Expert Group on Altmetrics“ berufen (Generaldirektion Forschung und Innovation).

Die sechs Mitglieder der EU-Expertenkommission sollen Vorschläge für ein alternatives Bewertungssystem wissenschaftlicher Arbeit jenseits des quantitativen zitationsbasierten Impact Faktors erarbeiten. Isabella Peters ist Wissenschaftlerin am ZBW und Professorin für Web Science an der Uni Kiel.

Herausgeber:
Password Redaktionsbüro
Dr. Willi Bredemeier
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E-Mail: w.bredemeier@password-online.de
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